Dienstag, 15. November 2016

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 3. Quartal 2016
Auch im dritten Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen. Die wichtigste vorweg: Buffett hat keine Aktien von Wells Fargo verkauft!

Käufe
Vor allem bei US-Airlines hat Buffett zugegriffen und frische Positionen eröffnet. So erwarb er 21,8 Mio. Aktien von American Airlines im Gesamtwert von $797 Mio., 6,3 Mio. Aktien von Delta Airlines im Wert von $249,3 Mio. sowie 4,5 Mio Aktien von United Continental im Wert von $237,8 Mio.

Des Weiteren kaufte Buffet 106.000 zusätzliche Aktien an Charter Communications und stockte seine Bestände bei VISAWabco und Bank of New York Mellon auf. Und auch bei Phillips 66 war Buffett weiter auf der Käuferseite und stockte um gute 2,4% auf bzw. 1,9 Mio. Anteilsscheine.

Verkäufe
Reduziert hat Buffett beim weltgrößten Einzelhandelsgiganten Walmart (-67,75%), dessen Aktien Buffett auch schon im ersten und zweiten Quartal in größerem Umfang abgestoßen hatte, dem Pipelinebetreiber Kinder Morgan (-24,6%) und dem Landmaschinenhersteller Deere & Co. (-4%).

Vollständig abgebaut hat er seine Depotposition beim kanadischen Ölsandwäscher Suncor Energy und bei Media Gen. Inc.

Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Wells Fargo, Coca ColaIBM, American ExpressUS BancorpDavita Healthcare Partners und Moody's.

 Veränderungen in Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Bemerkenswert ist die Konzentration Buffetts auf einige wenige große Beteiligungen. So machen seine beiden größten Positionen Kraft Heinz und Wells Fargo zusammen schon fast 40% aus und die sechs größten Positionen stehen für zusammen gut 75% seines Börsen-Portfolios.

Die im Januar abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) taucht in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist, sondern wie Duracell (die er im Tausch für seine Procter & Gamble-Aktien erhielt), General Re oder die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) nun zu den vielen nicht-börsennotierten Berkshire-Beteiligungen zählt.

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen und es enthält darüber hinaus sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid Instrumente angesehen, denn als Aktien.

An Preferred Stocks hält Buffett einige große Pakete, die wahre Schätze verbergen.

  • Bank of America (BoA)
    2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für $5 Mrd. BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $7,14 je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen. Am 30.06. notierten die BoA-Aktien bei $13,27.

    In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher ist BoA objektiv betrachtet unter den sieben größten Positionen in Berkshires Portfolio.
     
  • Dow Chemical
    2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.
     
  • Goldman Sachs
    2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie.

    Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus.

    Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!
     
Quartalsgewinn sank um 24 Prozent
Die Quartalszahlen von Berkshire Hathaway konnten sich sehen lassen, auch wenn der Gewinn gegenüber dem Vorjahreswert deutlich nachgab, was aber an einem steuerlichen Einmaleffekt aus der Fusion von Kraft Foods und Heinz Ketchup herrührte. Auf der anderen Seite schlug der Verkauf der Tochter Wrigleys an Mars mit rund $1,6 Mrd. einmalig positiv zu Buche.

Unterm Strich konnte BRK im dritten Quartal $2,35 Mrd. an Investmentgewinnen ausweisen und der erreichte per 30. September einen Wert von $163.783 je Aktie (Klasse A) und lag damit um 5% über dem Wert vom dritten Quartal 2015.

Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Inwieweit Trumps Wahlsieg der Finanzbranche Auftrieb verschaffen kann, zum Beispiel durch steigende Zinsen, bleibt abzuwarten. Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine.

Ich bewerte es daher positiv, dass Buffett sein Engagement in diesem Bereich reduziert und im Gegenzug seine Konsumgüter- und Industriebeteiligungen erheblich ausbaut. Allerdings schwächelt die Eisenbahnsparte, die Tochter BNSF, da sie stark vom Transport von Kohle und für die US-Öl- und Schiefergasindustrie abhängt, so dass unter dem Strich Berkshire Hathaway eine gute Halteposition für langfristig orientierte Anleger bleibt. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA.

  Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Kommentare:

  1. Danke für das Update. BoA ist in den letzten Tagen regelrecht explodiert, und hat gestern über USD 20 geschlossen. Da habe ich die Position etwas zu früh rückgebaut...

    Interessant ist auch, dass er recht viele John Malone Positionen hat: die verschiedenen Liberty Media Tracker, Liberty Global und Charter sogar ausbaut.

    Danke & LG
    Tom

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    1. Das stimmt, auf John Malone setzt Buffett weiterhin. Auf der anderen Seite hat er ja auch eine menge Aktien aus dem Liberty-Imperium verkauft, das macht er schon eine ganze Weile, dass er hier einen Tausch vornimmt. Hier müsste man wohl mal tief(er) einsteigen, was die Hintergründe sind und welchen Liberty-Unternehmen er aus welchen Gründen den Vorzug gibt.

