Freitag, 28. August 2020

Kissigs Aktien Report: Tower-REITS: Auf diese Türme kann man bauen!

Im Rahmen der Kooperation mit Armin Bracks "Aktien Report" nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Für die Leser meines Blogs hat das Ganze auch einen direkten Nutzen; mit einigen Tagen Zeitverzögerung darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen...

Thema meines 12. Aktien Reports (vom 14.08.20): "Tower-REITS: Auf diese Türme kann man bauen!"

Tower-REITS: Auf diese Türme kann man bauen!

Risiko ist der Preis, den man für Chancen bezahlen muss. Hohe Chancen, hohe Risiken und umgekehrt gilt das auch. Wo kaum Risiken sind, kriegt man auch selten große Chancen geboten. Im wahren Leben und an der Börse.

Doch manchmal kommt es zu Fehleinschätzungen des Marktes. Dann werden Chance oder Risiken völlig falsch bewertet und daher auch die Kurse, so dass man von unter- oder überbewerteten Aktien spricht.

Soweit alles ganz normales Alltagszeug an der Börse. Doch dann gibt es Situationen, wo Chancen lauern ohne große Risiken, wo eine vermeintlich hohe Bewertung bei genauer Betrachtung gar nicht so hoch ist und somit ein besonders günstiges Chance-Risiko-Verhältnis vorliegt.

Und vielleicht haben wir genau so eine Ausnahmechance direkt vor der Nase und müssen nur zugreifen…

5G - The next Generation

Wer gedacht hat, ich würde jetzt von sich selbst herstellenden Bitcoins aus dem 3D-Drucker fabulieren, hat sich irrt. Im Grunde geht es um einen alten Hut, nämlich um die 5. Generation des Mobilfunkstandards, kurz 5G.

Hat man schon gehört, die Lizenzen wurden versteigert, die Telekomfirmen bauen ihre Netze, Apple & Co. bringen die ersten 5G-tauglichen Geräte auf den Markt, Umweltaktivisten warnen vor Strahlungen und diffusen Schallwellen und versuchen mit allen Mitteln, den Rollout der Netze zu verhindern.

Dabei brauchen gerade die Öko-Aktivisten 5G. Denn sie träumen ja von intelligenten Energienetzen, von Smart-Grid und Smart-Metering. Das Netz soll in beide Richtungen laufen und private Stromerzeuger nebst ihrer E-Autos auch mal zum dezentralen Speicher werden. Tja, dafür braucht man schnelle, mobile Datennetze: 5G. Denn 5G hat eine niedrigere Latenz als seine Vorgänger, also eine schnellere Reaktionszeit.

Die ist wichtig beim autonomen Fahren. Wenn der Bordcomputer ein Signal abgibt an ein zentrales Leitsystem und dieses dann die Antwort zurück übermittelt, damit das Auto bei 50 km/h in der Stadt auf veränderte Verkehrssituationen reagiert, dann sollte dies nicht mehrere Sekunden dauern, sondern muss quasi in Echtzeit stattfinden. Die Oma auf dem Zebrastreifen ist sonst nämlich plattgefahren, bevor das Auto überhaupt weiß, dass es ein Hindernis geben könnte.

Autonomens Fahren ist nur ein Beispiel von vielen. Die ganze digitale Entwicklung geht in Richtung exponentiell wachsender Datenmengen und der Empfang erfolgt immer stärker über mobile Endgeräte. Aber auch Streaming von der Couch aus muss genügend Geschwindigkeit haben, damit man die bestmögliche Auflösung auf dem neusten Smart-TV genießen kann. Von Onlinegaming gar nicht zu reden.

Nun ist 5G auch deshalb so schnell, weil es auf viel kleinere Funkzellen setzt. Das bedeutet wiederum, dass viel mehr Sende-/ Empfangsmodule platziert werden müssen, vor allem in den Ballungszentren. Und da ist Platz rar und konkurriert mit Bäumen, Gebäuden, Straßen. Die alle wiederum als Hindernisse die Sendeleistung reduzieren und damit mehr Sender erfordern.

Diese Module kosten viel Geld. Milliarden, um genau zu sein. Und die Telekommunikationsfirmen haben sich bereit erklärt bei Ersteigerung ihrer 5G-Lizenzen, innerhalb weniger Jahre fast flächendeckend 5G-Netze in Betrieb zu nehmen. Zur Refinanzierung trennen sie sich daher von den Sendemasten und lagern diese an externe Anbieter aus. Sale-and-lease back, Verkaufen und Zurückmieten, nennt man das.

