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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 04/2026 vom 11.02.2026
Aktien in dieser Ausgabe: Eurokai, MBB, Uzin Utz
Die Mittelstandsholding MBB ist Deutschlands heimlicher Börsenstar
Die MBB SE ist eine familiengeführte Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Berlin. Seit der Gründung im Jahr 1995 durch Gert-Maria Freimuth und Christof Nesemeier verfolgt MBB eine konsequente Buy-and-Build-Strategie: Mittelständische Industrieunternehmen mit hoher technologischer Kompetenz werden übernommen, langfristig weiterentwickelt und zu nachhaltigem Wertzuwachs geführt. Eine der größten Erfolgsgeschichten an der deutschen Börse und eine der am wenigsten bekannten!
MBBs geografischer Fokus liegt auf der DACH-Region. Zielunternehmen verfügen in der Regel über mehr als 50 Mio. Euro Umsatz und Unternehmenswerte bis etwa 150 Mio. Euro. MBB strebt Mehrheitsbeteiligungen an und denkt nicht in Exit-Horizonten, sondern in Generationen.
Plattformstrategie statt Konzernzwang
Die erworbenen Unternehmen sind meist Nischenmarktführer, die zu regionalen Branchenchampions ausgebaut werden. MBB setzt dabei bewusst auf unternehmerische Freiheit: Die bisherigen Eigentümer oder Vorstände bleiben häufig in der operativen Verantwortung und sind oft weiterhin beteiligt.
Die Holding unterstützt ihre Töchter gezielt bei Finanzierung, Management, Akquisitionen und beim Kapazitätsausbau. Zukäufe auf Ebene der Beteiligungen folgen der sogenannten Plattformstrategie, bei der bestehende Kerngeschäfte systematisch erweitert werden.
MBB hält direkte Beteiligungen an sechs operativ eigenständigen Unternehmen, die in drei Geschäftssegmente gegliedert sind: Technological Applications, Service & Infrastructure und Consumer Goods.
Ende 2025 gehörten MBB zwischen 44,49 % und 47,81 % der Anteile an der Aumann AG, da weichen die Angaben beider Unternehmen ab. Dazu muss man wissen, dass MBB seine börsennotierten Beteiligungen „opportunistisch“ verwaltet und je nach Kurs und Bewertung mal einige Anteil verkauft oder wieder zukauft. Die beherrschende Stellung gibt man dabei nicht auf und konsolidiert die Beteiligungen auch voll in der Konzernbilanz. Gleiches gilt auch für Friedrich Vorwerk und Delignit.
Zum Segment Technical Applications gehören die börsennotierte Gesellschaften Aumann AG und Delignit AG. Kernbeteiligung in diesem Segment ist dabei ganz klar die Aumann AG, ein führender Anbieter von Spezialmaschinen und automatisierten Produktionslinien für Elektromotoren, Batteriesysteme und Brennstoffzellen. Das Unternehmen verbindet innovative Wickeltechnologien mit jahrzehntelanger Automatisierungskompetenz.
Nach vorläufigen Zahlen erzielte Aumann im Geschäftsjahr 2025 rund 205 Mio. Euro Umsatz erzielt. Trotz eines Umsatzrückgangs von mehr als 100 Mio. Euro lag die EBITDA-Marge mit rund 14 % etwa 2,5 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Wesentliche Treiber dieser positiven Entwicklung waren eine überdurchschnittliche operative Performance im letzten Quartal 2025, besser als erwartete Abschlüsse von Kundenaufträgen sowie geringere Aufwendungen für strukturelle Optimierungen. Darüber hinaus lag die Nettoliquidität zum 31. Dezember 2025 mit rund 148 Mio. Euro etwa 10 Mio. über dem Vorjahr, gleichwohl Aumann im Laufe des Geschäftsjahres 2025 über 20 Mio. Euro in den Kauf eigener Aktien investiert hat. Damit verfügt das Unternehmen über eine starke finanzielle Basis für Unternehmenszukäufe und die fortschreitende Diversifizierung seiner Aktivitäten im Bereich Next Automation.
Die Delignit AG ist ein Spezialist für ökologische, holzbasierte Werkstoffe für Automobil- und Schienenverkehrsanwendungen. MBB hält 60,37 % an dem Unternehmen.
