Montag, 20. August 2018

Warren Buffett und sein gespaltenes Verhältnis zu Dividenden. Und Aktienrückkäufen...

Warren Buffett äußert sich gerne und regelmäßig, auch zum Thema Dividenden. Doch hierbei könnte man glatt zu der Ansicht gelangen, er würde je nach Blickwinkel unterschiedliche Ansichten vertreten. Und das gilt durchaus auch für Aktienrückkäufe.

Buffett liebt Dividenden. Eigentlich...
Buffet bevorzugt Unternehmen mit saftigen Dividendenausschüttungen, denn sie bringen ihm für seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) einen steten Zustrom frischen Geldes, das er dann wieder reinvestieren kann. Aufgrund seiner vielen Beteiligungen landet nicht alle paar Wochen mal ein Dividendenscheck im Briefkasten, sondern es gehen täglich viele Dividendenzahlungen auf dem Konto von Berkshire Hathaway ein. Und die warten geradezu auf neue Anlageideen von Warren Buffett und Charlie Munger. Dabei hat sich der Cash-Bestand inzwischen auf atemberaubende 100 Mrd. Dollar hochgeschraubt.

Wenn aber die eigenen Investoren seiner Holding - Buffett betrachtet sie als Partner - die Forderung an Buffett herantragen, diese hohen Cash-Reserven auch für Dividendenzahlungen an die Berkshire-Aktionäre einzusetzen, blockt Buffett kurzerhand ab. Und dafür hat er natürlich gute Gründe...


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Als Investor liebt Buffett Dividenden, weil sie ihm zufließen und seine Investitionsmöglichkeiten erhöhen. Doch er findet es geradezu frevlerisch, wenn Dividendenzahlungen ihm selbst Geld aus der Tasche ziehen würden. Denn er ist der Meinung, dass er das Geld viel besser anlegen kann als die Aktionäre von Berkshire Hathaway selbst. Daher will er es ihnen nicht als Dividende auszahlen und sie darauf auch noch Steuern zahlen lassen. Er will es in seiner Holding behalten, um es zu reinvestieren und so auch für seine Aktionäre den Zinseszinseffekt voll wirken zu lassen. Und Buffett hat es drauf, besser als alle anderen, denn seit gut 50 Jahren hat er eine jährliche Durchschnittsrendite von knapp 20 Prozent erwirtschaftet - und sich alleine durch seine Investments zu einem der reichsten Menschen der Welt emporgearbeitet.

Am Ende hat Warren Buffett Recht und zwar mit beiden Positionen. Anleger sollten auf Dividenden achten, denn Dividendentitel schlagen sich erfahrungsgemäß an der Börse besser als Titel, die keine Dividenden zahlen und sie zahlen sich für die Anleger in regelmäßigen Geldeingängen auf dem Konto aus.

Andererseits gibt es goldene Ausnahmen und Warren Buffetts Berkshire Hathaway ist eine solche, ebenso wie Amazon. Obwohl Buffett seinen Anlegern keine Dividenden zahlt, sollte die Aktie in keinem Depot fehlen, denn was das Investieren angeht, spielt Buffett in einer ganz anderen Liga!

Aktienrückkäufe bei Berkshire Hathaway
Eine andere Verwendungsmöglichkeit für einen hohen Cashflow sind Aktienrückkäufe. Auch diese liebt Buffett, jedenfalls dann, wenn sie Mehrwert für Aktionäre schaffen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn das Unternehmen eigene Aktien unterhalb des Buchwerts kaufen kann. Bei Berkshire Hathaway ist es allerdings schon lange her, dass dies möglich war. Und so hatte Buffett lange Jahre als Richtschnur vorgegeben, dass er eigene Aktien zum max. 1,2-fachen Buchwert zurückkaufen würde.

Doch die Zeiten haben sich geändert. In Ermangelung alternativer Investmentmöglichkeiten hat Buffett diese Regeln jüngst gelockert und kann nun bis etwa zum 1,5-fachen des Buchwerts eigene Aktien zurückkaufen. Konkret besagt die neue Regelung, dass künftig jederzeit Aktienrückkäufe getätigt werden können, wenn Warren Buffett und sein Vize Chalie Munger der Meinung sind, dass bei konservativer Betrachtungsweise der Rückkaufkurs unterhalb des intrinsischem Wertes der Berkshire-Aktien liegt. Wobei der Cash-Bestand zu keiner Zeit unter 20 Mrd. Dollar fallen darf.

