Dienstag, 25. August 2020

Wie schlagen sich meine 2020er Nebenwerte-Favoriten DIC Asset, Funkwerk, Hypoport, MBB und Mutares bisher in der Corona-Krise?

Zum Jahresstart hatte ich meine 2020er Nebenwerte-Jahresfavoriten benannt, doch da standen die Corona-Pandemie, Lockdowns und Wirtschaftskollaps noch überhaupt nicht auf der Agenda. Während die Börsen vom schnellsten Einbruch aller Zeiten unmittelbar in die schnellste Erholung aller Zeiten gewechselt sind, verläuft die Entwicklung in der Realwirtschaft anders ab. Zwar zeigen auch dort die Stimmungsindikatoren und die Auftragslage, dass der Einbruch aufgrund des Lockdowns zum einem erheblichen Teil psychologischer Natur war, doch in einigen Branchen kann von Entwarnung noch keine Rede sein, z.B. im Maschinenbau, Autoherstellern, Touristik, Gewerbeimmobilien, Banken. Einerseits liegt der Export noch am Boden, weil die USA als Konjunkturlokomotive (noch) ausfallen, andererseits sorgen Staatshilfen dafür, dass viele negative Entwicklungen (noch) nicht in der Realwirtschaft angekommen sind. Dank Insolvenzaussetzung, Finanzspritzen für Unternehmen, Mieten- und Kreditmoratorium sowie Kurzarbeitergeld wurde bisher das Schlimmste verhindert. Doch diese Hilfen können nicht endlos gezahlt werden und sie können schon gar nicht die reale Wirtschaft ersetzen durch Staatsinterventionismus. Der Sozialismus ist schon mehrfach gescheitert, nicht nur in der Sowjetunion, auch in (Ost-) Deutschland.

In dieser Gemengelage müssen sich die Unternehmen zurecht finden, sich anpassen, um zu überleben. Andere kommen eher unbeschadet durch die Krise und einige profitieren sogar von den Corona-Folgen. Und so trifft es auch meine fünf Nebenwerte-Favoriten ganz unterschiedlich und bei meinem Blick zurück schaue ich, wie sich die Aktien von DIC Asset, Funkwerk, Hypoport, MBB und Mutares in 2020 bisher so gehalten haben...

Der Sektor Gewerbliche Immobilien/ Büros steht weiterhin unter negativem Corona-Einfluss. Die Zahl der Neuabschlüsse für Bürolagen im Innenstadtbereich sinkt, die Mieten steigen nicht mehr. Aber es gibt viele Anpassungen bestehender Verträge zu neuen (oft durchaus besseren) Konditionen und längeren Laufzeiten. Der Vorstand von DIC Asset hat hierzu mehrfach berichtet in den letzten Monaten und mehrfach seine - frühzeitig gesenkten - Jahresprognosen bestätigt. Dennoch liegt der Kurs wie festgenagelt deutlich unter seinem NAV; ich gehe davon aus, dass der Markt hier eine Fehleinschätzung vornimmt, die sich irgendwann auflösen wird. Meine Vermutung ist, dass die Negativschlagzeilen aus den USA zum dortigen Büroimmobilienmarkt auch hierzulande die Stimmung drücken.

Beteiligungsgesellschaften sind nicht gefragt bei einem Konjunkturabschwung. Dabei sind MBB und Mutares unterschiedlich betroffen. Mutares als Sanierungsexperte kauft angeschlagene Unternehmen, um sie wieder auf Vordermann zu bringen. Im Erfolgsfall winken hier stattliche Gewinne. Allerdings haben diese Töchter wenig bis keinen finanziellen Spielraum für Fehler - oder die negativen Auswirkungen einer Pandemie/ eines Lockdowns.