In Europa nimmt dieses Verfahren gerade Fahrt auf und sowohl die Deutsche Telekom als auch Vodafone und die O2-Mutter Telefonica bieten ihre Sendemasten an. In den USA ist man da schon viel weiter und die großen Carrier Verizon, T-Mobile US und AT&T haben bereits vor Jahren den Großteil ihrer Sendemasten veräußert.

Die Tower-REITs

Käufer waren der international tätige Marktführer American Tower, der kleinere US-fokussierte Konkurrent Crown Castle International und die sehr viel kleinere SBA Communications, die in Nord-, Mittel- und Südamerika aktiv ist.

Alle drei sind als Real Investment Trust konzipiert, kurz REITs. Damit sind sie steuerbegünstigt, sofern sie 90 Prozent ihrer ausschüttungsfähigen Gewinne als Dividenden an ihre Anteilseigner auskehren.

Nun leiden REITs als Anlageklasse in der Corona-Krise stark, vor allem Hotel-REITs und Mall-REITs, weil ihre Mieteinnahmen durch den Lockdown und den Zusammenbruch des Reise- und Tourismussektors eingebrochen sind und daher Gewinne und auch die Wertansätze der Immobilien in den Keller gehen. Hohe Abschreibungen und Verluste sind die Folge. Und natürlich Dividendenausfälle sowie vereinzelt erste Pleiten.

Alle REIT-Klassen haben daher momentan einen schweren Stand, auch wenn einige zu Unrecht in Sippenhaft genommen werden. Wie Datencenter-REITS, denn der Boom bei Cloudanwendungen bringt hier starke Wachstumsraten bei Datencentern. Oder Tower-REITs, weil mobile Kommunikation und Datentransfers ebenfalls boomen dank Home Office, Streaming und 5G.

Das Geschäftsmodell

Die Tower REITs kaufen oder mieten langfristig Grundstücke, auf denen sie ihre Sendemasten errichten. Oder sie kaufen Grundstücke mit bestehenden Sendemasten von den Carriern. Dann vermieten sie die Sendemasten langfristig an die Carrier, die dann dort ihre Sende- und Empfangsgeräte installieren dürfen. Die Technik ist also nicht Eigentum der Tower-REITs und daher müssen sie diese auch nicht warten oder ersetzen, wenn sie defekt sind.

Wenn nun American Tower einen Mast von AT&T kauft, dann hängt da ein Sender-/Empfängermodul von AT&T dran. AT&T mietet den Mast langfristig zurück und zahlt dafür Miete. Hat Aber auf einen Schlag den Kaufpreis vereinnahmt, um damit z.B. den weiteren Netzausbau zu finanzieren.

American Tower kann genau kalkulieren, was man selbst an Kosten hat und da dann die Mieteinnahmen gegensetzen, ggf. inklusive der Zinsaufwendungen für Kredite, die man zur Finanzierung aufgenommen hat. Ein simples, stetiges Businessmodell. Charme bekommt es nun dadurch, dass jeder Mast bis zu vier Sende-/Empfangsstationen aufnehmen kann. Also auch einen von T-Mobile, von Verizon und von Dish. Die Kosten für den Mast bleiben die gleichen, aber die Einnahmen erhöhen sich mit jeder höheren Auslastung des Masts.

Wachstumspotenziale

AMT, CCI und SBA haben daher gleich mehrere Wachstumsmöglichkeiten. Die bestehenden Masten können besser ausgelastet werden und es müssen viele weitere Standorte erschlossen werden, weil 5G dies erfordert und die Datenmengen explodieren. Des Weiteren können kleinere Wettbewerber übernommen werden, wodurch sich Einsparungen bei den Overheadkosten ergeben, z.B. beim Management, bei der Wartung und Betreuung der Masten.

Je größer das Unternehmen ist, umso stärker sind seine Kostenvorteile. Und seine Verhandlungsposition gegenüber den Carriern, wenn die ihre Netze ausbauen wollen.

Darüber hinaus darf man nicht übersehen, dass 5G zwar der Nachfolger von 4G (LTE) ist, aber diesen Standard nicht ersetzt. Das alte Mobilfunknetz wird ja weiterhin genutzt. Gerade wir in Deutschland wissen das, weil vielerorts noch nicht einmal 4G funktioniert, sondern auf 3G bzw. EDGE zurückgegriffen werden muss. Und das ist das UMTS-Netz, das vor 20 Jahren aktiviert wurde.