Buffett hat nun also mehr Spielraum, auch eigene Aktien zurückzukaufen. Auf Dividendenzahlungen werden Berkshire-Aktionäre aber wohl noch länger warten müssen - ich kann mir kaum vorstellen, dass Buffet und Munger sich hierbei umentscheiden werden. Nicht zu ihren aktiven Zeiten jedenfalls. Und ich hoffe für uns alle, dass diese noch lange anhalten werden. Dafür verzichte ich auch gerne auf die Dividende...

Disclaimer
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Beobachtungsliste.

Kommentare:

  1. Moin Michael,

    bist Du nicht besorgt bezüglich des überaus großen Anteils Berkshires an Apple?

    Manche würde dies auch Klumpenrisiko nennen...

    Oder hat das Orakel von Omaha schon Visionen von Apples "Project TITAN" (Apple iCar)?

    Viele Grüße
    Stefan C.

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    1. Warren Buffetts Berkshire Hathaway ist nun zweitgrößter Aktionär bei Apple mit gut 5,2%. An Buffetts Aktienportfolio stellt dieser Anteil rund 24% dar, da ist gewaltig. Auch wenn hierin wesentliche und große Beteiligungen fehlen, wie Precision Castparts, Burlington Northern Santa Fe, BH Energy, BH Real Estate, BH Reinsurance, Geico, Duracell uswusf.

      Ich sehe dieses große Engagement Buffetts bei Apple durchaus kritisch. Ein direktes Klumpenrisiko ist die Beteiligung noch nicht. Aber Apple selbst hat ein enormes Klumpenrisiko, da der größte Teil der Gewinne mit nur einem Produkt erzielt wird, dem Iphone. Und das schon seit Jahren. Aus genau diesem Grund habe ich vor drei Jahren meine Apple-Aktien aus dem Depot geworfen und stehe dem Unternehmen sehr kritisch gegenüber ("Apple, it's time to say goodbye!". Weil es ihm nicht gelingt, alternative Einnahmequellen aufzutun - jedenfalls nicht in so relevanter Größe, als dass es einen starken Einbruch beim Iphone verkraften könnte.

      Aus diesem Grund kaufe ich keine Berkshire Aktien und auch keine Apple-Aktien.

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    2. An sich hast du dann genau vor 3 Jahren am Tiefpunkt des Kurses verkauft. Seitdem hat sich der Kurs verdoppelt und der Umsatzanteil vom iPhone geht tendenziell eher zurück, andere Bereiche wie Watch, Services wachsen zweistellig.

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    3. Ne, am Tiefpunkt habe ich Apple 2015 nicht verkauft. Den damaligen Artikel zu meinem Exit habe ich ja in meiner Antwort verlinkt. Ich war etwa ein Jahr zuvor nahe am zwischenzeitlichen Tiefpunkt eingestiegen (der Kurs war gut 40% eingebrochen) und habe 2015 bei rund 115€ verkauft mit knapp 90% Gewinn. Danach ging es erstmal wieder deutlich runter mit dem Kurs (wie ich erwartet hatte). Damals floppte das Ipad (es wurden weniger verkauft als gedacht und der Anteil an Apples Konzerngewinn war verschwindend gering), die Apple Watch brachte viel weniger ein, als erhofft und das "next big thing" (iCar) kam auch nicht von der Stelle. Alles hing - und hängt - am Iphone. Auch das heutige Apple-Ökosystem funktioniert ja nur so gut, weil Kunden sich wegen der Endgeräte darauf einlassen und sich in die geschlossene Apple-Welt saugen lassen. Ohne das Iphone gäbe es auch hier Probleme.

      Und nochmal: Apple stellt keine schlechten Geräte her; ich nutze selbst iPhone und iPad. Die Frage ist aber doch, ob auch künftig Cashflow und Gewinne weiter so sprudeln und sogar noch ausgebaut werden können. Kann gut sein. Aber, mein Hauptkritikpunkt, es hängt alles an einem Produkt. Und dieses Klumpenrisiko ist mir zu groß.

