Freitag, 16. Januar 2026

Kissigs Nebenwerte-Analyse zu Dermapharm: Küssen Insiderkäufe jetzt auch den Kurs wieder wach?

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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 02/2026 vom 15.01.2026

Aktien in dieser Ausgabe: Dermapharm, Innoscripta, Kontron

Dermapharm: Küssen Insiderkäufe jetzt auch den Kurs wieder wach?

Nachdem der Corona-Boom den Aktienkurs von Dermapharm Ende 2021 bis auf luftige 90 Euro katapultiert hatte, sorgte der anschließende Rückgang für Ernüchterung. Seit zwei Jahren schwankt er bereits zwischen 30 und 40 Euro und ist an jedem Ausbruchsversuch gescheitert. In den letzten Wochen gab es verstärkt Insiderkäufe – und einen satten Kursanstieg. Geht da noch mehr?

Die Dermapharm Holding SE ist ein börsennotiertes Pharmaunternehmen mit Sitz in Grünwald bei München, das sich auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von pharmazeutischen Produkten, insbesondere Markenarzneimitteln, spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 1991 von Wilhelm Beier gegründet und hat sich seitdem von einem regional agierenden Mittelständler zu einer bedeutenden Größe im europäischen Gesundheitsmarkt entwickelt. In Deutschland gehört Dermapharm zu den größten Herstellern von rezeptpflichtigen dermatologischen Arzneimitteln und Vitaminen; weltweit verfügt der Konzern über mehr als 1.300 Zulassungen und über 390 aktive Wirkstoffe in seinem Portfolio.

Dermapharm ist als Europäische Aktiengesellschaft (SE) organisiert und an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Das Unternehmen operiert in mehreren Segmenten, deckt die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung bis zur Vermarktung ab und besitzt ein stark integriertes Geschäftsmodell, das Herstellung, Marketing und Vertrieb umfasst.

Der Konzern ist in mehreren europäischen Ländern tätig, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, Schweiz und weitere Märkte, was ihm eine breite geografische Präsenz verschafft.

Fünf Säulen als solides Fundament

Das Geschäftsmodell von Dermapharm basiert auf fünf miteinander verzahnten Kernbereichen:

1. Branded Pharmaceuticals (Markenarzneimittel): Im Zentrum des Geschäfts steht die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Markenarzneimitteln, die in verschiedenen therapeutischen Bereichen eingesetzt werden. Diese erscheinen häufig unter eigenen Marken und decken ein breites Spektrum ab, einschließlich dermatologischer Produkte, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel, Allergologika und weiteren verschreibungspflichtigen Präparaten. Der Vorteil des Markenkonzepts liegt darin, dass Dermapharm nicht nur Generika oder Standardprodukte anbietet, sondern Arzneimittel mit hohem Differenzierungsgrad, für die oft stabile Nachfrage besteht und die wertschöpfender sind als reine Generikaprodukte.

Dermapharm verfolgt eine aktive Akquisitionsstrategie, ergänzt durch interne Produktentwicklung, um sein Produktportfolio kontinuierlich zu erweitern. Durch die Übernahmen von Unternehmen und Portfolioerweiterungen hat Dermapharm seine Position in Kernmärkten deutlich ausgebaut und verfügt über ein diversifiziertes Set an zugelassenen Präparaten.

2. Parallelimportgeschäft (axicorp): Ein weiteres wichtiges Element ist das Parallelimportgeschäft, das unter der Marke axicorp betrieben wird. In diesem Segment nutzt Dermapharm die unterschiedlichen Preisstrukturen für Arzneimittel innerhalb der EU, indem originäre pharmazeutische Produkte aus Ländern mit niedrigerem Preisniveau importiert und in Deutschland vertrieben werden. Dieses Modell basiert auf den Rahmenbedingungen der EU-Binnenmarktregeln sowie den Vorgaben des deutschen Sozialgesetzbuchs. Dermapharm gehört mit axicorp zu den größten Parallelimporteuren in Deutschland und kann von Preisunterschieden profitieren, wodurch Kosteneinsparungen für das Gesundheitssystem realisiert werden.

