Freitag, 29. April 2016

Investor-Update: 7C Solarparken, Delignit, MBB, MPC Capital, Western Digital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Earnings-Season führt zu Verwerfungen
Die Unternehmensergebnisse würfeln die Börsenkurse mächtig durcheinander, wer die Erwartungen verfehlt, wird gnadenlos in den Keller geprügelt. Ob Apple, Alphabet, Microsoft, Corning, Western Digital, es gibt keine Gnade. Und die Kehrseite der Medaille sind Kursfeuerwerke bei Übertreffen der Erwartungen, wie bei Facebook, Amazon oder Genworth Financial.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Ergebnisse, dass der starke Dollar belastet und die Nachfrageschwäche aus China und den Schwellenländern sich negativ auswirkt. Da nun der Mai ansteht und damit die beste Zeit für Aktien auf einige Monate saisonal erst einmal vorüber ist, wird das Stock-Picking noch wichtiger, um in einem Gesamtmarkt, der keine großartigen positiven Impulse setzen dürfte, nicht unter die Räder zu kommen.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index gibt spürbar nach
Der Angst-und-Gier-Index hält sich wacker im grünen Bereich, ist aber von 74 auf 63 Punkte gefallen. Die Stimmung trübt sich also ein und weicht gesunder Skepsis, was an sich kein schlechtes Zeichen ist. Realitätssinn schadet auch an der Börse nicht und gerade die Blue Chips sind doch relativ hoch bewertet, was nur dann zu rechtfertigen ist, wenn die Unternehmensgewinne damit Schritt halten. Da dies zuletzt immer seltener der Fall ist, sollten Anleger hier vorsichtiger werden - vielfach werden die Gewinne je Aktie überwiegend durch Financial Engineering bestimmt, also durch die positiven Auswirkungen von Aktienrückkäufen, und das ist alleine keine gesunde Basis für weiter steigende Kurse.

Im Gegenzug finden sich bei den Nebenwerten durchaus noch Perlen, deren Potenzial noch nicht erkannt wurde oder noch nicht ausgeschöpft ist. Ich habe zuletzt schon verstärkt diesem Bereich höher gewichtet und bei Verkäufen der großen Werte eher in die Nischenaktien investiert. Mit teilweise recht beeindruckenden Erfolgen, aber auch nicht immer. Auch bei den kleinen Werten ist man vor Enttäuschungen und bösen Überraschungen nicht gefeit. Deshalb kommt man um eine seriöse Analyse und Bewertung aufgrund der Geschäftsberichte nicht herum. Sofern man nicht Roulette spielen will...



+ 7C Solarparken
Das belgische Unternehmen erstellt und betreibt Solarparks und fokussiert sich hierbei auf Deutschland. Die noch vorhandenen Anlagen im Ausland wurden und werden verkauft. Aufgrund der staatliche festgeschriebenen Einspeisevergütung sind die Erträge gut kalkulierbar und die Renditen sind viel versprechend. 7C Solarparken verfügt noch über freie Ausbauflächen und veräußert einerseits neu erstellte Solarparks, was zumeist einen hohen Gewinn abwirft, und auf der anderen Hand übernehmen sie eigene und zugekaufte Solarparks in den Anlagebestand. Bei den zugekauften werden die Solarmodule ertüchtigt und aufgrund des inzwischen deutlich niedrigeren Zinsniveaus kann die Re- bzw. Anschlussfinanzierung zu erheblich verbesserten Konditionen abgeschlossen werden. Somit gelingt es dem Unternehmen immer wieder, übernommene Solarparks effizienter und gewinnbringender auszurichten. Ich habe die Konsolidierung des Aktienkurses genutzt, und mir ein paar Aktien zu €2,35 ins Depot gelegt.

+ Delignit
Es wird noch etwas dauern, bis der Zulieferer von Holzkomponenten für die Fahrzeug- und Bahnindustrie seine Zahlen zum Geschäftsjahr 2015 präsentiert, aber ich gehe von einem durchweg positiven Geschäftsverlauf aus. Die zunehmende Begeisterung für Elektroautos bringt das Thema Reichweite immer stärker in den Fokus und die Batteriekapazitäten lassen sich nicht ohne weiteres einfach erhöhen - denn sie kosten viel Gewicht. Gewicht, das man durch den Einsatz laubholzbasierter Teile wieder einsparen kann und hier spielt Delignit ganz vorne mit. Mitte Dezember hatte man sich gleich mehrere Serienaufträge aus der Automobil- und der Bahnbranche gesichert und weitere dürften folgen. Ich habe meine Position also zu €3,80 nochmals etwas aufgestockt.

