Dienstag, 31. März 2026

Phillips 66 im Fokus: Mehr als raffiniert auf Renditejagd

In diesem Kurzportrait geht um Phillips 66, einen integrierten Downstream-Energieversorger, der hauptsächlich in den USA und Großbritannien tätig ist. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Houston, Texas, wurde 1875 gegründet und 2012 aus ConocoPhillips ausgegliedert. Das inzwischen über 55 Mrd. USD schwere Unternehmen verfügt über beeindruckende Aktivitäten im Midstream- und Downstream-Bereich. Und ohne die Raffinerien und Pipelines von Phillips 66 würde unsere Welt stillstehen: der perfekte Flaschenhals - aus Sicht des Unternehmens und seiner Aktionäre...

Im Midstream-Bereich betreibt das Unternehmen über mehr als 70.000 Meilen Pipelines mit einer Fraktionierungskapazität von fast 1 Mio. Barrel pro Tag und im Raffineriebereich verfügt man über 11 Raffinerien mit einer Rohölkapazität von 1,8 Mio. Barrel pro Tag, die an fast 9.000 Vermarktungsstandorte geliefert werden. Zudem baut man sein Portfolio an erneuerbaren Kraftstoffen aus, das derzeit bei etwa 50.000 Barrel pro Tag liegt.

Phillips 66 ist in fünf Hauptsegmenten tätig:
  • Das Segment Midstream bietet Transport-, Terminal- und Verarbeitungsdienstleistungen für Rohöl, raffinierte Erdölprodukte, Erdgas und Erdgasflüssigkeiten an.
  • Der Bereich Chemikalien produziert und vermarktet über sein Joint Venture mit Chevron Phillips Chemical Company LLC (CPChem) weltweit Petrochemikalien und Kunststoffe.
  • Der Bereich Raffinerie konzentriert sich auf die Umwandlung von Rohöl in Erdölprodukte wie Benzin und Flugkraftstoffe.
  • Das Segment Marketing & Spezialitäten (M&S) vermarktet raffinierte Produkte, darunter Schmierstoffe und Grundöle.
  • Das Segment Erneuerbare Kraftstoffe verarbeitet erneuerbare Rohstoffe zu Produkten wie erneuerbarem Diesel und Düsentreibstoff.
Phillips 66 vermarktet seine Produkte unter verschiedenen Marken, darunter Phillips 66, Conoco und 76.

Das Unternehmen ist im Perm-Becken stark vertreten und betreibt ein Netzwerk von Pipelines und Raffinerien in den USA und Europa. Hier kommt u.a Trumps Öl-Deal mit Venezuela ins Spiel, denn künftig sollen bis zu 2 Mrd. USD an Schweröl in die USA geliefert werden und damit an die auch von Phillips 66 betriebenen Raffinerien an der US-Golfküste.

Strategische (Neu-)Ausrichtung

Mit Paul Singer vom Hedgefonds Elliott Management hat Phillips 66 seit einigen Jahren einen aktivistischen und ziemlich unbequemen Großaktionär an Bord. Dieser kritisiert das Management für die unterdurchschnittliche erfolgreiche Performance und drängt auf Veränderungen. Seiner Ansicht nach soll sich das Unternehmen vor allem auf seine Raffinerieaktivitäten konzentrieren und Singer fordert konkret den Verkauf oder die Ausgliederung des Midstream-Geschäfts sowie darüber hinausgehende Veräußerungen von Vermögenswerten.

Und Singers Drängen zeigt bereits Erfolge: So wurden in den letzten Jahren strategische Verkäufe von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen von über 5 Mrd. USD getätigt, darunter das Tankstellengeschäft in Deutschland und Österreich (JET) für 1,6 Mrd. USD. Im Gegenzug wurden eine Reihe von ergänzenden Akquisitionen getätigt, wie die Übernahme von EPIC NGL für 2,2 Mrd. USD. Damit ist es seit 2022 gelungen, die Kosten um erstaunliche 1 USD je pro Barrel zu senken, was sich positiv auf den Cashflow und die Margen ausgewirkt hat. Über das gesamte Portfolio hinweg erzielte Phillips 66 ein bereinigtes operatives Ergebnis (EBITDA) von gut 10 Mrd. USD. Das entspricht einem Verhältnis von Marktkapitalisierung zu durchschnittlichem EBITDA von etwa 5 bei einer Marktkapitalisierung von rund 55 Mrd. USD.

