Mittwoch, 28. Juni 2017

Corning: Der gläserne Riese!

Die richtigen Aktien zu finden, ist ganz einfach. Zumindest im Nachhinein. Denn man sieht den Kursverlauf und kann sich noch sehr gut erinnern, dass man die Aktie ja eigentlich kaufen wollte. Und man weiß auch noch, weshalb. Auch dieses Verhaltensmuster kann man unter dem Stichwort „Confirmation Bias“ ablegen, dem Bestätigungsfehler. Wir neigen dazu, Informationen so zu interpretieren, dass sie zu unseren Erwartungen passen. Und steigt ein Aktienkurs an, denken wir oft, „ich hab’s ja gleich gewusst“. Weshalb wir die Aktie dann aber nicht gekauft haben, obwohl wir es ja wussten, das reduzieren wir dann auf einen kleine, unwichtige Fehleinschätzung. Auf etwas, das uns einmalig einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und uns keinesfalls davon abhält, beim nächsten Mal bei der richtigen Aktie zum richtigen Zeitpunkt zuzugreifen.

Dummerweise passiert diese Situation Anlegern nicht nur einmal in ihrem Leben, sondern jeder dürfte sie schon mehrfach erlebt haben. Und da wir entgangene Gewinne sogar als schmerzhafter empfinden als Verluste, wäre es doch sinnvoll, sich einen Weg zu überlegen, dieses Verhaltensmuster aufzubrechen und es künftig besser zu machen.

Gut, dass wir bescheiden begabten Anleger nicht selbst auf die Lösung kommen müssen, denn wahre Börsenlegenden wie Warren Buffett oder Peter Lynch haben sich diese Gedanken bereits lange vor uns gemacht und Wege gefunden, damit umzugehen und zu besseren Investoren zu werden. Seien wir uns also nicht zu schade, sie einfach zu kopieren und ihrem Erfolgsweg zu folgen. Und wenn ich einfach sage, meine ich natürlich nicht einfach. Denn schon der große Goethe wusste, dass es nicht ausreicht, zu wissen, sondern man muss dieses Wissen auch anwenden.

»Value Investing ist simpel, aber nicht einfach.«
(Warren Buffett)

Peter Lynch rät, eine Branche zu finden, die auf absehbare Zeit wachsen wird und dann möglichst viele Aktien zu kaufen, die von dem Boom profitieren werden. Warren Buffett bevorzugt auch Branchen, wo in Zukunft Wachstum zu erwarten ist, fährt dann aber einen konzentrierten Ansatz. Anstatt breit gestreut Aktien einzusammeln, bevorzugt er das beste Unternehmen mit den größten Vorteilen und der besten Marktstellung zu finden und dann nur in dieses beste Unternehmen zu investieren. Er fragt, weshalb er das zweitbeste Unternehmen kaufen sollte, wenn er doch auch das Beste haben kann.

Dienstag, 27. Juni 2017

Stada wird übernommen. Später, anders, aber sicher...

Die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven sind mit der Übernahme von Stada gescheitert. Obwohl sie die Annahmefrist verlängert und die Mindestannahmeschwelle von ursprünglich 75,0 auf 67,5 Prozent gesenkt hatten, waren zum Ende der verlängerten Annahmefrist am 22. Juni 2017 lediglich 65,52 Prozent der ausgegebenen Stada-Aktien angedient worden, so dass die 5,3 Mrd. Euro teure Übernahme des Generika-Herstellers aus Bad Vilbel auf der Zielgeraden verreckt ist. Dabei hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Stada eine Annahme des Angebots ausdrücklich empfohlen.

Das Scheitern
Stada ist ein MDAX-Wert mit einem hohen Streubesitzanteil, was eine Übernahme schwierig macht. Des Weiteren ist in Deutschland erstmals das Phänomen ETF einem Übernahmeplan in die Quere gekommen. Denn diese passiven Indexfonds bilden den ihnen zugrunde liegenden Index 1:1 nach und können somit gar nicht eine Übernahmeofferte annehmen (anders als Aktienfonds) und ETFs halten immerhin rund 14 Prozent aller Aktien. Selbst bei vollständiger Annahme des Übernahmeangebots hätten also max. 86 Prozent angedient werden können. Die Finanzjournalisten haben das ETF-Phänomen/Problem sehr gut beschrieben.

