Samstag, 17. Januar 2026

Wochenrückblick 03/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren RocketLab, Comfort Systems, Quanta Services, Amphenol - und Depotneuzugang Pfisterer Holding

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung...


Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 RocketLab +13,7 %
📈 Comfort Systems +11,2 %
📈 Quanta Services +10,8 %
📈 Amphenol +10,5 %
📈 Costco +4,5 %
📈 TransDigm +4,5 %
📉 Pfisterer Holding -9,6 %

Es war eine weitere seeeehr erfreuliche Börsenwoche, die den Börsen und meinem Depot einen sattgrünen Push verschaffte. Die Politik und Trumps Agieren oder Nichtagieren bestimmen weiterhin das Geschehen. Im Iran machte der Don große Ankündigungen, er werde das Volk beschützen und gegen das Mullah-Regime vorgehen - aber nachdem (angeblich) auf Hinrichtungen verzichtet wurde, machte Trump öffentlich einen Rückzieher. Da die USA ihren einzigen Flugzeugträger, der noch in der Region war, wegen der von Trump mit Maduros Verhaftung selbst geschaffenen Venezuela-Situation in den Atlantik beordert worden war, standen stehen Trump gar keine wirkungsvollen Truppen für einen Militärschlag zur Verfügung. Die Rückverlegung der Trägergruppe USS Abraham Lincoln in den Nahen Osten wird etwas eine Woche benötigen und mindestens so lange ist Trump handlungsunfähig. Und darüber hinaus? Die USA haben keine Strategie für den Iran. Wenn das Mullah-Regime stürzen würde, wäre nicht klar, was darauf folgt. Vielleicht ein weiterer gescheiterter Staat wie in Somalia oder Libyen? Das wäre für die USA und die ganze Region ein Alptraum-Szenario. Auch deshalb dürften Saudi Arabien und Israel bei Trump vorstellig geworden sein mit der Bitte, von Bombardierungen Irans abzusehen. Und beide sind ja eigentlich die natürlichen Feinde bzw. Gegenspieler Irans.

Parallel dazu kocht die Grönland-Frage weiter hoch und die fortgesetzten Annektierungsbekundungen seitens Trumps stoßen auf immer mehr unverhohlene Ablehnung bei seinen einstigen Verbündeten. Wenn das NATO-Land USA gegen das NATO-Land Dänemark, zu dem Grönland ja gehört, auch wenn es autonom ist, vorgeht, wäre die NATO-Beistandspflicht natürlich ad absudrum geführt. EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen erklärte öffentlich, dass auch die EU eine eigene Beistandspflicht habe. Grönland als Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs Dänemark falle grundsätzlich unter die Klausel der gegenseitigen Solidarität nach Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags.

Das Undenkbare wird denkbar: ein bewaffneter militärischer Konflikt der USA gegen die EU. Soweit ist es natürlich noch nicht, aber alleine dass dieses Szenario nicht mehr völlig abwegig ist, ist erschreckend. Und wir dazu führen, dass die ohnehin ihre Verteidigungsausgaben massiv hochfahrenden EU-NATO-Mitglieder künftig noch sehr viel stärker darauf achten werden, weniger US-Rüstungsgüter zu kaufen, sondern auf eigene Waffensysteme zu setzen. Denn im Konfliktfall mit der zweitältesten Waffengeneration gegen eine Übermacht antreten zu müssen, ist keine attraktive Option. Airbus, Rheinmetall, KNDS, Leonardo, Thales, Saab usw. dürften also noch mehr Zulauf bekommen. Und passend dazu hat sich die Regierung gerade auf ein neues Gesetz verständigt, wonach die Produktion von Waffen und Munition in Deutschland Vorrang erhält und bei Dringlichkeit auf Ausschreibungen verzichtet werden kann, da die Produktion von Waffen, Munition und Kriegsmaterial auf dem Bundesgebiet ein "wesentliches Sicherheitsinteresse" darstelle. Bei Dringlichkeit kann daher ganz auf Ausschreibungen verzichtet und größere Aufträge müssen nicht mehr in kleinen Ausschreibungen aufgeteilt werden. Zudem sollen Vergabebeschwerden vor Gericht keine aufschiebende Wirkung mehr haben. Europas Rüstungsindustrie und vor allem Rheinmetall steht damit vor goldenen Zeiten. Das ist für mich als Aktionär erfreulich, grundsätzlich allerdings eine betrübliche Aussicht.