Aus Sicht der Tower-REITs paradiesische Zustände. Sie haben die Masten, an denen die Sende-/Empfangsmodule installiert werden. Aber es wird nicht ein 4G-Gerät gegen ein 5G-Gerät getauscht, was ein Nullsummenspiel wäre. Sondern zusätzlich zu 3G und 4G kommen jetzt 5G-Module. Die Netze laufen parallel und 5G braucht nicht nur mehr Sende-/Empfangsmodule, sondern die kommen zusätzlich zu den ohnehin bestehenden. Also werden noch viel mehr Masten benötigt, denn deren Kapazität ist mit vier Modulen ausgereizt.

Hinzu kommt, dass man auf dem platten Land und an Bahntrassen und Autobahnen hohe Sendemasten aufstellen kann. Aber in bester Innenstadtlage von München sind wohl eher kleine, unauffällige Mästchen gefragt. Wer hier bereits Standorte hat, die noch aufgerüstet werden können, ist klar im Vorteil. Denn jeder neue Mast, ob groß oder klein, sorgt für Unmut und Protest bei den Anwohnern. Jeder will das neue schnelle Internet, aber bitte keinen Mast im Garten.

Zinsen sind ein Freund

Die Tower-REITs haben nur begrenzt Eigenkapital zur Verfügung und aufgrund ihrer hohen Investitionen nutzen sie die Möglichkeit, Fremdkapital aufzunehmen. Der Verschuldungsgrad ist also entsprechend hoch und das wird von manchen Anlegern kritisch gesehen.

Ich sehe hier eher doppelte Chancen. Die Kunden der Tower-REITs sind die großen Carrier und die können wiederum ihren Kunden nur dann Geld abknöpfen, wenn diese mit ihren Iphones und iPads auch ruckelfrei ins Netz kommen. Also bezahlen sie ihre Mieten an die Tower-REITs anstandslos, denn ohne deren Masten kein Netz. Die Einnahmen der Tower-REITs sind daher ausgesprochen sicher.

Und dann fallen die Zinsen immer weiter. Für hoch verschuldete Unternehmen mit sicheren Einnahmeströmen ein ideales Szenario. Denn bei jeder weiteren Anschlussfinanzierung sinkt der Zinssatz und damit wird das Finanzergebnis entlastet. Was sich positiv auf den Gewinn auswirkt.

Die Bewertung

Wir haben also ein krisensicheres Geschäftsmodell mit stetigen, wachsenden Cashflows und hohem Verschuldungsgrad. Und vergleichsweise niedrigen Gewinnen und eher moderaten Dividendenrenditen.

Die beiden letzteren Faktoren schrecken viele Anleger ab und lassen die Tower-REITS im Vergleich teuer aussehen. Falsch gedacht!

Dass die Gewinne so niedrig sind liegt daran, dass die Unternehmen stark investieren. Sie kaufen so schnell und so viele neue Grundstücke und Masten, wie sie können. Wer viel investiert, macht keine großen Gewinne. Hier kann man den Vergleich zu Amazon ziehen! Ja, genau, Amazon. Auch Amazon erzielt enorme Cashflows und steckt den Großteil wieder ins Wachstum. Nur deshalb fällt der Gewinn vergleichsweise niedrig aus. Würde Amazon ein Quartal mal die Investitionen stoppen, würde der Gewinn enorm nach oben schießen. Aber das tut Amazon nicht, weil es mit jedem investierten Dollar zusätzlichen Cashflow erzeugt. Und mit dieser Strategie wurde Amazon zum führen E-Commerce-Unternehmen und bringt inzwischen mehr als eine Billion Dollar auf die Börsenwaagschale.

Aufgrund der niedrigen Gewinne sind auch die Dividenden eher moderat. Dabei denkt man bei REITs an hohe Dividendenerträge und manche Dividendenanleger meiden deshalb die Tower-REITs. Nicht schlau. Denn nicht die Dividendenrendite ist maßgeblich, sondern das Dividendenwachstum. Und American Tower erhöht seit vielen Jahren in jedem Quartal seine Quartalsdividende. Im Durchschnitt der letzten Jahre legte die Dividendenrendite jeweils um gut 10 Prozent pro Jahr zu. Ein echter Dividendenwachstumswert!