2024 war ein schwieriges Jahr: Vor allem die Nachfrage nach Reisemobil-Komponenten brach wegen Produktionsstopps bei einem Großkunden ein. Der Umsatz sank auf 65,1 Mio. Euro und lag damit in der Mitte der gesenkten Prognose. Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 werden erst im April veröffentlicht, aber Mitte Dezember gab es eine Wasserstandsmeldung, als die Jahresprognose angehoben wurde aufgrund eines im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbesserte EBITDA von rund 5 Mio. Euro.
Die erwartete signifikante Profitabilitätsverbesserung basierte dabei auf verschiedenen Faktoren. Einerseits wirken die bereits 2024 initiierten und in diesem Jahr spürbar werdenden Maßnahmen aus dem umfangreichen Kostensenkungsprogramm ergebnisstabilisierend, andererseits wirken im Automotive-Bereich nachträgliche Preiskorrekturen aus Serienlieferverträgen ergebnisverbessernd. Hinzu kommen positive Produktmix-Effekte durch merkliche Umsatzsteigerungen im Bereich der Technological Applications, insbesondere im Verlauf des zweiten Halbjahres. Das EBIDTA soll nun 5 anstatt 4 Mio. Euro betragen, wodurch die EBITDA-Marge rund 7 % betragen würde und damit der Zielmarke von 8 % schon ziemlich nahekäme.
Das Segment Service & Infrastruktur ist die größte Sparte des MBB-Konzerns und wird von der börsennotierten Friedrich Vorwerk Group dominiert. Das Unternehmen plant, baut und wartet Rohrleitungssysteme für Gas-, Öl- und Wasserstoffnetze und ist damit ein zentraler Akteur der europäischen Energieinfrastruktur.
Friedrich Vorwerk hat nach einem kräftigen Schlussspurt seine eigenen Ziele für das Geschäftsjahr 2025 übertroffen. Der Umsatz legte 2025 im Jahresvergleich auf Basis vorläufiger Zahlen um gut 41 % auf 704,3 Mio. Euro zu, nachdem eigentlich Erlöse von 650 bis 680 Mio. Euro angepeilt worden waren. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat sich dabei mit 163,3 Mio. Euro mehr als verdoppelt und die entsprechende Marge betrug 23,2 %. Hier hatte das Unternehmen hier mit 20 % bis 22 % kalkuliert.
Die Tostedter begründeten die gute Geschäftsentwicklung vor allem mit einem starken Schlussquartal, in dem das Unternehmen unter anderem von günstigen Witterungsbedingungen und erfolgreichen Abschlüssen bei Projekten profitiert habe. Ende 2025 belief sich der Auftragsbestand auf gut 1 Mrd. Euro, wobei der Auftragseingang etwas an Dynamik verloren hat. Allerdings ist das kein Grund zur Sorge, denn Friedrich Vorwerk hat alle Hände voll zu tun und kann bei der Auftragsannahme entsprechend wählerisch sein. Und so fokussiert man sich auf die lukrativsten Aufträge, könnte bei Bedarf aber auch mehr Orders an Land ziehen.
Auch die Kapitalausstattung verbesserte sich dank der guten Geschäftsentwicklung deutlich. Der Finanzmittelbestand erhöhte sich den um mehr als 100 Mio. auf 279,7 Mio. Euro. Die gestiegene Nettoliquidität von knapp 262 Mio. Euro zum Jahresende sowie die höhere Mitarbeiterzahl bildeten eine hervorragende Basis für die Fortsetzung des profitablen Wachstumskurses.
Ebenfalls in diesem Segment angesiedelt ist die DTS IT AG, an der MBB 80 % hält. DTS bietet IT-Sicherheits-, Cloud- und Managed-Service-Lösungen und verfügt mit eigenen Softwareprodukten wie DTS Cockpit, Identity und Monitoring über skalierbare Plattformen.
Der Umsatz ging 2024 zwar um 8,5 % auf 99,1 Mio. Euro zurück, die EBITDA-Marge blieb mit 13,4 % stabil. Die Softwareerlöse wuchsen jedoch so stark wie nie zuvor, und für 2025 werden Nachholeffekte aus dem öffentlichen Sektor erwartet. Aktuellere Zahlen zu DTS dürften wohl erst mit Vorlage des 2025er Geschäftsberichts der Konzernmutter MBB zum 31. März veröffentlicht werden.
Zum Segment Consumer Goods gehört Hanke Tissue, ein führender polnischer Tissue-Hersteller, der die gesamte Wertschöpfung von der Papierherstellung bis zum Vertrieb abdeckt und besonders stark bei bedruckten Servietten positioniert ist. Nach zwei schwierigen Jahren infolge hoher Rohstoffpreise gelang 2024 die Wende: Der Umsatz stieg auf 70,3 Mio. Euro bei einer deutlich zweistelligen EBITDA-Marge. MBB hält 94,08 % der Anteile.
