Samstag, 18. Februar 2017

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 4. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 4. Quartal 2016
Auch im abgelaufenen Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen.

Käufe
Vor allem bei US-Airlines hat Buffett zugegriffen und ist neben den im 3. Quartal eröffneten Positionen eine weitere Positionen eingegangen. So erwarb er 23,8 Mio. weitere Aktien von American Airlines und verdoppelte seine Position, verfünffachte seinen Anteil an United Continental durch den Erwerb von zusätzlichen 24,4 Mio. Aktien und bei Delta Airlines verachtfachte er seine Position sogar durch den Zukauf von 53,7 Mio. Anteilen. Neu ist sein Aktienpaket an Southwest Airlines, wo er 43,2 Mio. Aktien erwarb.

Ich denke, dass diese Airline-Käufe nicht von Buffett selbst initiiert sind. Er hat sich jahrzehntelang gegen Investments in Airlines ausgesprochen, auch wenn sich das Business der US-Airlines in den letzten Jahren natürlich grundlegend verändert hat. Wie sein Partner Charlie Munger ausführte, sei es ähnlich wie bei Eisenbahnen. Auch dies sei jahrzehntelang ein mieses Business gewesen, aber seitdem es nur noch eine Handvoll Anbieter gäbe, habe Berkshire sich hier engagiert. Das spricht dafür, dass Buffett und Munger den Airline-Investments nicht (mehr) grundsätzlich negativ gegenüberstehen. Allerdings war Buffett immer ein Verfechter des konzentrierten Investierens. "Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich auch die beste kaufen kann?", ist eines seiner Mantras. Und nun kauft Berkshire Hathaway großflächig Aktien von gleich vier US-Airlines - ein Investmentstil, den Peter Lynch geprägt hat. Daher glaube ich, dass diese Investments auf seine "Leutnants" Todd Combs und/oder Ted Weschler zurückgehen.

Neben Airlines kaufte Berkshire Hathaway 535.257 Aktien der Bank of New York Mellon, die er bereits letztes Quartal aufgestockt hatte, und kaufte weitere 42 Mio. Aktien von Apple, was einer Steigerung um 275% entsprach. Insbesondere der Kauf von Apple im 2. Quartal 2016 sorgt(e) für großes Aufsehen und steht auch jetzt im Fokus der Kommentatoren. Mit rund 4,5% Anteil an berkshires Portfolio ist Apple nun schon die siebtgrößte Position, was die börsennotierten Pakete angeht.

Ganz neu im Depot sind allerdings auch zwei weitere Werte: Buffett kaufte 166,6 Mio. Anteile am Satellitenradiobetreiber Sirius XM sowie 8 Mio. Aktien des Saatgut-Spezialisten Monsanto. Dieser wird gerade von der deutschen Bayer übernommen und offenbar glaubt Buffett hier an ein Gelingen.


Verkäufe
Im Grunde hat Berkshire keine Positionen reduziert, sondern geradezu ausgemistet, denn alle Verkäufe waren Komplettverkäufe von Positionen. So hat Buffett 90% seiner restlichen Aktien vom weltgrößten Einzelhandelsgiganten Walmart abgestoßen, dessen Aktien Buffett bereits das ganze Jahr 2016 hindurch immer weiter verkauft hatte - die letzten verbliebenen 1,4 Mio. Aktien dürften inzwischen auch eliminiert worden sein und ihr Auftauchen in der Liste liegt eher am Stichtag 31.12., zu dem die Verkäufe noch nicht ganz abgeschlossen waren, als an einem Festhalten an dieser Kleinstposition. Bei Verizon hat sich Buffett zu 99,99% zurückgezogen und die letzten 928 Aktien im Bestand dürften ebenfalls Anfang Januar ausgemustert worden sein.

Die Positionen am Pipelinebetreiber Kinder Morgan und an dem Landmaschinenhersteller Deere & Co. hatte Buffett ja schon über einen längeren Zeitraum reduziert und nun sind sie komplett aus seinem Depot verschwunden. Ebenso Liberty Media Corp. (sowohl die A- als auch die C-Aktien), Lee Enterprises und Now Inc.


Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Wells Fargo, Coca ColaIBM, American ExpressUS BancorpDavita Healthcare Partners und Moody's.

Bemerkenswert ist dabei, dass Kraft Heinz gerade mit seiner 143-Milliarden-Dollar-Offerte bei Unilever abgeblitzt ist. Zumindest im ersten Anlauf. Hier dürfte in nächster Zeit einiges an Bewegung reinkommen. Und Wells Fargo ist wieder unangefochten die zweitgrößte Position im Depot, nachdem sich der Kurs im letzten Quartal um mehr als 20% erholt hat von seinem Absturz infolge des Skandals um gefälschte Kundenkonten.

 Veränderungen in Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Buffett konzentriert sein Portfolio auf einige wenige große Kerninvestments. So machen seine srei größten Positionen Kraft Heinz, Wells Fargo und Coca Cola zusammen schon fast 50% aus und die sieben größten Positionen stehen für zusammen gut 75% seines Börsen-Portfolios.

Buffett setzt auf Corporate America...
Warren Buffett hat bekanntgegeben, seit dem Wahlsieg Donald Trumps für mehr als $12 Mrd. US-Aktien gekauft zu haben. Obwohl er zuvor dessen Konkurrentin Hillary Clinton unterstützt und auch Trump wegen dessen Steuer- und Finanzgebarens öffentlich angegangen war. Er ist hier kein Kind von Traurigkeit, sonder stellt bei Investments auf rein rationale Überlegungen ab. Und die sprechen nun einmal nach wie vor für Aktien, insbesondere für US-Aktien. Die Aktienkäufe sowie die Kurssteigerungen im letzten Quartal hievten sein Portfolio an börsennotierten Unternehmen über die Marke von $150 Mrd.

...und liebt das Rückversicherungsbusiness
Aber Buffetts Berkshire Hathaway hat auch jenseits von Aktienkäufen Milliarden investiert bzw. verdient. So übernahm man vom Versicherungsriesen AIG Risiken aus alten Versicherungsverträgen. Berkshire tritt ja nicht nur als Erstversicherer auf, sondern unterhält eine große Rückversicherungssparte.

Die Berkshire-Hathway-Tochter Nico übernimmt einen Großteil der langfristigen Risiken aus Verträgen, die AIG in den Jahren bis Ende 2015 abgeschlossen hatte, wozu der Großteil des US-Haftpflichtgeschäfts von AIG aus dieser Zeit gehört. Für den Rückversicherungs-Deal bezahlt der Versicherer ADVERTISEMENT bis Mitte des Jahres $9,8 Mrd. an Nico zzgl. Zinsen für die Zeit seit Anfang 2016. Für die Schäden aus den Verträgen, die über die ersten $25 Mrd. hinausgehen, übernimmt Nico künftig 80 Prozent. Die Haftung der Berkshire-Hathaway-Tochter ist dabei auf höchstens $20 Mrd. gedeckelt.

Ein typischer Buffett-Versicherungsdeal. Berkshire erhält heute fast $10 Mrd., die man gewinnbringend investieren kann, und mögliche Risiken - und damit potenziell Versicherungsleistungen und -zahlungen - werden ggf. erst später fällig. Wenn überhaupt.

Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft birgt meines Erachtens ziemliche Risiken, doch die eingeläutete Zinswende in den USA wird den Versicherern dort das Leben wieder leichter machen. Buffett selbst sagte über diese Sparte, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Das Chance-Risiko-Verhältnis in diesem Bereich hat sich jedenfalls zuletzt wieder verbessert - auch deshalb habe ich Berkshire Hathaway seit einigen Wochen wieder mit einem Kauf-Votum versehen.

Auch die zuletzt schwächelnde Eisenbahnsparte, die Tochter BNSF, könnte sich fangen, da sie stark vom Transport von Kohle und für die US-Öl- und Schiefergasindustrie abhängt. Und hier sorgt Donald Trump momentan für Goldgräberstimmung, so dass sich dies positiv auf das Geschäft von BNSF auswirken könnte. Da man aber viele Güter aus Mexiko in die USA transportiert, würden Zollbarrieren und/oder Reisebeschränkungen eher dämpfen.

