Mittwoch, 2. Januar 2019

Navigator Equity Solutions: Aussichtsreicher Nebenwertefavorit für 2019

Die Beteiligungsgesellschaft Navigator Equity Solutions hat ihren rechtlichen Sitz in den Niederlanden und ist mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 10 Mio. Euro ein echter Microcap. Im ersten Halbjahr 2018 hat man weitgehend alle börsennotierten Aktienpakete veräußert und damit Cash aufgebaut. In Anbetracht der Entwicklung der Börsen im Jahresverlauf war das eine gute Entscheidung. Während der Kurs in 2018 enttäuschte, lief es operativ in 2018 ziemlich gut für Navigator...


Anfang 2018 hat man eine Immobilie in Dublin, Irland erworben. Der Kaufpreis der Immobilie betrug rund 2,9 Mio. Euro, von denen Navigator selbst knapp 1,2 Mio. Euro Eigenkapital beisteuerte, während 1,7 Mio. Euro fremdfinanziert wurden über eine Laufzeit von 5 Jahren. Navigator flossen somit freie liquide Mittel für zukünftige Investments zu. Die aktuellen Mieteinnahmen übersteigen den Kapitaldienst, also Zinsen und Tilgung, signifikant.

Per Ende des dritten Quartals berichtete Navigator, dass ihre Minderheitsbeteiligung The ACON Group SE (Beteiligungshöhe 49,99%) den im Dezember 2017 unterzeichneten Vertrag zur Veräußerung von 80% der Anteile an der ACON Actienbank AG mit der JFD Brokers, Ltd., Zypern zum 20. Oktober 2018 umgesetzt hat und sie aus dieser Transaktion einen leicht positiven Ergebnisbeitrag erwartet.

Navigator Equity (Quelle: wallstreet-online.de)
Die in Dublin erworbene Wohnimmobilie entwickelt sich nach Plan und erwirtschaftet nach Zins und Tilgung einen deutlich positiven Cash-Flow. Innerhalb der nächsten 36 Monaten erwartet Navigator eine deutlich positive Eigenkapitalrendite auf das Investment.

Navigator hält über 5% der Anteile an der Shopimore AG, aber deren Business läuft (noch?) nicht wirklich rund. Und auch die weiteren, teilweise börsennotierten Beteiligungen entwickelten sich in den letzten Monaten unterdurchschnittlich, so dass Navigator für beide Aspekte notwendige Abschreibungen in Höhe von jeweils bis zu 0,1 Mio. Euro vornehmen wird.

Des Weiteren ist Navigator mehrheitlich an der Black Pearl Digital AG beteiligt, die kürzlich eine Kapitalerhöhung durchgeführt hat. Insgesamt wurden 46.642 neue Aktien zum Erwerbspreis von 27,50 Euro bei Aktionären sowie neuen Investoren platziert, wodurch der Gesellschaft brutto 1.282.655 Euro zugeflossen sind. Navigator hatte sich nicht an der Finanzierungsrunde beteiligt; welche Auswirkungen sich aus der Maßnahme auf Navigator ergeben, ist noch nicht zu beziffern. Klar ist jedenfalls, dass der Navigator-Anteil an der Black Pearl Digital AG durch das frische Geld, das deutlich über dem Eigenkapital-Preis je Aktie eingeworben wurde, die Werthaltigkeit der Beteiligung erhöht.

Wesentlichster Trigger für den NAV (Buchwert) von Navigator ist allerdings weiterhin ihre mit Abstand wichtigsten Beteiligung, die IT Competence Group, an der Naviagtor 75% hält. Der Kurs von ITC hat sich in 2018 um rund 25% auf aktuell 5,75 Euro erhöht, was an der erfreulichen operativen Performance dort liegt. ITC erzielte im traditionell starken dritten Quartal Umsatzerlöse in Höhe von 6,4 Mio. Euro und steigerte diese damit deutlich um rund 23% (Q3 2017: 5,2 Mio. Euro). Die Umsätze der ersten 9 Monate lagen bei 17,3 Mio. Euro; dies entspricht einem Wachstum von rund 10%. Dabei entwickelte sich der Umsatz im Rahmen der Planungen, das Ergebnis legte allerdings dynamischer zu als geplant. Das EBITDA im dritten Quartal legte deutlich auf rund 0,5 Mio. Euro zu (Q3 2017: 0,05 Mio. Euro), so dass sich das operative Ergebnis der ersten neun Monate damit bei 0,9 Mio. Euro einfand, während im Vorjahreszeitraum noch ein negatives Ergebnis erzielt wurde. Die EBITDA-Marge nach drei Quartalen lag bei 5,2%. Das EBIT betrug rund 0,7 Mio. Euro, das EBT rund 0,6 Mio. Euro. Der Auftragsbestand zum 30.09.2018 lag bei rund 14,8 Mio. Euro und damit auf vergleichbarem Niveau wie zum Halbjahr. Aufgrund des starken dritten Quartals meint ITC, dass sie die aktuelle Ergebnisprognose für das Gesamtjahr mindestens am oberen Ende von 1,0 Mio. Euro erreichen wird und diese in Abhängigkeit vom Verlauf des Jahresendgeschäfts gegebenenfalls sogar übertreffen kann.

