Sonntag, 19. Mai 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 20/2019 im Rückspiegel mit Arista, Aumann, Cisco, Fintech Group, Hello Fresh, IAC InterActiveCorp., Match Group, MBB, Nynomic, Rocket Internet, SBF, Teva Pharmaceuticals

Nach dem "Aussetzer" am letzten Wochenende gibt es in dieser Woche wieder meine Klookschietereien. Und man kann feststellen, dass die "politischen Börsen" zurück sind, nachdem Donaldissimo zunächst den US-China-Handelskrieg zugespitzt hat, mit Börsenturbulenzen im Gefolge, um wenig später wieder etwas zurückzurudern. Die - nicht ganz so starke - Erhöhung an den Weltbörsen zeigt, wie psychisch instabil die Märkte sind, und was ein Egomane an der Spitze einer Weltmacht anrichten kann.

Daneben läuft die "Earnings Season" in den USA weiter und in Deutschland nimmt die Dividendensaison Fahrt auf. Mit entsprechenden deutlicheren Kursschwankungen bei den betroffenen Werten. Und auch wenn Quartalsergebnisse kein Maßstab für langfristig orientierte Anleger sind, prägen sie doch auf kurze Sicht den Kursverlauf einer Aktie. Und das bietet Chancen und Risiken...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Erst hatte sich "The Don" Iran und Venezuela vorgenommen, was dem Ölpreis mächtig Auftrieb gegeben hat, dann wandte er sich wieder seinem Lieblingsfeindbild China zu. Die USA erklärten, die Chinesen würden falsch spielen bei den Handelsgesprächen und erhöhte daraufhin kurzerhand die Strafzölle gegen chinesische Importe. Die Chinesen reagierten mit entsprechenden Gegenmaßnahmen, aber da sie viel weniger aus den USA importieren als umgekehrt, herrscht hier offensichtlich keine Waffengleichheit. Auf der anderen Seite hat China so viele US-Bonds verkauft wie noch niemals zuvor in der Geschichte - immerhin ist China der größte Gläubiger der USA. Und das könnte sich für die Amis noch zu einem erheblichen Problem auswirken auf lange Sicht.

Investorenlegende Ken Fisher sieht in der aktuellen politischen Lage eher Chancen. Er verweist darauf, dass er schon Ende letzten Jahres erklärt hatte, dass Donald Trump und die US-Politik sich zunehmend gegenseitig selbst lähmen würden und dass dies positiv zu werten sei aus Sicht der Unternehmen und der Börse. Die starke Börsenerholung seit Jahresbeginn könnte ihm durchaus recht geben. Politischer Stillstand erzeugt weniger dumme politische Entscheidungen, so seine Überlegung. Und je weniger dumme Entscheidungen es gibt, desto besser für die Unternehmen, die von weniger Unsicherheit betroffen sind und sich umso besser um ihre Geschäfte kümmern können.

Eine Sicht, die durchaus etwas für sich hat. Nicht nur, weil er Europas Börsen nach der Europawahl ein starkes zweites Halbjahr voraussagt. Denn bei dieser Europawahl zeichnet sich ein Erstarken der radikalen Ränder ab, der Populisten. Ohne, dass diese wirklich an Einfluss gewinnen würden, da sie nicht koalitionsfähig seien; aber die sonstigen Parteien der breiten Mitte hätten weniger Aussichten, eine stabile, dauerhafte Mehrheit hinzu bekommen - und damit würde auch im EU-Parlament mehr Stillstand einziehen mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Unternehmen in der EU. Also, hoffen wir das Beste...


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


Zuletzt gab es einige interessante Meldungen zu Unternehmen auf meiner Beobachtungsliste und ich habe (deshalb) dort in der letzten Woche auch die eine oder andere Disposition vorgenommen.


Arista Networks / Cisco Systems

Cisco Systems hat Zahlen vorgelegt und die Erwartungen quasi pulverisiert. Der schon totgesagte Dow Jones-Wert konnte in seinem dritten 2019er Geschäftsquartal (bis 27. April) das sechste Mal in Folge seinen Umsatz steigern, der gegenüber dem Vorjahresquartal um 6% auf 12,96 Mrd. Dollar zulegte. Die Erwartungen der Analysten wurde hiermit übertroffen und das ebenfalls beim Gewinn je Aktie, der bei 0,78 Dollar durchs Ziel ging.

Erfreulich - und mindestens ebenso erstaunlich - ist, dass die Kernsparte Netzwerk-Infrastruktur um 5% zulegen konnte. Das Segment der Router und Switches gilt eigentlich als Auslaufmodell, weil Konkurrenten (wie Arista Networks) hier mit softwarebasierten Lösungen immer größere Erfolge feiern und Cisco diesem Trend etwas hinterherhechelt. Cisco ist in meinem Depot ja hoch gewichtet, weil man auch zu den großen Gewinnern der neuen Mobilfunkgeneration 5G gehören wird, doch gleichzeitig habe ich auch Arista Networks im Portfolio. Denn die sind besonders stark im Bereich der Cloud-Infrastruktur und zählen hier die global Leaders AWS (Amazon), Azure (Microsoft) und Google (Alphabet) zu ihren Kunden.

Doch bei Arista gab es zuletzt einen heftigen Kurseinbruch. Nachdem man wieder einmal Rekordergebnisse präsentieren konnte, sprach man für das zweite Quartal eine Umsatz- und Gewinnwarnung aus. Ein großer Kunde aus dem Cloudbereich hat nämlich Anfang April seine Investitionen hier deutlich zurückgefahren und Arista hat das sofort in seiner neuen Guidance berücksichtigt. Obwohl dies auch nur ein vorübergehendes "Problem" sein könnte, und das auf 17% reduzierte prognostizierte Umsatzwachstum noch immer beeindruckend ist. Zumal Cloud-Computing ein absulter Megatrend ist mit weiterhin enormen Wachstumsraten (Weltmarktführer AWS liegt bei knapp über 40% Wachstum und Microsofts Azure bei über 70% - pro Jahr, wohlgemerkt!). Wer es genauer analysiert haben möchte, wird bei Stefan Waldhauser fündig (in dessen High-Tech-Wiki sich Arista auch befindet). Er hat, wie ich auch, den Kurssturz zum Aufstocken seiner Arista-Position genutzt.


Aumann / MBB

Aumann hat Zahlen für das erste Quartal 2019 präsentiert und nachdem man 2018 mit Rekordwerten abgeschlossen hatte, zeigen sich nun deutlichere Bremsspuren, die auf die Krise im Automobilsektor zurückzuführen sind. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) ging im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 1,6% auf rund 6,9 Mio. Euro zurück und unter dem Strich blieben mit 4,7 Mio. Euro knapp 3% weniger übrig als ein Jahr zuvor. Das ist jetzt nicht dramatisch, aber es scheint leider erst der Anfang der Entwicklung zu sein. Beim Umsatz konnte Aumann deutlich um 6,6% auf 67,4 Mio. zulegen. Euro an und das liegt an der Zukunftssparte E-Mobilität, die um mehr als ein Drittel ggü. dem Vorjahresquartal anzog und inzwischen auf einen Anteil an den Erlösen von rund 40% kommt. Und ich bin bisher davon ausgegangen, dass die Stärke im Bereich E-Mobilität die Schwäche in der klassischen Sparte weitgehend kompensieren könnte. Doch danach sieht es nicht (mehr) aus, der Abschwung gewinnt deutlich an Fahrt. Und dies zeigt sich bei den Auftragseingängen, also den "Umsätzen von morgen". Konzernweit ging der Auftragsbestand um rund 16% zurück, der Auftragseingang brach sogar um 42% ein. Da springen alle Alarmsignale auf Feuerrot um, auch wenn das Management weiterhin davon ausgeht, die Umsatzerlöse und den operative Gewinn im laufenden Jahr "leicht" steigern zu können. Diese Prognose wirkt aufgrund des Einbruchs bei den Auftragseingängen zunehmend ambitioniert, denn es ist überhaupt nicht absehbar, wann (und ob überhaupt) sich der Automobilsektor aus seiner Schockstarre erholt und durchstartet. Das kann auch noch einige Quartale so weitergehen mit dem Niedergang.

