Samstag, 2. März 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 09/2019 im Rückspiegel mit 3U Holding, Aumann, General Electric, Genworth Financial, MBB, WashTec

Die vergangene Börsenwoche verlief eher ruhig, es gab nur das übliche politische Palaver, nichts Bewegendes.

"The Donald" hat den nordkoreanischen Diktator geherzt wie seinen Biggest Buddy, per Twitter der Welt große Ankündigungen versprochen, um am nächsten Tag unverrichteter Dinge vom Gipfel in Hanoi abdampfen zu müssen. Derweil zieht sich in den USA die Schlinge um seinen Kopf zunehmend enger zusammen, seit sein ehemaliger Anwalt Cohen öffentlich Aussagen muss darf. Wirklich beeindrucken tut das weder den Don noch den Rest der Welt. Dort richtet man die Augen weiterhin auf den Handelskonflikt USA vs. China und hofft auf so viel gesunden Menschenverstand, dass die es nicht total gegen die Wand fahren.

Und ebenso ergeht es uns EUlern mit den Briten und ihrem f*cking Brexit. Wenigstens scheint sich nun endlich mal substanzieller Widerstand in UK zu formieren, was zumindest einen No-Deal-Brexit unwahrscheinlicher macht. Ganz ehrlich Leute, das muss man schon alles als positive Nachrichten betrachten! Wirklich negative gab es übrigens auch nicht. Was nicht heißt, dass es nicht die eine oder andere Kursverwerfung gab, zumeist aufgrund vorgelegter Unternehmenszahlen...


Nachdem ich die "große Politik" heute so schnell abfrühstücken konnte, wende ich mich lieber gleich einigen Unternehmen zu, die in dieser Woche für Schlagzeilen sorgten.

Au(tsch)mann

Der Maschinenbauer Aumann hat Zahlen für 2018 vorgelegt und ich finde die relativ überzeugend. Sieht die Börse aber anders. Dort hat man bereits vergessen, dass Aumann zwei Drittel seiner Umsätze im klassischen Pkw-Zuliefererbereich erzielt und daher von der Vollbremsung der Branche natürlich negativ getroffen wird. Man versteift sich lieber darauf, dass Aumann seine Prognosen (die man über das Jahr gesehen nicht reduziert hatte), nicht ganz erfüllen konnte. Was vor allem am schwächelnden vierten Quartal lag. Und nun ist Aumann beim Ausblick auf 2019 ziemlich vorsichtig und geht von einem insgesamt leichten Wachstum bei Umsatz und Ergebnis aus. Findet mal Auto-Zulieferer, die solche Ausblicke abgeben; die meisten gehen in Sauer und erwarten deutliche Einbußen. Aber die Börse findet das nicht euphorisch/optimistisch genug. Auch gut. Ich sehe Aumann mit der stark wachsenden Sparte Elektromobilität und Brennstoffzellentechnik sehr gut positioniert; im klassischen Bereich wird weiter gutes Geld verdient und die Kassen sind gefüllt. Aumann will auch durch Zukäufe wachsen und gerade jetzt ist die beste Zeit dafür. Wenn alles erstmal (wieder) rund läuft, steht der Kurs auch nicht mehr bei 25 Euro - bei 50 Euro wollen dann wieder alle Aumann-Aktien haben...

MBB

Die Beteiligungsgesellschaft MBB hat ebenfalls Zahlen vorgelegt und die sind natürlich maßgeblich von Aumann geprägt, an der man weiter 38% hält (und das Unternehmen voll in der MBB-Bilanz konsolidiert). MBB ist einer meiner Jahresfavoriten und hat jüngst den ersten Zukauf bei der IT-Tochter DTS vermelden können. Das nährt die Hoffnung, dass endlich der Knoten geplatzt ist und MBB weitere Übernahmen gelingen. CEO Nesemeier hatte sich jedenfalls entsprechend geäußert - und da MBB auf großen Cash-Reserven sitzt, sind Übernahmen genau der Treibstoff, aus dem sich die Fantasie bei MBB speist.

