Samstag, 9. März 2019

Kissigs Klookschieterei: Die 10. Börsenwoche im Rückspiegel mit Axel Springer, General Electric, Hypoport, Ringmetall, Salesforce

In der zurückliegenden Börsenwoche war Konsolidierung angesagt nach der starken Rallye der ersten beiden Monate. Der Dow Jones Index verlor an allen fünf Handelstagen und auch in Europa tendierten die Aktienmärkte eher abwärts.

Neben den bekannten Problemzonen wie Brexit und die US-Handelskriege tun sich neue Irritationen auf und zwar seitens der Notenbanken. Dabei ist weniger überraschend, was die Notenbanker aus Amiland und Eurozone tun, als vielmehr die Reaktion der Märkte darauf. Mit entsprechenden Ausschlägen der Indizes und einzelner Wertpapiere...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik

Die EU steuert auf den Brexit-Termin am 29. März zu und die britische Premierministerin Theresa May wird eine mehrstufige Abstimmung ins Parlament einbringen. Zunächst "dürfen" die Abgeordneten über den Brexit-Vertrag befinden. Lehnen sie ihn ab, gibt es eine Abstimmung darüber, ob GB die EU ohne Vertrag verlassen soll (Hard Brexit). Lehnt das Parlament dies ab, wird in der dritten Abstimmung darüber befinden, ob der Austritt verschoben werden soll (total Chaos dürfte herrschen, wenn selbst diese dritte Option keine Mehrheit finden würde...).

Über das Wochenende will May mit der EU weiter/neu verhandeln. Die zeigt sich zunehmend irritiert und genervt und betont, es gäbe keinen Verhandlungsspielraum mehr. Und sollten die Briten eine Verlängerung wünsche, käme dies maximal bis Ende Juli in Betracht - und auch nur dann, wenn May/die Briten substanziell andere Vorschläge vorlegen würden. Weitere drei Monate Rumgeeiere um die immer gleichen Fragen, dazu hat selbst die EU keine Lust mehr (und das will schon was heißen). Zumal Ende Mai das EU-Parlament gewählt wird und dann auf EU-Seite in absehbarer Zeit die Protagonisten wechseln werden...

Von "The Don" war nicht so viel zu hören in der letzten Woche. Mit Indien sucht er sich ein neues Ziel für seine Handelskriegsattacken, während es bei den Verhandlungen mit China voran gehen soll. So jedenfalls die offiziellen Statements beider Seiten.


Börsentheater, Akt 2: Die Notenbanken

Aber es gibt ja auch noch weitere Akteure, die die Börsen stimulieren können - in beide Richtungen. Nachdem die US-Notenbank zuletzt bereits angekündigt hat, wohl in nächster Zeit wohl keine Zinserhöhungen mehr vornehmen zu wollen (anstelle der drei zuvor für 2019 angedachten), bringen nun erste FED-Mitglieder sogar Zinssenkungen ins Gespräch. Als Begründung dient die sich abkühlende Konjunktur und die Börse reagiert etwas verschnupft auf diese Aussichten. In gewisser Weise ist das erstaunlich, denn dass sich die Konjunktur auch in den USA etwas abkühlt, "spielt" man an der Börse ja nun seit Monaten. Daher sollte eigentlich eher die Aussicht auf weiterhin billiges Geld die Börsen positiv stimulieren.

»Geld ist der Sauerstoff der Börse.«
(André Kostolany)

Und damit sind wir bei der Europäischen Zentralbank, denn diese hat erklärt, sie werden in 2019 die Zinsen keinesfalls anheben. Und damit hat sie die Bankwerte auf Talfahrt geschickt, denn die ächzen unter den niedrigen Zinsen und vor allem den Negativzinsen, den sie selbst auf ihre Mindestreserven bei der EZB berappen müssen (immerhin stolze -0,4%). Die Banken sind in der Zwickmühle, da ihnen ihre Margen zunehmend erodieren und sie auf der anderen Seite von FinTechs immer stärker in die Mangel genommen werden. Sei es beim Brokergeschäft, bei der Kreditvergabe oder beim Verkauf von Versicherungen und Bausparverträgen.


Börsentheater, 3. Akt: Die Unternehmen

Und damit komme ich zu einigen Werten von meiner Beteiligungsliste, die in der letzten Woche von sich Reden gemacht haben.