Ich hatte Mutares Ende März aus meinem Depot geworfen und dazu erläutert:
"Die Aktien von Mutares habe ich verkauft. Die erhoffte Trendwende im Automotive-Sektor wird 2020 nicht kommen. Hinzu kommt, dass Mutares stark auf Italien und Frankreich fokussiert ist, zwei Hochburgen der Corona-Pandemie und die Werke dort stehen still. Der Cash-Burn bei den Tochterunternehmen dürfte gewaltig sein und Mutares wird hier einiges an finanziellen Mitteln aufwenden müssen, will man die Beteiligungen nicht abschreiben müssen. Gestern hat nun Aurelius verkündet, seine Dividende für das Geschäftsjahr 2019 zu streichen und auch bei Mutares könnte ein solcher Schritt anstehen und eine solche Maßnahme gerade bei Dividendenfans gar nicht gut ankommen."
Nun, die Dividenden hat Mutares gezahlt, wobei ich es besser gefunden hätte, man hätte die Eigenkapitalbasis gestärkt und/oder Schulden abgebaut. Ansonsten lag ich, was die operative Entwicklung angeht, leider richtig. Die bisher größte Beteiligung der Mutares, die STS, hat einen Geschäftsbereich verkauft und damit geht eine dermaßen großen Abschreibung einher, dass mehr als die Hälfte des Grundkapitals verbannt wird. Brandgefährlich. Andererseits hat Mutares in diesem Jahr schon einige Übernahmen getätigt und hieraus könnten sich in den nächsten Jahren interessante Perspektiven ergeben. Für mich erscheint diese Spielwiese derzeit aber nicht interessant genug, was auch für Aurelius gilt.

Ich bevorzuge lieber MBB als Mittelstandsholding, die mit der Übernahme von Vorwerck einen extrem guten Move hingelegt haben - wieder einmal. Die jüngsten Zahlen bestätigen die gute Verfassung des MBB-Konzerns, der trotz der coronabedingten Probleme vor allem im Automotive-Sektor stabil dasteht und aktiv auf Suche nach Kaufgelegenheiten ist. Dürfte spannend bleiben und einiges an Potenzial bieten, wenn der Corona-Schrecken erst einmal nachlässt. Interessanterweise hat MBB zuletzt bei der ehemals größten Beteiligung, der Automotive-Tochter Aumann, wieder aufgestockt auf 40% und das zu durchschnittlichen Kursen von €8,20.

Funkwerk liefert mehr als versprochen, soweit nichts Neues. Die Corona-Delle hat der Kurs schnell wieder wettgemacht, auch weil Funkwerk kaum negative Auswirkungen durch Corona spürt. Und natürlich, weil man viel bessere Ergebnisse für 2019 verkünden konnte, als gedacht. Trotz der einmaligen hohen Abschreibung von rund €5 Mio. für das Euromicron-Fiasko. Tolles Unternehmen, weiterhin unterbewertet aus meiner Sicht, auch bei €24. An den wenigen kursschwachen Tagen stocke ich ab und zu ein bisschen auf und zusammen mit dem verdienten Kursanstieg hat sich Funkwerk zu einer meiner größten Positionen im Depot gemausert und ringt aktuell mit Hypoport um die Spitzenposition.

Und dann bleibt da noch Hypoport. Da gehen mir langsam die Superlative aus, das Unternehmen hat sich eine dermaßen gute Position erarbeitet mit seiner Kreditvermittlungsplattform, dass man hierüber nun mehr als 25% des neu abgeschlossenen Immobilienkreditvolumens in Deutschland bedient. Den früheren Marktführer Interhyp hat man dabei deklassiert und mit rund 10% Marktanteil inzwischen weit hinter sich gelassen. Darüber hinaus wächst Hypoport in angrenzende Bereiche hinein und bietet den angeschlossenen Banken, Sparkassen und Kreditvermittlern immer mehr Services rund um die Immobilie. Und nicht zu vergessen das noch junge Geschäftsfeld Versicherungsplattform Smart Insur, das mittelfristig für einen ähnlichen Wachstumsschub stehen könnte wie die Kreditvermittlungsplattform. Kurzum: Hypoport verdient sich den starken Kursanstieg durch anhaltende operative Erfolge und daher ist die Aktie zu Recht inzwischen meine größte Depotposition (wenn nicht gerade Funkwerk die Nase vorn hat).