      Und ganz ehrlich: nur dank Buffetts Käufen geht der Apple-Kurs die letzten Quartale steil. Gehe ich von meinem damaligen Verkaufskurs aus, habe ich mit anderen Aktien viel mehr verdient. z.B. Amazon, die ich Anfang 2016 kaufte.

      Ich hab nichts gegen Apple, kann jeder gerne versuchen mit der Aktie glücklich zu werden. Für mich ist die aber aus Risikogründen nichts (mehr). Die von mir erhoffte Diversifikation der Geräte/Angebote hat kaum stattgefunden und Apple ruht sich seit vielen Jahren auf dem Spirit von Steve Jobs aus. Um wieder interessant zu werden, bräuchten die einen neuen Schub in der Führungsspitze - wie der Wechsel von Ballmer zu Nadella bei Microsoft. Eine neue kreative Vision statt des heutigen bloßen Verwaltens des Erreichten. Aber danach sieht es nicht aus und daher läuft Apple Gefahr, zur zweiten Nokia oder BlackBerry zu werden.

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    4. Mit Nokia oder BlackBerry kann man Apple finde ich überhaupt nicht vergleichen. Beide haben einen Trend komplett verschlafen und beide hatten keinerlei Ökosystem, das zu den Geräten on top kommt.

      Apple braucht aus meiner Sicht derzeit gar kein next big thing, mit dem großen Knall wie es damals bei Steve Jobs war. Vielmehr bastelt doch Apple daran schleichend und kontinuierlich. Solange Apple die Qualität seiner Geräte so hoch hält und das Ökosystem so gut funktioniert, will kaum jemand raus, dafür immer wieder neue Kunden rein, die irgendwann merken, dass Android einfach nicht so ausgereift ist im Vergleich und dass Apple eben keine Datenkrake ist.

      Die Apple Watch mag nicht gleich der große Verkaufserfolg gewesen sein, wird es aber zunehmend. Und es schafft für Apple neue Spielfelder ("ehealth" + "Apple pay"). Bald wird es soweit sein, dass man mit der Apple Watch alles machen kann, ohne das iPhone.

      Andere Felder wie der Software-Bereich im Auto, Entertainment für zu Hause, HiFi, Smart-Home, der Bildungssektor, Augmented Reality, da steckt überall noch so viel Potential in den nächsten Jahren und Jahrzehnten drin. Da ist und bleibt Apple erstmal die angesagte Lifestyle-Hightech Marke, die schick aussieht, funktioniert und die die Leute deshalb gerne haben und nutzen wollen. Solange Apple da keinen fundamentalen Fehler macht, sondern weiter kontinuierlich an der Weiterentwicklung all dieser Bereiche arbeitet, braucht es keinen großen Knall. Das mag dann unspektakulärer und langweiliger sein als zu Jobs Zeiten, aber der Laden läuft und läuft....

      Mit Amazon hast du mehr verdient, mit anderen Aktien dafür weniger oder sogar Geld verloren. Das kommt immer darauf an, welches Beispiel man sich rauspickt;-) Und warum Apples Kurs gestiegen ist, ist doch völlig egal. Fakt ist, er ist gestiegen und die Quartalszahlen rechtfertigen jedesmal diesen Anstieg.

      Zudem hängt bei Amazon extrem viel von AWS ab, Alphabet hängt fast komplett am Werbetopf. Die haben genauso ein gewisses Klumpenrisiko.

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    5. Und was du in deinem verlinkten Artikel geschrieben hattest, hat sich letztendlich ja nicht bewahrheitet. Der Umsatz und Gewinn bei Apple wächst weiter, der Aktienkurs ist weiter gestiegen und der Umsatzanteil vom iPhone gesunken. Das meinte ich, die trüben Einschätzungen haben sich bisher eben nicht bewahrheitet, der Laden brummt weiter. Es mag auch wieder mal eine Delle geben und nicht ewig so weitergehen, logisch. Aber derzeit mache ich mir um Apple noch keine Sorgen:)

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    6. Und das hier gibt nur einen kleinen Einblick, warum die Leute bei Apple bleiben oder neu dazukommen:

      https://mobile.twitter.com/SecX13/status/968225118517452800/photo/1

      http://winfuture.de/news,104625.html

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