Einer der aktivistischen Hedgefonds, die sich zuvor eingekauft und massiv auf eine Übernahme hingearbeitet hatten, Active Ownership, war während der Übernahmefrist zu Höchstkursen ausgestiegen. Auch das hat die Annahme nicht wahrscheinlicher gemacht und vielleicht waren es am Ende genau diese Aktien, die zum Erreichen der Mindestannahmeschwelle fehlten.

Die Lage
Bei der Shareholder Value Beteiligungen AG ist Stada die größte Depotposition und das Scheitern der Übernahme samt dem folgenden zweistelligen Kurseinbruch trifft das Unternehmen bzw. dessen Nettoinventarwert hart. Deren Vorstand hat sich heute zu einer Corporate News hinreißen lassen mit der Überschrift "Gier ist schlecht". Darin wird die vermeintliche Gier der Anleger, die Offerte nicht angenommen haben, kritisiert und andererseits erklärt, dass die SHB an ihrem Aktienpaket festhalten wird, da man weiterhin an eine Übernahme glaubt. Und zwar entweder durch Bain/Cinven oder ein anderes Konsortium.

Montag, 26. Juni 2017

Surteco hat Süddekor-Übernahme verdaut und entwickelt wieder Expansionsappetit

Manche Aktien könnte man als Winterschlafaktien bezeichnen, weil sie sich lange Zeit kaum bewegen, um dann innerhalb kürzester Zeit entdeckt zu werden. Manchmal ist dieses Entdecken der Beginn einer Börsenerfolgsstory, manchmal nur das kurze Aufbäumen vor einer neuen Durststrecke. 

Derartige Aktien finden sich eher bei den Nebenwerten, was auch daran liegt, dass die großen Werte von vielen Analysten beobachtet werden und es damit auch regelmäßig Informationen und Einschätzungen zu ihnen gibt, während bei den Nebenwerten manchmal überhaupt kein Analyst aktiv ist. Für Anleger bieten sich hier also besondere Chancen, einen Hidden Champion zu entdecken, doch kann man die Attribute klein und unentdeckt nicht automatisch gleichsetzen mit erfolgreich. Und wir wollen ja nach den Dornröschens Ausschau halten, die kurz davor stehen, wachgeküsst zu werden, und nicht auf diejenigen setzen, die auch die nächsten Jahre vor sich hin schnarchen werden...

Ist Surteco ein Hidden Champion?
Die Surteco SE ist auf die Produktion von dekorativen Oberflächenmaterialien auf Papier- und Kunststoffbasis spezialisiert, die dann vorwiegend bei der finalen Beschichtung von Holzwerkstoffen wie Span- oder Faserplatten verwendet werden. Das Unternehmen vertreibt weltweit unter anderem Fassadensysteme, Flächenfolien, Rollladensysteme und Dekordrucke, zu seinen Kunden gehören in erster Linie Firmen aus der Möbelindustrie. Darunter Hersteller von Büro-, Küchen- und Badmöbeln, Spanplattenhersteller, Holzplatten- und Oberflächenhändler sowie Abnehmer aus der Metallverarbeitung, der Elektroindustrie, Unternehmen aus baunahen Bereichen sowie Baumärkte. 

Dieses Geschäftsmodell liest sich wie Langeweile in Reinkultur und jetzt ist schon mal klar, dass es sich wohl kaum um ein gehyptes Startup handelt, sondern um ein ziemlich bodenständiges Unternehmen. Ob es auch ein solides Investment sein kann, wird sich zeigen.

Börsenweisheit der Woche 26/2017

"Es gibt kaum eine bessere Rechtfertigung für steigende Aktienkurse als steigende Unternehmensgewinne".
(Hans-Jörg Naumer)

Donnerstag, 22. Juni 2017

Publity nach der Rekorddividende: Ist die Luft jetzt raus oder startet die Aktie durch?

Publity, der erfolgreiche Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien, hat soeben seine Hauptversammlung hinter sich gebracht und auf dieser wurde die Rekorddividende von 2,80 Euro je Aktie beschlossen. Damit verschwindet das Thema Dividende von der Agenda und der Fokus der Anleger dürfte sich wieder stärker auf das operative Geschäft richten - das ja die üppigen Dividenden erst einmal verdienen muss...