Aufgrund der sehr guten Cash-Ausstattung und wegen des ebenfalls auf Cash gebetteten Großaktionärs MBB (38% Anteil an Aumann) dürfte Aumann eher zu den Gewinnern der Krise gehören. Am Ende. Denn man wird vermutlich auch davon profitieren, dass einige Wettbewerber zwischenzeitlich die Grätsche machen werden, weil sie die ausbleibenden Aufträge, Umsätze und Gewinne nicht wegstecken können. Die Frage ist nur, wann der Automobilsektor sich wieder erholt. Und das kann ich momentan überhaupt nicht abschätzen und habe daher bei Aumann die Reißleine gezogen. Nach einer zwischenzeitlichen Kursverdopplung nach dem IPO vor zwei Jahren ergab der Rauswurf am Mittwoch satte 42% Prozent Verlust. Eines meiner schlechtesten Investments. Und ich muss erkennen, dass ich zu lange an Aumann festgehalten habe, obwohl ich der Automobil- und Zulieferbranche seit mehr als einem halben Jahr äußerst skeptisch gegenüberstehe und bei sämtlichen weiteren Werten aus diesem Sektor längst (die richtigen) Konsequenzen gezogen hatte. Bei Aumann jedoch, auch wegen des Großaktionärs MBB im Hintergrund, habe ich dies nicht getan. Und dafür die Quittung bekommen. "Verliebe Dich nie in eine Aktie", mahnt Peter Lynch. Soweit war es bei mir und Aumann nicht, aber die dieser Aussage zugrundeliegende "Betriebsblindheit" kann ich wohl nicht leugnen. =(

Um direkt im Anschluss herauszuhauen, dass ich MBB weiterhin die Treue halte. MBB hält 38% an Aumann und konsolidiert das Unternehmen voll in seiner eigenen Bilanz. Daher treffen operative Misserfolge bei Aumann die MBB auch direkt, nicht nur bei einer SOTP- bzw. NAV-Betrachtung. Dabei hat MBB durch das IPO und die bei deutlich höheren Kursen erfolgten zwischenzeitlichen Paketverkäufe seine Aumann-Investition bereits mehrfach wieder eingespielt. Insofern schmerzt MBB der Kursverlust nicht ganz so sehr. Und man hat seinerzeit bei der Tochter Delignit auch keine Panik bekommen, als deren Geschäft im Zuge der Finanzkrise total abstürzte, sondern man hat sie durch die Existenz bedrohliche Krise gelotst und anstelle des fast bis auf 1 Euro abgeschmierten Kurses werden inzwischen wieder Kurse von 7,50 Euro aufgerufen (es waren vor einem Jahr auch schon mal 12 Euro). Mir hatten die niedrigen Kurse knapp über 1 Euro eine aussichtsreiche Turnaround-Spekulation eingebracht, die sich bisher reichlich ausgezahlt hat...

Zwar würde ich aus heutiger Sicht MBB nicht mehr zu einem meiner Jahresfavoriten im Nebenwertebereich ausrufen, aber das Unternehmen bleibt auf mittlere und lange Sicht weiterhin aussichtsreich. Auch und insbesondere wegen des besonnen und clever agierenden Managements.


Fintech Group

Nach der gescheiterten Kooperation und dem missglückten Einstieg der österreichischen Post   hat sich die Fintech Group auf ihre ursprünglichen Wurzeln besonnen und will wieder hauptsächlich als Discount-Broker (Flatex) die europäische Expansion vorantreiben. Ich habe mir das jetzt längere Zeit mit angesehen und halte das für keine überdurchschnittlich erfolgversprechende Perspektive. In den letzten Jahren gab es in Deutschland, dem Stammmarkt, ein Absinken der Anzahl bei den Depots und auch die in der Branche erzielten Gewinne haben sich nicht signifikant erhöht. Immer neue Anbieter drängen auf den Markt und der dadurch entstehende Preisdruck nimmt deutlich zu. Stagnierender Markt, mehr Wettbewerb, steigender Preisdruck - eigentlich muss man über die Aussichten fast nicht mehr viel sagen.

Oh doch, da gibt es ja noch das Zauberwort "Regulierung". Es zeichnet sich eine Transaktionssteuer ab, die leider nicht den Hochfrequenzhandel treffen wird, sondern vor allem die Aktienbesitzer. "Echt dämlich" ist noch die neutralste Formulierung, die mir hier für Bundesfinanzminister Olaf Scholz und den Rest seiner schwarz-roten Regierungsgurkentrupp einfällt. Aber von Scholz haben Aktionäre auch nichts Sinnvolles zu erwarten: schließlich legt der sein Geld ausschließlich auf dem Sparbuch an. Voll der Pfosten, ihr versteht was ich meine...

Kurz gesagt: Broker und auch die Fintech Group dürften trotz der volatilen Börsenzeiten eher nicht die großen Gewinner von morgen sein. Und diese Erkenntnis im Zusammenspiel zu den geplatzten vorherigen Plänen im White-Label-Banking-Bereich haben mich veranlasst, den Wert von meiner Beobachtungsliste zu streichen. Unterm Strich blieben nach knapp anderthalb Jahren magere 9% übrig. Nicht wirklich der Burner...


IAC InterActiveCorp. / Match Group

Bei der IAC InterActiveCorp. läuft alles prima und daher dürfte es verwundern, weshalb ich diesen relativ hoch gewichteten Wert aus meinem Depot gekickt habe und von der Beobachtungsliste streiche - ach knapp einem halben Jahr und mit 23% Rendite. Obwohl ich von dem Unternehmen weiterhin überzeugt und nur aus einem einzigen Grund ausgestiegen bin.

Denn eigentlich habe ich "nur" umgesattelt. Die mit Abstand größte und erfolgreichste Beteiligung der IAC ist die Match Group. Hinzu kommen Venmo und ANGI Housservices und im Rahmen meiner Analyse zur IAC und deren Geschäftszahlen schaue ich mir natürlich auch immer die Entwicklung bei den Töchtern mit an. Zuletzt haben die wieder Zahlen vorgelegt und ich habe vor anderthalb Wochen einen weiteren Portfoliocheck verfasst: "Portfoliocheck: Value Investor Frank Sands heißester Flirt ist die Match Group". Ich hatte ihn am Donnerstagnachmittag eingereicht, aber wegen einer Seminarveranstaltung von Traderfox wurde er erst am Montagmittag auf aktien-mag.de veröffentlicht. Doch in der Zwischenzeit arbeitete es in mir und über das Wochenende bin ich zu einem Entschluss gelangt. Die Match Group ist der Haupttreiber hinter dem Erfolg der IAC und ihr Erfolg der eigentliche Grund für meinen Einstieg bei der Beteiligungsgesellschaft. Venmo und auch ANGI Homeservices halte ich ebenfalls für aussichtsreich, aber nicht so sehr wie die Match Group. Was mich zu der Frage führte, weshalb ich mir den Erfolg der Match Group "verwässern" lassen sollte, indem ich bei IAC engagiert bin und nicht bei der Match Group direkt. Zumal ja die IAC auch noch ihren eigenen Overhead finanzieren muss. Tja, was soll ich sagen, ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass ich direkt in die Match Group investieren sollte. Und konsequenterweise habe ich gleich am Montagmorgen umdisponiert und meine IAC-Aktien in Match Group-Aktien getauscht. Und ich vollziehe diesen Schwenk auch auf der Beobachtungsliste nach.