Mein Fazit

Die Tower-REITS werden zurzeit stiefmütterlich behandelt. Als REITs sind sie nicht en vogue, als Dividendenwerte zu unattraktiv, und als Investments zu hoch bewertet, da ihre Gewinne vergleichsweise niedrig sind.

Aber wir wissen es ja besser. Denn wir haben erkannt, dass die Zukunftsinvestitionen mehr wert sind als heutige Gewinne. Wir haben erkannt, dass die heutigen niedrigen Dividendenrenditen weniger wert sind als die üppigen Dividendensteigerungen. Und wir haben den hohen Verschuldungsgrad als wenig bedrohlich enttarnt, denn ihm stehen verlässliche und ausfallssichere Einnahmeströme gegenüber. Zusätzlich sehen wir in den weiter sinkenden Zinsen weitere Spielräume zur Verbesserung des Finanzergebnisses.

Und so stellt sich am Ende die Frage, weshalb derartig attraktive Wachstumsaussichten, die so offenkundig erkennbar sind, nicht deutlich über dem Vor-Corona-Niveau bepreist werden.

Wenn wir uns irren, wird der Kurs weiterhin lustlos vor sich hin dümpeln. Wenn der Markt sich irrt, wird irgendwann der Kursturbo zünden. Niedrige Risiken, hohe Chancen, man muss nur genaue(er) hinsehen…

Disclaimer
American Tower und Apple befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wkikifolio.

Kommentare:

  1. Danke für diese pointierte Analyse!

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  2. Die Data center abseits von AWS, Microsoft, Google und Alibaba sind auf einem absteigenden Ast.

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  3. Moin Moin,

    kurze Korrektur: Eine höhere Latenz bedeutet keine schnellere Reaktionszeit. Umgekehrt wäre es richtig.
    Auch wird die Oma nicht überfahren, wenn die Verbindung ins mobile Netz beim selbstfahrenden Auto mal abreißt. Dafür sorgt die on-board-Software :>
    Ich würde bei der sportlichen Bewertung auch nicht unbedingt von einem Wert sprechen, welchen die Anleger verschmähen. Ein Geheimtipp ist die Aktie sicherlich nicht ;)
    Und ja, die Dividende steigt kontinuierlich. Allerdings ändert das nichts an der eher niedrigen Dividendenrendite. Da müsste man ja 10 Jahre investiert sein, damit man beim jetzigen Kurs eine Dividende als fettes Argument heranziehen könnte. Vorausgesetzt, die Steigerungsrate bleibt auch tatsächlich gleich.
    Da hast du, oder besser gesagt wir, bessere Pferdchen im Stall. zB eine DIC, welche es locker auf die dreifache Dividende bringt. Quellsteuer noch nicht mal berücksichtigt.
    Grundsätzlich sind Dividenden doch bei dir sonst kein Kaufargument?
    Auch sollte man die momentane Marktlage nicht außen vor lassen. Immo-Aktien sind grad unter Druck, und der Markt wirkt auch sonst ziemlich überhitzt. Muss der nicht irgendwann mal korrigieren? Was ist mit den 50 Millionen (neu-)Arbeitslosen in den USA?

    That being said, das Geschäftsmodell gefällt mir, und genau wie du sehe ich das Risiko eher begrenzt. Zumindest bis eine neue Technologie kommt, welche 5g überflüssig macht.
    Deshalb habe ich die Aktie auch in meinem Depot, mit einer kleineren Position.

    Gruß
    Roland

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  4. Hallo Michael,
    erst mal vielen Dank fuer Deine Analyse. Ich halte dei Tower-REiTs auch fuer interessant, doch habe ich aehnliche Bedenken wie Roland, was die derzeitigeUeberbewertung des Marktes angeht. Ich weiss, Du bist keine Markt-Timer, das macht auch Sinn, aber die derzeitige Lage und die Diskrepanz zwischen oekonomischer Krise in den USA und den Finanzmaerkten...
    Ein anderer Punkt, der mir Bedenken macht, ist der gegenwaertige Fall des Dollars. Ich sehe zur Zeit durch diesen Gegenwind meine Gewinne schmelzen und frage mich, wie weit der Dollar fallen wird. Das gilt natuerlich nicht nur fuer die Tower REITs, aber auch.

