Freitag, 12. Mai 2017

Hin und her macht Taschen leer!

Beim Aktienkauf wird vor allem auf den Kaufkurs geachtet, den sog. Briefkurs. Er ist entscheidendes Kriterium, wie teuer - oder preiswert - ein Engagement letztlich ist und ab dem Kauf für die meisten Anleger der Maßstab, ob sie eine kluge Entscheidung getroffen haben oder nicht. Zum reinen Aktienkurs kommen aber noch Nebenkosten hinzu, denn sowohl beim Ankauf müssen noch Provisionen und Börsenentgelte gezahlt werde. Ebenso beim späteren Verkauf, wo noch ggf. zusätzlich die eventuell erzielten Kursgewinne versteuert werden müssen.

Üblicherweise werden Aktiengeschäfte von Privatpersonen über Börsenhandelsplätze abgewickelt in Deutschland zumeist über das XETRA-System der Deutschen Börse. Und die Börsen haben ebenso wie die Depotbanken ein großes Eigeninteresse, wenn die Anleger ihre Aktien häufig handeln, denn diese Provisionen fallen bei jeder Transaktion jedes Mal aufs Neue an. Anders die Depotgebühren, die auf den Bestand erhoben werden, egal wie oft dieser in der Zwischenzeit umgeschichtet wurden.

»Investoren werden nicht für Aktionismus bezahlt, sondern fürs Rechthaben.«
(Warren Buffett)

Zugegeben, im Zeitalter der Direktbanken und Discountbroker machen diese Spesen nicht mehr eine solch gewaltige Summe aus wie noch vor einigen Jahren. Aber wenn man für eine Order von 10.000 Euro gute 50 Euro Gebühren und Provisionen zahlt und beim Verkauf noch einmal, dann liegt man mit seinem Engagement schon zum Kaufzeitpunkt mindestens 1 Prozent im Minus. Was bereits mehr ist, als man an Zinsen auf seinem Tagesgeldkonto erhält. Für ein ganzes Jahr, wohlgemerkt!

Dazu gesellt sich noch ein weiterer Effekt, der äußerst negativ zu Buche schlägt: der Spread. Damit ist der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs eines Wertpapiers gemeint, also zwischen Geld- und Briefkurs. Und dieser Spread ist in der Regel umso größer, je illiquider ein Wertpapier ist, also je geringer die Umsätze in der betreffenden Aktie sind. Bei den Blue Chips aus dem DAX sind die Spread zumeist sehr gering, aber bei Nebenwerten betragen sie nicht selten 5 Prozent oder sogar noch mehr. Das bedeutet, dass der Kurs, zu dem jemand kaufen kann, z.B. bei 10 Euro liegt, zur gleichen Zeit aber das Gebot für Verkäufer bei z.B. 9,50 Euro liegt. Die Differenz streicht ggf. der Marketmaker ein, der bei engen Wertpapieren nicht selten beide Kursseiten stellt, um überhaupt für Angebot und Nachfrage zu sorgen. Konkret würde also zu dem 1 Prozent an Gebühren noch ein 5-prozentiger Preisunterschied aufzuholen sein, bevor das Engagement überhaupt in die Gewinnzone läuft - und von dem Gewinn fließt dann ein Viertel als Steuer ins Staatssäckel.

Die Belastung durch Gebühren und Spreads kann also erhebliche Auswirkungen haben und richtig ins Geld gehen. Je häufiger man kauft und verkauft, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, mit seinen Wertpapieren unter dem Strich ein Verlustgeschäft zu machen, weil nur wenige an der Börse deutlich öfter mit Kursgewinnen abschließen als mit Kursverlusten.

»Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn Du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn Du abwartest.«
(Charlie Munger)

Die Kontra-Strategie zum Börsen-Aktionismus ist Buy & Hold, also kaufen und behalten. Langfrist-Anleger sparen sich nicht nur die Gebühren, sondern auch eine Menge Stress, denn sie müssen die Kurse ihrer Wertpapiere nicht börsentäglich verfolgen. Die Zuckungen der Kurse mögen für den Moment interessant sein, aber nach ein, zwei Tagen sind sie vergangen, vergessen.

Um mit dem Buy & Hold-Ansatz erfolgreich zu sein, kommt es natürlich darauf an, sich nur entsprechende für diese Strategie geeignete Wertpapiere ins Depot zu legen. Geh den Weg des Warren Buffett! Die neuste heißeste Internet-Rakete oder Biotech-Klitsche kommt für Buy & Hold nicht infrage, diese "Momentum-Aktien" sind überwiegend spekulationsgetrieben und weniger aufgrund ihrer fundamentalen unternehmerischen Aktivitäten.

Für Buy & Hold eignen sich solide Unternehmen mit langer Historie, die ihre Gewinne stetig steigern und eine attraktive Dividende ausschütten; am besten sind Quality Investments mit einem breiten ökonomischen Burggraben. Auch unter den Dividendenaristokraten wird man schnell fündig. Und ob man diese Qualitätsaktien dann zwei oder drei Prozent billiger oder teurer einkauft, ist nicht so entscheidend, wenn man sie langfristig im Depot behält und die sanften Kurssteigerungen und die Dividenden einstreicht. Und so die vielen Gebühren durch unterlassenes hektisches Börsenhandeln einspart.

Fazit: Gebühren fressen die Rendite!

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