Montag, 25. November 2019

Ist McDonald's nicht gerade jetzt ein Investment wert?

McDonald's [WKN: 856958] kennt wohl jeder, jedermann hat schon das knallgelbe M gesehen, dieses Firmenlogo, das Pommes nachempfunden ist und jeder hat schon vom Bic Mac oder McRib gehört. Warren Buffett ist einer der treusten Kunden; jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit kauft er bei Mc Donald's sein Frühstück - für exakt $3,17, Tag für Tag.

Nun erreichte mich diese Leserfrage von Marc B.: "Ich würde gerne wissen, warum Sie bisher nicht in McDonalds investiert sind? Eine solide Aktie, die sich doch gerade jetzt nach dem Rausschmiss des CEO und dem Kursrücksetzer zum (Nach-)Kauf empfehlen würde."

Wer meine Beobachtungsliste betrachtet, erkennt mit schnellem Blick, dass sich keine einzige Aktie aus dem Bereich Systemgastronomie darauf findet - und die berechtigte Frage ist, weshalb nicht...?

Kaufe was Du kennst

Systemgastronomie ist ein Bereich, der perfekt in Peter Lynchs Beuteschema passt: "kaufte was du kennst". Lynch ist der Meinung, der normale Bürger habe gegenüber den Investmentprofis entscheidende Vorteile, die er nur ergreifen müsse. Sein Informationsvorsprung resultiere daraus, dass er täglich mit Unternehmen und Produkten in Berührung komme und sich mit anderen Menschen über Produkte und Dienstleistungen unterhalte. Und hieraus ließen sich eben auch Prognosen ableiten und Überlegungen anstellen, die man erfolgreich in Aktieninvestments umsetzen könne. Gehen man in letzter Zeit immer häufiger zu Burger King, weil es dort nett und freundlich ist und das Essen viel besser schmeckt als früher? Und im Gegenzug hat man festgestellt, dass bei McDonald's zunehmend gähnende Leere herrscht und das Essen auch nicht mehr das Wahre ist? Prima, dann weiß man, welche Aktie man haben sollten und welche nicht. Naja, zumindest hat man einen ersten Anhaltspunkt, welche Unternehmen man sich mal genauer anschauen sollten, um vielleicht auf eine gute Gelegenheit zu stoßen.

Bei Unternehmen aus dem Segment Systemgastronomie ist der "Lynch-Faktor" meines Erachtens sehr hoch. Es ist geradezu unerlässlich, einen Überblick zu haben, welche Franchise gerade gut läuft und noch besser wird und welches bei den Kunden ins Hintertreffen gerät. Abschreckendes Beispiel ist ja Vapiano, die bereits kurz nach dem Börsengang zu einer (fast) beispiellosen Talfahrt angesetzt haben. Vapiano-Gäste hätten nicht überrascht sein dürfen (und keinesfalls Neu-Aktionäre), denn die eklatanten Mängel und die hohe Unzufriedenheit der Gäste waren absolute Alarmzeichen.

Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt, jedenfalls für mich: ich gehe nur alle Jubeljahre mal in ein Restaurant und in Schnellrestaurants noch viel seltener. Ich kann daher überhaupt nicht einschätzen, wie sich das Business verändert, welche neuen Produkte bei den Gästen ankommen und ob der Laden angesagt und entsprechend voll ist. Gerade diese Informationen halte ich aber für das entscheidende zweite Standbein, neben der Kennzahlenanalyse, um Unternehmen aus diesem Segment bewerten und deren Aktien auf ihren Investmentcase hin abklopfen zu können.
»Wenn Sie in eine Firma investieren wollen, sollten Sie in der Lage sein zu erklären, warum. Und zwar in einer einfachen Sprache, die ein Fünftklässler verstehen könnte, und schnell genug, damit der Fünftklässler sich nicht langweilt.«
(Peter Lynch)
Die einzige Aktie aus diesem Segment, die ich jemals hatte, was Starbucks. Ich liebe Starbucks, aber meine damalige Freundin hasste den Laden und daher ging ich nicht mehr dorthin. Und da sie was Trends und Geschmack angeht, mir in jedem Belang überlegen ist, habe ich mich auch von der Aktie verabschiedet. Mit einem fetten Gewinn von 52%, aber in den letzten Jahren hat der Kurs auch schon weiter zugelegt. Was beweist, dass meine Ex von Aktien und Investments keine Ahnung hat. Was ihr und mir sowie klar ist, aber ich kann aus der Erkenntnis zumindest eine weitere Lehre ziehen - da für Starbucks die Musik vor allem in China spielt, ist das Standing in Deutschland nicht wirklich relevant. Und was die Chinesen so treiben in Sachen Mode, Trends und Hippness, wissen wir alle/beide nicht. ツ

