Sonntag, 21. August 2016

Eon: Die Risiken überwiegen

Vor rund sieben Monaten hatte ich Eon als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation vorgestellt und seitdem hat sich der Kurs unter stärkeren Schwankungen gen Norden orientiert. Meine damalige Annahme, die Aufspaltung in zwei Geschäftseinheiten würde für neue Impulse sorgen und das größte Risiko seien die Kosten für den Atomausstieg, haben sich nicht ganz so konkretisiert, wie ich dachte. Denn wenn auch die Lösung für den Atomausstieg teuer wird, ist sie letzten Endes nicht existenzgefährdend. Allerdings wird Eon wohl nicht wenig seines fossilen Kraftwerksgeschäfts veräußern müssen, um seinen Anteil an den Kosten stemmen zu können. Diese werden nun in die separate Einheit Juniper abgespalten und bei Eon entsteht nun hoher Abwertungsbedarf in Milliardenhöhe auf dieses Geschäft. Erneut.

Der Turnaround ist nicht gescheitert, er dauert noch an, mit offenem Ende. Es kann auch noch viel schlimmer kommen, bevor es (vielleicht) besser wird. Somit bleibt unterm Strich ein sich (wieder) verschlechterndes Chance-Risiko-Verhältnis mit einem sich eintrübenden Ausblick. Für mich bedeutet dies, dass ich die bisher nach dem halben Jahr aufgelaufene Rendite von 7,5% an Kursgewinnen und Dividendenausschüttung mitnehme und die Spekulation an diesem Punkt beende.

Ich streiche daher Eon von meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Ich bin im Energiesektor tätig und kann nur sagen: Absolut vernünftiger Schritt. Energiewende in Deutschland bedeutet Dezentralisierung, neue Erzeugungsarten, Deregulierung, zum Teil autarke Energieversorgung. Oder anders gesagt: Die großen EVU-Konzerne werden mächtig zu Kämpfen haben, Ausgang Ungewiss.

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  2. Ob ich nun im Energiesektor tätig bin, oder nur Kunde, der gesunde Menschenverstand sagt mir, daß die Versorger mit ihren weitreichenden Verbindungen alles daran setzen werden, daß sie die Kontrolle über diesen Markt behalten. Auch der Netzausbau für die regenerativen Energien läuft in diese Richtung und die Gelddruckmaschine wird nicht gestoppt, schon gar nicht von der Politik, die immer noch sehr gut mit diesen Konglomeraten leben kann und will. Die Weichen sind längst gestellt und die Zeichen stehen auf Gewinnmaximierung. Wer Zeit hat, kann jetzt günstig einsteigen und wird in Zukunft auch wieder überdurchschnittliche Dividenden erhalten. Zum Schluss wird doch immer der Steuerzahlung in Haftung genommen, wie bei allen anderen großen Verwerfungen am Markt sonst auch. Daher ist es im Grunde müßig, über Geschäftsmodelle in diesen Größenordnungen zu philosophieren, das Ergebnis ist stets gleich, es kommt halt nur auf den Zeitpunkt der Beteiligung an. Tipp am Rande: In Athen werden von den Wasserversorgern schon wieder Dividenden von 4 Prozent Plus gezahlt, na bitte.

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