Losgelöst von der Weltpolitik zeigten die Börsen "irritierende" Entwicklungen. Es ist diese Tage von einer großen Rotation zu lesen aus Technologiewerten raus und in Industrie- und Immobilienwerte hinein. Passend dazu hat der Russell 2000 Index den S&P 500 in elf aufeinanderfolgenden Sitzungen deutlich ausgestochen und das stellt die längste Erfolgsstrecke da, seit einer Serie von 13 Sitzungen im Juni 2008. Die Liquidität hingegen läuft (bereits wieder) in die andere Richtung, denn Anleger greifen vor allem bei Technologieaktien in immer höherem Tempo zu. So verzeichnete der Kommunikationsdienstleistungssektor  letzte Woche einen Rekordzufluss von 2,2 Mrd. USD, während Industrieunternehmen mit einem Abfluss von 1,5 Mrd. USD den größten Rückgang seit 2018 zu verkraften hatten. Zudem zogen Anleger 1,3 Mrd. USD aus Finanzwerten ab und damit die achte Woche in Folge. Unterm Strich nahmen Anleger letzte Woche 2,2 Mrd. USD vom Tisch und zwar in allen Bereichen - außer bei BigTech - und natürlich den KI-Playern. Die Liquidität macht die Kurse.
"Nicht die Unternehmensgewinne beeinflussen den Gesamtmarkt, es sind die Notenbanken. Und deshalb konzentriere ich mich auf die Zentralbanken und auf die Entwicklung der Liquidität, während die meisten Leute auf die Gewinne und konventionelle Kennzahlen blicken. Aber es ist die Liquidität, die die Märkte bewegt."

Der Fear-and-Greed-Index ist von 51 auf 62 Punkte weiter angestiegen und behauptet sich damit souverän im "Gier-Territorium".


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche weiter deutlich zulegen konnte. Ich habe kürzlich meinen Jahresrück- und -ausblick veröffentlicht, in dem ich die allgemeinen Entwicklungen aufgegriffen habe. Die spiegeln sich auch überwiegend in meiner Depotaufstellung wider; in meinem Investor-Update zum 4. Quartal 2025 bin ich detailliert auf meine größten Depotposition eingegangen und was hinter den Veränderungen bzw. der neuen Gewichtung steckt.
Rocket Lab schoss erneut den Vogel ab und markierte weitere Allzeithochs. die Bewertung ist inzwischen extrem abgespaced und mit den aktuellen Geschäftsergebnissen kaum noch in Einklang zu bringen. Aber das ist die Momentaufnahme. Aktuell laufen die Tests für den ersten Start der neuen und viel größeren Neutron-Rakete, der noch im ersten Quartal über die Bühne gehen soll. In 2025 hat sich die Zahle der Elektron-Starts deutlich erhöht und auch der Auftragseingang ist geradezu explodiert. Kann die Neutron-Rakete an die Erfolge anknüpfen und das mit der wesentlich höheren Nutzlast, erschließt sich für Rocket Lab damit eine noch viel größeres Potenzial - und dann wachsen die Umsätze und Gewinne auch in die heutige Bewertung hinein. Es ist also reichlich Zukunftsfantasie eingepreist und der Kurs dürfte sich auch in diesem Jahr sehr schwankungsanfällig zeigen. Meine wohl spekulativste Depotbeimischung. Diese Rolle hat Rocket Lab inzwischen von Almonty Industries übernommen, wo ich vor knapp 13 Monaten eingestiegen bin und seitdem 750 % Kurszuwachs zu verbuchen sind. Nachdem die Sangdong-Mine endlich die Produktion aufgenommen hat, wird sich der Blick künftig (und endlich) auf die Produktionsergebnisse und Geschäftszahlen richten und nicht mehr nur einseitig spekulationsgetrieben dastehen. Aus meiner Turnaround-Spekulation wird dann ein richtiges Investment - soweit man bei einem Rohstoffexplorer überhaupt von einem Investment sprechen kann...
"Investiere niemals, niemals in die Gegenwart! Es spielt keine Rolle was ein Unternehmen verdient oder was es verdient hat. Stell dir die Situation in 18 Monaten vor, denn was immer dann sein wird, dort wird der Kurs sein, nicht da, wo er heute ist. Du musst in die Zukunft schauen, denn wenn du in die Gegenwart investierst, kommst du unter die Räder."
(Stanley Druckenmiller)
Sehr überzeugend stehen erneut die KI-Schaufelverkäufer da und haben ihre kurzzeitige Kursschwächephase überwunden. Amphenol, Comfort Systems und Quanta Services haben allesamt zweistellige Zuwächse zu verbuchen und dann habe mich noch zu einem ergänzenden Neuengagement entschieden.