Der zweite Spieler in diesem Segment ist CT Formpolster, die Matratzen für den Onlinehandel produziert und ein voll integriertes One-stop-shop-Modell betreibt. Aufgrund der schwachen Marktlage sank der Umsatz 2024 jedoch auf 23,7 Mio. Euro. MBB ist hier Alleineigentümer.
Auch bei diesen beiden Gesellschaften wird es wohl erst am 31. März Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 geben.
2025 war ein (weiteres) Rekordjahr für die MBB-Gruppe
Die MBB SE hat nach vorläufigen Zahlen ihre Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025 mit einer EBITDA-Marge von rund 18 % bei einem Umsatz von 1,17 Mrd. Euro abgeschlossen und die Prognosen damit deutlich übertroffen. Das Geschäftsjahr 2025 hat danach mit einem Umsatz von 1,17 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,07 Mrd.) sowie einer besser als erwarteten bereinigten EBITDA-Marge von rund 18 % (Vorjahr: 14,0 %) abgeschlossen. Das bereinigte EBITDA liegt somit voraussichtlich bei rund 211 Mio. Euro (Vorjahr: 149,0 Mio.) und die Prognose von 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro Umsatz mit einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 15 und 17 % wurde somit ergebnisseitig deutlich übertroffen.
Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war eine in Summe sehr starke operative Entwicklung im vierten Quartal insbesondere bei den drei börsennotierten Konzerntöchtern Friedrich Vorwerk, Aumann und Delignit.
Darüber hinaus spiegelt sich die hervorragende Geschäftsentwicklung im Geschäftsjahr 2025 auch in der stark gestiegenen Nettoliquidität der Gruppe in Höhe von rund 760 Mio. Euro wider (31. Dezember 2024: 553,9 Mio.), wovon 374 Mio. Euro auf die Holding MBB SE entfielen (31. Dezember 2024: 280,8 Mio.). Die Mittel der Holding stehen für Akquisitionen, Aktienrückkäufe oder Dividenden zur Verfügung.
Aktienrückkäufe als Kapitalallokationsinstrument
Mangels attraktiver Übernahmeziele fließt seit einiger Zeit ein erheblicher Teil des freien Cashflows in den Rückkauf eigener Aktien. Seit November 2024 läuft ein Programm über bis zu 15 Mio. Euro, das im März 2025 auf einen maximalen Kaufpreis von 150 Euro je Aktie ausgeweitet wurde. MBB begründet dies mit einer deutlichen Unterbewertung der Aktie. Und nachdem der Aktienkurs diese Marken inzwischen locker hinter sich gelassen hat, wurde am 9. Dezember 2025 ein weiteres Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 22 Mio. Euro beschlossen. Das Programm läuft bis spätestens 14. April 2026, wobei eigene Aktien zu einem Höchstpreis von 222 Euro pro Aktie erworben werden.
Aktionärsstruktur und Dividendenpolitik
71 % der Aktien befinden sich im Besitz der beiden Gründer. Rückgekaufte Aktien sollen eingezogen werden, wodurch sich der Gewinn auf weniger Aktien verteilt und der Gewinn je Aktie weiter steigt.
MBB zahlte 2025 das 15. Jahr in Folge eine steigende Basisdividende. Seit dem Börsengang im Jahr 2006 hat die Gesellschaft nie die Dividende gesenkt und inklusive der regelmäßigen Aktienrückkäufe flossen in dieser Zeit bisher über 200 Mio. Euro an die Aktionäre zurück.
Bewertung offenbart klaren Abschlag auf den inneren Wert
MBB wird bei einem Kurs von 220 Euro mit rund 865 Mio. Euro bewertet. Eine Sum-of-the-Parts-Bewertung ergibt für die börsennotierten Beteiligungen einen Wert von 942,62 Mio. Euro, der sich auf 50,5 % an Friedrich Vorwerk (Börsenwert 1,68 Mrd. Euro), rund 46,15 % an Aumann (168 Mio. Euro) und 60,37 an Delignit (27,65 Mio. Euro) verteilt. Hinzu kommt die Holding-Liquidität von 374 Mio. Euro und das sind zusammen 1,316 Mrd. Euro, so dass die Aktie mit einem Abschlag von 35 % auf den fairen Wert notiert. Und darin noch nicht eingerechnet sind DTS, Hanke Tissue und CT Formpolster, die es quasi kostenlos on top gibt. Kein Wunder, dass das MBB Management die Aktie für unterbewertet hält und ständig eigene Aktien zurückkauft!