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung hat Dermapharm die Portfoliozusammensetzung im Parallelimportgeschäft verstärkt auf margenstärkere Produkte ausgerichtet und schrittweise weniger profitable Segmente reduziert, um die Ertragskraft dieses Bereichs zu verbessern.

3. Other Healthcare Products: Ergänzend zu den klassischen Arzneimitteln vertreibt Dermapharm auch "other healthcare products", darunter Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Arzneimittel, Kosmetika und medizinische Produkte. Ein zentraler Bestandteil dieses Segments war die Übernahme der Arkopharma Group, einem französischen Hersteller pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel, die wesentlich zum Ausbau der internationalen Präsenz beiträgt.

Durch Arkopharma besitzt Dermapharm starke Marken und etablierten Zugang zu Märkten in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Belgien und der Schweiz.

4. Integrierte Wertschöpfungskette: Ein wesentliches Merkmal des Geschäftsmodells ist die Integration entlang der gesamten Wertschöpfungskette. So entwickelt Dermapharm viele der eigenen Produkte selbst, produziert den Großteil der Präparate in eigenen oder kontrollierten Produktionsstätten und vertreibt diese über ein eigenes Netzwerk. Dies schafft Kontrolle über Qualität, Lieferketten und Markteinführungsprozesse. Inzwischen werden rund 90 % aller Produkte in Eigenfertigung hergestellt.

5. Internationalisierung und Diversifikation: Neben der starken Position im deutschen Kernmarkt treibt Dermapharm die internationale Expansion voran. Durch Beteiligungen in mehreren Ländern, darunter Spanien (Euromed S.A.) und Frankreich (Arkopharma), und durch ein breites Vertriebsnetzwerk deckt das Unternehmen heute weite Teile Europas ab. Die internationale Diversifikation reduziert zugleich regionale Abhängigkeiten und ermöglicht Wachstum in dynamischen Märkten.

Stabile Geschäftsentwicklung

Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2025 zeigten insgesamt eine stabile Entwicklung in einem herausfordernden Marktumfeld. Dermapharm meldete für die ersten sechs Monate des Jahres einen Umsatz von 574,5 Mio. Euro, was einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr entsprach.

Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) betrug 148,0 Mio. Euro mit einer Marge von 25,8%, ebenfalls annähernd auf dem Vorjahresniveau, das Ergebnis vor Steuern (EBT) bei 82,2 Mio. Euro und der Konzernüberschuss bei 54,1 Mio. Euro.

Die Ergebnisse für das dritte Quartal 2025 fielen dann eher gemischt aus. Die Umsätze sanken im Jahresvergleich um 5% auf 294,9 Mio. Euro, was durch die Portfoliooptimierung im Parallelimport und die fortgesetzte Reorganisation der Arkopharma-Geschäfte beeinflusst wurde. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich jedoch um 1% im Jahresvergleich auf 88,0 Mio. Euro und die EBITDA-Marge entsprechend um 1,8 Prozentpunkte auf 29,8%, was allein auf das organische Wachstum im Bereich der Markenpharmazeutika zurückzuführen war. Dieses Wachstum überkompensierte den durch die Reorganisation bei Arkopharma bedingten Rückgang sowie den anhaltenden Währungsdruck aufgrund der Dollarschwäche.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2025 ließ das Management unverändert und erwartet Umsätze zwischen 1,16 und 1,20 Mrd. Euro sowie ein adj. EBITDA zwischen 322 und 332 Mio. Euro. Dies erfordert für das vierte Quartal allerdings einen Anstieg der Umsätze um 7% und des adj. EBITDA sogar um 21% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Zumindest des Ergebnisziels wirkt dies durchaus ambitioniert und erfordert ein solides Profitabilitätswachstum im vierten Quartal.