Verlasse niemals Deinem Kompetenzbereich

Unterm Strich bleibt für mich als Antwort zu McDonald's, dass der Kurs um einige Prozentpunkte zurückgekommen ist, der CEO wegen einer Affäre mit einer Kollegin gefeuert wurde und dass man aktuell kräftig medialen Gegenwind hat. Wirklich billig sieht die Aktie für mich nicht aus, die Umsätze scheinen eher zu stagnieren als zu wachsen und das Unternehmen hat mit starkem Wettbewerb zu kämpfen. Und da es nicht in meinem "Circle of Competence" liegt, kann ich nicht beurteilen, wie gut die Chancen stehen, dass man wieder an alte Erfolge anknüpfen kann. Und somit ist McDonald's kein geeignetes Investment für mich.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    vielen Dank für den Artikel :) Im Hinblick auf deine Beobachtungsliste stellt sich mir die Frage, wie du deinen Circle of Competence erweiterst. Konkret: Über Unternehmen wie UET, Intuit oder Bausch Health und deren Produkte spricht man ja auch nicht täglich. Wie sieht da die Informationbeschaffung bei dir aus? Reicht es dir, wenn du dazu Foreneinträge liest oder wie muss ich mir das vorstellen?

    Viele Grüße
    Henrik

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    1. Man muss nicht jedes Produkt verstehen, sondern man muss ein Gefühl für das Unternehmen entwickeln, eine Empfindung dazu, wie das Geschäft funktioniert, warum es (so) funktioniert und wie lange das wohl anhalten kann (weshalb die Konkurrenz das nicht oder nicht so gut hinbekommt).

      Ich kann keine Software programmieren, ich hasse es, neue Programme nutzen zu müssen. Ich verwende noch immer Office 2003 und ein Grafikprogramm namens PhotoImpact (die Firma ULead wurde schon vor zehn (?) Jahren von Corel gekauft und das Produkt eingestampft). Aber ich muss keine Software programmieren können, um den Burggraben von Microsoft oder Intuit erfassen zu können, weshalb deren Kunden an Bord bleiben und nicht einfach so zu alternativen Lösungen greifen.

      Um dieses Gefühl für das Business eines Unternehmens zu bekommen, lese ich die Geschäftsberichte (den Prosa-Teil!) und/oder Artikel, Berichte, Analysen usw. Auch Beiträge anderer User auf wallstreet-online nehme ich gerne als Denkanstoß. Die zweite Frage, die nach der Bewertung und ob man die Aktie zu einem aussichtsreichen Kurs kaufen kann, stellt sich erst danach.

      Bei einer Turnaround-Spekulation sieht die Sache natürlich anders aus. Da hat man ja in der Regel kein funktionierendes Business mehr und zumeist überbordende Schulden. Hier geht es eigentlich erstmal nur um die Frage, ob das Unternehmen überleben wird und erst im weiteren Verlauf des Turnarounds, was am Ende noch für ein Unternehmen übrig ist. Aus einer Turnaround-Spekulation muss also keinesfalls ein langfristiges Investment werden, auch wenn der Turnaround erfolgreich ist. Bei Funkwerk hat das geklappt, bei SBF und UET ist es noch zu früh, um zu entscheiden, ob sich aus dem Turnaround ein Unternehmen entwickelt, an dem ich langfristig beteiligt sein möchte.

