Dienstag, 13. November 2018

Warren Buffett mahnt: Rechthaben bringt Aktionären die Rendite, nicht Aktionismus!

Beim Aktienkauf wird vor allem auf den Kaufkurs geachtet, den sog. Briefkurs. Er ist entscheidendes Kriterium, wie teuer - oder preiswert - ein Engagement letztlich ist und ab dem Kauf für die meisten Anleger der Maßstab, ob sie eine kluge Entscheidung getroffen haben oder nicht. Zum reinen Aktienkurs kommen aber noch Nebenkosten hinzu, denn sowohl beim Ankauf müssen noch Provisionen und Börsenentgelte gezahlt werde. Ebenso beim späteren Verkauf, wo noch ggf. zusätzlich die eventuell erzielten Kursgewinne versteuert werden müssen.

Üblicherweise werden Aktiengeschäfte von Privatpersonen über Börsenhandelsplätze abgewickelt in Deutschland zumeist über das XETRA-System der Deutschen Börse. Und die Börsen haben ebenso wie die Depotbanken ein großes Eigeninteresse, wenn die Anleger ihre Aktien häufig handeln, denn diese Provisionen fallen bei jeder Transaktion jedes Mal aufs Neue an. Anders die Depotgebühren, die auf den Bestand erhoben werden, egal wie oft dieser in der Zwischenzeit umgeschichtet wurden.

»Investoren werden nicht für Aktionismus bezahlt, sondern fürs Rechthaben.«
(Warren Buffett)

Zugegeben, im Zeitalter der Direktbanken und Discountbroker machen diese Spesen nicht mehr eine solch gewaltige Summe aus wie noch vor einigen Jahren. Aber wenn man für eine Order von 10.000 Euro gute 50 Euro Gebühren und Provisionen zahlt und beim Verkauf noch einmal, dann liegt man mit seinem Engagement schon zum Kaufzeitpunkt mindestens 1 Prozent im Minus. Was bereits mehr ist, als man an Zinsen auf seinem Tagesgeldkonto erhält. Für ein ganzes Jahr, wohlgemerkt!

Dazu gesellt sich noch ein weiterer Effekt, der äußerst negativ zu Buche schlägt: der Spread. Damit ist der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs eines Wertpapiers gemeint, also zwischen Geld- und Briefkurs. Und dieser Spread ist in der Regel umso größer, je illiquider ein Wertpapier ist, also je geringer die Umsätze in der betreffenden Aktie sind. Bei den Blue Chips aus dem DAX sind die Spread zumeist sehr gering, aber bei Nebenwerten betragen sie nicht selten 5 Prozent oder sogar noch mehr. Das bedeutet, dass der Kurs, zu dem jemand kaufen kann, z.B. bei 10 Euro liegt, zur gleichen Zeit aber das Gebot für Verkäufer bei z.B. 9,50 Euro. Die Differenz streicht ggf. der Marketmaker ein, der bei engen Wertpapieren nicht selten beide Kursseiten stellt, um überhaupt für Angebot und Nachfrage zu sorgen. Konkret würde also zu dem 1 Prozent an Gebühren noch ein 5-prozentiger Preisunterschied aufzuholen sein, bevor das Engagement überhaupt in die Gewinnzone läuft - und von dem Gewinn fließt dann ein Viertel als Steuer ins Staatssäckel.

Die Belastung durch Gebühren und Spreads kann also erhebliche Auswirkungen haben und richtig ins Geld gehen. Je häufiger man kauft und verkauft, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, mit seinen Wertpapieren unter dem Strich ein Verlustgeschäft zu machen, weil nur wenige an der Börse deutlich öfter mit Kursgewinnen abschließen als mit Kursverlusten.

»Trade öfter weniger
(David Gardner)

Die Kontra-Strategie zum Börsen-Aktionismus ist Buy & Hold, also kaufen und behalten. Langfrist-Anleger sparen sich nicht nur die Gebühren, sondern auch eine Menge Stress, denn sie müssen die Kurse ihrer Wertpapiere nicht börsentäglich verfolgen. Die Zuckungen der Kurse mögen für den Moment interessant sein, aber nach ein, zwei Tagen sind sie vergangen, vergessen.

Um mit dem Buy & Hold-Ansatz erfolgreich zu sein, kommt es natürlich darauf an, sich nur entsprechende für diese Strategie geeignete Wertpapiere ins Depot zu legen. Geh den Weg des Warren Buffett! Die neuste heißeste Internet-Rakete oder Biotech-Klitsche kommt für Buy & Hold nicht infrage, diese "Momentum-Aktien" sind überwiegend spekulationsgetrieben und weniger aufgrund ihrer fundamentalen unternehmerischen Aktivitäten.

»Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn Du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn Du abwartest.«
(Charlie Munger)

Für Buy & Hold eignen sich solide Unternehmen mit langer Historie, die ihre Gewinne stetig steigern und eine attraktive Dividende ausschütten; am besten sind Quality Investments mit einem breiten ökonomischen Burggraben. Auch unter den Dividendenaristokraten wird man schnell fündig. Und ob man diese Qualitätsaktien dann zwei oder drei Prozent billiger oder teurer einkauft, ist nicht so entscheidend, wenn man sie langfristig im Depot behält und die sanften Kurssteigerungen und die Dividenden einstreicht. Und so die vielen Gebühren durch unterlassenes hektisches Börsenhandeln einspart.

Fazit: Gebühren fressen die Rendite!

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    grundsätzlich kann ich dem vorbehaltlos zustimmen. Gut analysieren und Geduld mitbringen zahlt sich in der Regel aus. Nur bei den genannten Gebühren bin ich anderer Meinung. Bei den üblichen Brokern (Comdirect, Lynx, Consors, DKB Broker usw.) hat man doch gar keine Depotgebühren mehr. Und wer für eine 10.000 Euro Order mehr als 10,00 Euro Gebühren und Spesen bezahlt, der sollte sich mal dringend nach einem besseren Broker umschauen. Selbst bei einer 5.000 Euro Order wäre man dann mit dem Kauf- und Verkaufsgebühren grade mal bei 0,4% der Investitionssummer - da haben ja selbst die DAX Aktien größere Tagesschwankungen.

    Toller Blog. Weitzerhin viel Erfolg.

    P.S. Gib doch mal ein Update / Einschätzung zu BauschHealth (ex Valeant). Da habe
    ich selbst investiert und der Turnaround läuft ja gut (meiner Meinung nach). Mal
    die Einschätzung eines anderen zu lesen, kann ja nie schaden.

    Grüße Arne

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    1. "Hin und her macht Taschen leer" bezieht sich nicht nur auf die gebühren, sondern auch auf die Spreads zwischen Bid und Ask. Und wenn man da ungeduldig ist und 1% oder bisweilen auch viel mehr (bei Nebenwerten!) akzeptiert, kommt da schnell ein signifikanter Betrag zusammen. Mal als Denkanstoß: angenommen, der Spread beträgt nur 0,1%, aber man handelt jeden Tag einmal, also ein An- oder Verkauf. 0,1% klingt nicht viel, aber würde man das als Verzinsung sehen, wären dies auf ein Jahr berechnet - auf einen Tag bezogen sind das Unsummen! Bei überschlägig 300 Börsenhandelstagen also 30% aufs Jahr! Dies hat man als Kostennachteil durch tägliches Traden und das muss man durch Kursgewinne erstmal ausgleichen/übertreffen. Ist natürlich nur eine vereinfachte Darstellung, aber mir geht es auch nur um die Sensibilisierung für diese Kosten, die sich über die Zeit enorm aufsummieren.

      Zu Bausch Health... läuft alles im Rahmen meines Turnaroundszenarios. Das Hauptproblem war ja die drohende Pleite aufgrund der exorbitanten Verschuldung und des drohenden Implodierens des Cashflows bzw. der operativen Gewinne, wenn die Notverkäufe zur Entschuldung umgesetzt werden. Hier hat sich die Lage deutlich entspannt und BHC befindet sich nicht mehr auf der Intensivstation. Wie erfolgreich BHC als "normales" Pharma-/Gesundheitsunternehmen wird, steht aber noch nicht fest, das bleibt noch abzuwarten. Die hohen Medikamentenkosten sind ja allen (Politikern) in den USA ein Dorn im Auge und wenn es auf die Präsidentenwahlen zugeht, also auch schon die Vorwahlen, dürfte das Thema wieder verstärkt in den Fokus geraten, weil sich hierbei die Kandidaten schön populistisch in Szene setzen können. Da gerät die ganze Branche wieder eher negativ ins Blickfeld.

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  2. Grüß dich, Michael.

    Ich finde den Artikel klasse. Buy & Hold kommt aber wahrscheinlich für viele Personen nicht in Frage, da sie einfach andere Ziele verfolgen. Könntest du nicht mal deine Einschätzung zur besten Herangehensweise schildern, falls man doch etwas aggressiver sein möchte und sich gleichzeitig optimal Gebühren / Provisionen etc. sparen will?

    LG
    Barbara

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    1. Tut mir leid, Barbara, das kann ich nicht. Denn das ist nicht mein Metier und daher würde ich mir nur irgendwas völlig theoretisches zusammenbasteln (müssen).

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