    Viele Gruesse,
    Lukas

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    1. Hallo Lukas,

      Dein Kommentar ist insofern widersprüchlich, als Du in einem Atemzug zwei gegenläufige Entwicklungen beklagst: die Überbewertung amerikanischer Unternehmen (oder eines Teils davon) einerseits und andererseits den schwächelnden Dollar, der diese Überbewertung wieder relativiert. Man kann als Auslandsinvestor die Schwäche der Landeswährung anstatt als temporären Renditefresser ja auch als Rabatt und Kaufgelegenheit begreifen. Ansonsten hilft nur, Investments mit genügend zeitlichem Horizont zu planen, um die Schwankungen aussitzen zu können. Oder hast Du Angst, dass der Euro dem Dollar dauerhaft davonläuft?

      Gruß
      Jens

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    2. Hallo Jens,

      ja, letzteres ist meine Befuerchtung. Ich habe in den letzten Monaten mehrere Kommenstare gelesen, so etwa von Joshua Brown von Ritholtz Wealth Management, und - kuerzlich erst - einen Report von Jefferies, die alle von einem laengerfristigen Dollar-Bearmarket ausgehen, Zeitraum etwa eine Dekade. Auch Barrons scheint nach den letzten Aussagen von Jerome Powell von so einem Szenario auszugehen.
      Die Wahrscheinlichkeit von alldem laesst sich natuerlich nur schwer vorhersagen, es scheint mir aber, dass die Abwertung des Dollars tatsaechlich in ziemlich direktem Zusammenhang mit der FED-Politik steht (Geld drucken, Inflation von durchschnittlich(!) 2% schaffen).
      Zudem glaube ich nicht, dass die Bewertung solcher amerikanischen Werte wie REITs mit Wechselkursen zusammenhaengt. Dennoch kann ich Dein Argument natuerlich nachvollziehen- man sollte halt bei einer Investition all diese Faktoeren abwaegen.

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  5. Guten Morgen,

    bin echt ein Fan von Philipp Vorndran und seinen Interviews bei MM. Hier ist die Bewertung relativ zu anderen Assets zu sehen - und ich teile seine Meinung!

    Hier wird mMn viel zu kurzfristig gedacht, anstatt das zukünftige Potenzial zu sehen.

    BG
    Kevin

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  6. REITs bzw. Immobilienwerte sind momentan nicht so gefragt, das stimmt. Aber das bietet auch Chancen auf mittlere und lange Sicht, wenn man denn eine Fehleinschätzung des Marktes erkennt und sich entsprechend positioniert.

    Dass der Markt per se überbewertet ist, scheint ja allgemeine Ansicht zu sein. Allerdings war dies auch im April, im Mai, im Juni, im Juli der Fall, als die Kurse tiefer standen. Inzwischen hat es sogar der Dow Jones Index ins Plus geschafft (YTD) und der ist ja nicht gerade technologielastig.

    Vergleicht man die heutigen Börsenkurse mit der heutigen Wirtschaftslage, passen die beiden nicht zusammen. Aber so funktioniert Börse nicht, das wissen wir doch alle, oder? Die Börse nimmt die Entwicklungen voraus, sie bepreist heute die Erwartungen von übermorgen. Und wer geht davon aus, dass es der Wirtschaft und den Unternehmen in 12, 18 oder 36 Monaten verglichen mit der aktuellen Situation schlechter gehen wird? Außer einigen Dauer-Crash-Propheten kenne ich niemanden.

    Des Weiteren fluten die Notenbanken den Markt mit Geld. Geld, das die Zinsen niedrig hält, die Inflation nicht wirklich antreibt, dafür aber die Sachwertepreise. Auch weil Geld keine Rendite mehr einbringt und es deshalb in Alternativen flüchtet. Die sinkenden Zinsen lassen Anleihekurse fallen, da konnte man schönes Geld verdienen. Aber die meisten Anleger setzen nicht auf Kursgewinne bei Anleihen, sondern auf sichere Zinseinnahmen. Und die gibt es kaum noch. Dieser "historische" Gegenspieler der Aktien ist quasi weggefallen. Dieser Fakt wird von vielen übersehen oder ignoriert: Buffetts "geliebte" Opportunitätskosten.