Axel Springer

Super Zahlen für 2018 legte Axel Spinger vor. Vor allem die Digitalsparte boomt und steuert inzwischen mehr als 70% zum Ergebnis bei. Springer-Chef Döpfner bezeichnet seinen "laden" folgerichtig auch als Digitales Unternehmen. Dennoch wurde die Aktie von den Anlegern deutlich abgestraft. Einerseits konnten die bei Medieninhalten nicht gepunktet werden, die Angebote Bild.de und Welt.de verzeichnen Rückgänge; die großen Umsatz- und Ergebnissprünge stammen von den Internetportalen im Immobilienbereich und bei der Jobvermittlung (Stepstone). Und dann gab es einen verhaltenen Ausblick auf 2019 mit mittlerem einstelligen Umsatzwachstum und stagnierenden gewinnen, was an massiven Investitionen in das digitale Business liegt. Auf mittlere und lange Sicht dürfte Springer sich weiter positiv entwickeln und auch der Aktienkurs sollte irgendwann folgen. Die Auswirkungen des neuen Leistungsschutzrechts dürften für Springer und seine Ausrichtung auf bezahlte Angebote eher positive Auswirkungen haben.

General Electric

Auf einer Investorenkonferenz hat GE-CEO Culp erklärt, der industrielle Cashflow bei GE werde mindestens 2019 negativ ausfallen. Diese Aussage drückte die Aktie massiv ins Minus, denn Anleger fürchten nun, dass der Turnaround nicht so schnell klappt, wie zuletzt erhofft. Doch eigentlich kann man nur erstaunt die Augenbrauen hochziehen, denn Culp hatte Mitte November 2018 bereits verkündet, dass die Kraftwerkssparte auf Sicht der nächsten Jahre eine Dauerbaustelle sein werde und dass die nun negative operative Cashflows abliefern wird, kann doch wohl nicht ernsthaft überraschen! Im dritten Quartal hatte GE immerhin 22 Milliarden Dollar auf die Kraftwerkssparte abgeschrieben.

Hypoport

Die EZB-Entscheidung sichert die günstige Liquiditätsversorgung der Börsen, aber eben auch die des Immobilienmarktes. Immobilienpreise und -aktien dürften daher weiter steigen. Und auch für Hypoport sollte sich diese Entwicklung gleich doppelt auszahlen: günstige Zinsen verleiten mehr Kunden, Immobilien zu kaufen und zu finanzieren. Und der nicht nachlassende Druck auf die Banken zwingt diese dazu, immer stärker auf Onlineangebote zu setzen. Hypoport ist hier mit seiner Kreditplattform Europace sehr gut positioniert und gewinnt immer mehr Kunden, vor allem aus dem Sparkassen- und Genossenschaftsbankenbereich. Für Hypoport könnte das Umfeld kaum günstiger sein!

Ringmetall

Ringmetall hat vorläufige Zahlen für 2018 präsentiert und die gingen etwas besser durchs Ziel, als zu befürchten war. Das Unternehmen hatte ja vor einigen Wochen einen Zukauf getätigt und dabei gewarnt, dass man die nicht unerheblichen Erwerbsnebenkosten vollständig in 2018 verarbeite und dadurch die Ergebnisprognose nicht halten werden könne. Die hohen Stahlpreise und die Wechselkursbelastung haben ebenfalls belastet. Die Umsätze lagen bei 110,5 Mio. Euro und damit am oberen Ende des Prognosebereichs und der Vorstand blickt angesichts des Jahresstarts optimistisch auf das Jahr 2019. Das 2018er aEBITDA lag bei 12,5 Mio. Euro und damit am unteren Ende der Prognosebandbreite. Hier zeigt sich, dass Ringmetall durchaus zu kämpfen hat und die erhoffte Margenverbesserung sich (noch?) nicht wirklich einstellt.

