Montag, 7. Mai 2018

Warum ich mich an der Börse öfter mal bremsen muss. Und wie...

Es gibt viele Börsenweisheiten und Bonmots berühmter Investoren und doch stelle ich leider viel zu häufig im Nachhinein fest, dass ich eine ganz entscheidende mal wieder nicht beherzigt habe: cool bleiben. Das ist ärgerlich und nicht selten kostet mich das Geld, weil ich entweder total auf's falsche Pferd gesetzt habe, oder mich mit einem Investment einfach nicht wohl fühle. Und es deshalb verkaufe, mit den entsprechenden Folgen wie Gebühren und Spesen und, im besseren Fall, mit Steuern auf den Gewinn.

Grundsätzlich sollte man langfristig investieren und nicht schnell kaufen und verkaufen. Denn dieses schnelle Hin- und Her ist einer der meist begangenen Anfängerfehler und einer, den man sich noch am einfachsten sparen kann. Man muss schlicht bei der Auswahl seiner Investments behutsamer vorgehen, sich selbst ein wenig bremsen. Mehr braucht es nicht.

»Hat man eine schlaflose Nacht wegen eines Börsenengagements, soll man es sofort auflösen.«
(André Kostolany)

Wenn ich eine Aktie analysiert habe, mir also die Geschäftsberichte der letzten Jahre angesehen und die Bewertung überprüft habe, dann steht am Ende der Mühen oft die Kaufentscheidung. Denn naheliegenderweise treffe ich bereits eine Vorauswahl und suche nach Unternehmen, die in einem Geschäftsfeld tätig sind, das ich verstehe und bei denen ein erster Blick auf die Kennzahlen, wie KGV, Cashflow oder Dividendenrendite eine tiefer gehende Analyse lohnenswert erscheinen lassen.

Natürlich ist es falsch, sich mit dem Kauf einer Aktie für die Mühen des Analysierens dieses Unternehmens zu belohnen. Selbstverständlich sollte man nur dann eine Aktie erwerben, wenn am Ende der Analyse auch objektiv alles für einen Kauf spricht. Und nicht nur ein bisschen oder eben subjektiv, weil man vielleicht schon von vornherein voreingenommen war. Immerhin hat man sich ja eine viel versprechende Aktie ausgesucht und dann viel Zeit und Mühe in die Analyse gesteckt.


Und trotzdem... zu oft entscheide ich mich noch immer subjektiv für ein Investment. Mit der Folge, dass ich mich dann irgendwann nicht mehr richtig wohl damit fühle. Und dann konsequenterweise wieder aussteige. Unter dem Strich, ob es nun ein Gewinn- oder ein Verlustgeschäft war, hätte ich mir sowohl den Ankauf als auch den Verkauf sparen sollen! Gefreut hat sich in jedem Fall mein Broker, der hat zweimal kassiert, ob ich nun Geld mit dem Deal verdient oder verloren habe.

»Ich versuche nie, mit Aktien Geld zu verdienen. Ich kaufe in der Überzeugung, dass die Börse am nächsten Tag auch für fünf Jahre schließen könnte.«
(Warren Buffett)

Weil ich mir also bezüglich meiner eigenen Entscheidungen nicht wirklich über den Weg trauen kann, habe ich mir angewöhnt, mir am Ende des Analyseprozesses, also quasi direkt vor dem Absenden der Kauforder, noch einmal die entscheidende Frage zu stellen: "Will ich diese Aktie fünf Jahre lang behalten? Will ich fünf Jahre lang Miteigentümer dieses Unternehmens sein, Partner dieser Leute?"

Es klingt profan, aber das ist es nicht. Denn durch das bewusste Beschäftigen mit dieser Frage schaffe ich mir einen Kontrapunkt zu dem Wunsch, endlich meine Überlegungen an der Börse auszuprobieren. Denn hier kommt mein Spielnaturell durch, der Wunsch nach "Action", nach Aktivität, dieses Gefühl, das einen Spekulanten von einem Investor unterscheidet - und das mir immer wieder mal Stöcke zwischen die Beine wirft.

»Ich würde Spekulation als Handel definieren, der sich sehr auf die Kursausschläge einer Aktie konzentriert, weil man zum Beispiel denkt, dass die Quartalszahlen sehr gut ausfallen werden oder es einen Aktiensplit geben wird oder die Dividende steigt. Aber man schaut sich nicht die Anlage und die dahinterstehende Bilanz selbst an.«
(Warren Buffett)

Ich überlege also, ob die Bewertung und die guten Geschäftsaussichten des Unternehmens ausreichen, dass ich denen für fünf Jahre mein Geld überlassen und mich dann um dieses Investment nicht mehr kümmern würde. Gerade so, wie Buffett es beschreibt: als wenn die Börse fünf Jahre schließen würde. Und dieser Gedanke bringt mich zwangsläufig zu einem Aspekt, der ganz wichtig ist, aber eben auch schwierig zu beurteilen - und der daher zu oft hinten runter fällt: das Management.