Doch das geht Singer noch nicht weit genug; zuletzt billigte ihm Phillips 66 zwei Plätze im Board zu, die mit erfahrenen Managern seiner Wahl besetzt wurden: Howard Ungerleider verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in leitenden Positionen im Finanz- und Betriebsbereich in den Branchen Chemie, Verpackung und Spezialmaterialien; er war Präsident und CFO von Dow Inc. sowie CFO von DowDuPont. Und Kevin Meyers verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Öl- und Gasindustrie und schied 2010 aus dem Unternehmen ConocoPhillips aus, nachdem er dort als Senior Vice President für Exploration und Produktion in Nord- und Südamerika tätig war. Die neuen Vorstandsmitglieder werden Glenn Tilton und Marna Whittington ersetzen, die im vergangenen Jahr ihren Rücktritt angekündigt hatten.

Recht gute Zahlen in Zeiten des Umbruchs

Im 4. Quartal meldete Phillips 66 mit einem Gewinn je Aktie von 7,17 USD ein deutlich über den Erwartungen liegendes Ergebnis, doch das Ergebnis wurde durch einen Gewinn von rund 2 Mrd. USD aus dem Verkauf europäischer Aktivitäten stark verzerrt. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 2,47 USD blieb im Vergleich zum 3. Quartal (2,52 USD) im Wesentlichen unverändert, was auf ein stabiles, aber nicht an dynamisch wachsendes Kerngeschäft hindeutet.

Das Quartal war geprägt von einer aggressiven Umstrukturierung des Portfolios: Das Unternehmen erzielte durch den Verkauf von Vermögenswerten in Deutschland und Österreich rund 2 Mrd. USD und senkte damit seine Verschuldung auf 19,7 Mrd. USD. Zudem erfolgte der Erwerb der verbleibenden 50% an WRB Refining sowie die Einstellung des Betriebs der Raffinerie in Los Angeles. Darüber hinaus signalisiert die im Januar 2026 angekündigte Übernahme der Lindsey Oil Refinery (Großbritannien) im Wert von 1,3 Mrd. USD eine Neuausrichtung hin zu einer verstärkten Konzentration auf integrierte Vermögenswerte, bei denen PSX Wettbewerbsvorteile besitzt.

Das Ergebnis im Chemiebereich brach ein (19 Mio. USD gegenüber 176 Mio. USD) und wurde auf geringere Margen zurückgeführt, was darauf hindeutet, dass sich der im dritten Quartal erwähnte "anhaltende Zyklus" verschärft oder zumindest auf einem Tiefpunkt verharrt und dem diversifizierten Ertragsmodell keine Stütze bietet. Daneben spielte das Segment "Erneuerbare Kraftstoffe" erneut einen bereinigten Vorsteuerverlust von 19 Mio. USD ein, was zwar eine Verbesserung gegenüber dem Verlust von 43 Mio. USD im 3. Quartal darstellt, aber dennoch weiterhin das Ergebnis belastet.

Das bereinigte Ergebnis vor Steuern im Midstream-Segment stieg leicht um 3% auf 717 Mio. USD und verzeichnete Rekordvolumina beim Transport und bei der Fraktionierung von NGL (+22% gegenüber dem Vorjahr). Dieses Segment bestätigt weiterhin die Strategie, gebührenbasierte, stabile Cashflows auszubauen, um Schwankungen im Raffineriegeschäft auszugleichen; hier verbesserte sich das Ergebnis gegenüber dem Vorquartal von 430 auf 542 Mio. USD. Dabei machte sich der Erwerb der verbleibenden 50% an WRB Refining unmittelbar in den Zahlen bemerkbar, wurde jedoch teilweise durch die Einstellung der Kraftstoffproduktion in der Raffinerie in Los Angeles ausgeglichen. Das Portfolio konzentriert sich zunehmend auf den Central Corridor und die Golfküste, was der Strategie entspricht, sich aus Regionen mit hohen Kosten und strengen regulatorischen Auflagen zurückzuziehen.

Das bereinigte EBITDA war mit 2,532 Mrd. USD annähernd stabil gegenüber dem Vorquartal mit 2,594 Mrd. USD.  Dahinter verbergen sich allerdings Schwankungen in den einzelnen Segmenten, wo die Zuwächse im Raffineriesegment durch Rückgänge in den Segmenten Chemie und Vertrieb ausgeglichen wurden.