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    2. Ja, die aktuelle Entwicklung bei BoA ist großartig. Vielleicht kommen meine Oktober 2018er Warrants (mit Strike über 30 USD) wider Erwarten ja doch noch rechtzeitig ins Geld. Darauf warte ich schon seit Jahren - zwischendurch war ich da gigantisch im Minus. Nun bin ich aber ganz froh, dass ich sie trotz der langen Durststrecke noch nicht verkauft habe. Das wird noch spannend... Die 2019er Warrants dürften sich jedenfalls gut entwickeln...

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  2. Hallo Michael,

    1.) der Verkauf von Suncor und Aufbau von Phillips 66 spricht für Konzentration
    allerdings stellt sich die Frage warum Berkshire dann überhaupt in Suncor
    investiert hat...

    2.) der Kauf von 3 Airlines wirkt wie eine allgemeine Wette auf die Branche, anstatt
    fundamentaler Gesichtspunkte! Warum das zweit- und drittbeste Unternehmen kaufen,
    wenn man das beste haben kann?


    Beides sieht für mich so aus, als ob hier Buffetts Nachfolger am Werk gewesen sind...

    lg Alex

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    1. Moin Alex,
      Suncor ist deutlich stärker vom Ölpreis abhängig als Phillips 66, die ja Raffinerien und Tankstellen betreiben. Und Suncor konsolidiert die Ölsand-Wäscher-Branche aktiv mit und übernimmt Wettbewerber, allerdings durch die Ausgabe neuer Aktien. Ich denke, Buffett hat sich generell aus der Ölförderbranche zurückgezogen, er hatte ja auch ExxonMobil und ConocoPhillips komplett verkauft. Er setzt stattdessen auf Infrastruktur und das ist Phillips66. Interessanterweise kehrt er allerdings dem Pipleinebetreiber Kinder Morgan den Rücken...

      Auf den Airlinekauf kann ich mir keinen Reim machen. Sicher, die profitieren von gesunkenen Ölpreisen, vom Drang nach immer mehr Flügen und von einer Vielzahl an neuen, modernen und sparsamen Flugzeugen. Aber ob das wirklich ein langfristiger Value-Play wird? Für mich ist diese Branche nichts. Und ich stimme Dir hier zu, das sieht mir nicht nach Buffett selbst aus, sondern nach seinen Soldados...

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  3. Hallo Michael,

    ich würde gerne wissen, wie du die mikroskopisch kleinen Positionen an so vielen Unternehmen einschätzt. Wenn man doch von deren Qualität überzeugt ist, müsste man dann nicht viel größere Positionen erwerben? Und wenn nicht warum hält man sie dann?
    Und mit welchen Kennzahlen bewertest du Berkshire generell? KBV? Eine Bewertung wird meiner Meinung nach immer schwieriger und es läuft letztendlich wie bei einem Fonds fast auf die Frage hinaus ob man den Leuten dort sein Geld anvertrauen will oder nicht.

    Gruß

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    1. Buffett hält seine Investments ja gerne sehr lange, am liebsten für immer, wie er betont. Berkshire Hathaway war ja früher viel kleiner und ältere Investments stammen bisweilen noch aus dieser Zeit und sind entsprechend klein im Verhältnis zur heutigen Größe des Portfolios und der Portfolio-Größen. Buffett fährt eine konzentrierte Strategie und setzt auf einige große Investments, aber er hat darüber hinaus auch eine Vielzahl von kleineren Werten. Auch diese tragen, für sich betrachtet, zum Erfolg bei. Auch ist zu berücksichtigen, dass Berkshire ja nicht nur Anteile an börsennotierten Unternehmen hält, sondern ein erheblicher Teil in nicht-börsennotierten Anteilen steckt.

      Bezogen auf die kleinen Position ist es wohl inzwischen so, dass Buffett hier nicht (mehr) den Fokus drauf legt. Er hat $80 Mrd. zu investieren und da ist sein Blick eher auf Großes gerichtet, als dass er bei den kleinen Werten zukauft. Hier wäre für ihn der Aufwand viel zu große, hier marktschonend die Aktien erwerben zu können. Es will ja nicht selbst die Kurse in die Höhe treiben durch seine Käufe, er zielt auf den Unternehmenswert und den möchte er möglichst günstig einkaufen. Wenn Buffett also $10 Mio. investieren kann, bringt das nicht wirklich viel im Verhältnis zu seinem Gesamtportfolio.

      Ein weiterer Grund, weshalb Buffett sich nicht von den kleinen Positionen trennt, ist auch psychologischer Natur. Berkshire Hathaway wirbt ja gerade mit dem Argument, man sei kein klassischer Finanzinvestor, der nur auf schnelle Rendite aus sei, sondern dass man Unternehmen ein dauerhaftes Zuhause gebe. So auch beim Zukauf in Deutschland, dem Motorradzubehör-Shop Detlev Louis. Würde man die kleinen Beteiligungen nun abstoßen, wäre das ein negatives Signal.

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