Klarer Fehler von mir: ich hätte auch vor einem halben Jahr schon zu dieser Erkenntnis gelangen und gleich direkt in die Match Group investieren können. Jetzt sieht das nach kurzfristigem Trading aus. Diese Kritik ist nicht unberechtigt und ich kann nicht widersprechen. Habe ich schon die sehr beliebte Rubrik "Kissigs Kunstfehler" erwähnt...? ツ


Nynmoic

Nynomic hat sich prächtig entwickelt, das (nicht mehr ganz) neue Vorstandsteam Müller/Peters macht bei der ehemaligen m-u-t AG einen tollen Job. Ich habe den Turnaround nicht von Anfang an begleitet, sondern bin erst später eingestiegen, obwohl (oder gerade weil) das Unternehmen nur einen Steinwurf entfernt von meinem Büro ist und ich den Gründer und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Wörmcke persönlich kenne ("Kennen" im weiteren Sinne: wir sind uns in den letzten zehn Jahren ab und zu mal über den Weg gelaufen und haben einige Worte miteinander gewechselt).

Nynomic ist gut positioniert und hat mit dem Zukauf in Skandinavien ein weiteres interessantes Tor aufgestoßen. Mittel- und langfristig. Das Unternehmen hat die Ziele bestätigt und löst auf den ersten Blick seine Prognosen ein. Allerdings trübt sich der Ausblick ebenfalls für Nynomic ein und man wird von Konjunkturabschwächung und Handelskriegen nicht verschont bleiben. Und der verhaltene Ausblick sowie die "bilanzielle Klaviatur", die zuletzt gespielt wurde, deuten auf ein sich merklich verschlechterndes Chance-Risiko-Verhältnis hin. Bisher gehe ich nicht davon aus, dass Nynomic im weiteren Jahresverlauf eine Umsatz und Gewinnwarnung aussprechen muss, aber ich halte das auch nicht mehr für ausgeschlossen. Ich habe mich daher entschieden, lieber meine Gewinne einzustreichen und die Entwicklung zu beobachten. Nach knapp anderthalb Jahren bleiben rund 33% in den Büchern, womit ich sehr zufrieden bin.


Rocket Internet / Hello Fresh / Westwing (und ein bisschen Softbank Group)

Die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet ist weiter auf Exit-Kurs bei früheren Beteiligungen. Nach dem erfolgreichen IPO von Jumia hat man sich nun von seinen sämtlichen restlichen Hello Fresh-Aktien getrennt und reduzierte seinen Westwing-Bestand um mehr als die Hälfte auf nun noch 9,5% der Anteile. Rocket Internet flossen hierdurch weitere mehr als 350 Mio. Euro zu (alleine aus dem HF-Exit) und es drängen sich immer lauter zwei Fragestellungen auf: weshalb verkauft Rocket Internet zu beinahe jedem Kurs seine Beteiligungen und was will Oliver Samwer mit dem enormen Cash-Bestand anfangen, der nun bei über 2,5 Mrd. Euro liegt und sich zügig Richtung 3 Mrd. Euro entwickelt?

Genau diese Frage treibt auch die Berenberg Bank um, die ihr Kursziel deutlich von bisher 53 auf 30 Euro gesenkt hat. Aber das kann man nicht wirklich ernst nehmen. Berenberg hat Jahre lang die IPOs von Rocket Internet und deren Töchter begleitet und sich dabei eine goldene Nase verdient. Die Kurse der meisten "Empfehlungen" sind eher unter Wasser und das auch wegen der gnadenlosen Abverkäufe durch Rocket Internet selbst. Des Weiteren ist absehbar, dass es mit den Folgeaufträgen für Berenberg künftig tendenziell eher mauer aussehen wird, und daher kann man es durchaus so sehen, dass Berenberg zuvor ein utopisch hohes "Gefälligkeitskursziel" in die Welt geblasen hat, während man sich nun wie ein verschmähtes, rachsüchtiges Liebchen schmollend in die Ecke verzieht. Das "Argument", Rocket Internet würde nichts mit dem ganzen Geld anzufangen wissen und es könnte/würde nun auf ein Delisting hinauslaufen, bei dem dann schnöde 30 Euro und somit eine Prämie von 25% herauszuholen wären, sind jedoch aus meiner Sicht eher an den Haaren herbeigezogen und als ziemlich durchschaubar abzuhaken. Oder als nicht ernst zu nehmen...

Delisting ante portas?
Der NAV je Rocket-Aktie liegt bei über 30 Euro, der Kurs bei etwa 22 Euro. Großaktionär von Rocket Internet ist Oliver Samwer und Rocket verfügt über so viel Cash, dass es sich seine eigene Übernahme locker leisten könnte. Und Oli Samwer würde wieder mal einen fetten Schnitt machen. Schließlich war Rocket Internet im Oktober 2014 zu 42,50 Euro an die Börse gegangen, wobei auch Oli Samwer erheblich Aktien abgegeben hatte. Rein finanziell würde es für ihn also Sinn machen, Rocket Internet jetzt vergleichsweise preiswert von der Börse zu nehmen.

Auf der anderen Seite sprechen zwei Dinge gegen ein Delisting. Er würde sich eine Finanzierungsmöglichkeit nehmen und einen Ruf als "Abzocker" verdienen, der Aktionären teuer Aktien andreht, um sie später billig wieder einzusammeln. Kein Ruf, den man in der Startup- und Unternehmerszene braucht. Und dann ist da noch sein Ego und seine Vision. Ich glaube nämlich, dass Oli Samwer ganz andere Pläne hat, als nur (möglichst viel) Geld zu verdienen. Wie ich schon früher erwähnt habe, sehe ich eher auf den Spuren von Masayoshi Son (Softbank) wandeln. Rocket Internet hat bereits themenspezifische Venture Capital-Fonds am Start und wird weitere platzieren, jeweils mit Eigenkapitalanteilen von Rocket Internet und erheblichem Kapitalzufluss von externen Investoren. Damit schafft sich Samwer einen Hebel für deutlich größere Investments und er verstetigt Rocket Internets eigenen Cashflow und damit die Gewinne, denn Rocket erhält als Asset Manager der Fonds Provisionen und Gebühren. Das Geschäftsmodell macht Softbanks Son zu einem der erfolgreichsten Investoren und einem der reichsten Männer Asiens und der Welt. Keine Fußstapfen, die für Oliver Samwer zu klein sind. Aber auch nicht zu groß, aus seiner Sicht...

Um das nötigen Eigenkapital für die Fonds-Gründungen zusammen zu bekommen, verkauft Samwer die "alten" Beteiligungen von Rocket Internet. Klar ist, dass er die Altbeteiligungen besser in der aktuell noch anhaltenden Hausse zu Geld machen kann, als wenn die Börsenkurse crashen, während er neue Investments auch sehr gut in schwierigen Börsenphasen eingehen kann. Ob Oliver Samwer darüber hinaus oder alternativ am Einstieg in ein oder mehrere sehr große Startups bastelt ("Flixbus" ist hier ab und zu mal zu vernehmen), ist auch eine Überlegung wert - wir werden es irgendwann erfahren.