Übrigens, der größte Teil des Cash-Bergs hat MBB mit Aumann eingenommen. Ich hatte beim IPO im März 2017 mal ausgerechnet, was MBB für Aumann (also die Claas Fertigungstechnik und die Aumann-Gruppe) bezahlt und dann beim Börsengang eingenommen hatte. Bei einem Aumann-Aktienkurs von 42 Euro kam ich auf eine Rendite von 3.000 Prozent! Denn Claas hatte MBB knapp 31 Mio. Euro gekostet (mit 29 Mio. Euro Cash auf dem Claas-Konto!) und für den Aumann-Anteil hatte man rund 17 Mio. auf den Tisch gelegt. Der 38%-Anteil von MBB ist aktuell rund 144,5 Mio. Euro wert! Also rechnen wir mal simplifiziert mit einem Gewinn von 100 Mio. Euro.

Doch MBB hat ja bereits Aumann-Anteile verkauft und zwar in drei Tranchen. 39,9% zu 42 Euro, 4,6% zu etwa 80 Euro und 11% zu etwa 72 Euro. Bei 15,25 Mio. Aumann-Aktien komme ich auf einen Bruttoerlös von 432.495.500 Euro, die MBB für diesen 55,5%-Anteil an Aumann eingenommen hat.

Brutto hat MBB also rund 432,5 Mio. Euro an Gewinnen aus Aumann-Aktienverkäufen realisiert und weitere 100 Mio. an unrealisierten Kursgewinnen (ggü. den gezahlten Kaufpreisen für alle Anteile). Geht man von einer Steuerquote von 30% aus, hätte MBB bisher mit Aumann runde 400 Mio. Euro an Gewinn erzielt. Der aktuelle Börsenwert von MBB liegt übrigens bei knapp über 500 Mio. Euro.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir gefällt dieses ruhige, unaufgeregte und antizyklische Vorgehen bei MBB und daher ist es auch eine meiner größten Positionen, die ich in deutschen Nebenwerten halte. Und einer meiner Nebenwertefavoriten für 2019!

3U Holding

Bei 3U Holding gab es endlich mal erfreuliche Nachrichten und damit meine ich nicht die eher durchwachsenden Geschäftszahlen. Vielmehr scheint man nun ernsthaft an einem IPO der Tochter weclapp zu arbeiten, was dem Kurs dann richtig Leben einhauchen könnte. Bisher handelt es sich aber um frühe Gerüchte, da wird die kurze Kurseuphorie schnell wieder verfliegen. Zumindest vorübergehend.

Aurelius

In eine ähnliche Richtung geht es bei Aurelius, die nach langer Zeit mal wieder die 40-Euro-Marke zurück erobern konnte. Hintergrund sind wohl Gerüchte über den bevorstehenden Verkauf einer großen Beteiligung, genauer der von Solidus, einem Hersteller von Vollpappe und bedruckten Kartonagen. Das nährt die Hoffnung auf einen schönen Gewinn und auf eine üppige Dividendenzahlung, da sich diese aus einer Basisdividende und einer Partizipationsdividende zusammensetzt - und eben auch ggf. Verkaufserlöse bis zum Tag der Hauptversammlung umfasst.

General Electric

Bei GE gibt es Kursbewegendes. Zunächst wird ein Teil der Helathcare-Sparte für 21 Mrd. Dollar an Danaher verkauft und das hilft sehr beim Schuldenabbau. Des Weiteren wurde die Transportsparte abgespalten und mit WabTec zusammengelegt; GE hält noch Anteile, die GE-Aktionäre haben den Spin-off im Verhältnis 185:1 ins Depot gebucht bekommen und GE erhält darüber hinaus eine Liquiditätsspritze von fast 3 Mrd. Dollar. In Summe kann GE deutlich Schulden abbauen und seine Bilanz stärken. Das gibt dem neuen CEO Culp, der ja viele Jahre lang Danaher geführt hatte, viel mehr Spielraum für die weitere Neuausrichtung des GE-Konzerns. Vor allem zeigt der Verkauf der Biopharma-Sparte an Danaher, dass GE keine Ausverkaufspreise in Kauf nehmen muss, sondern attraktive Beteiligungen auch zu Marktpreisen verkaufen kann. Noch ein positives Signal für den Turnaround.

