Mittwoch, 18. Mai 2016

Milliarden-Deal: Bei Publity wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Aber fast...

Publity ist ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien und verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen. Und hat nun einen weiteren Milliarden-Deal an Land gezogen, der Umsatz und Ergebnis jahrelang positiv beeinflussen wird.

Von einem internationalem Investor erhielt man einen 5-Jahres-Servicing Vertrag für ein NPL-Portfolio erhalten, das mehr als 1.100 notleidende Kredite mit einer durchschnittlicher Forderungshöhe von knapp €1 Mio. umfasst. Diese zusammen rund €1,1 Mrd. umfassenden Immobilien-Kredite stammen überwiegend von deutschen Großbanken.

Mit diesem Vertrag stärkt Publity seinen NPL-Bereich, der neben dem Kerngeschäft, Co-Investments bei Joint Ventures mit institutionellen Investoren, als zweites Standbein für ein beschleunigtes Unternehmenswachstum sorgen und zuverlässige Einnahmen und Gewinne generieren wird. Im Rahmen dieses Servicing-Vertrags übernimmt Publity die Abwicklung und Verwertung des übertragenen Portfolios und partizipiert anteilig am Verwertungserlös.

 Publity (Quelle: comdirect.de) 
Auch das Co-Investment-Kerngeschäft bei Joint Ventures mit institutionellen Investoren soll weiter ausgebaut werden, wie Thomas Olek, Vorstandsvorsitzender der Publity AG, erklärte: "Der NPL-Markt bietet erhebliches Potenzial, das wir auch künftig neben Co-Investments in deutsche Büroimmobilien nutzen werden. Dieses Geschäftsfeld soll in den kommenden Jahren weiterhin zur Steigerung unserer Erlöse beitragen und unser Wachstum noch verstärken. Wir planen, das Management weiterer NPL-Portfolien zu übernehmen und profitieren dabei von unserem langjährigen Know-how und dem starken Netzwerk in der Bank- und Immobilienbranche."

Meine Einschätzung
Publity ist hervorragend in einem dynamischen und wachsenden Markt positioniert und bietet ein fast einmaliges Geschäftsmodell an, das ich kürzlich in dem Artikel "Publity - noch so eine Immobilienfirma. Oder doch viel mehr?" dargestellt hatte. Für Anleger bietet sich hier die Chance, jetzt noch vergleichsweise günstig an dem absehbaren Boom teilhaben zu können, denn der Aktienkurs leidet noch unter der Irritation aufgrund der überraschenden Kapitalerhöhung am Tag nach der Hauptversammlung. Kurz danach hatte Publity sich weiteres frisches Geld besorgt und bei Pfandbriefbanken €400 Mio. eingesammelt. Wie CEO Thomas Olek in diesem Interview erklärte, ist dieser "neueste NPL-Deal noch gar nicht in den bisherigen Prognosen enthalten". Und Publity bekommt als Verwalter eine jährliche Managementgebühr von 0,5% der AUM, was bei einem Volumen von €1,1 Mrd. zu Erlösen von €5,5 Mio. führt, 5 Jahre lang, Jahr für Jahr. Die bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2016 ging von einem Nachsteuergewinn von €25 Mio. aus, um mal die enorme Auswirkung dieses Deals einschätzen zu können. Ich habe Publity auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot - und habe meinen Bestand heute weiter ausgebaut, wodurch Publity zur größten Depotposition wurde.

Kommentare:

  1. Hey Michael

    Wie schätzt du dieses 2.Standbein im Vergleich zum Kerngeschäft ein?
    Liefert es freien Cashflow/Eigenkapital fürs Kerngeschäft?
    Wie genau wirkt sich das auf das Wachstum des Unternehmens aus?
    Die zentrale Größe bei Publity ist doch das AUM, oder?

    ich weiß, viele Fragen^^

    grüße,
    Alex

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    1. Dieses zweite Standbein betrifft ja die AUM. Publity verwaltet ja für Finanzinvestoren Portfolios, das sind die Assets under Management, und dafür erhält man Verwaltergebühren. Dieser Bereich ist nun noch größer als vorher und liefert daher mehr Cashflow und Gewinne. Eine Ankaufsprovision wird es nicht geben, aber man ist am Verkaufserlös beteiligt. In welcher Höhe ist nicht explizit genannt worden. Ziemlich dezidiert habe ich das Geschäftsmodell von Publity in diesem Artikel erläutert.