Die Hauptaktivitäten des Unternehmens liegen im Erwerb, der Verwaltung und der Verwertung von gewerblichen Grundstücken und Gebäuden. Dabei konzentriert sich Publity vor allem auf die Ballungszentren Frankfurt und München sowie andere deutsche Großstädte. Zuletzt hat man sich aber auch mit den umliegenden Städten der Randgebiete dieser Metropolen befasst und sich hier stärker engagiert. Das Unternehmen übernimmt dabei alle Aufgaben der Wertschöpfungskette, also die Strukturierung von Anlageprodukten für institutionelle und private Investoren, den Ankauf der Immobilien oder von NPLs (Non Performing Loans) sowie das Asset-Management und die Verwertung/Verkauf. In allen Stadien der Wertschöpfungskette verdient Publity Gebühren und/oder Provisionen.

In diesem Jahr gab es bisher zwei einschneidende Ereignisse für Publity. Zum Einen gewann man die von Publity-CEO und Großaktionär Thomas Olek ins Leben gerufene Consus Commercial Property AG als Kunden. Dieser "Erfolg" ist natürlich nicht wirklich schwer gefallen, aber das macht das Business nicht minder einträglich, denn Consus hat selbst keine Ankaufsabteilung und überlässt dieses Feld entgeltlich vollständig der Publity. Und zum Anderen gewann Publity einen südamerikanischen Investor, der für einen Milliardenbetrag Gewerbeimmobilien in Deutschland erwerben möchte - durch Publity. Und zwar mit deutlich geringerer Renditeerwartung als bei den bisherigen Publity-Kunden aus der Finanzszene üblich. Insofern hat sich Publity hier keine Kunden-Konkurrenz ins Haus geholt, sondern mit den beiden Deals sein Leistungsspektrum erweitert.

Dienstag, 20. Juni 2017

S&T und Kontron können nach den erfolgreichen HV-Voten ihre Verschmelzung angehen

Der Linzer Technologiekonzern S&T AG ist den selbstgesteckten Zielen seines CEO und ehemaligen Großaktionärs Hannes Niederhauser einen großen Schritt näher gekommen, denn sowohl die Hauptversammlung der Kontron AG als auch die der S&T AG haben jeweils mit großer Mehrheit dem Verschmelzungsvertrag der beiden Unternehmen zugestimmt. Die Verschmelzung der Kontron AG auf die 100 prozentige Tochter der S&T AG, die S&T Deutschland Holding AG, in der das Embedded-Know-How der Gruppe gebündelt wird, soll die Stellung des zukünftigen Unternehmensverbunds für Embedded Module, Boards und Systeme sowie Internet der Dinge weiter ausbauen. Über die Softwarekompetenz der S&T-Gruppe hat die Kontron zudem die Möglichkeit, das Produktportfolio mit Softwarelösungen und Softwaredienstleistungen zu erweitern und ihre Technologieführerschaft zu stärken.

Niederhauser möchte mit der gebündelten Power von Kontron und S&T Technologie- und Marktführer werden und bereits ab 2018 die Eine-Milliarde-Euro Marke beim Umsatz überschreiten. Zwischenziel für das Geschäftsjahr 2017 sind Umsätze zwischen 860 und 890 Millionen Euro und ein EBITDA von 50 Millionen Euro.

Meine Einschätzung
Nach den zustimmenden Voten der beiden Hauptversammlungen kann nun die Verschmelzung angegangen werden. Erhebliche Sanierungsvorarbeiten auf Seiten Kontrons wurden bereits im Vorfeld geleistet, so dass künftig der Fokus auf dem Heben der Synergiepotenziale und der zu schaffenden neuen gemeinsamen Schlagkraft liegen wird. Bisher konnte Hannes Niederhauser immer überzeugen und seine Visionen erfolgreich umsetzen. Und auch bzgl. Kontron scheint er auf dem richtigen Pfad zu sein und nach dem Thema IT-Sicherheit für S&T ein weiteres, wichtiges Zukunftsfeld zu besetzen.

S&T befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 19. Juni 2017

Weltmarktführer Ringmetall kauft munter weiter zu. Und bleibt aussichtsreich...

Die inzwischen als Industrieholding agierende Ringmetall AG (früher H.P.I. Holding AG) ziert nun schon mehr als vier Jahre meine Empfehlungsliste. Damals stellte ich hier das "schön langweilige Beteiligungsdornröschen" vor und bis heute hat das Unternehmen noch kein bisschen von seinem Schwung verloren. Aus der bisherigen europaweit tätigen Beteiligungsgesellschaft wird seit einiger Zeit eine operativ tätige globale Industrieholding geformt mit dem Schwerpunkt Industrial Packaging und Industrial Handling für Kunden in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen und Lebensmittel verarbeitenden Industrie. Aus der grauen Provinzmaus wird ein globaler Herr der Ringe.