Die Performance

Blicken wir nun auf die Kursentwicklung der einzelnen Aktien:

DIC Asset
Kurs 31.12.2019: €15,74
Kurs 25.08.2020: €11,28
zzgl. Dividende: €0,66
Performance (YTD): -24,14%

Funkwerk
Kurs 31.12.2019: €17,80
Kurs 25.08.2020: €24,20
zzgl. Dividende: €0,30
Performance (YTD): 37,64%

Hypoport
Kurs 31.12.2019: €315,50
Kurs 25.08.2020: €489,00
zzgl. Dividende: €0,00
Performance (YTD): 55,00%

MBB
Kurs 31.12.2019: 72,10€
Kurs 25.08.2020: 72,80€
zzgl. Dividende: €0,70
Performance (YTD): 1,94%

Mutares
Kurs 31.12.2019: €12,24
Kurs 25.08.2020: €10,34
zzgl. Dividende: €1,00
Performance (YTD): -7,35%

Damit ergibt sich eine durchschnittliche Performance von 12,62% (YTD) für meine 2020er Nebenwerte-Jahresfavoriten, also nicht weit von meiner langfristigen Jahreszielrendite von 15% entfernt.

Meine Einschätzung

Bei MBB glaube ich an eine Erholung Richtung Jahresende, bei DIC Asset ist nicht absehbar, wann sich die Unterbewertung abbaut bzw. wann der Markt seine Zurückhaltung aufgibt. Es kann dann wieder sehr schnell gehen, wie bereits in 2019. Funkwerk ist seit meinem Einstieg in den laufenden Turnaround eine Erfolgsgeschichte und wird vom Markt und einigen Analysten weiterhin unterschätzt und unterbewertet. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass sich diese Unterbewertung irgendwann abbaut, aber auch ohne dieses Szenario müsste der Kurs "einfach" weiter steigen, weil das Unternehmen sich operativ sehr positiv entwickelt. Der mögliche zusätzliche Boost durch den Abbau der Unterbewertung sehe ich lediglich als Add-on. Und Hypoport? Läuft einfach und immer weiter. Auch der Kurs. Jeder Rücksetzer war bisher immer eine Kaufgelegenheit, weil die operative Entwicklung entsprechend positiv verläuft. Hypoport wird vom Markt noch immer nicht korrekt eingestuft. Es wird als Immobilienvermittler wahrgenommen ("Dr. Klein") und nicht als Software-Company und B2B-Plattformanbieter. Deshalb liest man immer wieder von "absurd hohen KGV-Bewertungen". Sollte man sich von frei machen. Oder es einfach lassen. Wer das Businessmodell hingegen versteht und auch, weshalb Hypoport so stark investiert, dürfte an dem Unternehmen noch viel Freude haben in den nächsten Jahren.

Disclaimer
DIC Asset, Funkwerk, Hypoport, MBB befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    wieder ein sehr interessanter Artikel. vielen Dank!
    Wenn Du bei MBB von einer Erholung bis Jahresende sprichst, in welcher Größenordnung siehst Du den Kurs dann in etwa? Ich plane derzeit mit 85€. Siehst du mehr? ich glaube, Aumann braucht noch deutlich länger.

    Besten Gruß
    Isabella

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    1. So kurzfristig denke ich ja eigentlich nicht; "Jahresende" hatte ich nur erwähnt, weil es sich um meine Jahresfavoriten handelt. Ob die Erholung bei Aumann und damit bei MBB nun im Oktober zündet oder im Februar, kann ich nicht abschätzen. Weder was das operative noch was den Kurs angeht. Dreistellige Kurse sollten im nächsten Jahr wieder drin sein. Das hängt allerdings auch davon ab, ob MBB noch den einen oder anderen lukrativen Kauf tätigen kann; ggf. auch als Add-on bei Aumann, Vorwerk oder DTS. Wobei bei DTS und der IT-Branche natürlich andere Preise zu zahlen wären als im Automotivesektor...