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  2. Es ist wirklich erstaunlich wie "günstig" zurzeit die Leute ihre Publity Anteile verschenken und das obwohl es die letzten Monate einen steten Strom sehr positiver Meldungen gab und das Geschäft blendend läuft.

    In solchen Situationen denke ich immer, dass die Märkte doch nicht so effizient sind wie von vielen Personen oft behauptet wird.

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    1. Von der Markteffizienztheorie halte ich eh wenig...

      Bei BondGuide gibt es ein interessantes Interview mit CEO Thomas Olek, das auch den neusten Vertragsabschluss beinhaltet. Und den nochmaligen Hinweis, dass dieser Deal nicht in den bisherigen Planungen für das Geschäftsjahr 2016 enthalten war. Die bisherigen Prognosen dürften also nach oben angepasst werden müssen.

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    2. hey michael,

      wie erfährst du von solchen interviews?
      auf publitys homepage ist nichts zu finden-aber diese infos stehen doch jedem aktionär zu oder?

      grüße Alex

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    3. Moin Alex,
      ich habe mir insbesondere zu Nebenwerten bei Google News einen Alert eingerichtet und bekomme dann eine Meldung, wenn es hier etwas Neues gibt. Informativ sind auch Börsen-Diskussionsforen wie wallstreet-online oder ariva. Diese Meldung gab es aber unter finanznachrichten.de, wo man auswählen kann, welche News und zu welcher Aktie einem angezeigt werden.

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    4. die AuM mit Ende 2016 sollten somit bei zirka 4 Milliarden liegen!

      nebenbei, Respekt wie schnell du teilweise antwortest!

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    5. Richtig, sofern nicht noch ein (oder mehrere) ungeplante Deals hinzukommen.

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  3. Da ich mich im Bereich der Nebenwerte leider noch nicht so gut auskenne, - was gäbe es theoretisch für negative Ereignisse, welche für Publity gefährlich werden könnten? Eventl. Zinserhöhungen, da dadurch bei zukünftig notwendigen Kreditaufnahmen die Differenz zur Durchschnittsrendite zusammenschmelzen würde? Und/oder was könnte sonst noch die weitere Performance beeinträchtigen?

    Vielen Dank und beste Grüße!

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    1. >>> Höheres Zinsniveau
      Würden die Zinsen steigen, müsste Publity sich teurer refinanzieren, wie alle anderen auch. Knifflig würde es dann, wenn das Zinsniveau sich deutlich erhöhen würde, weil ein Teil von Publitys Erfolg ja gerade daher rührt, dass Anleger (Private und Institutionelle) auf der Suche nach Anlegen sind, die noch Renditen abwerfen. Diese hohe Nachfrage nach Publity-Dienstleistungen könnte also sinken.

      >>> Zu viele Nachahmer
      Publity verdient enorme Margen und das zieht Nachahmer an. Es wird also zunehmend schwerer, wirklich gute Immobilienportfolios (also die notleidenden Kredite samt der sie besichernden Immobilien) einzukaufen, weil die Nachfrage steigt und damit die Preise, die die angebenden Banken erzielen. Publitys Gewinn liegt im Einkauf, genauer habe ich das in dem bereits mehrfach zitierten Artikel beschrieben, in dem ich das Geschäftsmodell dargestellt habe.

      >>> Kräftig sinkenden Nachfrage nach Büroimmobilien
      Publity kauft Liegenschaften bzw. verwertet sie und dann wird über die Bewirtschaftung versucht, den Wert zu steigern. Also Renovierung, Aufhübschung, höhere Vermietungsquote, höhere Mieten etc. Einhergehend mit dem niedrigen Kaufpreis ergeben sich hier die hohen Gewinne. Sinkt die allgemeine Nachfrage, z.B. aufgrund eines Konjunktureinbruchs, sinken auch die Chancen für Publity, die Immobilien wieder mit Gewinn an den Mann zu bringen. Theoretisch könnten sie dann im Bestand bleiben, denn Publity verdient ja auch an der Bewirtschaftung, aber die Investoren, für die Publity die Portfolios managed, dürften hiervon weniger begeistert sein. Neukundenakquise würde also schwerer und damit würden die "Finders Fees" geringer ausfallen, die Verwaltergebühren und auch die Verkaufsprovisionen.