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  2. Ja, Michael´s "Circle of competence" ist ziemlich breit. Wenn ich seine Beobachtungsliste betrachte gibt es alles: Maschinenbau, Automobil, Entsorgung, IT, Beteiligung, 5G, Zahlungsabwicklung, Pharma, BDC, Entertainment, Immobilien, Bau, ECommerce...Sagen wir mal, alles außer (Tier)Nahrung :D

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  3. Für Hamburger verkaufen braucht man schon Sonderkenntnisse :D

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  4. Hallo Michael,

    danke für den, wie immer, guten Artikel. Witzigerweise dachte ich stets, daß McDonald's im Grunde genommen sehr wohl in Deinen Circle of competence fällt: immerhin handelt es sich um eine der größten (einige sagen: die größte) Immobilienholdings der Welt. Und in diesem Bereich bist Du, meiner Meinung nach, ein extrem kompetenter Investor.

    Da der Geschäftserfolg des Unternehmens aber trotzdem vom Erfolg der Burgerbräterei abhängt, kann ich gut nachvollziehen, daß Du die Finger davon lässt. Denn wer soll für die Restaurants Pacht zahlen, die Gebäude mieten oder kaufen, wenn die Welt mal auf die Idee kommen sollte, sich gesund zu ernähren oder gar wieder selbst zu kochen?

    Viele Grüße

    Jan

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    1. Ich habe den Film "The Founder" über Ray Kroc und McDonald's auch gesehen und fand den Schlüsselsatz, dass nicht das Franchise selbst, sondern vor allem die Immobilien die Kohle verdienen, sehr eindrücklich. Bei Immobilien entscheidet immer die Lage über den Preis und da hat McD einen hohen Bestand an erstklassigen Lagen. Wie Du aber richtig schreibst, geht es auch um den Erfolg des Franchise. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann bestand das Elbe-Einkaufszetrum aus den beiden Ankermietern Hertie und Quelle. Und die Hamburger Mönckebergstraße wurde von Horten eröffnet. Karstadt und Kaufhof als Aushängeschilder der westdeutschen Einkaufstempel haben bisher als Unternehmen immerhin überlebt, was man vielen anderen nicht sagen kann. Meine Mutter kaufte immer bei Bolle ein, unsere Einkaufsstraße hatte Keepa als Magnet - beide die gibt es auch nicht mehr. Oder Praktiker und seine Märkte.

      Wenn man auf bestimmte Nutzungsarten festgelegt ist, ob als Supermarkt oder Schnellrestaurant, kann man das nicht ohne weiteres ummodeln, wenn sich der Standort als nicht attraktiv erweist. Ich habe deshalb auch keine Aktien von Betreibern von Einkaufszentren im Depot und auch keine von Fachmarktzentren (Matthias Schrade möge mir weiterhin verzeihen, dass ich seine DEFAMA nicht im Depot habe).

      Ich kann nicht wirklich einschätzen, wie sich die Nachfrage der Konsumenten entwickeln wird. Weil ich selbst kaum/ungerne einkaufe. Auch bei Klamotten, habe ich wenig Gespür dafür, deshalb lasse ich das (keine Hugo Boss mehr!). Luxus hingegen, wie LVMH oder Richèmont, da hätte ich weniger Berührungsängste. Nicht, weil ich sowas kaufe, sondern weil es hier wieder um den Burggraben geht, nicht um den Massentrend.

      Letztlich muss man sich wohlfühlen mit einem Investment, man muss das Gefühl haben, dass man versteht, an was für einem Unternehmen man sich beteiligt hat und auch warum. Bei McDonald's habe ich dieses Gefühl nicht.

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  5. Aufgehört zu lesen weil du nur über dich redest. Deine Freundin interessiert keinen Aktionär

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  6. Danke für den Artikel und den Einblick, wie du du deinen eigenen Circle of Competence absteckst. Kurze Frage, welchen Teil im Geschäftsbericht meinst du genau, wenn du vom Prosa-Teil redest?

