Montag, 13. Februar 2017

Stada-Übernahme: Die Shareholder Value Beteiligungen AG als großer Profiteur

Die Shareholder Value Beteiligungen AG investiert in kleine und mittel-ständische, börsennotierte Aktiengesellschaften aus dem deutschsprachigen Raum. Sie verfolgt dabei konsequent den Value-Investing-Ansatz und nutzt den Innern Wert als zentrale Steuerungsgröße. Und dabei ist sie sehr erfolgreich, wie die Entwicklung von Kursverlauf und innerem Wert belegen. Und das zufriedene Grinsen im Gesicht ihrer Aktionäre, denn beide Werte konnte das Team um Frank Fischer und Reiner Sachs seit dem Tiefpunkt 2009 während der Finanzkrise mehr als verfünffachen.

Dabei waren die Aktien der SVB lange Zeit mit einem deutlichen Abschlag auf den NAV, den inneren Wert, zu kaufen, teilweise bis zu 20%. Diese Zeiten sind inzwischen vorbei und die Aktien notieren inzwischen eher mit einem leichten Aufschlag auf den NAV. Auch daran zeigt sich der Erfolg des Managements, dem Anleger offenbar zutrauen, ihr Geld auch in Zukunft zu mehren.

Eine Investition, die aktuell von sich Reden macht, sticht hier besonders hervor. Denn nachdem die SVB innerhalb des Delisting-Erwerbsangebots ihre Aktien von I:FAO als bis dato größte Position angedient hatte, rückte der Generika-Hersteller Stada zur größten Beteiligung im SVB-Portfolio auf. Diese hatte die SVB im letzten Sommer im Zuge der Querelen um den unrühmlichen Abgang des einstigen Firmenlenkers Hartmut Retzlaff und dem Einstieg mehrerer aktivistischer Finanzinvestoren aufgebaut. Und auch diese Griff scheint sich als Glücksgriff zu erweisen, denn die damaligen Kursen zwischen €30 und €40 hatte die Stada AG inzwischen längst hinter sich gelassen. Was nicht nur an operativen Fortschritten liegt, die das neue Management vorzuweisen hat, sondern insbesondere auch an der jüngsten Meldung, die einen weiteren Kurssprung von knapp 15% auslöste.

 Shareholder Value Beteiligungen (Quelle: finanzen.net
Denn Stada hat "das Vorliegen von zwei rechtlich unverbindlichen Interessenbekundungen in Bezug auf den Erwerb von bis zu 100 Prozent der Aktien der Gesellschaft, darunter eine von Cinven Partners LLP zu einem indikativen Angebotspreis von €56,00 pro STADA-Aktie". Gerüchten zufolge sollen auch andere Finanzinvestoren ein Auge auf Stada geworfen haben, so Advent, Permira, CVC, Bain Capital und Blackstone. Wie viel an den einzelnen Namen dran ist, kann man nicht seriös einschätzen, dass alle grundsätzlich Interesse an einer Übernahme haben, kann man allerdings als sicher annehmen. Denn die Finanzinvestoren sitzen auf einem enormen Berg an Cash, weil ihnen ihre Investoren immer Geld anvertrauen, für das sie anderweitig kaum noch attraktive Renditen erzielen können. Und dieses Geld muss investiert werden. Und dazu kommt noch, dass Stada auch zu seinen Glanzzeiten immer als heißer Übernahmekandidat gehandelt wurde, schon seit vielen Jahren. Das "System Retzlaff" hat hier ernstzunehmende Versuche stets frühzeitig unterbunden, doch das ist Geschichte. Stada ist spätestens ab heute "im Spiel" und Aktionäre können sich auf einen anstehenden Bieterwettkampf einstellen, bei dem €56 vermutlich kaum das Ende der Fahnenstange sein dürfte. Bei diesem Gebot würde Stada gerade mal mit €3,6 Mrd. bewertet und rechnet man die Finanzschulden von €1,2 Mrd. hinzu kommt man auf €4,8 Mrd. Für die finanzstarken Interessenten haben solche Größenordnungen noch nicht einmal Mittelfeld-Charakter.