Das Jahr 2016 hatte man mit Rekordwerten abschließen können und auch das erste Quartal 2017 lief verheißungsvoll an. So erhöhte sich der Konzernumsatz deutlich um 19,2 Prozent auf 26,7 Mio. Euro (Q1 2016: 22,4 Mio. Euro). Der Rohertrag stieg um 13,6 Prozent auf 11,8 Mio. Euro (Q1 2016: 10,4 Mio. Euro), wenngleich auch die Rohertragsmarge vor dem Hintergrund des stahlpreisbedingt gestiegenen Materialaufwands mit 44,3 Prozent geringer ausfiel als im Vorjahr (Q1 2016: 46,5 Prozent). Dieser Effekt wirkte sich entsprechend auch auf die weiteren Ergebnismargen aus. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 3,2 Mio. Euro um 7,9 Prozent über dem Vorjahreswert (Q1 2016: 3,0 Mio. Euro), während das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) 2,1 Mio. Euro noch stärker bzw. um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte (Q1 2016: 1,9 Mio. Euro).

Doch Ringmetall ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus, sondern forciert sein Geschäft. Auf der einen Seite kann man noch immer erhebliche Synergieeffekte aus der großen Self Industries-Übernahme heben, was den Margen und Gewinnen zugute kommt, und andererseits befindet man sich weiterhin auf Einkaufstour. Nachdem man sich bereits vor einigen Jahren dem großen Wachstumsmarkt China zugewandt hat, übernimmt man dort nun im Rahmen eines Asset Deals mit HongRen einen chinesischen Produzenten von Spannringen und Fassverschlusssystemen. HongRen mit Sitz in Changzhou erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 mit 29 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,2 Mio. Euro bei einem deutlich positiven Ergebnisbeitrag. Zu den Produkten von HongRen zählen neben Fassspannringen für unterschiedliche Anwendungsbereiche auch Hebelverschlüsse für Industriefässer. Das Unternehmen ist überdurchschnittlich gut am chinesischen Markt positioniert und verfügt über langjährige Geschäftsbeziehungen zu wichtigen Kunden der Verpackungsindustrie. Insbesondere verschafft sich Ringmetall einen "optimalen Zugang" zum Asiengeschäft des international führenden Fassherstellers Greif.

Börsenweisheit der Woche 25/2017

"Warum nicht Geld in einer Firma anlegen, die man mag? Mae West sagte: ‚Zuviel des Guten kann wunderbar sein‘".
(Warren Buffett)

Sonntag, 18. Juni 2017

Weshalb Fairfax Financial jetzt kein Investment (mehr) wert ist

Prem Watsas Fairfax Financial Holdings Ltd. habe ich erst vor einiger Zeit hier im Blog vorgestellt und auf meine Empfehlungsliste genommen. Der Kurs ist seitdem weiter abgebröckelt und nun leicht zweistellig im Minus. Das alleine stimmt mich nicht nachdenklich, allerdings bin ich bei der Überprüfung meiner Investments zu dem Schluss gekommen, dass ich heute Fairfax Financial. nicht mehr kaufen würde.

Bei  meinem Einstieg habe ich kein glückliches Timing-Händchen beweisen, aber die Gründe für die schlechte Entwicklung liegen doch woanders. So ist Fairfax in Kanada beheimatet und das Land leidet nicht nur unter Donald Trumps Strafzöllen (gegen die Holzindustrie) und Trumps Attacken gegen den Freihandel, speziell das NAFTA-Abkommen, sondern vor allem unter der sich immer stärker zuspitzenden Lage am kanadischen Häusermarkt und der drohenden massiven Belastung für den Banken - und Finanzsektor. Diese Bedrohung ist nicht neu, ich habe sie nur nicht als so gewichtig eingestuft, wie ich es jetzt tue. Vielmehr war meine Überlegung, dass Fairfax ausreichend global diversifiziert ist mit seinen Investments und Beteiligungen. Doch hier zweifele ich meine These selbst zunehmend an.