Aktionärsstruktur und Insiderkäufe

Die Kursentwicklung belegt dann auch die Skepsis des Marktes, während Insider wohl eher eine Gelegenheit witterten. Es gab mehrere Insiderkäufe, die sich auf insgesamt etwa 104,5 Mio. Euro summieren. Ende Oktober 2025 wurden Aktien für rund 36,3 Mio. Euro erworben, doch der größte Einzelkauf fand am 8. Dezember 2025 statt mit 1,438 Mio. Aktien im Wert von rund. 53,8 Mio. Euro erwarb. Diese Käufe gehen überwiegend auf den Mehrheitsgesellschafter und/oder Mitglieder des Aufsichtsrats zurück, namentlich auf den Gründer Wilhelm Beier beziehungsweise auf seine Themis Beteiligungs AG.

Dabei zeichnet sich die Aktionärsstruktur von Dermapharm durch eine klare Mehrheitsbeteiligung und einen vergleichsweise geringen Streubesitz aus. Der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende Wilhelm Beier und seine Beteiligungsgesellschaft Themis Beteiligungs-Aktiengesellschaft halten mit 77,08% den größten und bestimmenden Teil der Anteile, während die restlichen Aktien dem Streubesitz zuzurechnen sind.

Diese starke Mehrheitsführung durch den Gründer schafft einerseits stabile Entscheidungsstrukturen und langfristige strategische Ausrichtung, andererseits führt sie zu einer relativ niedrigen öffentlichen Streuung der Aktien, was sich auch in der eher geringen Liquidität im Vergleich zu gleichgroßen Pharmaunternehmen niederschlägt. Auf der anderen Seite dienen signifikante Insiderkäufe nicht nur als Zeichen interner Zuversicht, sondern wirken auch stabilisierend auf die Aktienkursentwicklung.

Bullcase vs. Bearcase


Die Dermapharm Holding SE ist ein etabliertes, wachstumsstarkes Pharmaunternehmen mit einem integrierten Geschäftsmodell, das von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb von Medikamenten und Healthcare-Produkten reicht.

Das Unternehmen profitiert von einer starken Marktposition in Deutschland, wachsender Internationalisierung und der Fokussierung auf margenstarke Segmente wie Markenarzneimittel und spezialisierte Gesundheitsprodukte. Die strategischen Optimierungen im Parallelimportgeschäft sowie die laufenden Produktentwicklungen stärken die Wettbewerbsfähigkeit weiter.

Die solide Geschäftsentwicklung zeigt trotz makroökonomischer Herausforderungen eine stabile operative Leistungsfähigkeit, wenngleich ergebnisseitig durchaus Fragezeichen bei der Erreichung der Jahresziele angebracht sind. Diese sind auch auf einmalige Umstrukturierungskosten zurückzuführen, die sich in Zukunft positiv bemerkbar machen sollten.

Fazit

Dermapharm präsentiert sich als wichtiger Akteur im europäischen Pharmasektor, dessen Fundament solide ist und dessen Perspektiven durch interne Maßnahmen, internationale Expansion und interne Vertrauenserklärungen durch Insidertransaktionen untermauert werden. Die klar dominierende Aktionärsstruktur verleiht dem Unternehmen Stabilität, während die strategische Ausrichtung auf Wachstum und Ertragssteigerung langfristige Chancen bietet. Die fortgesetzten Insiderkäufe bestätigen dies und mit etwas Rückenwind gelingt dann vielleicht auch der Ausbruch über die seit zwei Jahren zähe Widerstandsmarke von 40 Euro.

Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Dermapharm wissen muss

  1. Dermapharm ist ein integrierter Pharmahersteller mit Fokus auf margenstarke Markenarzneimittel, eigener Produktion und breiter Präsenz in Deutschland und Europa.
  2. Das Geschäftsmodell kombiniert Branded Pharmaceuticals, Parallelimporte (axicorp) und Gesundheitsprodukte und sorgt so für stabile, diversifizierte Erträge.
  3. Das Unternehmen weist trotz Markt- und Preisdruck eine robuste Profitabilität mit hohen EBITDA-Margen und planbarer Cashflow-Generierung auf.
  4. Die Aktionärsstruktur ist stark vom Gründer Wilhelm Beier geprägt, dessen Mehrheitsbeteiligung und jüngste Insiderkäufe für langfristige Stabilität und hohes Management-Commitment stehen.
Disclaimer: Habe Dermapharm weder auf meiner Beobachtungsliste noch im Depot/Wiki.

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