Meine Einschätzung
Oliwer Samwer baut sich gerade seine neue Rocket Internet zusammen und es geht ihm nicht darum, möglichst schnell Geld damit zu verdienen. Dem entsprechend stufe ich ein Delisting nicht mit einer allzu hohen Wahrscheinlichkeit ein. Ich sehe Son als sein Vorbild an. Und der hat mal etwas sehr bemerkenswertes (und amüsantes) gesagt: "Ich war mal der zweitreichste Mensch der Welt. Dann verlor ich 70 Milliarden Dollar". Genau, seine Softbank war schon einmal ein Highflyer und der Chart sah aus wie ein Raketenstart auf Speed. Damals, vor dem Platzen der Internetblase im Frühjahr 2000. Und was tat Son damals? Kaufte er die eigenen Aktien zurück und nahm Softbank von der Börse? Nein, er kümmerte sich nicht um den Kurs, sondern um seine Vision. Er passte sein Unternehmen an die neuen Gegebenheiten an und baute sein Imperium immer weiter aus. Er ist Unternehmer, nicht Anleger, nicht Spekulant. Ein Entrepreneur alter Prägung. Und Oliver Samwer strebt ihm nach.

ERGÄNZUNG vom 20.05.2019, 10:37
Eben meldete die Westwing Group AG, dass der Stimmrechtsanteil von Rocket Internet nunmehr auf 0,38% gesunken ist. Damit ist Rocket Internet nun auch bei Westwing komplett ausgestiegen.


SBF

Der Turnaround bei der SBF AG läuft weiter wie am Schnürchen und mein Investmentcase fliegt. Ich hatte den Wert zwischenzeitlich von meiner Beobachtungsliste genommen, weil es kaum noch Börsenumsätze gab und die Spreads vom Makler über längere Zeiträume mit über 50% und teilweise sogar 70% angesetzt wurden. Eine absolute Dreistigkeit und ich wollte bei diesem extrem marktengen Wert dieses Abzock-Spielchen des Maklers nicht auch noch unterstützen.

Nachdem sich die geschäftliche Lage bei der SBF weiter deutlich verbessert hat und man nach dem Übergangsjahr 2018, in dem man aus wettbewerbsrechtlichen Gründen bei einer Reihe von Aufträgen ausgeschlossen war, in 2019 so richtig Fahrt aufnimmt, hat sich auch die Situation an der Börse normalisiert und die Aktie ist wieder gut besser handelbar. Das Kursniveau befindet sich auch in etwa dort, wo es lag, als ich den Wert zwischenzeitlich "inkognitoisiert" habe - ich habe aber bei der Wiederaufnahme nicht meinen ursprünglichen Einstiegskurs angesetzt, sondern den durchschnittlichen Kurs meiner letzten kleineren Zukäufe und das Datum des letzten. Daher steht der Wert nicht mit den früheren 1,07 Euro vom 24.11.2016 auf der Liste und künftig wird somit die Rendite meiner Turnaround-Spekulation deutlich niedriger ausgewiesen werden, als sie es eigentlich wäre. Sei's drum. Ich denke, sie wird auch so spektakulär genug, wenn SBF weiterhin so große Fortschritte macht wie zuletzt. Die Äußerungen des Managements zu den Auftragseingängen und was dort noch alles aus laufenden Ausschreibungsverfahren zu erwarten ist, spricht eine deutliche Sprache.

Wer Interesse hat, kann sich gerne meinen damaligen Investmentcase von Ende 2016 anschauen; und dann mal die letzten Corporate News aus der SBF AG. Es ist leicht festzustellen, dass das Unternehmen seit einigen Monaten ernst macht mit der verbesserten Kapitalmarktkommunikation und inzwischen auch Investoren-Konferenzen bedient und ein professionelles Research. Dennoch bitte nicht vergessen, der Börsenhandel in SBF-Aktien ist noch immer dünn, die Marktkapitalisierung sehr niedrig und daher sollte man stets mit Limit agieren - und nicht den Brief- und Geldkursen hinterherlaufen, sondern lieber ausreichen Geduld mitbringen beim Ein- oder Ausstieg.

▶ Mein (ursprünglicher) Investmentcase zu SBF


Teva Pharmaceuticals

Teva ist eine meiner Turnaround-Spekulationen und Anfang des Jahrs hatte ich gemutmaßt, "bei Teva könne es eigentlich doch nur besser werden". Tja, konnte es nicht. Nach zwischenzeitlich erfreulichen Entwicklungen gab es in den letzten Wochen doch einige Nackenschläge. Zunächst hat sich die von mir erwartete moderate Preisstabilisierung im Generika-Markt (bisher noch) nicht eingestellt und Teva leidet weiter unter dem Preiskampf. Die anhaltende Debatte über die Kosten des Gesundheitssystems in den USA ist dabei auch wenig hilfreich, doch der entscheidende Grund, weshalb ich mich bereits nach drei Monaten aus meiner Turnaround-Spekulation bei Teva verabschiede, ist das hochgepoppte Kartellverfahren aufgrund von Preisabsprachen. Damit wurde mein Investmentcase geschrottet, denn der basiert ja zuvorderst auf der Annahme, dass die wichtigsten negativen Einschläge hinter dem Unternehmen liegen und von dieser Basis aus eine zielgerichtete Entschuldung und damit ein Wiederauferstehen erfolgen kann. Wie bei General Electric oder Bausch Health. Bei Teva wird die Lage indes wieder zunehmend kritischer, da die hohe Verschuldung bedient werden muss und in den nächsten Jahren milliardenschwere Um- oder Anschlussfinanzierungen anstehen. Das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich wieder deutlich verdüstert, daher streiche ich Teva von meiner Beobachtungsliste.

Pharma? Not realy my business...
Gleichzeitig muss ich erkennen, dass meine Ausflüge in die Pharmawelt keine überzeugende Erfolgsgeschichte sind. Bei Novo Nordisk machte ich Verlust, bei Paul Hartmann verkaufte ich mit gutem Gewinn, bei Gilead hatte ich kein glückliches Händchen, während ich bei Johnson & Johnson mehr als 50% einstreichen konnte - aber zu früh und aus den falschen Gründen ausgestiegen bin. Mit der Übernahmespekulation bei Stada lag ich goldrichtig, habe aber leider nicht direkt investiert, sondern "nur" über meine Shareholder Value-Aktien an dem rasanten Kursanstieg teilgehabt. Bei Bausch Health (ehemals Valeant) trägt meine Turnaround-Spekulation Früchte, ist aber durchaus zähleibig (und war zwischenzeitlich auch schon mit 40% unter Wasser), während Teva sich jetzt in die Reihe der Fehlgriffe einreiht. Tja, Pharma ist wohl nicht so wirklich meine Branche...


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money hat in der vorletzten Woche einen regelrechten Absturz hingelegt und konnte sich in den letzten Tagen nur unwesentlich davon erholen. Von den früheren 60 Punkten ging es steil auf 36 Punkte abwärts und anstelle "entspannter Gier" zeigt das Börsen-Emotionsbarometer nun "Angst".

Mein "operativer Net Worth" ist ähnlich eingebrochen mit anschließender Erholung. Dennoch hat sich auf Sicht der letzten zwei Wochen eine deutlich negative Rendite von -2,5% ergeben auf aktuelle 25% (YTD). Das ist natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau, schon klar.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Arista Networks, Aumann, Cisco Systems, Match Group, MBB, Rocket Internet, SBF und Softbank Group befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Zu schnell und mit Verlust bei Teva aufgegeben.

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    1. Und kannst Du Deine positive Ansicht zu Teva auch begründen?