 Fairfax Financial (Quelle: finanzen.net) 
Einerseits ist Fairfax Financial stark in US-Anleihen investiert und auch wenn man den Bestand bereits reduziert, so werden die Anleihekurse von den Zinsanhebungen der US-Notenbank FED empfindlich getroffen - und sorgen für Abwertungsbedarf in der Fairfax-Bilanz, wenn auch nur bis zum Laufzeitende, sofern sie nicht vorher verkauft werden. Doch genau das tut man jetzt. Und andererseits kauft Fairfax weltweit Finanzunternehmen, Banken und Versicherungen. Nicht nur in Griechenland und der Eurozone kauft man sich - vermeintlich - billig ein, sondern auch in Indien und andernorts. Und genau hier entstehen zusätzliche Risiken, denn ein Finanzkollaps von Kanadas Immobilienmarkt dürfte auch Assekuranzen und Banken weltweit treffen. Keinesfalls in dem Ausmaß wie bei der globalen Immobilien- und Finanzkrise, aber die vormals lukrativen kanadischen Investments dürften einiges an Abschreibungsbedarf mit sich bringen, sofern die Situation eskaliert.

In Summe überwiegen für mich die Risiken inzwischen die Chancen deutlich und daher streiche ich Fairfax Financial von meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 16. Juni 2017

Kleine Meldung, Riesending: Corestate Capital und die Hannover Leasing-Übernahme

Die in Luxemburg beheimatete Corestate Capital Holding SA ist ein Immobilien-Beratungsunternehmen, das seine Kunden europaweit während allen Lebenszyklen einer Immobilie begleitet: von der Akquisition über das aktive Asset Management über Projektentwicklung bis hin zum Verkauf von Gewerbe- und Wohnimmobilien. Dabei ist Corestate Dienstleister und nicht Bestandshalter der Immobilien. Also ein klassischer Asset Manager. Corestate war erst vergangenen Oktober an die Börse gegangen und hat seitdem ein rasantes Tempo vorgelegt, was das Aufbauen neuer Geschäftsfelder und Zukäufe angeht. Und der Kurs hat mit dem Wachstumstempo locker Schritt halten können: vom Emissionskurs bei 17 Euro hat die Aktie um mehr als 150 Prozent zulegen können und wer meiner Erstempfehlung Ende März bei knapp 27 Euro folgte, kann sich auch über ein Kursplus von deutlich mehr als 50 Prozent freuen. Und heute gab es endlich die Nachricht, die so unscheinbar daherkommt, dass man sie fast beiläufig übersehen könnte. Dabei ist sie "der Game-Changer" für Corestate...

Denn heute hat die BaFin der Übernahme der Hannover Leasing grünes Licht gegeben. Im Dezember 2016 hatte Corestate Capital den Kauf von 94,9% der Anteile an der Hannover Leasing GmbH & Co. KG einschließlich der zur Hannover Leasing-Gruppe gehörenden Konzerngesellschaften bekannt gegeben. Der Vollzug der Transaktion stand unter dem Vorbehalt des Abschlusses des Inhaberkontrollverfahrens durch die BaFin, das nunmehr erfolgreich abgeschlossen ist. Die BaFin hat mitgeteilt, dass dem Erwerb keine Untersagungsgründe entgegenstünden, so dass der Vollzug der Transaktion Anfang Juli diesen Jahres erfolgen kann. Verkäufer sind im Wesentlichen die Mehrheitsgesellschafter Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba) und die Hessisch-Thüringische Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft (HTSB). Die Helaba bleibt als Minderheitsgesellschafter mit 5,1 Prozent an der Hannover Leasing Gruppe beteiligt. So umgeht man die Zahlung der Grunderwerbssteuer.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Villeroy & Boch: Tradition trifft Zukunft. Und den Geist der Zeit...

Wenn es auf dem deutschen Kurszettel ein Traditionsunternehmen gibt, dann dürfte dies Villeroy & Boch sein. Die Marke ist jedem ein Begriff, nicht nur der Großmutter, die noch der Idee nachhängt, dass gute Geschirrset müsse von Generation zu Generation weitervererbt werden, um dann beim Sonntagskaffee im großen Familienkreis aufgetischt zu werden.

Doch die Zeiten der großen Familien und häufigen Zusammenkünfte sind längst vorbei und auch der Stellenwert der Aussteuer samt Omas hochwertigem Kaffeeservice ist deutlich gesunken. Anhand des Kursverlaufs der Villeroy & Boch-Aktie kann man dies gut ablesen. Denn schaut man weit in die Vergangenheit zurück, dann findet man Anfang der 1990er Jahre Kurse von über 35 Euro. Das ist beinahe doppelt so hoch wie heute und doch liegen die aktuellen 19 Euro, die man für jetzt einen Anteil an der Börse bezahlen muss, um das Fünffache höher, als zum Tiefstkurs während der Finanzkrise, als man eine Aktie für gerade mal 3,10 Euro bekam.