Nicht nur der Kursverlauf bei ITC erfreut Navigator, sondern vor allem die operativen Fortschritte. Denn Navigator liebäugelt mit dem mittelfristigen Verkauf seiner Anteile und die Entwicklung spielt dem Unternehmen hierbei natürlich in die Karten.

NAV von 3,75 Euro je Aktie

Im Navigator-Kurs hat sich das Wiedererstarken der ITC bisher nicht wirklich bemerkbar gemacht und auch der hohe Abschlag auf den inneren Wert hat eher noch zugenommen. Der NAV dürfte inzwischen bei rund 3,75 Euro je Aktie liegen, nachdem er vor einem Jahr noch knapp 3 Euro betrug. Das Eigenkapital liegt laut Einzelabschluss bei knapp 1,65 Euro, der 75%-Anteil an der ITC beläuft sich auf rund 1,80 Euro je Aktie und die Immobilie in Irland sollte etwa 0,30 Euro je Aktie wert sein. Alle sonstigen Beteiligungen lasse ich mal unberücksichtigt, quasi als zusätzliche Sicherheitsmarge.

Ich hatte Navigator vor einem Jahr als 50-bis-100-Prozent-Chance bezeichnet mit begrenztem Verlustrisiko. Tja, bei 1,45 Euro gilt diese Einschätzung umso mehr, denn dieser Kurs beträgt nur 40% des fairen Werts. Und die positive Entwicklung dürfte sich 2019 weiter fortsetzen, sowohl was die Entwicklung bei ITC angeht, als auch die Wertentwicklung bei der Immobilie in Irland. Bei Navigator kann man aktuell also den Euro für 40 Cents kaufen.

Disclaimer
Navigator Equity Solutions befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Moin! mal eine Frage, auch wenn der Sitz in den Niederlanden ist:
    Auf der HP habe ich nichts gefunden; wie bilanziert NES?
    Vergleichbar mit HGB oder IFRS?

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    1. In den Geschäfts- und Finanzberichten von Navigator findet sich stets folgende Passage: "Der (...)bericht wurde gemäß Artikel 9 des zweiten Buches des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches aufgestellt." Andernorts hatte ich gelesen, dass Navigator nach Dutch-GAAP bilanziert.

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    2. Danke dir... ich vermute also, das entspricht in etwa unserem HGB?!
      Hintergrund: Möchte mich nämlich ungern an IFRS-bilanzierten Unternehmen (Aurelius oder DBAG) beteiligen, sondern eher "HGB-nüchtern" ala MBB..

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  2. Hallo Michael,
    hast du genauere Zahlen zur Immobilie in Dublin? (bzgl. Zins, Tilgung, Cashflow)

    "Die aktuellen Mieteinnahmen übersteigen den Kapitaldienst signifikant"
    "deutlich positiver Cash-Flow"
    Das finde ich doch etwas wage...

    mfg Alex

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    1. Mit konkreteren Zahlen zu der Immobilie in Dublin kann ich leider nicht dienen; da müssen wir wohl den nächsten Geschäftsbericht abwarten.

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  3. Wie seht Ihr denn den Verkauf der Anteile der ITC, bin etwas gespalten da ich nicht weiß was Navigator mit dem Geld anfangen soll außer evtl. Aktien zurück zu kaufen...

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    1. Sehe den Großteil-Verkauf sehr positiv, denn bisher bestand der NAV von Navigator zu 48% aus dem Anteil an ITC, also ein Klumpenrisiko. Jetzt macht ITC nur noch 15% aus, ein gesunder Anteil wie ich finde. Der Verkaufszeitpunkt war sehr gut, nachdem ITC wieder aufgepeppelt wurde und sicherlich einen guten Verkaufspreis erzielt hat. Navigator hat jetzt viel freies Kapital, mit dem es auf Einkaufstour gehen kann. Kann man (in einer viel kleineren Größenordnung) vergleichen mit dem Teil-Verkauf von Aumann durch MBB.

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    2. Ich bewerte den Verkauf der ITC-Anteile durch Navigator zum jetzigen Zeitpunkt und zu den genannten Konditionen als neutral. An meiner Einschätzung zur Navigator-Aktie und an deren Bewertung hat sich nichts Grundlegendes geändert. Es kommt nun darauf an, was Navigator mit dem Geld anstellt, das wird das Entscheidende.

      Ausführlicher hier.

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