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    2. Die Preisstabilisierung, die Du erwartet hast, ist in den letzten drei Monaten nicht eingetreten. Vielleicht in den nächsten 3 oder 6 Monaten? Die Debatte um die Kosten im Gesundheitssystem hat die gesamte Branche getroffen, was aber das Endergebnis sein wird, weiß auch keiner. Jedenfalls auch schon eingepreist. Und das Kartellverfahren ist auch eingepreist. Du hättest Teva ein bisschen mehr Zeit geben können, um zu schauen wie sich das Unternehmen und die Branche allgemein entwickelt. Aussteigen wo alle Risiken eingepreist sind, ist denke ich suboptimal.

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    3. "Aussteigen, wo alle Risiken eingepreist sind"... Ja, da sollte man wirklich nicht (mehr) aussteigen. Nur bewerte ich die Situation ja anders und sehe eben nicht alle Risiken als eingepreist an. Das hatte ich angenommen, als ich eingestiegen bin. Doch der Preisverfall bei Generika geht ungebremst weiter, die Diskussion um die Gesundheitskosten in den USA treiben immer weitere Blüten und je näher die US-Präsidentschaftswahlen (und die Vorwahlen) rücken, desto bizarre/radikaler werden die Forderungen der Kandidaten werden, und die Preisabsprachen könnten auch nur die Spitze des Eisbergs sein.

      Teva erinnert mich irgendwie an die Deutsche Bank. Immer, wenn man dachte, nun haben die all der Mist der Vergangenheit hinter sich, poppte das nächste Problem hoch. Oder wie Buffett einmal sagte: In der Küche findet sich selten nur eine Kakerlake...

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    4. Da schlägt mein Contraindikator wieder aus ;) ich habe meine Tevaposition letzte Woche mehr als verdoppelt..., wer recht hat, wird die Zukunft zeigen

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    5. "Das hatte ich angenommen, als ich eingestiegen bin.". Jetzt nimmst Du an, dass nicht alle Risiken eingepreist sind. Wer Recht hat und ob alles eingepreist ist wird die Zukunft zeigen wie der Moritz sagt. Die Aktie ist jetzt 30% günstiger als in der Dezember 2018 Korrektur und es gibt gute Chancen, dass viele der Befürchtungen doch nicht so eintreten wie sie eingepreist sind. Ich werde meine Position halten und evtl. bei gutem Newsflow nachkaufen.

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    6. Nach einem Vergleich mit dem Bundesstaat Oklahoma im Opioid-Skandal könnte auf Teva nun anstelle der bisher gedachten Strafzahlung von 1 Milliarden Dollar sogar 4,1 Milliarden Dollar herauskommen (immerhin haben 44 US-Bundesstaaten Klagen eingereicht). Das wäre natürlich fatal für das sehr hoch verschuldete Unternehmen und damit auch für die Kursentwicklung in nächster Zeit. Mein Zwischenfazit momentan: manchmal ist es besser, einen schnellen Verlust zu realisieren, als einfach nur auf bessere Zeiten zu hoffen...

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    7. Ja, Du hast hier gewonnen :) Jetzt habe ich -42% in meinem Depot. Zum Glück ist die Gewichtung kleiner 1%. Ob jetzt alles eingepreist ist? Oder siehst Du die Pleite kommen?

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    8. Ich glaube kaum, dass bei Teva "jetzt alles eingepreist ist", denn es ist ja völlig unklar, was da noch kommt. Der Opioid-Skandal, die mögliche Kartellstrafe in den USA und der Refinanzierungsbedarf bzgl. des Schuldenbergs von 26 Milliarden Dollar sind zusammengenommen ein toxischer Cocktail. Mein Investmentcase "flog" ohne die beiden Strafzahlungen, als es "nur" um hohe Schulden und mögliche Verkäufe von Beteiligungen ging, um Preisstabilisierung bei Generika und mögliche Erfolge bei neuen Wirkstoffen. Die Strafzahlungen in Milliardenhöhe könnten nun das Ganze Kartenhaus zum Einsturz bringen. Eine Insolvenz halte ich nicht (mehr) für ausgeschlossen.

      Auf der anderen Seite könnte dies auch Finanzinvestoren auf den Plan rufen, Leute wie Paul Singer, KKR oder Blackstone, die versuchen, die Schulden zu drücken und Einzelteile zu verkaufen. Auf genügend Geld zum Investieren sitzen die ja alle und vielleicht wagen die sich an Teva heran. Aber eine mögliche Übernahme wäre mir selbst als Spekulationsbasis zu dünn...

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  2. Die Westwing Group AG meldete soeben, dass der Stimmrechtsanteil von Rocket Internet nunmehr auf 0,38% gesunken ist. Damit ist Rocket Internet nun auch bei Westwing komplett ausgestiegen.

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  3. Hallo,
    bin ja anderer Meinung was den Kurs des US Präsidenten angeht und wenn der Chinese großflächig Bonds verkauft, dann sind nicht nur die "Amis" in Schwierigkeiten sondern die gesamte Welt, andererseits könnte die FED einspringen und solche Bonds zumindest teilweise kaufen, denke ich.

    Ich bin ja wissbegierig und kritisch, daher denke ich dem Samwer kann man nicht trauen, deswegen wäre RI kein Investment für mich, genauso wie Aumann und MBB, hat alles nichts mit "Value" zu tun aber trotzdem gut zu wissen was du alles hier berichten kannst.

    Gruß

    Joe

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  4. Ich verstehe das Value Investing Ansatz mittlerweile überhaupt nicht mehr. Substanzwerte wie MBB, Rocket Internet, Baidu etc. kommen nie auf ihrem Wert und werden teilweise grundlos ausverkauft. Dafür steigen viele andere Werte ungebremst weiter - egal wie die Kennzahlen sind. Insbesondere im Tech-Bereich sind 300% Performance pro Jahr teilweise kein Problem, wenn man z.B. MongoDB, Twilio, Zscaler u.a. betrachtet. Fundamental gesehen sind solche Kurssteigerungen absurd. Aber auch die großen Mastercard, Netflix etc. steigen mit 40-50% p.a. und die Kennzahlen sind auch hier nicht von Bedeutung.
    Eine fundamentale Bewertung mittels DCF, KGV, KCV, EV/Sales, Sum-of-the-parts etc - heute nicht relevant. Man kauft das was ständig und schnell steigt (z.B. Umsatz), häufig gute Nachrichten generiert und aus den USA kommt. Unabhängig von der Bewertung. Auch ein 50er oder 100er KGV/KCV/... ist kein Problem, es wird weiter steigen...Ist das Value Investing? Ist das Quality Investing? Warum werden Kennzahlen vom Markt ignoriert? Werden solche Kennzahlen irgendwann wieder eine Bedetung haben?

    VG

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    1. An der Börse wechseln sich die Phasen ab, wo es mal für Value-Aktien und mal für Growth-Aktien besser läuft. In den letzten Jahren hatten Wachstumsaktien ganz klar die Nase vorn. Und das kann noch eine Weile so weiter gehen, denn anders als früher (z.B. Ende der 1990er Jahre) fahren viele Wachstumsunternehmen heute enorme Gewinne ein und sie sind in einem Markt tätig, der unsere Welt in vielen Bereichen disruptiert. Daher kann man nicht von einem einfachen Zurückwechseln in den Old-School-Modus ausgehen, sondern viele Unternehmen werden sich anpassen müssen, um zu überleben. Eine Welt, die voll von herausragenden, guten und einigen schlechten Kutschenherstellern ist, die sich aber mit der Erfindung und schnellen Verbreitung des Automobils konfrontiert sehen. Jetzt einfach nach einer Boomphase bei den Autoherstellern (Growth) zurück in die vermeintlich unterbewerteten Kutschenhersteller umzusatteln (Value), ist nicht gerade erfolgversprechend. Weil "der Markt" sich komplett wandelt und es für die Kutschenhersteller keine Zukunft mehr gibt. Das muss man also im Blick behalten, nicht alles, was günstig aussieht mit Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart, ist es auch mit Blick auf die Zukunft.