Die Pfisterer Holding ging erst im Mai 2025 an die Börse und weiß (nicht erst) seitdem zu überzeugen. Die Schwaben stellen Bauteile und Systeme für Stromnetze und andere Wege der Energieübertragung her und präsentieren sich damit als einer der großen Profiteure beim Ausbau der Strominfrastruktur. Pfisterer bietet Lösungen von der Erzeugung und der Übertragung bis zur Verteilung elektrischer Energie und zwar zu Land, zu Wasser und in der Luft. Dabei deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab und positioniert sich als unabhängiger Anbieter für Netzbetreiber, Energieversorger und Kabelhersteller.

Ich greife ja nie äußerst selten bei Börsengängen zu, weil ich lieber erstmal die Entwicklung des Unternehmens beobachte und ein paar Geschäftszahlen. Beim IPO wird oft zu farbenfroh gemalt und mit dem Rosarot heftig übertrieben - die Ernüchterung folgt nicht selten und dann erfolgt eine Erdung. Bei Pfisterer ist bisher kaum etwas an den Ergebnissen auszusetzen und der Kurs hat entsprechend kräftig zugelegt. Nun gab es eine deutliche Schwächephase, die wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass erste Haltefristen für Altaktionäre ausgelaufen sind und dem entsprechend einige von ihnen Kasse gemacht haben. 
Des einen Leid ist des anderen Freud und so habe ich die Chance genutzt und habe mich bei Pfisterer eingekauft. Das fette Wochenminus der Aktie hat sich also nicht in meinem Depot niedergeschlagen, denn dort liegt die Position zum Start erfreuliche 3,5 % im Plus. Da ich allerdings voll investiert war, musste ich woanders Geld freischaufeln - und so habe ich Positionen aus dem gleichen Sektor gekürzt. Da Pfisterer zu den "KI-Schaufelverkäufern" bzw. zur "Energie-Infrastruktur" und so habe ich die Gewichtungen bei Amphenol, Comfort Systems, Quanta Services leicht reduziert, um Pfisterer als Ergänzung (mit einer kleinen Anfangsposition) aufnehmen zu können.

