Mittwoch, 12. Oktober 2016

Wird Apple-Zulieferer Foxconn neuer Großaktionär bei S&T?

Der Linzer Technologiekonzern S&T AG legt eine ungeheure Geschwindigkeit an den Tag auf dem Weg zu einem Unternehmen mit einer Milliarde Euro Umsatz. Nachdem man kürzlich in den TecDAX aufgenommen wurde, was erklärtes Zwischenziel des (noch?) Großaktionärs und CEO Hannes Niederhauser war, kam man heute mit einer Hammer-Meldung um die Ecke:

"Der Vorstand der S&T AG teilt hiermit mit, dass er sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Ennoconn Corporation bezüglich des Einstieges der Ennoconn Corporation bei der S&T AG im Zuge einer 10%igen Barkapitalerhöhung befindet. Die Kapitalerhöhung soll aus genehmigten Kapital erfolgen. Damit würde das Grundkapital der S&T AG gegen Bareinlagen von EUR 43.916.204 um EUR 4.383.620 auf EUR 48.299.824 erhöht werden. Der Ausgabepreis der neuen Aktien wird sich am Börsenkurs der letzten 10 Tage orientieren. Das Bezugsrecht der Aktionäre soll ausgeschlossen und die neuen Aktien durch Gesellschaften der taiwanesischen Ennoconn Corporation-Gruppe gezeichnet werden. Die Durchführung der Kapitalerhöhung wird unter der aufschiebenden Bedingung der Freigabe durch die österreichische Übernahmekommission stehen.

Der Mittelzufluss aus der Barkapitalerhöhung soll zum Erwerb einer Beteiligung von bis zu 29,9% an der Kontron AG, Augsburg, verwendet werden. Der Vorstand der S&T AG teilt dazu mit, dass er mit Aktionären der Kontron AG in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Erwerb von insgesamt bis zu 29,9% der Aktien der Kontron AG steht.

Neben der Beteiligung über die 10%ige-Barkapitalerhöhung plant die Ennoconn Corporation laut der S&T AG vorliegenden Informationen zugleich, durch weitere Aktienkäufe von Großaktionären die Beteiligung an der S&T AG vorbehaltlich der kartellrechtlichen Freigabe auf 29,4% zu erhöhen.

Die Ennoconn Corporation ist ein Hersteller von "Embedded Industrial Computersystemen" und ein Tochterunternehmen des weltweit größten Elektronikherstellers Hon Hai Precision Industry Co., Ltd., der unter der Marke Foxconn als Produzent der Apple iPhones bekannt ist. Die Beteiligung der Foxconn Gruppe an der S&T AG einerseits und der S&T AG an der Kontron AG andererseits würden der S&T Gruppe im Zuge einer strategischen Zusammenarbeit wesentliche Synergien ermöglichen: die Foxconn Gruppe verfügt in den Bereichen Embedded Computersysteme und Datenfunk als weltweit führender Hersteller über effiziente Entwicklungs- und Produktionskapazitäten, Kontron als ehemaliger Marktführer im Embedded-Computer-Segment über eine breite Kundenbasis. Gemeinsam mit den starken Software-Engineering-Ressourcen von S&T würde man im Marktsegment "Internet-of-Things" bzw. Industrie 4.0 eine global führende Rolle einnehmen."

Nicht nur, dass S&T bei der Kontron AG einsteigen will, deren Chef Hannes Niederhauser früher einmal war, als Kontron noch erfolgreich am Markt operierte. Über einen solchen Einstieg war bereits länger spekuliert worden, nachdem Niederhäuser öffentlich verkündete, S&T wolle sein Geschäft im Bereich Embedded Compuing weiter ausbauen. Diese eingebetteten Computersysteme vernetzten andere installierte Geräte und machen damit deren Abläufe effizienter. Diese elektronischen Gehirne werden u.a. in der Energietechnik eingesetzt, in der Medizintechnik und im Maschinenbau, man findet sie in der Steuerung von Spielautomaten, Geldkartenterminals oder Bahnticketgeräten. Künftig wird S&T hier zu einem integrierten Hard- und Softwarekonzern heranwachsen, bei dem etwa die Software-Sicherheitslösungen von S&T mit der Kontron-Hardware kombiniert werden können. Die Vernetzung von Geräten ist einer der Megatrends unserer Zeit, des "Internets of Things" bzw. der "Industrie 4.0", wie diese Schlagworte so schön heißen.

Durch die angekündigten Kapitalverflechtungen sichert S&T sich einen Zugang zur günstigen Foxconn-Fertigung. Denn noch interessanter als die Kontron-Beteiligung von S&T ist der Einstieg des taiwanesischen Elektronik-Giganten Hon Hai bei S&T, zu dem auch Foxconn gehört, ein Auftragsfertiger für große Tech-Konzerne wie Samsung oder Apple. Und dessen Tochter Ennoconn steigt nun mit zunächst 10% bei S&T ein und möchte diesen Anteil auf 29,4% ausbauen.