      Hinzu kommt, dass wir in einer historisch neuen Situation sind: seit mehr als 30 Jahren fallen die Zinsen und die Notenbanken fluten nach wie vor den Markt, während die Zinsen auf niedrigstem Niveau verharren (in Deutschland sind die Renditen für Bundesanleihen teilweise sogar negativ!). Das ist nicht zu vernachlässigen in der Überlegung, denn es steht so Kapital in (fast) unbegrenzten Mengen zur Verfügung, auch für Geld verbrennende Wachstumsunternehmen wie Uber, Lyft, WeWork usw.) - auch, weil es an Alternativen fehlt. Denn das klassische Wechselspiel zwischen Aktien und Anleihen funktioniert heute nicht mehr, da man für Anleihen (und Spareinlagen) kaum/keine Zinsen mehr bekommt. Daher fließt immer mehr Geld in Aktien (Unternehmensbeteiligungen) und Immobilien. Hier sind noch Renditen zu erzielen bei vergleichsweise geringen Risiken. Solange... das Geld so billig bleibt und es zu keiner handfesten Rezession kommt.

      Value Investing ist nicht in Stein gemeißelt; die Grundsätze gelten weiterhin, aber in der Anwendung, in der Auswahl, müssen sich auch Value Investoren anpassen. Weil sich einige Parameter geändert haben. Und John Maynard Keynes lehrte uns schon: "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung".

      Das bedeutet nicht, dass Growth-Aktien ewig so weiterlaufen und Bewertungen keine Rolle spielen. Wenn die Notenbanken das Geld verknappen und/oder die Zinsen steigen und/oder die Wirtschaft einen heftigen Schnupfen bekommt, wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Dann wird es wieder einen entscheidenden Unterschied machen, ob man in Amazon, Microsoft, Cisco Systems investiert ist, die enorme Cashflows und Gewinne einfahren bei deutlich zweistelligen Wachstumsraten, oder ob man Aktien an Lyft, Uber, WeWork, Tesla hält, die permanent Verluste machen und wenig Aussicht haben zu überleben, wenn sie nicht ständig frisches Kapital von außen bekommen. Die erstgenannten Tech-Riesen sind "Value-Growth-Unternehmen", die letztgenannten nur Growth. Aber ohne Value, da auf absehbare Zeit ohne Gewinne (oder steigende Free Cashflows).

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    2. Fortsetzung /2

      Und dann gibt es natürlich noch den anderen Bereich. Zyklische Unternehmen, wie die Chemiebranche. Die leiden momentan, weil die Wirtschaftsaussichten schwächeln. Oder die Autowerte; eine Branche im totalen Umbruch und weltweit mit Absatzproblemen. Die Chemiewerte sind der "normalen" Zyklik unterworfen, da kann man irgendwann "gut" investieren. Bei der Autobranche samt Zulieferern ist momentan kaum absehbar, wer überlegen wird. Da sehen alle/viele "billig" aus, aber am Ende werden nur einige wenige wirklich preiswert gewesen sein und es dürfte so manche Value Trap Anleger viel Geld gekostet haben.

      Dass Value Investing nicht mehr funktioniert, sehe ich nicht so. Weniger bezahlen, als man dafür bekommt. Das ist und bleibt der Ansatz. Auch bei Growth-Aktien...

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    3. Hallo Michael,
      danke für die umfangreiche Antwort, es ist mir Einiges klar geworden. Nur der letzte Satz "Weniger bezahlen, als man dafür bekommt" verwirrt mich ein wenig. Das wäre ja der Fall bei Rocket Internet, Kion, Baidu und MBB z.B. - die Aktien machen keine Freude. Andersrum ist eine Amazon (oder Mastercard) immer gut zu kaufen, auch bei 1600 € und bei 2000 €. Die Aktie wird mittelfristig weiterhin gut performen. Sie steigt einfach. Wie greift hier "Weniger bezahlen als man dafür bekommt", wo ist die Grenze bzw. gibt es eine überhaupt? Ist Amazon das Auto und Kion/MBB/RI die Kutsche?

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    4. In Deinen Überlegungen fehlt der Faktor Zeit. "Weniger bezahlen, als man dafür bekommt". Das kann sich auf die Gegenwart beziehen, indem man ein Unternehmen in all seinen Teilen bewertet und feststellt, es ist z.B. 30 Euro je Aktie wert (wenn man es denn einzeln verkaufen würde) und der Kurs steht z.B. bei 20 Euro. Oder man kann auch die Zukunft mit einbeziehen, also die künftig zu erwartenden Gewinne mit einpreisen in die Bewertung. Wobei klar ist, dass die Prognoseunsicherheit zunimmt, je weiter man in die Zukunft prognostiziert.

      Bei Beteiligungsgesellschaften wie Rocket Internet, MBB usw. macht es Sinn, auf die einzelnen Teile/Beteiligungen (SOTP, Sum-of-the-Parts) zu schauen und für diese einen Wert zu ermitteln. Da hat man dann den Soll-Ist-Vergleich zwischen Börsenkurs und Wert je Aktie.

      Aber wie soll das bei Adobe laufen? Ein Softwareunternehmen, das keine Substanz hat (Maschinen, Immobilien), sondern "nur" Patente und kreative Köpfe? Hier muss man ja die Kundenbeziehungen bewerten, also aus Verträgen zufließenden Mittel und was davon als Marge hängen bleibt. Oder bei MasterCard, die haben zigtausende Verträge mit Einzelhändlern, um für die die Zahlungsabwicklung zu übernehmen. Diese Verträge sind deren Gold. Weil Apple oder Google oder Amazon zwar eigene Zahlungsdienste an den Start bringen können, aber der POS (Point of Sale), der Punkt, wo Kunde und Verkäufer zueinander finden und die Zahlung abgewickelt werden muss, den besetzt MasterCard. Und wollte Apple das ohne MasterCard machen, müssten sie mit den Händlern selbst Verträge schließen. Und zwar mit jedem einzelnen. Also lässt Apple das und gibt MasterCard ein Stück vom Kuchen ab.

      Man ermittelt also, was das Unternehmen künftig an Gewinnen (bzw. bei Wachstumsunternehmen lieber Free Cashflow statt Überschüssen) einspielt und rechnet dann diesen Wert auf heute zurück. Was ist das Unternehmen in zehn Jahren wert? Und was würde ich an Zinsen bekommen, wenn ich mein Geld woanders anlege (US-Staatsanleihen) und was verliert das Geld an Wert in dieser zeit (Inflation).

      Man kann diese Rechnung in einem DCF-Modell (Discounted Cashflow) ganz akribisch vornehmen, oder man macht das überschlägig. Meine Kritik an der DCF-Methode ist, dass man hier eine Reihe von Annahmen bzgl. künftiger Entwicklungen hineinwirft, und am Ende eine exakte Zahl herausbekommt. Das simuliert eine Genauigkeit der Wertermittlung, die natürlich gar nicht vorhanden ist. Denn alleine wenn ich den Abzinsungsfaktor marginal ändere, ergibt diese eine erhebliche Abweichung beim Endergebnis, denn wir reden ja über Auswirkungen über zehn Jahre (oder noch länger). Ich mache diese Rechnung also überschlagsweise, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das Unternehmen wohl in Zukunft wert sein wird. Dabei ist egal, ob ich auf 10 oder 11 Milliarden Euro komme für 2030, wenn der Kurs heute 6 Milliarden aufruft.