      Publity kauft überwiegend Banken notleidende Kredite ab (also deutlich unterhalb des Nominalwerts) und verwertet dann die dazu gehörenden Liegenschaften. Dazwischen liegt der Gewinn für die Kunden, die Finanzinvestoren. Publity selbst beteiligt sich am Ankauf mit rund 3% und profitiert also auch am Verkaufsgewinn. Dazu kommen beim Ankauf die Finders Fee, in der Zwischenzeit die Bewirtschaftungsprovisionen und beim Verkauf ggf. noch eine Verkaufsprovision. Diese Konstellation macht das Geschäftsmodell, jedenfalls auf dem deutschen Aktienzettel, ziemlich einmalig. Zumal auch in wirtschaftlich guten Zeiten immer wieder Schieflagen bei einzelnen Investoren/Bauherren vorkommen, nicht nur in Krisen. Und die Banken sind aufgrund der neuen regulatorischen Anforderungen heilfroh, wenn sie diese notleidenden Kredite schnell aus den Büchern bekommen. Daher auch mit hohem Discount auf den Nominalwert.

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  4. Würden Munger und Buffett sich beteiligen an einem Unternehmen wo das Management lügt über Kapitalmassnahmen?

    Ein no-brainer: ein klares Nein.

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    1. Lügen, soso... was hat denn das Management so Falsches über die Kapitalmaßnahmen verbreitet? Die HV hat die Möglichkeit zu einer Kapitalerhöhung eingeräumt und dann wurde diese Maßnahme - überraschend schnell - am nächsten Tag durchgezogen.

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  5. Auch eine sehr gelungene Einschätzung:

    http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1215540-251-260/publity-immowert-einer#beitrag_52456875

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    1. Ja, der Foren-Beitrag gibt weitgehend meine Einschätzung wider und ergänzt diese um Prognosen hinsichtlich der Einnahmen, die Publity in 2016 ff. aus den AUM ziehen können wird.

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  6. Hallo Herr Kissig,
    sehen sie einen fundamentalen Grund für den Kurseinbruch bei publity? Finanznachrichten präsentiert nur positive Nachrichten - vergleichbare Werte, wie Patrizia sind stabil. Trotzdem bricht der Kurs deutlich ein.

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    1. Die Meldungen von/zu Publity sind regelmäßig positiv und bestätigen den positiven Ausblick. Publity verzichtet auf die Möglichkeit, quartalsweise die Anleger zu informieren. Statt dessen wird es Ende August die Halbjahreszahlen geben und bis dahin werden wir Anleger noch etwas Geduld haben müssen. Die Zahlen dürften allerdings meines Erachtens eher positiv ausfallen, denn bereits im Vorjahr hatte Publity einen besonderen Effekt zu verzeichnen: man hat zum Jahresende hin viele Beurkundungen für Käufe durchführen können, die Eintragungen im Grundbuch erfolgen jedoch regelmäßig erst in den ersten Wochen des neuen Jahres - und damit auch die "Finders Fees", die Provisionen, die Publity einsteckt. Diesen Aspekt hatte ich schon mal in meinem ersten Beitrag zu Publity beleuchtet. Ich bleibe optimistisch und Publity die zweitgrößte Position in meinem Depot.

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    2. Leider hab ich mein Pulver schon verschossen und kann nicht mehr Nachkaufen.

      Von welcher Position sind sie derzeit am meisten überzeugt?
      Das muss ja nicht zwingend die größte Position sein, da man zu häufiges Umschichten vermeiden sollte.

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    3. Von meiner Empfehlungsliste würde ich aktuell Aurelius, MBB, Deutsche Beteiligung als Investments für die nächsten Jahre kaufen, wenn ich eine Reihenfolge festlegen müsste. Diese weisen ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis auf und benötigen relativ wenig Beobachtung, was bei kleineren Spezialwerten und/oder Rohstoffwerten naturgemäß anders ist.

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