Freitag, 30. Juni 2017

Grahams Grundsätze: Kaufe Aktien, als würdest Du das ganze Unternehmen kaufen

Erfolgreiche Value Investoren wie Benjamin Graham und Warren Buffet legen großen Wert auf die langfristige Ausrichtung der Geldanlage, das langfristige Investieren in Unternehmen. Damit setzen sie sich ganz bewusst ab von der Vielzahl an Anleger, die zunehmend Aktien als Roulette-Chips missbrauchen, als Spekulationsobjekte. Weshalb ist aber diese Unterscheidung in Investieren und Spekulieren so entscheidend?

Das liegt vor allem an der Psychologie und am Verhalten der Menschen, die von Natur aus wankelmütig sind. Wir neigen zu Stimmungsschwankungen und so empfinden viele Menschen Freude, wenn ihre Aktien steigen und sind gereizt, wenn die Börsenkurse ihrer Aktien fallen. Doch wer den Börsenkurs zum (einzigen) Gradmesser macht, ob das getätigte Investment gut oder schlecht ist, kann nur scheitern. Jedenfalls als Investor, vielleicht nicht als Spieler. Man muss sich von diesem Denken lösen, denn es wird einem ansonsten immer im Weg sein und einen davon abhalten, nachhaltig und langfristig mit seinen Investments eine überragende Performance zu erzielen.

»Value Investoren sollten ihre Investments nicht als Aktien verstehen, die den täglichen Schwankungen des Marktes unterliegen, sondern als Teileigentum an den zugrundeliegenden Unternehmen.«
(Seth Klarman)

Im weiteren Sinne kauft man mit dem Erwerb einer einzelnen Aktie ein Unternehmen, jedenfalls einen kleinen Teil davon. Man sollte sich dabei an dem Unternehmen beteiligen, als würde die Firma nicht an der Börse gehandelt, sondern man würde einem Fremden Geld dafür geben, dass man Anteile an dessen GmbH erwerben darf. Dazu muss man zum Notar und nach der Beurkundung des Kaufvertrages wird dieser im Handelsregister eingetragen - und man wird die Anteile nur los, wenn man einen Käufer dafür findet.Das bringt eine psychologisch ganz andere Einstellung zu diesem Investment mit sich, denn man ist also langfristig in dem Unternehmen investiert und an das Unternehmen gebunden.

Was würde man tun, bevor man ein solches auf Dauer angelegtes Wagnis einginge?
Man würde sich ausführlich mit dem Unternehmen beschäftigen, sich mit den Alteigentümern unterhalten, dem Geschäftsführer, sich die Bilanzen der letzten Jahre ansehen und sich prägende unternehmerische Entscheidungen erläutern lassen. Kurz: man würde das Unternehmen und seine neuen Partner auf Herz und Nieren prüfen, bevor man ihnen Geld für einen Teil Ihrer Geschäftsanteile gibt.

Und beim Erwerb von Aktien?
Da lassen die meisten Leute eben diese Vorsicht fahren und stürzen sich ohne Analysen, ohne Recherchen und ohne Nachzudenken in ein Abenteuer. Nicht umsonst kritisiert Warren Buffett, dass die Leute sich intensiver mit den technischen Ausstattungsmerkmalen ihres neuen Fernsehers beschäftigen würden, als mit denen ihrer neuen Unternehmensbeteiligung. Doch gibt es dafür eine plausible Rechtfertigung? Nein, es ist schlichtweg Leichtsinn und Unvermögen! Ist denn das entscheidende Kriterium für ein Investment die Rechtsform des infrage kommenden Unternehmens? Ist es entscheidend, ob man sich an einer GmbH oder einer AG beteiligt? Oder kommt es nicht viel eher darauf an, dass es sich um ein erfolgreiches Unternehmen handelt? Mit steigenden Umsätzen, einem gesunden Cash-Flow, steigen Gewinnen und einem wachsenden Unternehmenswert? Ich denke, wir alle kennen die Antwort.

Erfolgreiche Investoren jedenfalls machen ihre Hausaufgaben, bevor sie auch nur einen Cent investieren. Sie kaufen nicht die Aktie aufgrund ihrer Kursbewegungen, sondern das Unternehmen wegen seiner Geschäftsergebnisse. Und das sollten wir auch tun, wenn wir an der Börse langfristig Erfolg haben wollen. Werden wir Partner in einem Unternehmen, begleiten wir es durch schwierige und gewinnträchtige Phasen seines Lebens und profitieren von seiner Entwicklung. Entscheidend für unseren Anlageerfolg ist nicht die kurzfristige Kursbewegung, sondern die langfristige Unternehmensentwicklung. Denn die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt, mahnt uns Warren Buffett, und der Aktienkurs wird mit der Zeit diese Entwicklung widerspiegeln. Erfolgreiche Investoren setzen nicht auf schnelle Kurssprünge, sondern geben ihren Investments die Zeit, ihre volle Wirkung zu entfalten, sie bringen die nötige Geduld auf, sie setzen auf Buy & Hold und gehen den Weg des Warren Buffett. Und genau das sollten wir auch tun, um erfolgreich und intelligent zu investieren.

1 Kommentar:

  1. Gut geschriebener verdaulicher Artikel deren Inhalt ich unterschreibe.
    Danke für deine Arbeit Michael!

    Die nötige Geduld ist wirklich das, was einem Großteil der Privatinvestoren am schwersten fällt.
    Emotionen rauszulassen und basierend auf den Zahlen zu entscheiden und ruhig zu schlafen.
    Multi Bagger, also Unternehmen die ihren Wert vervielfachen, ist man beispielsweise nur in der Lage zu halten wenn man die andauernden "Geräusche des Marktes" aussen vor lässt und ruhig seine Investmentthese verfolgt.

    Schön dabei ist, dass der Privatinvestor gegenüber den meisten institutionellen Investoren einen klaren Vorteil hat, da nicht monatlich, quartalsweise etc. reported werden muss sondern es grundsätzlich um langfristige Vermehrung bzw. Vervielfachung des Kapitals geht. Das sollte man sich immer im Kopf behalten.

    Allen weiterhin viel Erfolg an den Märkten!
    Bernd

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