Interessant fand ich Pfisterer schon länger, aber zugegriffen habe ich jetzt eher "spontan", weil der Kurseinbruch eine gute Gelegenheit dazu bot. Ich habe also mit einer kleineren Position einen Fuß in die Tür gestellt, um ein (noch) besseres Gefühl für das Unternehmen zu bekommen. Denn "Skin in the Game" macht durchaus einen Unterschied! Ich nehme Entwicklungen und News zu dem Unternehmen und seiner Branche intensiver wahr, wenn ich investiert bin. Das führt aber auch dazu, dass ich hier auch Positionen kaufe, von denen ich (noch) nicht zu 100 % überzeugt bin. Und das kann dazu führen, dass ich die Position auch wieder glattstelle - wegen der Entwicklung des Unternehmens selbst oder aber, weil ich woanders eine vermeintlich noch attraktivere Gelegenheit gefunden habe, für die ich dann wieder Kapital benötige. Bei diesen spekulativeren Neuinvestments habe ich also einen höheren Depotumschlag als bei meinen hoch gewichteten Kerninvestments.
Ein solches Neuinvestment, allerdings vom Start weg schon höher gewichtet, ist TransDigm. Den Serial Acquirer habe ich euch ja letzte Woche kurz vorgestellt und werde meinen Investmentcase noch ausführlich(er) darlegen. TransDigm ist als Zulieferer im Bereich Luft- und Raumfahrt tätig, wird aber eher wie ein Private Equity-Unternehmen geführt. Und nun wird man Jet Parts Engineering und Victor Sierra Aviation Holdings von Vance Street Capital für insgesamt rund 2,2 Mrd. USD in bar erwerben. Jet Parts Engineering entwickelt und produziert Aftermarket-Lösungen für die Luft- und Raumfahrt, vor allem proprietäre OEM-Ersatzteile und Reparaturen, und bedient Kunden aus dem Bereich der kommerziellen, regionalen und Frachtfluggesellschaften sowie Anbieter von Wartungs-, Reparatur- und Überholungsdienstleistungen. Nahezu der gesamte Umsatz von JPE stammt aus dem kommerziellen Aftermarket. Victor Sierra Aviation entwickelt, produziert und vertreibt proprietäre PMA- und andere Aftermarket-Teile für den kommerziellen Luftfahrtmarkt, vor allem für die allgemeine Luftfahrt und die Geschäftsluftfahrt. Nahezu der gesamte Umsatz von VSA stammt aus dem kommerziellen Aftermarket. TransDigm-CEO Mike Lisman erklärte hierzu: "Die hochtechnisierten, proprietären OEM-Ersatzteile und Dienstleistungen beider Unternehmen generieren fast 100 % der Einnahmen im kommerziellen Aftermarket", daher passen beide Unternehmen hervorragend ins Angebotsportfolio von TransDigm; zusammen erzielten sie in 2025 einen Umsatz von rund 280 Mio. USD. Läuft... ツ


Mein Vermögen hatte am ersten Januartag schon mal um +1,0 % zugelegt und auch in den beiden ersten vollen Handelswochen des Jahres weiter kräftig Gas gegeben. Im Jahr 2025 hatte mein Vermögen insgesamt um +7,5 % zugelegt und nach acht Tagen für 2026 konnte ich bereits dasselbe Ergebnis verbuchen. Aber das ist nur eine kurzfristige Momentaufnahme mit wenig bis null Aussagekraft, denn die hohe Volatilität der Märkte und die noch höhere Unsicherheit (auch, aber nicht nur durch Trumps Aktionismus) werden für deutliche Schwankungen sorgen - in beide Richtungen. Für den Moment freue ich mich jedenfalls über einen positiven Jahresstart mit einem weiteren Wochenplus von +2,5 %. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +10,0 % (YTD).

Die von Trump bewusst lancierte Dollarschwäche belastet US-Werte auf Euro-Basis im Jahr 2025 mit rund 12 %. Ich gehe davon aus, dass diese Tendenz auch in 2026 anhalten wird, wenngleich nicht derselben Größenordnung. Da ich einen hohen Anteil an US-Werten im Depot halte (rund 75 %), wirkt sich die Dollarschwäche natürlich entsprechend negativ auf meine Performance aus.

Mein Investor-Update zu Q4/2025 - brandneu und in Farbe!

Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15 % pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20 %, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20 % pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10 % pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position. Mein Weltraumabenteuer Rocket Lab gehört definitiv in diese Kategorie. Selbst wenn ich als jahrzehntelanger Fan von Star Wars und Star Trek hier durchaus Insiderwissen habe... ツ
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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