 S&T AG (Quelle: finanzen.net) 
Wie die genauen Kapitalverflechtungen am Ende des Prozesses gestaltet sein werden und welcher Konzern am wem welchen Anteil hält, ist noch in der Schwebe. Auch, welche "Aktienpakete von Großaktionären" Foxconn noch erwerben will. Es scheint kaum vorstellbar, dass Niederhauser selbst seinen Aktienanteil von 4,95% komplett abgeben wird, aber vielleicht der umtriebige österreichische Unternehmer Erhard Grossnigg (seine Grosso Holding hält knapp 14% an S&T). Mit diesem verbindet S&T eine erfolgreiche Zeit; gerade wurde erst gemeinsam das Geschäft der Raiffeisen Informatik übernommen.

Der Aktienkurs hat zunächst verschnupft auf die Ankündigung reagiert, weil einige Aktionäre wohl den Einstieg bei Kontron, einem chronisch defizitären Unternehmen, missbilligen. Andererseits birgt die Konstellation mit Foxconn einiges an Potenzial, denn Foxconn war im Januar bereits bei der Kontron Kanada eingestiegen. Und die Taiwanesen haben einen langem Atem, wenn es ums Geschäft geht, sie setzen weniger auf schnelle Gewinne, als vielmehr auf Zukunftstechnologien und Wachstum.

Meine Einschätzung
Auch wenn noch vieles unklar ist, erscheint diese Meldung aus Sicht der S&T-Aktionäre zusätzliches Potenzial zu bieten für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Mit Foxconn steht S&T künftig ein Partner zur Seite, der wohl eher weitere Anteile zukaufen wird und das bietet langfristig auch eine gesicherte Perspektive, sollte sich CEO und Großaktionäre Hannes Niederhauser irgendwann einmal von seinem Anteil trennen wollen. Dann stünde ggf. sogar eine Komplettübernahme der S&T durch die Taiwanesen auf der Agenda. Aber soweit will ich gar nicht vorausschauen. Dass Kontron die S&T-Zahlen zunächst einmal auf kurze Sicht und vermutlich einmalig belasten wird, sollte in Kauf genommen werden, denn entscheidend sind die Synergien und die strategischen Perspektiven, die sich aus der neuen Dreierkonstellation ergeben. Auch und gerade für langfristig orientierte Anleger bietet der Kurseinbruch bei S&T eine hervorragende Chance, sich noch einmal günstig aufzumunitionieren.

S&T befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Ich habe heute die Chance genutzt und zu knapp über €9 meinen Bestand nochmals aufgestockt, so dass S&T nun zu den 5 größten Werten in meinem Portfolio zählt.


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ERGÄNZUNG VOM 13.10.2016
Grossnigg wird seinen Anteil von fast 14% abtreten und Niederhauser sich verpflichtet hat, mindestens noch ein Jahr bei S&T an Bord zu bleiben - wie bisher ohne Gehalt.

Des Weiteren wurden weitere Details zu dem Deal bekannt, wie das Wirtschaftsblatt berichtet. Der Mittelzufluss aus der Kapitalerhöhung (Foxconn zeichnet 10% neue S&T-Aktien zu €10,03) wird unmittelbar für ein Investment in die deutsche Kontron AG verwendet. S&T hat hierzu mit den Finanzinvestoren Warburg Pincus und Triton Partners Verträge zum Erwerb von 29,9% der Aktien der Kontron unterzeichnet. 5,1% der Aktien werden durch die deutsche S&T-Tochtergesellschaft S&T Deutschland Holding AG ohne weitere Bedingung erworben, während weitere 24,8% unter der aufschiebenden Bedingung der kartellrechtlichen Genehmigungen gekauft wurden. Der Gesamtkaufpreis der Transaktion beläuft sich auf rund €59,9 Millionen. Der Kauf weiterer Kontron-Aktien oder die Abgabe eines Übernahmeangebots sind nicht geplant.


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ERGÄNZUNG VOM 14.10.2016
Im Zuge des Einstiegs von Ennocon bei S&T wird sich CEO Hannes Niederhauser auch von 40% seiner 4,97-Prozent Beteiligung trennen, so dass er anschließend noch gut 3% an S&T halten wird. Des Weiteren äußerte er sich zur Kontron dergestalt, dass eine Komplettübernahme von Kontron durch S&T angedacht sei, sobald Kontron wieder profitabel arbeite. (QUELLE)

Kommentare:

  1. Ich war auch zunächst negativ überrascht über die Kontronmeldung. Die Gerüchte im Sommer habe ich damals gleich wieder verdrängt. Aber je länger ich über die Chancen der Entwicklung mit Foxconn nachgedacht habe, desto interessanter wurde das Geschäft. Daher habe ich mir auch ein paar zusätzliche S&T-Aktien gegönnt und werde mir mal ansehen, wie sich das so entwickelt.

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    1. Da Niederhauser schon wieder S&T-Aktien kauft und sich der Vorstand der Kontron AG auch mit Kontron-Aktien eindeckt, sollte nachher keiner sagen, er hätte es nicht sehen können. Kurzfristige Irritationen sollte man als Langfristanleger nicht zu ernst nehmen, sondern sich auf die mittlere und lange Sicht fokussieren.

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