      Also kaufe ich dieses Unternehmen, weil es in der Zukunft deutlich mehr wert sein wird als heute. Ich muss dann "nur" noch darauf achten in den nächsten Jahren, ob sich die Entwicklung auch in etwa so abspielt, wie ich es erwartet habe. Wenn sich das Wachstum nicht einstellt oder sich gravierende Änderungen bei den Rahmenbedingen ergeben (man denke an Eon/RWE und die Energiewende), dann muss man neu nachdenken, ob sich dies negativ oder positiv auswirkt, oder ggf. den eigenen Investmentcase komplett schrottet. Investiren ist eher eine Kunst als eine Wissenschaft.

      Zu Deiner letzten Frage: Amazon ist in meinem Beispiel das Auto. Kroger, Walmart, Sears, Karstadt sind die Kutschenhersteller. Wobei zumindest Walmart inzwischen auch versuchen, seine Kutschen mit einem Motor zu versehen... Und da Amazon in immer mehr Bereiche vordringt, könnten die nächsten Kutschenhersteller DHL/Deutsche Post, FedEx, UPS sein im Logistikbereich oder die Apotheken, wenn Amazon mit dem Pharmaversand richtig durchstartet...

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    5. Ebenso Danke meinerseits. eine Frage schließt sich für mich bei dieser Metapher an:
      Ich besitze auch Anteile an den Autos Amazon und Mastercard, weil sie unterschiedliche bzw. ergänzende Geschäftsfelder abbilden.
      Ich fahre aber auch Paypal und habe das Gefühl, dass im Rückspiegel Amazon und co. schon Gas geben, um ggf. irgendwann den Blinker zum Überholen zu setzen, weil sie eben dann als Zahlungsdienst Paypal in die Garage stellen könnten?!
      Möglich oder denke ich da falsch?
      Freue mich über eine Antwort! Danke!

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    6. Ich habe in meinem Depot neben MasterCard auch PayPal sehr hoch gewichtet, annähernd gleichstark in der fünfköpfigen Spitzengruppe. Insofern kann es nicht überraschen, dass ich die beiden überwiegend als Ergänzung zueinander sehe. MasterCards USP hatte ich ja zuvor beschrieben. PayPal hingegen punktet vor allem im Internet, weil es Sicherheitspuffer zwischen Käufer und Verkäufer/Shop geschaltet ist. Man muss also nicht bei jedem Shop seine Kreditkarten- oder Kontodaten hinterlegen, sondern man macht das nur bei PayPal - und danach kann man ganz bequem und sicher online shoppen. Wenn etwas schief geht, hat man 1. PayPal, um das Geld zurückzuholen, und 2. MasterCard. Des Weiteren bietet PayPal interessante Loyaltyprogramme an, wodurch die ebenfalls gutes Geld verdienen. Das ist jetzt kein USP, das macht MC auch (und Fluggesellschaften usw.), aber dann ist da noch Venmo, wo PayPal enorme Wachstumsraten verzeichnet. Da hat weder MasterCard noch VISA was adäquates entgegenzusetzen.

      Der Paymentmarkt wächst rasant und es gibt viele unterschiedliche Entwicklungen. Viele greifen dabei im Hintergrund auf MasterCard/VISA zu oder auch auf PayPal. Daher werden die auch nebeneinander kräftig weiter wachsen können, ohne sich zu sehr ins Gehege zu kommen. Natürlich wird das zunehmend passieren mit der Zeit; spätestens wenn aus den leisen Gerüchten mehr werden sollte, dass PayPal selbst zu einem vollwertigen Paymentanbieter bei Kassentransaktionen werden will. Wohl gar nicht so sehr bei Supermärkten, aber wenn AmazonGo Erfolg hat und man kassenlos einkaufen kann, dann könnte das ggf. auch von PayPal abgewickelt werden im Hintergrund. Schauen wir mal. Ich setze jedenfalls auf die beiden Top-Werte.

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    7. Danke dir für die ausführlichen Infos. Aber ist es nicht so, dass gerade Amazons aufstrebende Finanzsparte ein ernstzunehmender Mitbewerber für Paypal werden könnte?
      Vielleicht vermische ich da aber auch die Infos zu sehr, denke aber, dass bei der „disruptiven Macht“ auch Paypal von Amazon angreifbar wäre; ggf ebenfalls von Facebook mit deren eigener Kryptowährung (so sie denn je kommt). mit anderen Worten:
      Paypal besitzt sicher einen Burggraben, aber möglicherweise einen-, der von schnellen Autos schneller überbrückt werden könnte als vermutet?!
      Oder denke ich da zu „kutschen-paranoid“ und Paypal hat so viele andere Bereiche, dass im Rückspiegel auf der Überholspur weit und breit kaum was zu sehen ist?!?
      Danke dir erneut für deine tolle Hilfe hier für uns alle!!!

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    8. Hm, von diesem Kryptogedöns halte ich nicht viel. Sicher, der Plan von Facebook ist, eine eigene Kryptowährung zu lancieren und die Leute für das Ansehen von Werbung damit zu bezahlen - und dass sie dann mit dieser Währung nur auf Facebook und ggf. seinen sonstigen Diensten bezahlen können. Also sowas wie eine Lokalwährung im größeren Stil. Ob da viele mitmachen? Wir werden es sehen.

      Amazon bietet eine eigene Paymentlösung an, die Shopbetreiber auch für ihren Shop benutzen können. Finde ich gut, gefällt mir. Ist allerdings begrenzt, weil jeder Wettbewerber von Amazon das kaum anbieten wird. Und wer nicht über Amazon verkauft, warum sollte er das als Zahlungslösung anbieten, wenn doch PayPal von fast jedem genutzt wird? Für Amazon ist der Bereich "Finanzdienstleistungen" dennoch interessant, vor allem jenseits des Bezahlvorgangs. Wer dort Anbieter ist und das Fulfillment nutzt, dessen Zahlungsströme kennt Amazon. Amazon weiß, wie lange der Händler auf sein Geld warten muss nach Rechnungsstellung, wie hoch seine Ausfallquoten sind, seine Warenrückläufer uswusf. Amazon kann ihm daher ohne großen Aufwand Kredit- und Finanzierungsangebote unterbreiten; eine aufwändige Bonitätsprüfung entfällt, da die Daten ja vorliegen und durch Algorithmen passgenaue Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Eine externe Bank muss hingegen die zahlen erst zusammentragen, ins System einspeisen und auswerten. Das kostet. Amazon kann also mit niedrigeren Zinssätzen arbeiten und dennoch gleiche oder sogar bessere Margen erzielen. Und das eigene Kreditausfallrisiko ist auch noch viel geringer als bei Banken, weil Amazon natürlich sofort mitbekommt, wenn sich Parameter verschieben. Wenn also Zahlungsfristen länger werden, höhere Zahlungsausfälle bei dem Händler vorkommen oder die Rücksendequote nach oben schnellt. Dann kann Amazon schnell gegensteuern und ggf. Hilfe anbieten. Die Finanzsparte wird aus meiner Sicht zu einer weiteren Milliarden-Cashcow für Amazon. Aber das trifft nicht (direkt) PayPal oder MasterCard, sondern geht zulasten der Banken.

      Ich denke, beide Angebote (AmazonPay und Facebook-Krypto) werden ihren Markt finden, aber das nicht zulasten von PayPal oder MasterCard. Die beiden werden dennoch weiter wachsen und sich ausbreiten.

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    9. Wieder einmal: Ich danke dir für deine Einschätzung! Schönes Wochenende dir!