Bullcase vs. Bearcase
MBB hält einige vielversprechende Beteiligungen in seinem Portfolio. Die Holding verfügt über gewaltige Liquiditätsreserven, doch dafür findet sie keine geeigneten Übernahmeziele. Die gibt es zwar, aber MBB zahlt ungern hohe Preise und dem entsprechend selten sind erfolgreiche Übernahmen. Das bremst die Fantasie, aber den Aktienkurs nicht.
Der ist allerdings maßgeblich von der mit großem Abstand gewichtigsten Beteiligung Friedrich Vorwerk abhängig. Und der Energieinfrastrukturdienstleister schwimmt auf einer Erfolgswelle, die auch den Aktienkurs gewaltig in die Höhe getrieben hat. Falls hier die Euphorie mal nachlassen sollte, wirkt sich das entsprechend kräftig auf den Wert der MBB-Beteiligung aus – und den Aktienkurs der Mutter.
Fazit
Die Erfolge des MBB-Managements sprechen eine deutliche Sprache und auch die Kursentwicklung lässt kaum Wünsche übrig. Jedenfalls für langfristig orientierte Anleger, die auch die Phasen der Konsolidierung oder des Abbröckelns durchhalten und dann nicht entnervt aufgeben.
Auf Sicht von fünf Jahren hat der Aktienkurs um 60 % zugelegt, trotz üppiger Dividendenausschüttungen. Und wer vor 10 Jahren investiert hat, kann sich über eine Verneunfachung des Aktienkurses freuen.
Ein Abschlag von mehr als 35 % auf den fairen Wert klingt verlockend, aber darin spiegelt sich auch die inzwischen üppige Bewertung von Friederich Vorwerk wider. Die MBB-Aktie ist für Langfristanleger geeignet und idealerweise greifen sie bei einem Kursrücksetzer zu. Danach können sie sich eigentlich entspannt zurücklehnen und die Dinge einfach laufen lassen.
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über MBB wissen muss
- MBB greift selten bei Firmenkäufen zu, schafft dann mit seinen Übernahmen zumeist großen Mehrwert für seine Aktionäre.
- Durch Börsengänge der Konzerntöchter holt sich MBB sein eingesetztes Kapital zurück, während man einen bestimmenden Anteil an der Tochter behält und so weiter an ihrem Erfolg teilhat, während gleichzeitig Geld für weitere Zukäufe generiert wird.
- Der Aktienkurs notiert mit deutlichem Abschlag auf den fairen Wert der Aktie, die sich aus der Sum-of-the-Parts-Ermittlung ergibt. Dies sichert der Kurs nach unten ab.
- Mögliche Kurstreiber sind die Energiewende als Megatrend und Friedrich Vorwerk als führendem Infrastrukturanbieter in diesem Segment. Zudem weitere Firmenzukäufe.
Disclaimer: Habe Delignit, Friedrich Vorwerk, MBB auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Ich hab MBB auch schon eine Weile auf meiner Beobachtungsliste, mich bislang aber nicht getraut. Der Grund sind für mich tatsächlich die Rückkäufe und ausbleibende Neuinvestitionen. Sind die nicht ein Zeichen, dass da was am Plan nicht stimmt - zumal man so das Klumpenrisiko durch zB Vorwerk nicht abbaut. Serial Acquirer wie Lifco sind da wesentlich aktiver - und trotzdem lt. Kursentwicklung sehr erfolgreich.
AntwortenLöschenMoin Thomas,
Löschendoch, der Plan von MBB stimmt. Anstelle hektischer Betriebsamkeit werden nur dann Zukäufe getätigt, wenn sie absolut ins Bild passen, großes Potenzial versprechen und günstig zu bekommen sind. Dem entsprechend selten finden sie statt. Aber Geduld und Disziplin ist leine Ideenlosigkeit und erst recht keine Erfolglosigkeit. Ich hab das Unternehmen seit 2012 auf dem Schirm, als man die Claas Fertigungstechnik übernahm (heute Teil von Aumann). Seitdem hat sich der Umsatz und der Gewinn der MBB vervielfacht und der Aktienkurs ebenfalls. Einer der besten Werte auf dem deutschen Kurszettel überhaupt und eben auch operativ erfolgreich, ohne viel Tamtam.