Und damit kommen wir zum ärgerlichen Teil! Das EBIDTA, also das operative Ergebnis, als Kenngröße zu verwenden, kann Sinn machen. Allerdings ist Ringmetall eine Industrieholding, zu deren Geschäftsmodell ausdrücklich Wachstum durch Firmenübernahmen gehört. Neben den beinahe regelmäßigen Kapitalerhöhungen kommt auch eine immer weiter steigende Verschuldung, um die Zukäufe finanzieren zu können. Es ist daher doch zumindest zweifelhaft, ob man sich dann auf Ergebnisse stützen sollte, um den Erfolg u messe, die Abschreibungen (u.a. auf Firmenwerte und Anlagen) und Zinsen außen vor lassen.

Noch absurder wird es allerdings, dass nun diese EBIDTA auch noch "angepasst" wird - Ringmetall bereinigt es um die Aufwendungen, die für Firmenübernahmen anfallen. Und das macht mich fast schon sauer! Denn Ringmetall kauft regelmäßig eine oder mehrere Firmen pro Jahr zu. Es ist daher eine Frechheit, die dadurch anfallenden Kosten als "einmaligen" Aufwand auszugrenzen. Denn das Gegenteil ist der Fall! Diese Kosten fallen (fast) jedes Jahr an, wenn auch für immer unterschiedliche neue Firmen. Für ein Unternehmen, das jedes Jahr Firmen zukauft, sind die damit verbundenen Kosten keine außerordentlichen Einmalaufwendungen, sondern sie sind originärer Aufwand zur Erreichung des Geschäftszwecks!

Und wer sich über die letzten Jahre die Prognosen des Vorstands ansieht und dann am Ende die abgelieferten Ergebnisse, stellt fest fest, dass fast immer im Nachhinein die Ergebnisse niedriger sind als ursprünglich mal angedacht - und ganz überwiegend lautet unisono die Begründung hierfür, dass man außerordentliche Aufwendungen für Firmenübernahmen hatte.

Klarstellung: ich störe mich nicht an der Geschäftspolitik und den Firmenübernahmen zur Wachstumsgenerierung. Die begrüße ich sogar und sie sind Teil meines Investmentcases. Aber ich störe mich daran, dass man das nicht offen kommuniziert und dies damit verbundene Kosten von vornherein in die Planungen mit einbezieht. Was der Vorstand natürlich nicht tun will, weil dann die Renditekennziffern deutlich niedriger ausfallen, als wenn man die Ergebnisse ständig bereinigt. Hier wünsche ich mir eine transparentere und ehrlichere Kapitalmarktkommunikation vom Unternehmen!

Salesforce.com

Über den Cloud-Pionier Salesforce hatte ich vor drei Wochen im Rahmen meines Portfoliochecks berichtet, weil Ken Fisher das Unternehmen deutlich aufgestockt hatte im vierten Quartal. Nachdem der Kurs nach Vorlage der Zahlenvorlage etwas zurückgekommen ist, habe ich zugeschlagen und meiner erste Position in dem Wert aufgebaut - und das Unternehmen auf meine Beobachtungsliste genommen.


Business Development Companies

Die absehbare Zinsentwicklung in den USA wirkt sich dort nicht nur negativ für die Banken aus, sondern auch für die Business Development Companies. Deren kurzfristige Aussichten trüben sich etwa sein, da zum einen die Konjunktur zu schwächeln beginnt, was zu höheren Ausfallquoten bei den Krediten und Equity-Investments der BDCs führen kann. Und dann sind die BDCs Nutznießer steigender Zinsen, da sie ihre Kredite überwiegend mit variablem Zinssatz ausgegeben haben, während sie sich selbst deutlich stärker zu festen Konditionen Geld beschaffen. Steigende Zinsen hätten also eine steigende Marge und damit steigende Gewinne bedeutet - das Ausbleiben weiterer Zinsanhebungen und ggf. sogar Zinssenkungen, setzen diese zusätzlichen Gewinnoptionen zumindest erstmal aus. Daher könnte es sein, dass die Kursentwicklung im BDC-Sektor in nächster Zeit eher gebremst ist oder sich sogar rückläufig entwickelt.


Angst und Gier

Der Fear & Greed Index von CNN Money hat zuletzt den Rückwärtsgang eingelegt und knapp 15 Punkte nachgegeben, so dass er nun bei 55 Punkten notiert. Damit hat er das Gier-Terrain wieder verlassen und sich im neutralen Bereich eingefunden.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...


Disclaimer
Axel Springer, General Electric, Hypoport, Ringmetall und Salesforce befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

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