Unter dem Strich stellt Berkshire Hathaway ein gutes Investment für langfristig orientierte Anleger dar. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA, garniert mit einer Reihe von nicht börsennotierten Mittelstandsperlen.

 Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen. So taucht die im Januar 2016 abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist. Ebenso verhält es sich mit den milliardenschweren Unternehmen Duracell (die er im Tausch für seine Procter & Gamble-Aktien erhielt), General Re, Berkshire Hathaway Energy (vormals MidAmerican Energy) oder der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) sowie einer Vielzahl kleinerer Firmen, wie Nebraska Furniture, See's Candies oder dem Hamburger Motorrad-Zubehörhändler Detlev Louis, den Buffett 2015 erwarb.

Preferred Stocks
Darüber hinaus enthält Buffetts Portfolio einige sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid-Instrumente angesehen, denn als Aktien.

▸ Bank of America
2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für $5 Mrd. BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $7,14 je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen. Am 30.06. notierten die BoA-Aktien bei $13,27. In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher ist BoA objektiv betrachtet unter den sieben größten Positionen in Berkshires Portfolio.

▸ Dow Chemical
2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.

▸ Goldman Sachs
2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie. Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus. Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!

Kommentare:

  1. Eine wirklich beeindruckende Erfolgsgeschichte!
    Nun ist der "Knabe" aber schon 86 Jahre alt und ich frage mich immer, was wird wohl aus Berkshire Hathaway werden, sollte er mal abtreten...
    Diese Frage hat mich bisher von einem Engagement abgehalten.

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    1. Buffet ist 86 Jahre alt und sein Partner Charlie Munger bereits Mitte 90. Sie sind so erfolgreich, weil sie sich konsequent an ihre Investmentphilosophie halten und diese im Lauf der Zeit angepasst, verbessert und weiter entwickelt haben. Aber damit sind sie nicht alleine, es gibt eine Reihe von Investoren, die nach ähnlichem Muster verfahren und ähnliche Erfolge vorzuweisen haben. Teilweise sogar bessere. Buffett ist allerdings schon 70 Jahre im Geschäft und absolut betrachtet kann ihm keiner das Wasser reichen.

      Er hat 1984 mal einen Vortrag gehalten vor Studenten seiner Alma Mata, der Columbia Universität. Es ging um die damals aufkommende "Moderne Portfoliotheorie" und die Aussage, niemand würde auf Dauer besser abschneiden als der Markt. Buffett entgegnete mit seinem "Die Superinvestoren von Graham und Doddsville", in dem auf eine Vielzahl von Investoren eingegangen wird, die über Jahrzehnte besser abgeschnitten hatten als der Markt. Und alle nach den Grundsätzen des Value Investings.

      Ich behaupte nicht, dass es egal ist, ob Buffett oder jemand anderes Berkshire Hathaway führt. Und sollte er sterben, wird dies dem Aktienkurs mächtig zusetzen. Für eine Weile. Danach wird der Markt und die Aktionäre merken, dass Buffetts Grundsätze weiterhin angewendet werden und der Erfolg auch ohne ihn weitergehen wird. Der größte Verluste wäre Buffett für die Gesellschaft, weil er bescheiden ist, nicht gierig, weil er sich aus Geld nicht so viel macht und weil er nicht müde wird, seine Erfahrungen lehrreich unters Volk zu bringen. Jeder kann es genauso gut machen wie Buffett. Es machen allerdings nur so wenige. Denn es ist kein schneller Weg zum Reichtum, sondern der langsame, solide, beständige. Und das erfordert Geduld - in einer immer schnelllebigeren Welt...

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  2. Hallo,

    wie sieht es denn mit den ausländischen Beteiligungen im Portfolio aus?
    Münchner Rück ; BYD etc.

    Gruß aus Hamburg

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    1. Hierzu muss Buffett keine Angaben machen, daher erfahren wir über diese Positionen nichts. Es sei denn, er über- bzw. unterschreitet gesetzliche Meldeschwellen. So war die letzte Info zur Münchner Rück vor einigen Monaten, dass er inzwischen weniger als 3% hielte. Vermutlich hat er inzwischen alle Anteile veräußert.

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