 Quelle: Shareholder Value Beteiligungen AG 
Meine Einschätzung
Der heutige weitere Kursanstieg bei Stada um knapp 15% ist bisher am Aktienkurs der Shareholder Value Beteiligungen AG spurlos vorbeigegangen, aber das dürfte nicht so bleiben. Denn die SVB veröffentlicht regelmäßig ihren NAV und dabei wird das Kursfeuerwerk bei ihrer inzwischen größten Beteiligung natürlich deutliche, positive Auswirkungen haben. Zu Ende Januar bezifferte die SVB diesen Inneren Wert mit €101,94 und aktuell notiert die Aktie mit gut €109 um 7% darüber - dank des Stada-Kurssprung dürften sich beide Werte stark angenähert haben. Und jedes mögliche weitere Gebot, das den Stada-Kurs nach oben treibt, hätte umgehend positive Auswirkungen auf den NAV der SBV-Aktien.

Bisher hat es sich ausgezahlt, auf die Expertise der Macher hinter der Shareholder Value Beteiligungen AG zu setzen und deren Aktien im Depot zu haben. Und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich dies in Zukunft ändern sollte. Der konsequent gelebte Value-Investing-Ansatz zeigt hier beste Erfolge und ich werde keine Stücke aus der Hand geben. Im Gegenteil, ich habe heute morgen meine Position zu knapp unter €109 nochmals etwas ausgebaut. Gerade weil der SVB-Kurs bisher noch gar nicht auf die Stada-Meldung reagiert hat.

Die Shareholder Value Beteiligungen AG habe ich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 13.02.2017, 14:23
Stada meldet soeben, der Vorstand habe in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, mit den beiden potenziellen Bietern "ergebnisoffene Gespräche" aufzunehmen. Die beiden rechtlich unverbindlichen Interessenbekundungen von Cinven Partners LLP sowie von Advent International Corporation könnten auf unterschiedliche Weise attraktive Optionen im Unternehmensinteresse bieten, so dass Stada nun mit den Interessenten deren strategischen Konzepte näher erörtern will, um weitere Wertsteigerungspotenziale im Hinblick auf einen potenziellen Angebotspreis bewerten zu können.


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ERGÄNZUNG VOM 17.02.2017, 09:23
Berichten zufolge ist ein dritter Bieter aufgetaucht. Dabei soll es sich um den Finanzinvestor Bain Capital handeln und deren Angebot liege mit €58 um €2 über dem Preis, den Cinven als "indikativen Angebotspreis" benannt hatte.


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ERGÄNZUNG VOM 23.02.2017, 16:33
US-Finanzinvestor Advent hat ein erstes verbindliches Angebot für Stada abgeben und bietet €58 je Aktie, was den Bad Vilbeler Pharmakonzern mit €3,6 Mrd. bewertet. Weitere Offerten anderer Interessenten dürften nun zeitnah folgen...


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ERGÄNZUNG VOM 25.02.2017, 11:53
Stada gab soeben bekannt, man habe "die bereits seit dem 13. Februar laufenden ergebnisoffenen Gespräche mit allen Interessenten in einen strukturierten Bieterprozess überführt. Der transparente und faire Prozess, der weiteren Interessenten offensteht, stellt sicher, dass alle potenziellen Bieter den gleichen Informationsstand sowie die gleiche Gelegenheit erhalten, ihre Pläne für Stada zu präsentieren. Zu diesem Zweck wurde ein Datenraum eingerichtet und die bislang drei potenziellen Bieter zu einer mehrstufigen Due Diligence eingeladen. Im Interesse aller Shareholder und Stakeholder des Unternehmens sollen in diesem Prozess zum einen weitere Wertsteigerungspotenziale des Unternehmens identifiziert werden, um in möglichen Angebotspreisen reflektiert werden zu können. Zum anderen soll die Werthaltigkeit der strategischen Konzepte sowie die Bereitschaft der Interessenten geprüft werden, Schutzmechanismen für die Stakeholder zu gewähren. Vorstand und Aufsichtsrat beabsichtigen, den Bieterprozess gründlich zu führen und effizient im besten Unternehmensinteresse abzuschließen".