Der operativer Cashflow (ohne Betriebskapital) legte von 1,92 Mrd. USD im 3. Quartal auf 2,044 Mrd. USD zu. Die starke Cashflow-Generierung bleibt intakt und deckt die Investitionsausgaben in Höhe von 682 Mio. USD sowie die Ausschüttungen an die Aktionäre in Höhe von 756 Mio. USD ab, wobei noch Spielraum für den Schuldenabbau blieb; dieser gewann mit einer Tilgung von 2,0 Mrd. USD ordentlich an Fahrt. Den Aktionären kamen im 4. Quartal 482 Mio. USD an Dividenden zugute sowie 274 Mio. USD in Form von Aktienrückkäufen. Dies entspricht dem Ziel einer "Rendite von mehr als 50% des operativen Cashflows".

The Good, the Bad, the Ugly

  • Einbruch im Chemiesegment: Das bereinigte Ergebnis vor Steuern im Chemiesegment brach im Vergleich zum Vorquartal um 89% von 176 Mio. USD auf nur noch 19 Mio. USD ein und die Kapazitätsauslastung sank von 104% auf 97%, was auf eine Rückkehr zu zyklischen Tiefstständen und einen Margendruck hindeutet.
  • Ertragsrückgang im Bereich Marketing & Specialties: Das bereinigte Ergebnis im Bereich Marketing & Specialties sank von 477 Mio. USD auf 439 Mio. USD. Dies ist zwar teilweise auf die Veräußerung europäischer Vermögenswerte zurückzuführen, unterstreicht jedoch den Verlust eines stabilen Ertragsträgers, was den Druck auf das volatile Segment Raffinerie erhöht.
  • Verbesserung der Raffinerieergebnisse: Das bereinigte Ergebnis vor Steuern im Raffineriebereich stieg gegenüber dem Vorquartal um 26% auf 542 Mio. USD, was auch auf die vollständige Integration der WRB-Raffinerien zurückzuführen ist. Die realisierten Raffineriemargen stiegen trotz der allgemeinen Marktvolatilität von 12,15 USD/Barrel im 3.Quartal auf 12,48 USD/Barrel.
  • Beschleunigter Schuldenabbau: Das Management reduzierte die Schulden im 4. Quartal um 2,0 Mrd. USD, wodurch die Gesamtverschuldung auf 19,7 Mrd. USD sank. Dies ist ein bedeutender Schritt in Richtung des in den vergangenen Quartalen genannten Ziels von 17 Mrd. USD und wurde durch Erlöse aus dem Verkauf von Vermögenswerten sowie 2,0 Mrd. USD aus dem operativen Cashflow finanziert.

Meine Einschätzung

Neben wachsenden Margen profitiert Phillips 66 davon, dass sein Geschäft konjunkturunabhängiger geworden ist aufgrund des höheren Anteils an Raffinerie- und Spezialchemieaktivitäten. Und da weltweit kaum neue Raffineriekapazitäten entstehen, verfügt man über eine unantastbare Marktposition. Pipelines und Raffinerien sind die Hauptschlagadern der Weltwirtschaft. Denn wenn Öl nicht raffiniert und/oder transportiert wird, ist damit wenig anzufangen. Egal, ob es nun aus Venezuela kommt, dem Permian Basin, dem Iran oder Russland. Entscheidend ist, in welchen Mengen es verfügbar ist und natürlich zu welchen Preisen.

Der Nahost-Krieg samt Sperrung der Straße von Hormus reduziert die globalen Öl-Mengen erheblich, vor allem Asien trocknet aus. Dort werden bereits Raffinerie-Produkte rationiert und mit Exportbeschränkungen belegt. Europa steht noch nicht vor ganz so großen Problemen, bekommt die Auswirkungen aber auch zu spüren, nicht nur preislich. Aber in den USA gibt es keine Versorgungsengpässe, denn die USA sind energieautark und inzwischen sogar ÖL- und Gasexporteur. Das ist auch der Grund, weshalb die Ölpreise in Asien und in Europa (Brent) deutlich stärker angestiegen sind als in den USA (WTI).

Doch Öl wird nicht nur zu Autofahren und Heizen verwendet, sondern er steckt in fast jedem Produkt dieser Welt: in Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten, Kosmetik, Smartphones, Möbeln. Öl ist unverzichtbar! Und Phillips 66 betreibt die Maut-Station des Öls. Das ist ein Business, wie Warren Buffett es liebt. Und der war mal größter Aktionär bei Phillips 66. Aus Gründen…

Disclaimer: Habe Phillips 66 auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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