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    1. Die Berichte von Vorstand und Aufsichtsrat und den Lagebericht. Aus diesen bekommt man ein einen Eindruck, was im Unternehmen vorgeht und wie der Vorstand sich dazu stellt. Vergleicht man die Berichte über mehrere Jahre, findet man auch heraus, wie der Vorstand mit eigenen Fehlern und Fehleinschätzungen umgeht. Die macht jeder, aber nicht jeder steht dazu. Manche schieben sie auf andere ab, auf die Politik, die Gesellschaft, widrige Umstände, andere verschleiern sie und tun so, als hätte sie es nicht gegeben. Und dann gibt es die positiven Ausnahmen, die ihre Fehler klar benennen und vor allem auch aufzeigen, was sie dagegen unternommen haben und was sie jetzt anders machen. Diese Aussagen/Angaben sind für mich eine wichtige Quelle zur Beurteilung der Qualität des Managements - denn ich bin als Aktionär ja Partner in dem Unternehmen und möchte mich wohlfühlen mit meinen Partnern. Ich möchte nicht ständig auf der Hut sein müssen, dass die mich nicht über den Tisch ziehen. Von solchen Typen halte ich mich fern - und von den Aktien ihrer Unternehmen.

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    2. Danke für deine Antwort! Bin auch der Meinung, dass man das Kriterium Management bei der Aktien-Auswahl nicht unterschätzen darf, sondern im Gegenteil oben anstellen sollte. Ich denke gerade bei kleineren Werten sollte die Analyse des Managements stärker gewichtet werden.
      Wie sehr gehören Besuche der Hauptversammlungen für dich zur Tagesordnung, um ein Gefühl vom Management/Unternehmen zu bekommen?

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  7. Ich wohne in München und bin immer wieder überrascht wie voll die Läden sind (auch bei größter Hitze)
    Ich wünschte ich hätte sie, habe aber leider immer gerade ein anderes Unternehmen auf der Watchlist gehabt. Beim nächsten internationalen Fleischskandal bin ich aber dabei!

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  8. Auch wenn es bei McDonalds mal so sein sollte, dass die Konkurrenz es besser macht - man wird das Ruder früher oder später wieder herumreißen. MCD hat in seiner langen Historie schon oft bewiesen, dass sie sich an neue Bedingungen anpassen können.
    In den letzten Jahren sind ja ohne Ende Burger-Ketten aus dem Boden gesprossen. McDonalds hatte trotzdem keine nennenswerten Schwierigkeiten.
    Davon abgesehen, handelt es sich bei MCD ja eher um ein Immobilienunternehmen, als um eine Burgerkette. Sie sind solide aufgestellt und haben alle Mittel, den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Sollte ein Konkurrent wirklich gefährlich werden, kann man ihn schließlich aufkaufen.

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  9. Danke für den Artikel und die persönlichen Einblicke Michael!

    Vergiss solche Schwachsinnskommentare wie den der schreibt er hätte aufgehört zu lesen
    weil du über dich schreibst und deine Freundin keinen interessieren würde...

    Ich war ja selbst zwei mal in Omaha und habe den McDonalds an dem Warren jeden Tag sein Frühstüch kauft besucht und habe auch dort gegessen;-) (kann dir ein Foto schicken wenn du willst).

    Was wohl jeder bestätigen kann der Kinder hat: ihre Augen leuchten sofort vor Begeisterung wenn man einen McDonalds-Besuch in Aussicht stellt. Ich kenne kein Unternehmen dem es so gelingt bei den Kleinsten Begeisterung zu wecken. Eventuell noch Disney.

    Und nicht zu vergessen: McDonalds ist ein Dividenden-Aristokrat. Merkt man auch an den Produkten, die regelmäßg teurer werden.

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  10. Alles soweit richtig, aber was mich stört, daß MC Aktienrückkäufe durch Schulden finanziert.

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  11. https://www.google.com/amp/s/amp2.handelsblatt.com/meinung/kommentar-aktienrueckkaeufe-sind-fantasielos-und-gefaehrlich/23971076.html

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