Kommentare:

  1. Danke für den Post heute und damals - er war der letzte Anstoß, um mich einzukaufen. Ich bin bei ca. 85 € eingestiegen und freue mich schon auf die HV am 17. Mai in Frankfurt in diesem Jahr. Wir werden am Rande auch ein meetup von Value Investoren machen. Hast du Interesse an der Teilnahme?

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    1. Das freut mich, dass Du einen direkten Nutzen aus meinem Blog bzw. meinen Überlegungen ziehen konntest!

      Ich bin selten auf HVs und/oder Anlegertreffen, weil mir dafür einfach die Zeit fehlt. (Auch) daher habe ich ein (kostenpflichtiges) Abo von GSC-Research, weil die sehr viele HVs besuchen, insbesondere von deutschen Nebenwerten, und hierzu ausführliche Berichte zum Download anbieten. Wenngleich immer mit einiger zeitlicher Verzögerung.

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  2. Moin,
    hervorragende Performance und mittlerweile meine dritt größte Position.
    Danke für deine Arbeit hier.
    Gruß

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  3. Moin oder Servus,

    lese hier regelmäßig mit und muss dir ein Lob aussprechen. Nicht nur interessant sondern auch amüsant.

    Ein Update deiner Analyse zur Shareholder Value AG infolge der aktuellen Veröffentlichungen und des scheinbar vollzogenen Stada Deals würde mich doch sehr erfreuen.

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    1. Die Shareholder Value Beteiligungen AG hat ja per Ende März einen NAV von 104,24 EUR ausgewiesen, 9% mehr als zum Jahreswechsel. Ggü. meinem obigen Stada-Artikel sind das knapp 2,50 EUR mehr, wobei der GfK-Deal den NAV etwas angeknabbert hat. Stada ist die größte Position der SVB, aber wir kennen nicht die genau Anzahl der Aktien. Fakt ist, dass die Stada-Aktien anstatt mit zuvor 56 EUR nun mit 66 EUR bewertet werden, also 20% höher. Der NAV dürfte sich entsprechend um 5 bis 7 EUR erhöht haben, so dass wir mal rund 110 EUR ansetzen können. Da notiert die SVB-Aktie momentan auch und billigt man ihr den "üblichen" Aufschlag der letzten Zeit zu, sollte sie eher bei 115 bis 120 EUR notieren. Die Aktie bleibt daher ein aussichtsreiches Langfristinvestment.

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  4. Stada war ein Grund warum ich deinen Blog gefunden habe. Offensichtlich scheint bei Shareholder Value niemand auf Stada aufgesprungen zu sein. Leuchtet mir nicht ein.

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  5. Benjamin Radermacher27. April 2017 um 13:16

    Es ist mir ein Rätsel, weshalb selbst das erhöhte Angebot für Stada mit entsprechendem Kurssprung dieses Titels absolut keine Auswirkungen auf den Kurs von Shareholder Value hat.
    Siehst du im sonstigen Portfolio von Shareholder Value Risiken, die eine derartige Diskrepanz rechtfertigen? Hat vielleicht das Drama um Aurelius die gesamte Branche beschädigt? (Mir ist aufgefallen, dass es eine gewisse Korrelation zwischen den Titeln gibt) Oder glaubt niemand daran, dass Shareholder Value es schaffen wird, die Anteile zu einem entsprechend hohen Wert in cash zu verwandeln?

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    1. Shareholder Value hatte früher einen Abschlag auf den NAV von knapp 20%. Momentan ist dieser Abstand abgebaut; der Kurs hat also deutlich besser performt als die Anlagen. Allerdings ist SVB ein antizyklischer Investor und hat sich zu früh und zu teuer beim SMT Scharf eingekauft. Auch die große 30%-Beteiligung an Intershop macht bisher ja kaum Freude. Stada ist nur ein Mosaikstein. Wirkliche Sorgen würde ich mir um SVB jetzt nicht machen, die machen weiterhin einen sehr guten Job. Und wenn die Beteiligungswerte weiter ansteigen, folgt auch der Aktienkurs.

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