Freitag, 12. August 2016

msg life macht mit ihrer Software der Versicherungsbranche das Leben leichter

Die msg life AG ist ein Softwareunternehmen, das hauptsächlich Versicherungen als Kunden hat. Das Unternehmen ging aus der Fusion der einstigen Neuer Markt-Werte FJA und Cor hervor und hat eine schwierige Zeit hinter sich; Ende 2014 notierte die Aktie noch im Penny-Stock-Bereich unterhalb von €1. Seit 2015 läuft der Turnaround samt neuer Ausrichtung und dieser scheint zu gelingen, jedenfalls deuten die bisherigen Entwicklungen darauf hin. Von den für den 17. August angekündigten Halbjahreszahlen erwarte ich mir mindestens eine Bestätigung der im Februar angehobenen Jahresprognosen für das Geschäftsjahr 2016.

Das Zahlenwerk
Die Zahlen für 2015 deuteten den erfolgreichen Turnaround bereits an. Das EBITDA belief sich auf €8,4 Mio. und der Umsatz stieg auf €108 Mio. nach €104,3 Mio. in 2014. Das EBITDA lag nach 9 Monaten bei €4,9 Mio. und so wurde allein im letzten Quartal €3,5 Mio. EBITDA erwirtschaftet.

Die 2016er-Guidance für das EBITDA wurde nach Vorlage der 3-Monatszahlen auf  €10 bis12 Mio. Euro von zuvor 8,5 bis 10,5 Mio. angehoben und schaut man auf das EBITDA im Q4/2015 erscheint selbst dies durchaus noch konservativ. Anstelle vollmundiger Versprechen, wie in der Vergangenheit durchaus öfter platziert, scheint ein zurückhaltend-realistischer Stil getreten zu sein, was zu begrüßen und im Anlegerinteresse ist. Lieber besser als erwartete Zahlen liefern, als zu enttäuschen und zurückrudern zu müssen.

Geschäftsfelder der msg life AG
Die msg life ist der führende Anbieter von Software, Beratung und Cloud-Lösungen für Lebensversicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen. Neben der führenden Marktstellung im deutschen Sprachraum ist die Software von msg life auch weltweit im Einsatz, wo Anwender in mehr als 30 Ländern die msg-Lösungen nutzen, unter anderem auch in den USA und Australien. Die msg life Gruppe mit Hauptsitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart hat Tochtergesellschaften in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Polen, Portugal und den USA beschäftigt weltweit rund 900 Mitarbeiter.

Die Kernkompetenz liegt derzeit im Bereich Lebensversicherungen in Deutschland und der Schweiz, während als neues Standbein Standardsoftware für die Krankenversicherung insbesondere in den USA etabliert wird. In den nächsten Jahren soll der Ausbau des Geschäfts im Bereich Lebensversicherungen im Rest Europas erfolgen und darüber hinaus möchte man sich als Anbieter implementierungsnahen Consultings in Deutschland, der Schweiz und Zentral- und Osteuropa positionieren. Hier konnten zuletzt bereits Erfolge mit UNIQA Asigurari de viata Rumänien und Helvetia Österreich vermeldet werden.

 msg life AG (Quelle: finanzen.net) 
Inzwischen hat man sich in den USA als führender Softwareanbieter für Krankenversicherungen etabliert und in der DACH Region ist man führend bei Lebensversicherungen. Im letzten Jahr konnten mit der Heidelberer Leben und dem US-Versicherer Prudential, für den eine Angebots- und Auftragsplattform im Lebensversicherungsgeschäft eingerichtet werden soll, zwei große Kunden gewonnen werden. Alleine der Prudential-Deal hat einen Auftragswert von rund $5 Mio.

Interessant und potenzialträchtig ist auch die seit mehr als 5 Jahren bestehende erfolgreiche Partnerschaft mit IBM, insbesondere die enge Zusammenarbeit mit dem IBM Kompetenzzentrum in Ehningen. IBM setzt mit "Watson" und seiner Sparte Künstliche Intelligenz zunehmend auf den Bereich der Krankenversorgung.

Ausblick
Das Thema Digitalisierung wird von msg life konsequent vorangetrieben. So hat man 2015 zum einen die Komponente für die Versicherungsmathematik als eine der letzten großen Komponenten auf die moderne JEE Technologie gehoben (“JEE Mathematik”) und die Entwicklung der msg.CuSS Komponente vorgestellt (CuSS = Customer Self Service), mit deren Hilfe Kunden umfangreiche Prozesse selbst steuern und abwickeln können, wie u.a. Anpassungen laufender Verträge oder den Rückkauf von Policen. In diesem neuen Geschäftsfeld wird im Herbst ein erster Vertriebserfolg erwartet, für den eine mündliche Zusage bereits vorliegen soll.