Dieses Auf- und Ab der Kurse spiegelt die Geschichte des Unternehmens gut wider und zeigt, wie schwer es Traditionsunternehmen mitunter haben, sich aus ihren traditionellen Geschäftsfeldern zu lösen und sich neu zu erfinden. Villeroy & Boch ist dies seit seiner Gründung im Jahr 1748 mehrfach gelungen. Obwohl man weiterhin vor allem für das hochwertige Porzellangeschirr bekannt ist, bieten die Saarländer heute ein weitaus breiteres Angebotsspektrum an. So ist man inzwischen zu einem Einrichtungs- und Ausstatterhaus geworden, das Architekten, Planern und Bauherren Einzel- und Komplettangebote bietet zum Thema Inneneinrichtung, Bad und Armaturen, Wohnkultur. Ganz wesentliches Element der Firmenphilosophie ist dabei der Qualitätsanspruch.

Dienstag, 13. Juni 2017

MBB: Insiderverkäufe ebnen Weg für SDAX-Aufnahme

Bei der mittelständischen Beteiligungsholding MBB SE geht es weiter Schlag auf Schlag. Nach dem erfolgreichen Börsengang der Tochter Aumann vermeldete das Unternehmen nun, dass sich die Gründer und Großaktionäre von einem Aktienpaket getrennt hätten. Was normalerweise für ein Aufhorchen sorgen sollte, hat einen einfachen Hintergrund - und der ist nicht die Absicht, Geld zu erzielen. Denn das hätten die Großaktionäre auch in Form einer üppigeren Dividendenausschüttung erreichen können. Nein, man trennt sich von insgesamt rund 6 Prozent der Aktien und gibt diese an institutionelle Investoren ab, um den Streubesitzanteil zu erhöhen. Gesagt, getan. Die 400.000 Aktien wurden zu 98 Euro außerbörslich platziert und der Freefloat steigt somit auf 35,2 Prozent an und die Großaktionäre halten künftig jeweils 32,4 Prozent bzw. zusammen 64,8% an MBB.

Gewünschter Effekt dieser Maßnahme ist, dass MBB mit dem erhöhten Freefloat näher dran an das erklärte Ziel rückt, in absehbarer Zeit in den SDAX aufgenommen zu werden. Bei den Kriterien kommt es neben der Börsenkapitalisierung und dem Börsenumsatz auch auf einen ausreichenden Streubesitzanteil an.

Montag, 12. Juni 2017

Börsenweisheit der Woche 24/2017

"Dividendenzahlungen bieten keine absolute Sicherheit, denn sie können gekürzt oder ganz gestrichen werden und Dividenden zahlende Unternehmen können Pleite gehen."
(Ken Fisher)

Donnerstag, 8. Juni 2017

EZB bleibt bei ihrer Nullzinspolitik. Und das hat Folgen...

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat getagt und es passierte... nichts. Naja, fast nichts und das ist dann eben doch schon was. Zunächst ließ EZB-Chef Mario Draghi den Leitzins unangetastet bei null Prozentpunkten. Das hatten nicht alle so erwartet, was mich wiederum verwundert. Denn Hauptaugenmerk der EZB ist ihr postuliertes Inflationsziel von 2 Prozent und als zum Jahresanfang die Energiepreise stiegen und mit ihnen die Inflationsrate, da meinten viele schon, die Inflation sei dauerhaft zurückgekehrt und die EZB würde nun endlich die Zinsen erhöhen. Falsch gedacht, wie ich Ende März schon schrieb, als ich den Immobilien-Manager Corestate Capital auf meine Empfehlungsliste nahm.

Schon damals meinte ich, die um die Energiepreise bereinigte Inflationsrate würde deutlich weniger stark ansteigen und aufgrund des Basiseffekts aus dem Vorjahr demnächst auch die Inflationsrate insgesamt wieder absinken. Und genau das geschieht nun, denn die EZB hat ihre Inflationserwartungen für die Eurozone für die Jahre 2017 bis 2019 gesenkt, während sie ihre Annahmen für das BIP-Wachstum erhöht hat, wie die Financial Times berichtet. Des Weiteren sieht Mario Draghi keine Deflationsgefahren mehr, was insgesamt beruhigend ist als Ausblick für die wirtschaftliche Gesamtsituation. Folgerichtig hat er auch erstmals nicht mehr sein Mantra von bestehenden konjunkturellen Abwärtsrisiken wiederholt und die Notenbank stellt auch keine weiteren Zinssenkungen mehr in Aussicht. Zumindest verbal steuert die EZB auf Normalkurs um, von einem Inflationsszenario ist jedoch weit und breit keine Spur.