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  5. Hallo Michael,

    hast Du dir die Aktie von Zebra Technologies schon mal angesehen? Das Thema KI/Vernetzung in Unternehmen ist denke ich eines der großen Zukunftsthemen.

    Grüße,
    Thomas

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    1. Von Zebra Technologies habe ich noch nie gehört; ich habe im ersten Anlauf auch Schwierigkeiten, mich in das Thema KI/Vernetzung in Unternehmen einzudenken, was für einen Investmentcase ja Voraussetzung ist. Ich denke, dass ich mit meinen großen/soliden Tech-Werten, wie Microsoft, Cisco, Amazon, Arista hier grundsätzlich recht gut und breit aufgestellt bin und daher diesen Trend nicht völlig verschlafen werde. Aber vielleicht trifft mich ja auch noch die Erkenntnis und ich finde noch einen besseren Zugang zum Thema...

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    2. OK danke für die Info. Ich hatte die Woche eine interessante Doku in der ARD gesehen "Der große Umbruch" und bin deswegen auf das Unternehmen gestoßen.

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  6. Nynomic liefert heute ziemlich schlechte Zahlen für das erste Quartal 2019 ab: Umsatz -16%, EBIT -36%. Der Hinweis darauf, dass im Vorjahresquartal sehr hohe Aufträge aus der Halbleiterindustrie das Bild (zu) positiv beeinflusst hätten, hilft dabei nicht wirklich. Ich hatte ja vermutet, dass für Nynomic erstmal schlechtere Zeiten anbrechen und mich daher verabschiedet - Auftragseingang und Auftragsbestand lassen positiv aufhorchen, so dass meines Erachtens aber auch kein völliger Blues angesagt ist. Der Vorstand behält seine 2019er Jahresprognose bei, was wiederum für mich bedeutet, dass das Risiko einer möglichen Umsatz- und Gewinnwarnung für 2019 weiter als latentes Risiko im Raum stehen bleibt und somit auf absehbare Zeit ein negatives Chance-Risiko-Verhältnis vorliegt.

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  7. Die MBB Aktie wird geprügelt im Moment. Allein Cash+ Delignit decken die Marktkapitalisierung im Moment ab. Ich war Dienstag auf der HV und diese hat mich in meinem Optimismus nochmal bestärkt. Was Nesemeier alles gesagt hat, hatte Hand und Fuß und seine langfristige Ausrichtung und vorsichtiges Vorgehen ist in dieser Konsequenz wohl fast einmalig. Gleichzeitig hat er mehrfach sehr deutlich mit dem Zaunpfahl gewunken, was mögliche Übernahmen angeht. Ich gehe davon aus, dass da in den nächsten Monaten etwas verkündet wird, vielleicht ja sogar 2 Zukäufe.....
    Kurse um 62€ wie vorhin sind jedenfalls vorgezogene Weihnachtsgeschenke bei diesem Unternehmen, die ich konsequent zum aufstocken nutze. In der aktuellen Phase bekommt man die Anteile vlt noch zu Net Cash?
    Innerhalb der nächsten 2- 3 Jahre sind 750mio-1 mrd als Ziel Marktkapitalisierung durchaus realistisch, je nach Entwicklung der Konjunktur.

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    1. Börsenkurse sind überwiegend Psychologie. Aumann wird momentan total runter geprügelt, als würde die Firma morgen Pleite gehen. Dabei sitzen die - wie MBB selbst auch - auf einem Berg an Cash. MBB wird mit abverkauft, ohne den inneren Wert zu beachten. Aber so ist nunmal Börse. Kostonaly sagte mal, Börsengewinne seien Schmerzensgelder. Erst kämen die Schmerzen, dann das Geld. Der Schmerz ist schon mal da... ^^

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    2. Allerdings verleiht das Kursdebakel dem jüngsten Rückkauf nun noch mehr "Geschmäckle". Hier wurde m.E. Kapital aus dem Unternehmen abgezogen, dass man anderweitig sicherlich besser hätte einsetzen können, und das nur, um den beiden Hauptaktionären noch mal schön die Taschen zu füllen. Ich finde, das muss man dem Management wirklich ankreiden. Verantwortlicher Umgang mit dem Eigenkapital geht anders.

      Gruß
      Jens

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    3. Hi Jens, das Management hat auf der HV auf Nachfrage nochmal betont, dass das ARP kein Kind des Zufalls war. Man sah aufgrund der hohen Kaufpreise keine Chance das ganze Geld sinnvoll zu investieren. Deshalb entschloss man sich dazu, ~55 Mio € Auszuschütten. Daraufhin wägte man ab zwischen Dividende und ARP.
      Und jeder, der daraufhin länger nachdenkt sollte zu dem Schluss kommen, dass es langfristig deutlich klüger ist den Gewinn auf 10% weniger Aktien zu verteilen, als eine Dividende auszuschütten wenn bei beiden Maßnahmen die exakt selbe Menge an Geld an die Aktionäre abfließt. Von daher: Chapeau an die beiden, dass sie keine Dividende ausgezahlt haben sondern langfristig denken.

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    4. Ich sehe das genauso, PS. Und für den Kursverlauf nach dem Aktienrückkauf ist doch nicht der MBB-Vorstand verantwortlich. Weder konnte er diesen voraussehen noch hat er ihn aktiv befeuert. Es ist die fortgesetzte negative Stimmung bzgl. Aumann, inkl. deren Kursabrutschen, sowie die ausbleibenden Übernahmeerfolge. Beide Trigger funktionieren in beide Richtungen hinsichtlich des Kurses. Und die Übernahmen sind der Treiber für das Unternehmen, den Umsatz, den Gewinn.

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    5. Hallo zusammen,

      danke für die Antworten, und insbesondere Dir, PS, für die Rückmeldung von der HV. Mir geht es nicht um die Art der Ausschüttung; eine Sonderdividende als Alternative hatte ich gar nicht im Sinn. Ich hätte auch nichts gegen den Rückkauf einzuwenden gehabt, wenn man ihn zum ursprünglich angekündigten Kurs durchgezogen
      hätte. Dafür, dass man aber im Anschluss ohne Not den Preis auf die genehmigte Obergrenze aufgestockt hat, habe ich bisher keine aus Unternehmenssicht schlüssige Begründung gesehen. Die Aktion erscheint mir bis heute vollkommen sinnlos, und eine andere plausible Erklärung als Dollarzeichen der Gier in den Augen der Hauptaktionäre habe ich nicht.

      Natürlich konnte man den starken Einbruch des Kurses nicht voraussehen (ist geschenkt, auch wenn man mit einem Automotive-Portfolioklumpen im Gepäck im derzeitigen Umfeld sicherlich keine Bocksprünge erwarten konnte). Aber wenn man kurz nach einem Rückkauf die Aktie an der Börse um glatt 1/3 billiger bekommt, darf man sich schon mal am Kopf kratzen :)

      Gruß
      Jens

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  8. Ich warte noch ein bisschen, gut möglich(wenn es so weiter geht) das man die Aktie mit ner 5 am Anfang bekommt. Momentan ist die Kauflaune richtig im Eimer.

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  9. Was ist denn heute mit MBB los, von 69 auf 74 Euro gesprungen, gab jedoch keine Meldung oder AdHoc, weder von MBB noch von anderer Quelle. Hat jemand etwas gehört?

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    1. News sind mir nicht bekannt. MBB hat sich allerdings auf der Nebenwertekonferenz von Lang & Schwarz präsentiert und ist dort wohl gut angekommen. Vielleicht sorgt das ja für die Kauflaune, zusammen mit dem zuvor erfolgten Kursrutsch...

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