    Ist die Börse historisch hoch bewertet? Bezogen auf das historische KGV auf jeden Fall. Doch der Gewinn der Unternehmen hat kaum noch eine Bedeutung bei der Bewertung von Aktien! Weil er inzwischen eher willkürlich daherkommt und durch immer mehr Tricks manipulierbar ist. Ich bedaure das, wirklich. Aber es ist nunmal Fakt. Und deshalb taugt das KGV nicht (mehr) zur Bewertung. Nehmen wir mal Salesforce, die haben tolle Quartalszahlen vorgelegt. Der Nettogewinn ist durch die Decke gegangen von weniger als $0,1 Mrd. auf $2,6 Mrd. Großen Anteil hatten daran die Kursgewinne der vielen Beteiligungen, die Salesforce an aufstrebenden Tech-Werten hält. Man hatte sich frühzeitig bei Twilio eingekauft und bei DocuSign und anderen. Und seit seit ein paar Jahren fließen diese Kursgewinnen in die GuV ein - und zwar auch dann, wenn sie nicht realisiert worden sind! Buchgewinne beeinflussen den Gewinn! In beide Richtungen. Und dieser Gewinn ist Grundlage des KGV. Völlig blödsinnig!

    Das KGV taugt nichts mehr. Schin seit Jahrzehnten nicht, seit IFRS16 erst recht nicht mehr. Es sind die Cashflows, auf die man achten sollte.

    Und auch dabei sieht der Markt hoch bewertet aus, zugegeben. Aber... es ist ja auch nicht "der breite Markt" auf Höchstständen, sondern bestimmte Branchen und Aktien. Viele Werte notieren weiter deutlich unter ihren Vor-Corona-Niveaus. Nicht so die dominierenden Tech-Werte. Doch Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Facebook machen 50% des S&P 500 aus. Diese fünf erzielen enorme Cashflows und Gewinne. Vor Corona, während Corona, nach Corona. Und (nur) ihretwegen stehen die Indizes auf Höchststand. Das verzerrt daher das Bild und man sollte sich nicht täuschen lassen.

    Doch aus meiner Sicht sind diese Top-Werte auch nicht unbedingt überbewertet. Denn ihre Geschäfte laufen und Corona hat sie noch zusätzlich angetrieben. Aus all diesen Faktoren komme ich zu der Ansicht, dass "der Markt" zwar volatil bleibt und auch mal 10% korrigiert, dass dann aber sofort wieder Kauflaune entsteht und die Werte wieder nach oben gezogen werden. Seit Monaten stehen viele an der Seitenlinie und sitzen auf Geld. Und ihr stärkster Gedanke ist: wenn die Kurse fallen, steige ich wieder ein. Eben. Sie wollen nicht dauerhaft Abstand von der Börse, sie wollen ihr Geld wieder reinbringen. Das ist potenzielle Nachfrage.

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  7. Autonomes Fahren und Abhängigkeit vom Mobilfunknetz - das schließt sich aus. Dann ist das Fahren nämlich überhaupt nicht autonom.

    Kein autonom fahrendes Auto braucht das Mobilnetz, um "die Oma nicht zu überfahren". Das ist einfach totaler Quatsch.

    M.

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  8. Kleine Warnung von mir bezüglich amerikanischer Werte im wiki.
    Wikifolio darf keine Dividenden von amerikanischen Aktien auszahlen wie sich das bei der Sonderform REITs verhält entzieht sich zwar meiner Kenntnis aber warum sollte das anders
    sein wie bei Aktien wäre schön falls du auf Deinen REITs Div. bekommst und das bekannt gibst.

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  9. Hallo Michael,

    das ist eine Wette auf eine sehr lange Sicht, der Effekt der Exponentialkurve tobt sich hier irgendwann weit in der Zukunft aus. Aber das ist auch ein bisschen das Problem. Angenommen, eine Aktie rentiert heute zu 10% und steigert die Dividende jedes Jahr um 10%.

    Im Jahr 10 rentiert die Aktie mit 2,36%, und im Jahr 30 mit 15,86% gemessen am heutigen Kapitaleinsatz. Im Jahr 50 sogar mit 106%.

    Das klingt prima, nur wissen wir auch, dass kein Geschäftsmodell der Welt 30 Jahr unverändert bestehen wird.

    Da die Steigerungsraten in den ersten Jahren so gering sind, ist das etwas für einen heute 25-Jährigen, der viel Geduld mitbringt, oder für die eigenen Enkel.

    Wenn ich in 10 Jahren bereits Rendite für den eigenen Ruhestand brauche, bin ich vielleicht mit einem heutigen 6%er besser bedient, der steigert sich vielleicht auch noch ein bisschen.

    Gruß
    Christian

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