Genworth Financial

Meine (ehemalige) Murmeltier-Übernahme-Spekulation Genworth Financial wird langsam wieder interessant. Denn der GNW-Kurs ist deutlich eingebrochen, nachdem es eine Meldung über den Käufer Oceanwide gab, nach der dieser seinen Wirtschaftsprüfer vor die Tür gesetzt hätte. Das ließ die Zweifel an der Finanzkraft von China Oceanwide wieder hochpoppen - und der Kurs von GNW hat sich auch nicht wieder berappelt, nachdem feststand, dass die Meldung nicht die Konzernmutter betraf, sondern eine Immobilientochter einer Tochter in Hong Kong. Aktuell notiert der GNW-Kurs wieder rund 35% unterhalb des Übernahmepreises von 5,43 Dollar und der Deal soll nun Mitte März abgeschlossen sein. Es stehen noch Genehmigungen aus; aber ich vermute, auch dieser Termin wird nicht zu halten sein und es wird nochmals eine Verlängerung geben, die neunte dann, glaube ich...

WashTec

Bei WashTec gab es eine unschöne Entwicklung, denn man hat kurzerhand der Chef gefeuert. Und dieser zweite Chefwechsel innerhalb relativ kurzer Zeit sorgt für Verunsicherung und Kursverluste. Die Anleger vermuten wohl, dass bei einer solchen drastischen Maßnahme so einiges schief gelaufen sein muss und bald ans Tageslicht kommt. Ob dem so ist, wissen wir nicht. Trotzdem wurde kräftig die Reißleine gezogen...

Angst und Gier

Der Fear & Greed Index von CNN Money schwankt seit einigen Wochen um die 70-Punkte-Marke und signalisiert entspannte Ruhe. Anstelle extremer Angst, wie zum Jahresanfang mit einem Wert von 2, liegt er also inzwischen wieder im deutlich grünen Bereich. Politische Ereignisse können aber schnell für Ungemach sorgen, wie Indien und Pakistan gerade vormachen, die in Kashmir gegenseitig Kampfflugzeuge abschießen. Keine schöne Vorstellung, dass die beiden Erzfeinde und Atommächte mal wieder blutig aneinander rasseln.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
3U Holding, Aumann, Aurelius, Danaher, General Electric, MBB befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und einige von ihnen auch in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Unser Murmertierunternehmen hat ja Mitte März zum 9. Mal gegrüßt, nun bis 30. April, also morgen. Bin gespannt wie es dann weitergeht, zuletzt hing es angeblich an den Kanadiern:

    http://investor.genworth.com/investors/news-releases/archive/archive/2019/Genworth-and-Oceanwide-Extend-Merger-Agreement-Provide-Update-on-Transaction-with-Oceanwide/default.aspx

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    1. Es wird wohl einen weitere Verlängerung bei Genworth Financial und Oceanwide geben. Es hängt an den Kanadiern und auch die Chinesische Genehmigung steht noch aus - die dürfte ganz am Ende erfolgen. Da geht es wohl zuvorderst darum, dass natürlich einiges an chinesischem Geld abfließt und in Dollar gewandelt wird, was ja der chinesischen Regierung seit längerem ein Dorn im Auge ist. Dass die Übernahme letztlich hieran scheitern wird, halte ich für (fast) undenkbar. Also... eine weitere Verlängerung und mal sehen, ob sich ggf. wieder etwas an den Bedingungen ändert (also um das eigentliche Agreement drumherum). Bleibst (mäßig) spannend...

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    2. Was zu erwarten war: es gibt die zehnte (!) Verlängerung des Übernahmeversuchs, jetzt bis zum 30. Juni. Es steht noch die Genehmigung der kanadischen Regulierungsbehörden aus sowie die Genehmigung chinesischer Börden zur Umwandlung der chin. Währung in Dollar und Transfer in die USA. To be continued...

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  2. Jetzt ist die Aktie wieder massiv eingebrochen. Ist die Übernahme unwahrscheinlicher geworden?

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    1. Die Annahme ist wohl, dass eine Genehmigung der Übernahme bei Genworth Financial erst nach einer Beilegung des Handelsstreits erfolgen wird und auch von dessen Ausgang anhängt. Seitdem der wieder eskaliert, fällt der GNW-Kurs.

      Geht man davon aus, dass die Übernahme klappt, könnte man schnelle 50% einfahren. Aber offenbar glauben nicht genügend Leute dran oder sind einfach nur genervt von der endlosen Warterei. Ich weiß es auch nicht...

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