Freitag, 12. Januar 2018

Was ist... eine Value Trap?

Herausragende Erfolge an der Börse feiert man, wenn es einem gelingt, Aktien zu einem Kurs deutlich unterhalb ihres wirklichen Werts zu kaufen und auf den Kursanstieg zu warten, der irgendwann fast zwangsläufig erfolgt, wenn an der Börse diese Unterbewertung registriert und dann abgebaut wird. Nun liegt es allerdings in der menschlichen Natur, lieber mit der Herde zu ziehen, als sich gegen den Strom zu stellen. Durch die Börsenbrille betrachtet, agieren Anleger eher wie Lemminge als wie Leitwölfe. Und daher schneiden sie beim Stock-Picking zumeist noch schlechter ab als die Profis. Es ist halt einfacher, den angesagten Aktien hinterherzulaufen, als sich für die hässlichen, ungeliebten Mauerblümchen zu erwärmen.

»Value Investoren sollten bei den hässlichen, versteckten und unbeliebten Aktien suchen.«
(Bruce Greenwald)

Dabei sind gerade sie es, die außergewöhnliche Renditechancen versprechen. Wenn man denn nicht voll ins Drecksloch greift, genauer gesagt, in eine Value Trap tritt. Doch was ist so eine Wertfalle und wie erkennt man den Unterschied zwischen weitgehend wertlosem Aktien-Katzengold und dem wirklichen Aktien-Goldfund?

»Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten: kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cents dafür.«
(Warren Buffett)

Es geht also darum, Aktien unterhalb ihres fairen Wertes zu kaufen, für den Dollar also nur 50 Cents zu bezahlen. Das Problem dabei ist, dass es echte und falsche Dollars gibt, dass werthaltige Aktien gibt, die Ausverkaufspreisen angeboten werden, und solche, die nur nach Substanz und stillen Reserven aussehen, sich bei näherer Betrachtung jedoch als Luftnummern entpuppen. Und genau das sind die "Value Traps", die es zu meiden gilt, also Aktien, die auf den ersten Blick als klassische Value Investments erscheinen, also eine niedrige Bewertung und ggf. attraktive Dividendenrendite aufweisen, aber operativ auf raue See zusteuern. Wodurch ihre Margen und die Gewinne unter Druck geraten können und die Dividendenausschüttungen nicht mehr verdient, sondern aus der Substanz, den Rücklagen, ausgeschüttet werden müssen. Sinkende Kurse bis hin zur Insolvenz können die Folge sein, wenn das Unternehmen nicht operativ die Kehrtwende schafft.

Aber auch Sonderfaktoren können zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. So gibt es sehr konjunkturabhängige Branche und diese erleben immer wieder aufs Neue starke Schwankungen in der Geschäftsentwicklung. Wie die Stahlbranche oder die Chipbranche, wo auf Zeiten hoher Investitionen und Nachfrageflauten mit entsprechend niedrigen Margen und Gewinnen Phasen mit geringen Investitionen, Nachfrageboom und entsprechend hohen Gewinnen folgen. Wer diese hohe Gewinne auf der Spitze des Zyklus dann einfach linear in die Zukunft fortschreibt, wird sein kursmäßiges Waterloo erleben, wenn die Gewinne absehbar wieder zurückgehen und der Kurs ebenso in den Abgrund rauscht.

Achte auf Einmaleffekte
Doch auch in nicht-zyklischen Branchen gibt es Unternehmen, deren Gewinn- und Verlustrechnung in einem Jahr durch Einmaleffekte dominiert wird. Wenn also ein hoher Verkaufserlös, zum Beispiel eines Grundstücks, zu einem hohen Jahresgewinn führt, dann darf man sich hier nicht blauäugig durch das optisch niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis täuschen lassen, denn schon im Folgejahr tritt ein solcher Einmaleffekt nicht wieder auf und der Gewinn und folglich auch das KGV kehren auf Normalmaß zurück. Hier sollte der Anleger also Vorsicht walten lassen und lieber beim umgekehrten Effekt genauer hinsehen. Denn es gibt natürlich auch negative Sondereffekte, die die Bilanz kräftig verhageln und nicht selten zu einem Kursmassaker führen. Und genau hier lauert die Chance, wenn nämlich ein Einmaleffekt einen Kurssturz auslöst und man die Aktien eines ansonsten soliden und gewinnträchtigen Unternehmens zu Ausverkaufskursen an der Börse einsammeln kann. Der Einmaleffekt, wie z.B. eine Sonderabschreibung oder die Verschiebung eines Großauftrags, wird nämlich bilanziell verarbeitet und danach heißt es Mund abwischen und nach vorne blicken. Denn dort präsentiert sich das Unternehmen weiterhin als solide und ertragsstark - der Wert des Unternehmens hat sich wenig bis gar nicht geändert, wohl aber sein Kurs. Und so mag hier eine Lücke klaffen zwischen Wert und Preis, die es einem ermöglicht, den Dollar zu weit weniger als 100 Cents zu kaufen. Und gerade dann sollte man zuschlagen.

Value Traps zu vermeiden ist also nicht ganz einfach, denn sie sind nicht immer sofort als solche zu erkennen. Und es wäre ein Trugschluss zu glauben, sie würden einem nur bei Nebenwerten über den Weg laufen, denn jede Aktie kann sich als Value Trap entpuppen. Ein Blick auf die Langfristcharts der einstigen DAX-Highflyer RWE oder Commerzbank dürfte einem völlig reichen, im doppelten Sinne. Man kommt letztlich nicht umhin, sich mit dem Unternehmen genauer zu beschäftigen, sich also die letzten Unternehmensmeldungen vorzunehmen und auch die Geschäftsberichte bzw. Quartalsmeldungen. Und sich ein fundiertes Bild von der Lage des Unternehmens zu bilden. Hierbei hilft es auch, das Unternehmen mit seinen Wettbewerbern aus der gleichen Branche zu vergleichen und so auch eine relative Unter- oder Überbewertung feststellen zu können.

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