 Quelle: Financial Times
Und das hat natürlich Folgen, denn damit rückt die Aussicht auf eine Zinswende auch in der Eurozone in weite(re) Ferne. Zumal auch in den USA die Stimmen leiser werden, die von schnellen weiteren Zinsanhebungen der FED ausgehen, da auch in den USA das Wachstum und die Arbeitslosenzahlen dies nicht (mehr) ohne Weiteres hergeben.

Wenn nun aber die Zinsen erst einmal nicht steigen, bleibt das Schuldenmachen weiter attraktiv, während das Sparen weiter nichts abwirft oder sogar schon Strafzinsen kostet. Daher dürften auch künftig Banken und Versicherungen unter Druck bleiben, während Asset Manager und Immobilien (-unternehmen) weiter auf der Sonnenseite stehen, ebenso das FinTech-Unternehmen Hypoport, das über seine Tochter Dr. Klein zweitgrößter Anbieter von Online-Immobilienkreditvermittlungen in Deutschland ist.

Public Storage: Dieser REIT setzt voll auf die Lage(r)

Peter Lynch war der beste Fondsmanager der 1980er Jahre und er schrieb drei Bücher über die Börse. Das erste und bekannteste heißt „Der Börse einen Schritt voraus“. In seinen Büchern zeigt Lynch auf, dass im Grunde jeder Anleger mit Aktien reich werden kann, wenn er nur mit offenen Augen durch die Welt geht und die richtigen Schlüsse aus seinen Beobachtungen zieht. Damit habe der kleine Privatanleger sogar einen entscheidenden Vorteil gegenüber professionellen Fondsmanagern. Die große Mehrheit von denen schneidet nämlich schlechter als der Vergleichsindex ab – allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass man als Privatanleger alleine deshalb schon bessere Ergebnisse erzielt. Man muss schon etwas dafür tun.

»Wenn man die Augen offen hält, kann man auf spektakuläre Performer stoßen, und zwar entweder an seinem Arbeitsplatz oder in der Shopping Mall um die Ecke. Und das lange bevor die Wall Street darauf kommt.«
(Peter Lynch)

Halte einfach die Augen offen
Jeder von uns hat persönliche Vorlieben für bestimmte Produkte. Daraus kann man noch keinen Börsenerfolg ableiten. Wenn man sich aber im Bekanntenkreis umsieht, wird man schnell feststellen, welche Produkte gerade angesagt sind und über welche Neuerscheinungen positiv gesprochen wird. Und man kann in seiner Umgebung sehen, welche neuen Läden eröffnen und wo viel Kundenbetrieb herrscht oder welche Boutiquen inzwischen eher gemieden werden.

Sind die dahintersteckenden Unternehmen an der Börse notiert, dann sollte man zwar nicht sofort die Aktien dieser Unternehmen kaufen, aber man erhält aufgrund seiner Beobachtungen Ideen, wo es lohnen könnte, genauer hinzusehen.

Dienstag, 6. Juni 2017

Nimmt der Turnaround bei Mutares jetzt richtig Fahrt auf?

Ich bin ein bekennender Fan von Beteiligungsgesellschaften und habe eine ganze Reihe von ihnen bereits in meinem Blog vorgestellt. Um Mutares habe ich lange einen Bogen gemacht und der durch operative Probleme und Fehlentscheidungen des Managements ausgelöste Kursabsturz gab mir Recht. Vor einem halben Jahr mehrten sich dann allerdings die Anzeichen für einen Turnaround, ausgelöst durch eine strategische Neuausrichtung - und ich nahm Mutares als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation bei einem Kurs von 11 Euro auf meine Empfehlungsliste auf. Bisher ging die Spekulation prima auf und es mehren sich die Anzeichen, dass dies erst der Anfang einer sich entwickelnden nachhaltigen Erfolgsgeschichte war.

