Samstag, 13. Juni 2015

Tiefschlag für Balda: 10 Prozent der Umsätze brechen weg

Freitagabend, kurz vor Börsenschluss, gab die Balda AG bekannt, dass der Hauptkunde ihrer US-Tochtergesellschaft Balda C. Brewer, Inc. im Bereiche Eyewear aufgrund einer internen Strategieentscheidung künftig den wesentlichen Teil der bezogenen Produkte selbst fertigen wird. Diese Nachricht bedeutet einen erheblichen Rückschlag für den Balda-Konzern, denn das Management geht davon aus, dass hiermit 10 Prozent der Umsätze des Gesamtkonzerns wegbrechen werden.

Die 9-Monatszahlen von Mitte Mai sind damit Makulatur, denn die Entscheidung hat für Balda gleich mehrere negative Auswirkungen. Zunächst werden aufgrund des Transformationsprozesses zwar erhöhte Umsätze erwartet, diese gehen jedoch auch mit erhöhten Aufwendungen einher. Ab Mitte 2016 wird der Umsatzanteil dann komplett entfallen und das bringt auch schon Unbill für das laufende Geschäftsjahr mit sich, das am 30. Juni endet. Denn hier wird es eine erhebliche Wertberichtigung auf den Firmenwert der US-Tochter geben, denn diese steht seit der Übernahme mit einem nicht unerheblichen Goodwill (Firmenwert) in der Balda-Konzernbilanz. Dazu kommen Einmalaufwendungen für den Umstrukturierungsprozess. Der operative Turnaround wird also auf unbestimmte Zeit verschoben, die US-Tochter, bisheriger Hoffnungsträger, wird zur Dauerbaustelle.

Die konkreten Auswirkungen auf den Jahresabschluss 2014/2015 sowie die Folgejahre lassen sich noch nicht beziffern, aber sie werden erheblich sein und keineswegs positiv. Balda bleibt weiterhin den Beweis schuldig, dass man gewinnbringend operativ tätig sein kann und zehrt von den großen Rücklagen aus den Verkäufen der ehemaligen Beteiligung am taiwanesischen Apple-Zulieferer TPK. Am der grundsätzlichen Spekulation hat sich durch die Meldung nichts geändert. Baldas Aktienkurs ist durch die hohen Cash-Bestände von rund 200 Mio. EUR solide abgesichert, was nicht bedeutet, dass der Aktienkurs die Marktkapitalisierung nicht unter diese Marke drücken und dort länger verharren kann. Dieses Geld soll für Zukäufe verwendet werden und die blieb Balda bisher schuldig. Nach den gegenseitigen Klagen bei der US-Tochter dürfte dieser Bereich nun zunächst mit sich selbst beschäftigt sein, um wieder auf Kurs zu kommen. Kaum vorstellbar, dass hier ein potenzieller Zukauf erfolgt, der dann bei der ohnehin schwierigen Operation auch noch integriert werden müsste.

Wer also auf schnelle Erfolge und Kursgewinne bei der Balda-Spekulation gesetzt hat, der dürfte zurecht enttäuscht sein. Für Anleger mit langem Atem hat sich "nur" der Zeithorizont nach hinten verschoben. Trotz des deutlichen Kurseinbruchs sollte man von (weiteren) Aktienkäufen aber erst einmal absehen und auf die Vorlage der Zahlen warten. Die konkreten Auswirkungen auf das Jahresergebnis des aktuellen Geschäftsjahres, die Höhe der Wertberichtigungen auf den Goodwill und vor allem die Auswirkungen auf die Folgejahre, insbesondere was das operative Geschäft angeht, müssen zunächst auf den Tisch, bevor eine Neubewertung der Anlageentscheidung vorgenommen werden kann. Balda bleibt daher zunächst auf meiner Empfehlungsliste, allerdings momentan nur als Halteposition mit negativem Ausblick

Kommentare:

  1. v.a. die weitere Unsicherheit bezgl. den Abschreibungen sind Gift für die Aktie. Wie hoch die Abschreibungen ausfallen werden / müssen kann leider noch niemand GENAU benennen. Auch sind die Folgekosten keinesfalls bekannt...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es stellt sich ja auch die Frage, ob weitere solcher Hiobsbotschaften drohen. Denn wenn ein Kunde mal eben so die Produkte von Balda in Eigenregie herstellen kann, können das evtl. ja auch andere. Diese neuen Unsicherheiten werden die Aktienkursentwicklung auf absehbare Zeit belasten.

      Löschen