»Good business, good management, good price.«
(Warren Buffett)

Buffett legt extrem großen Wert auf das Management, seinen Charakter, seine Fähigkeiten. Nur wenn er überzeugt ist, dass diese Leute ehrlich sind und fähig, nur dann vertraut er ihnen sein Geld an. Und diese Überlegung sollte auch für einen normalen Investor, der langfristig Investieren will, eine ganze entscheidende sein. Glaube ich, dass das Management dieses Unternehmen durch Krisen steuern kann, dass es sich anzupassen versteht, die Herausforderungen angeht und trotzdem bodenständig genug ist, im Sinn des Unternehmens zu handeln, nicht (nur) im eigenen? Möchte ich Geschäftspartner von diesen Leuten sein?

Wenn ich diese Fragen nicht oder nicht mit "Ja" beantworten kann, dann sollte ich nicht, nein, dann darf ich nicht in dieses Unternehmen investieren! Obwohl es sich vielleicht finanziell auszahlen würde, das kann durchaus sein. Aber für mich ist es nicht das richtige Investment, denn ich werde mir über kurz oder lang die Frage stellen, ob ich mich damit wohl fühle. Ob ich glaube, dass das Problem X für das Unternehmen eine Gefahr darstellt oder die Entwicklung Y negative Auswirkungen haben könnte. Spätestens an dieser Stelle muss ich die Frage beantworten können, ob das Management gut genug und fähig genug ist, diese neuen Herausforderungen anzugehen, um das Unternehmen durch diese Untiefen zu steuern. Und weil ich diese Frage ja irgendwann ohnehin beantworten muss, stelle ich sie mir jetzt gleich am Anfang. Eigentlich sogar kurz vor dem Anfang, bevor ich die Aktien überhaupt kaufe.

Selbstverständlich kann auch ein fähiges Management Fehlentscheidungen treffen und das Unternehmen in eine Schieflage bringen. Auch das ist ja ein Grund, weshalb man nicht alles nur auf eine Karte setzen sollte. Und weshalb man sich ein solides Unternehmen aussuchen sollte mit einem fähigen Management und einer attraktiven Bewertung.

Ein nicht zu unterschätzendes Element bei der Auswahl eines guten Managements kann der Eigennutz sein. Wenn also das Management einen größeren Anteil an dem Unternehmen besitzt, dann hat es eine ganz andere Motivation in Bezug auf dessen nachhaltige Entwicklung, als wenn das Management nur auf die Erfüllung des Vorstandsvertrages und die darin genannten Tantieme-Ziele aus ist. Wer Eigentümer der Gesellschaft ist, der verzichtet eher mal auf eine Chance mit zu großen Risiko, und setzt eher auch auf die langfristigen Entwicklungen, anstatt sich auf kurzfristige Erfolge zu fokussieren.

Ein Erich Sixt, ein Günther Fielmann, ein Warren Buffett oder ein Starbucks Howard Schultz profitieren eben nicht nur von ihrem Vorstandsgehalt, sondern vor allem durch die Erhöhung des Unternehmenswertes ihres eigenen Unternehmens. Und das sind Geschäftspartner, bei denen man gerne mit an Bord sein möchte. Weil man darauf vertrauen kann, dass sie das Unternehmen auch in den nächsten fünf Jahren pfleglich behandeln und weiter entwickeln werden. Ist dann das Unternehmen selbst zu einem attraktiven Preis zu erwerben, dann schlage ich zu. Und zwar nur (noch) dann! So lautet der Plan...

1 Kommentar:

  1. Hallo Michael,
    in der Tat ist es auch aus meiner Sicht deutlich sinnvoller, eine buy and hold Strategie am Aktienmarkt zu fahren, als spekulativ darauf zu setzen, den richtigen - und kurzfristigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt zu finden. Hier immer richtig zu liegen ist wirklich schwer bis kaum möglich - und unnötig stressig. Lieber Überlegen, welche Adressen nachhaltig Werte schaffen können, und dann diese Werte auch langfristig halten - und sich nicht durch Medien oder sonstige Stimmen aus kurzfristiger Denke heraus verunsichern lassen.
    Viele Grüße
    Andreas

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