+ MBB
Ganz starke Zahlen hat MBB präsentiert und ich habe das dazu genutzt, meine Position aufzustocken. Die Ergebnisse untermauern zudem die zunehmend konservativ erscheinende Prognose von 300 Mio. EUR Umsatz und €2,00 EPS für das Geschäftsjahr 2016. Darüber hinaus zeigt sich, dass sich die hohen Erwartungen, die mit der Übernahme der Aumann-Gruppe verbunden sind, erfüllen, den MBB-Chef Nesemeier "als vermutlich besten Zukauf" bezeichnete, den MBB jemals getätigt habe. Wenn man sich ein paar Jahre zurück erinnert, gab es damals den Zukauf der Claas Fertigungstechnik, der auf Schlag den Umsatz der MBB-Gruppe verdoppelte und die gewinne überproportional steigerte. Es war bereits nach dem ersten Quartal absehbar, dass die weiteren Quartalszahlen und das Jahresergebnis mit großen Steigerungen verbunden sein würden und der Aktienkurs zog mit den jeweils nach oben angepassten Prognosen immer weiter stark mit. Diese Geschichte könnte sich aufgrund der Aumann-Akquisition in diesem Jahr wiederholen; eine Erhöhung der Jahresprognosen ist nur eine Frage der Zeit. Und der Aktienkurs dürfte über das Jahr gesehen immer wieder davon beflügelt werden und auf neue Hochs vorstoßen.

+ MPC Capital
Nach meinem Einstieg ist der Kurs etwas gefallen und ich habe meine Position zu unter €6 ausgebaut, so dass sie inzwischen eine der fünf größten in meinem Depot ist.

- Western Digital
Der Speicherspezialist hat wieder einmal schlechte Zahlen präsentiert. Nachdem Microsoft schon schwache Windows-Verkäufe aufgrund der Nachfrageschwäche bei PCs gemeldet hatte, habe ich gestern im Vorgriff auf die heutigen Zahlen bei Western Digital die Reißleine gezogen und meine Position zu €40,87 glattgestellt. Die SanDisk-Übernahme wird einiges an Synergien freisetzen, aber das Stammgeschäft von Western Digital bleibt weiter stark unter Druck, ebenso die Flash-Sparte von SanDisk. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich an diesem negativen Umfeld in absehbarer Zeit für Western Digital etwas ändert und werde daher eine Erholung des PC-Marktes und/oder der Verkaufszahlen bei Festplatten und Flash-Speichern abwarten, bevor ich an einen Neueinstieg zu denken wage.

Mein aufgrund des heutigen Kurseinbruchs vergleichsweise hoher Verkaufskurs von €40,87 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass trotz einiger vereinnahmter Dividendenzahlungen dieses Investment das bisher mit Abstand schlechteste meiner Empfehlungen war. Im Nachhinein betrachtet muss ich mir natürlich die Frage stellen, ob ich nicht zu lange daran festgehalten und die sich abzeichnenden Warnzeichen ignoriert oder zu positiv ausgelegt habe. Auf jeden Fall habe ich mit dem Engagement falsch gelegen und unter dem Strich bleibt - bezogen auf meine Erstempfehlung auf der Liste - ein Verlust von 40,7% in gerade mal 7 Monaten.


.: Cashquote
Dank des Verkaufs meiner Western Digital-Aktien haben meine Neukäufe und Aufstockungen meine Liquidität nicht allzu stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass meine Cash-Quote bei knapp unter 15% verharrt. Ich habe noch den einen oder anderen Nebenwert auf der Watchlist und werde demnächst vielleicht nochmals aktiv.

Kommentare:

  1. Guten Morgen Herr Kissig,

    haben sie keine "Angst" bzgl. des evtl. anstehenden Brexits? Sollte man nicht eher seine Cashpolster nun aufbauen und bis zum besagten Juni-Tag warten oder sehen sie dort nicht so eine Gefahr, dass dies stattfindet und die Börsen herunter gehen?

    Vielen Dank im Voraus

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    1. Ein möglicher Brexit würde schon zu Verwerfungen führen und mittelfristig die Konjunktur und die Unternehmen belasten. Allerdings ist die Diskussion darum auch schon "alt", insofern ist schwer abschätzbar, ob die Aktienkurse überhaupt groß reagieren würden. Ich werde jedenfalls nicht mein Depot vollständig leerräumen, denn die Unternehmen - und in diese investiere ich ja, nicht in den Gesamtmarkt - werden auch mit einem Brexit fertig werden und sich anpassen. Sicherlich ist es nicht verkehrt, eine erhöhte Cashquote zu halten, um sich ggf. bietenden Gelegenheiten nicht entgehen lassen zu müssen.

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  2. Hi!
    Besteht nicht die Gefahr, dass WD kurzfristig unterbewertet ist und sich wieder erholt?

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    1. Der Kurs kann sich jederzeit erholen, der ist ja nicht unmittelbar an die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens gekoppelt. Aber nur weil er gefallen ist, heißt das nicht, dass er nicht noch weiter fallen kann (Zitat von Peter Lynch). Und die Perspektiven sehen momentan nicht besonders gut aus für WDC, daher habe ich mich aus dem Wert verabschiedet. Da die Welt auch künftig (und sogar verstärkt) Speichermedien benötigen wird, ist der Markt per se weiter interessant. Ob WDC hier wieder Boden gut machen kann und zu einem der großen Profiteure wird, werden wir in Zukunft sehen. WDC bleibt daher auf meiner Watchlist...

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