Dividendenausschüttungen kein vordringliches Ziel
Das Management möchte die bestehenden Verlustvorträge bestmöglich nutzen und geht davon aus, dass msg life erst in 2 bis 3 Jahren die Dividendenfähigkeit erreichen wird. Diese Ankündigung gab es in gleicher Form allerdings auch schon auf der Hauptversammlung 2014 und man erkennt daran, dass man das Unternehmen überhaupt nicht als Dividendenwert positionieren will, sondern eher als Wachstumswert. Die Zahlung einer Dividende ist und wird also kein primäres Unternehmensziel.

Meine Einschätzung
Die Versicherungsbranche steht massiv im Gegenwind und gerade erst hat die BaFin vor der sich zuspitzenden Lage bei deutschen Lebensversicherern gewarnt. Aber der Druck steigt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Auf der einen Seite schmälern die historisch niedrigen Zinsen die Erträge und auf der anderen Seite werden die Menschen immer Älter, was sowohl bei den Krankenkosten als auch bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen zu immer größeren Problemen führt. Darüber hinaus werden die Regularien stetig strenger, so der Ausweis der wirklich anfallenden Vertriebskosten. Der Druck, Kosten zu sparen, nimmt gewaltig zu und daher wird überall der Rotstift angesetzt, auch beim Personal bzw. dem Außendienst. So will alleine Ergo 2.400 Vollzeitstellen streichen, Personalabbau wurde aber auch von HDI, Talanx, oder Signal Iduna angekündigt. Ergo will im Gegenzug nicht nur eine reine Online-Versicherung an den Markt bringen, sondern auch €1 Mrd. in die Hand nehmen, um "die veraltete Verwaltung und IT auf Vordermann zu bringen". Der Trend zur Digitalisierung in der Finanzbranche eröffnet msg life und anderen einen riesigen Markt und die msg life AG sollte zu den großen Profiteuren gehören.

Ich habe mir daher einige Aktien gegönnt, nachdem der Kurs vom Jahreshoch bei €2,70 wieder auf rund €2,20 zurückgekommen ist, und ich nehme sie auf meine Empfehlungsliste. Auch bei msg life gilt, dass es sich um einen marktengen Nebenwert handelt, der sich (noch) in einer Turnaroundsituation befindet. Ob dieser Turnaround wirklich gelingt, muss sich erst noch beweisen - auch wenn die Zeichen darauf hindeuten. Ein Engagement in Aktien der msg life AG ist eine Turnaround-Spekulation für geduldige Anleger, kein Value Investment im klassischen Sinn. Die Risiken sind entsprechend höher, die Chancen im Erfolgsfall ebenso.

Kommentare:

  1. Ich finde den Kommentar bestens. MSG life habe ich in meinem Depot und liege auch gut im Soll. Allerdings hatte ich mir mit FJH die Finger verbrannt. Das neue Management scheint "gelernt" zu haben. Früher gab es oft positive Aussagen und dann kamen Nackenschläge. Das hat sich geändert.

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    1. Da war ich wohl etwas zu naiv. Die Nachricht von heute, ein
      freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot für alle Aktien der msg life ag
      abgeben zu wollen, wobei den Aktionären nur der gesetzlich vorgeschriebene
      Mindestpreis angeboten werden soll, passt ins Profil dieser Herren im Nadelstreifenanzug.

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    2. Ja, das sorgt für Verunsicherung. Ich denke aber, die Hauptaktionärin will den Kurs drücken, um möglichst viele Stücke abgreifen zu können. Ich schätze den perspektivischen Wert der msg life-Aktien eher bei €4 als bei €2 ein. Habe zu der Situation einen ausführlichen Artikel verfasst: "msg life AG: Übernahmeangebot, Delisting - lasst die Spiele beginnen!".

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  2. Hallo Herr Kissig,

    zum Punkt "Dividende" habe ich eine Frage. Bevor eine Dividende gezahlt werden kann, muss erst der Verlustvortrag ausgeglichen werden, damit ein positiver Bilanzgewinn vorliegt. Wie verhält es sich aber z.B. mit der WCM AG? Diese besitzt ja bekanntlich einen attraktiven Verlustvortrag, möchte aber dieses Jahr eine Dividende zahlen. Schonmal vielen Dank für die Antwort!

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    1. Das ist so nicht ganz richtig. Eine Dividende kann gezahlt werden, wenn in dem betreffenden Jahr ein Gewinn erzielt wurde (oder aber es Gewinnvorträge gibt). Wird im Geschäftsjahr ein Jahresfehlbetrag ausgewiesen, ist die Dividendenfähigkeit nicht gegeben. Verlustvorträge sind nicht zwangsläufig dividendenausschließend - ich meinte mit meiner Formulierung, dass es Verlustvorträge gäbe und dass das Management Dividendenzahlungen nicht als vordringlich erstrebenswert ansieht.

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