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  2. Ich habe mir gestern die Hauptversammlung von MBB angesehen. Grundsätzlich sehen sie schon einige Probleme im Bereich Automotive-Sektor. Coronabedingt hat dieser Sektor sehr gelitten und wird wohl auch in näherer Zukunft noch leiden. Zwar steigen die Umsätze rund um die E-Mobilität, diese Umsätze können jedoch nicht die Verluste von den anderen Bereichen wettmachen. Schwierig war vor allem, dass von heute auf morgen die Fabriken heruntergefahren werden mussten mit der Ansage, wenn die Käufer die Teile benötigen, so müssen sie innerhalb von 24 Stunden geliefert werden.

    Bei Aumann sollte man (vorerst) keine weiteren Käufe erwarten. Man hat einfach die Chance ergriffen bei diesem günstigen Kurs zuzukaufen. Man sah den Kurs als Beleidigung an, da der Cashbestand ungefähr der Marktkapitalisierung entsprach.

    In Bezug auf den fairen Kurs von MBB kann man auf das neue Optionssystem für die Führungsebenen verweisen. Dies ist ganz spannend und sollte einen sehr guten Anreiz für die Führungsebene bieten. Nur wenn der Kurs bei 199€ landet und der gleitende Durchschnitt entsprechend positiv ist, können alle Optionen gezogen werden.

    Gerade von DTS und Vorwerk hat man beeindruckende Entwicklungen aufgezeigt bekommen. In der Zukunft kann man sicherlich noch einiges erwarten/erhoffen. Vorwerk hat vor allem bei Themen rund um Wasserstoff viel Expertise und je nachdem wie das Konjunkturprogramm eingesetzt wird, kann man davon profitieren.

    Neuerwerbungen wurden gestern nicht angesprochen. Derzeit melden sich zwar einige Firmen mit dem Wunsch einer Übernahme, dies sind aber meist die verzweifelten Unternehmer. Da man keine Spezialisierung auf Umstrukturierungen hat, nimmt man von diesen Unternehmen Abstand. Die Unternehmensführung hat aber trotzdem die Hoffnung, dass manche Familienunternehmer keine Lust mehr auf Krisenbewältigung in der Zukunft haben und sich daher auf eine Veräußerung einlassen könnten.

    Soweit ein ganz kleiner Eindruck rund um MBB.

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  3. Hallo,

    danke für den schönen Übersichtsartikel. Es macht Spaß, die Werte mit Ihnen gemeinsam zu beobachten - da kann man einiges lernen.

    Die PNE AG war doch auch einer der Nebenwertefavoriten, oder? Soweit ich das sehe, läuft es da ja auch recht gut...

    Grüße
    Christoph

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    1. PNE ist keiner meiner Jahresfavoriten, aber der Wert ist wieder aussichtsreich, nachdem die Komplettübernahme durch Morgan Stanley Instrastructure Partners gescheitert ist. Sowohl die Unternehmens- als auch die Kursentwicklung laufen viel versprechend...

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  4. Hallo Michael,

    einmal mehr ein toller Beitrag von dir. Ich erhoffe mir auch insbesondere von Funkwerk noch einiges. Bei den jüngsten Zahlen war zwar der Auftragseingang im Vergleich zum starken Vorjahr etwas rückläufig, aber Book-to-Bill immer noch knapp über 1 und operativ läuft es. Zudem hat man einmal mehr gezeigt, wie krisenresistent das Geschäftsmodell ist.

    Hier würde sich sicherlich gerne mehr Institutionelle engagieren, aber so leicht kommt man wohl nicht rein in das Papier :)

    Mach weiter so und Gruß aus Hamburg!

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