Mutares ist eine international ausgerichtete deutsche Beteiligungsgesellschaft, die sich nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel für Anleger attraktiver gestalten will. Das ist auch nötig, denn Mutares konnte den eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht werden und hat mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen. Der Kursverlauf bis Ende vergangenen Jahres zeichnet dieses Scheitern unschön nach. Doch Mutares scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und steuerte inzwischen um. Bereits im ersten Halbjahr 2016 hat man kräftig in den Ausbau des Teams und der Infrastruktur investiert und auch sie Strategie wurde angepasst. Anstatt wie bisher Stand-Alone-Restrukturierungsfälle zu akquirieren, will man künftig Cluster bilden und auch durch Synergien und Formierung größerer Einheiten Werte generieren und heben. Das klingt aussichtsreicher und erfolgversprechender, weil man so beim Exit auch ganz andere Interessenten ansprechen kann, nämlich strategische Investoren, für die das Übernahme-Target dann keine kleine Rand-Ergänzung ist, sondern ggf. ein weiteres Elefanten-Standbein. Geographisch bewegt sich Mutares mit dem Schwerpunkt Frankreich und Italien in einem Bereich, den andere Beteiligungsgesellschaften wie Aurelius oder Bavaria bisher nicht abdecken. Das Ziel, bald 1,8 Mrd. Euro Umsatz in den Beteiligungsunternehmen zu erzielen, ist jedenfalls schon mal eine markige Ansage, doch es müssen auch Taten folgen. Und die folgen...

Montag, 5. Juni 2017

Börsenweisheit der Woche 23/2017

"Vor langer Zeit hat mir Ben Graham beigebracht, dass 'der Preis das ist, was Du zahlst, und der Wert das ist, was Du bekommst'. Ob wir über Socken oder über Aktien reden: Ich mag es, Dinge zu kaufen, wenn sie heruntergesetzt sind."
(Warren Buffett)

Sonntag, 4. Juni 2017

PNE Wind hat seine Schuldigkeit getan...

PNE Wind, die ehemalige Plambeck, hatte ich im November als Turnaround-Spekulation auf  meine Empfehlungsliste genommen, weil ich davon ausging, dass ein erfolgreicher Verkauf des sog. YieldCo-Portfolios zu einer Aufdeckung der deutlichen Unterbewertung der Aktie führen würde. Kurze Zeit später schlug dann die Allianz zu und mein Szenario ging voll auf - außer, dass der Aktienkurs sich völlig unbeeindruckt zeigte und noch wochenlang um die 2 Euro herumdümpelte.

Doch das ist Geschichte, denn mittlerweile hat der Aktienkurs deutlich angezogen und inkl. der gerade erfolgten Dividendenausschüttung schlagen in acht Monaten satte 50% Rendite zu Buche. Meine Spekulation ist damit voll aufgegangen, die weiteren Aussichten scheinen aber eher begrenzt; insbesondere bei künftigen Auslandsinvestitionen in GB und den USA droht Ungemach und Unsicherheit und auch das Ausschreibungsverfahren in Deutschland macht die Sache nicht einfacher. Ich habe ich daher entschieden, PNE Wind von meiner Empfehlungsliste zu streichen.

Donnerstag, 1. Juni 2017

MBB-Tochter Delignit sichert sich Folgeaufträge in der Bahnsparte

Die Delignit AG ist ein börsennotiertes Tochterunternehmen der Industrieholding MBB SE, die 76 Prozent der Anteile an dem Hersteller ökologischer, laubholzbasierter Produkte und Systemlösungen hält. Delignit ist mit seinen Produkten Zulieferer für die Automobil-, Bahn- und Luftfahrtindustrie und konnte gerade zwei Folgeaufträge für seine Bahnsparte von der europäischen Tochtergesellschaft eines internationalen Konzerns aus Asien an Land ziehen. Gegenstand des Vertrages sind die von Delignit in den vergangenen Jahren entwickelten innovativen System-Bodenlösungen.

Im Rahmen dieser Aufträge, die im einstelligen Millionen-Euro-Bereich liegen und bis Ende 2018 ausgeliefert sein sollen, wird Delignit neue Regionalzüge ausstatten, die in Schottland eingesetzt werden sollen. Dieser elektrische Zugtyp zeichnet sich durch seine Energieeffizienz aus, zu der auch die Leichtbauweise der Gesamtkonstruktion beiträgt. Des Weiteren wird Delignit neue Hochgeschwindigkeitszüge für den Betrieb in England ausrüsten. Bei diesen innovativen Zügen handelt es sich um Hybridfahrzeuge, die sowohl auf elektrifizierten als auch auf oberleitungsfreien Strecken eingesetzt werden können.