Samstag, 11. November 2017

Andere Ansichten: Goldene Zeiten für Stock-Picker dank neuer Kapitalmarktregelungen?

Ab Januar 2018 gilt die neue EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und sie bringt auch für Analysten und das Aktien-Research einschneidende Änderungen mit sich. The Motley Fool zeigt in einem lesenswerten Beitrag das bisherige Procedere auf, wonach Research seitens der Fondsmanager und Unternehmen selten bezahlt wird, sondern die Brokerhäuser damit die Handelsaktivität ihrer Kunden in die Höhe treiben wollen, um indirekt an den hieraus erzielten Spesen und Gebühren zu verdienen. Die EU wolle diesem Gebaren ein Ende bereiten und künftig müsse Research bezahlt werden - ein Wechsel von der Sell-Side zur Buy-Side. Und das dürfte zu erheblichen Veränderungen, auch für Anleger, führen. Und dabei auch zu neuen, besseren Renditechancen für Stock-Picker, während Otto-Normalanleger her zusätzlich in die Arme von ETFs getrieben werden dürfte.


Konkret geht The Motley Fool davon aus, dass zunehmend nur noch die großen Konzerne von den Analysten gecovert werden, während die Neben- und Nischenwerte aus Kostengründen das Research eher runter fahren dürften. Die Deutsche Börse hat dem ja mit ihren Regelungen bzgl. Scale entgegenzuwirken versucht, weil es dort pflichtiges Research im Quartalsrhythmus gibt. Dennoch werden viele Nebenwerte künftig noch weniger von Analysten gecovert werden, weshalb sie noch tiefer unter dem Radar vieler Anleger verschwinden dürften. Und hieraus ergeben sich auch große Chancen für die Stock-Picker, die ein gewisses Maß an eigenem Research betreiben und tiefe(er) in die Geschäftsberichte und Unternehmensentwicklung eintauchen. Und so viel früher auf die großen Chancen stoßen und diese für sich nutzen können, bevor der breite Markt sie entdeckt und die Kurse ins Laufen kommen. Stock-Picker sollten daher vor goldenden Zeiten stehen...

Kommentare:

  1. Würde das nicht auch heißen, dass unterbewertete Nebenwerte mit (Kurs-)Potenzial länger bräuchten bis ihr wahrer Preis an der Börse widergespiegelt wird? Und man als Stockpicker mehr Geduld mitbringen müßte?

    beste Grüße Hans-Jürgen

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    1. Das ist durchaus möglich. Neben Analysten gibt es aber ja auch noch Börsenmagazine und Blogs, die über solche Werte berichten. Man wird also auch künftig auf unterbewertete Nebenwerte stoßen, aber es ist nicht auszuschließen, dass man bisweilen noch mehr Geduld aufbringen muss als heute, bis der Wert auch von der Börse anerkannt wird. Man könnte die Aussage also dahingegen präzisieren, dass Nebenwerte-Investoren Vorteile haben werden, Nebenwerte-Spekulanten und -Trader hingegen nicht unbedingt.

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  2. Benjamin Radermacher11. November 2017 um 15:01

    ...es wird damit aber nochmals schwerer werden zu hoffen, dass die unterbewertete Aktie X nun endlich mal von einem großen Investor entdeckt und gekauft wird. Einfach weil die Aktie dort unterm Radar sein und evtl. auch bleiben wird. Und darin liegt ja genau das Dilemma. Es wird also einfacher unterbewertete Aktien zu finden für die Stock-Picker. Nur werden diese dann möglicherweise auch unterbewertet bleiben.

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    1. Dass unterbewertete Aktien unterbewertet bleiben, halte ich für ausgeschlossen. Nicht, weil ich an die Effizienz der Märkte glaube oder diese Nonsens-Portfoliotheorie, sondern weil es immer jemanden geben wird, der den Dollar für 50 Cents kaufen möchte. Die Frage ist nur, wann der Dornröschenschlaf endet. Und ob man als Anleger die Geduld und das Nervenkostüm hat, auch mal länger darauf zu warten, dass einem der Markt recht gibt. Hier kann man immer Benjamin Graham anführen mit seinen weisen Worten: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors". Und daran erinnern, dass es zu seiner Zeit keine Blogs gab, kein Internet und Websites mit jederzeit verfügbaren Informationen, nur endlose Auflistungen von Aktienkursen und die gute alte Tageszeitung mit Börsenkursen- und Berichten. Trotzdem konnte Graham und viele andere mit Value Investing ein Vermögen machen. Denn jede unterbewertete Aktie wird irgendwann entdeckt. Man muss nur den Mut, die Geduld und das Geld haben, bis zu diesem Zeitpunkt durchzuhalten. Und den Charakter. Denn bis es soweit ist, wird es einem immer so vorkommen, als sei man der (einzige) Dumme... Oder mit Mark Twains Worten: "Ein Mann mit neuen Ideen ist ein Narr. Bis die Idee sich durchgesetzt hat". Das gilt auch für Investmentideen.

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    2. Benjamin Radermacher12. November 2017 um 18:34

      Danke für die Antwort. Dem kann ich zustimmen!

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  3. Hallo Michael,
    "...während Otto-Normalanleger her zusätzlich in die Arme von ETFs getrieben werden dürfte."
    Ich wusste gar nicht das ETF´s für Otto-Normalanleger so schlecht sind? Hat nicht gar Warren den Otto-Normalanlegern dazu geraten in breite Indexfonds zu investieren?
    In letzter Zeit liest man vermehrt solche Aussagen wie die deine. Auch von ETF-Blase ist in einigen "Value-Blogs" die Rede. Leider konnte bisher noch niemand aufklären weshalb ETF´s nun so schlecht sind oder eine Blase?
    Da ich deine Meinung sehr schätze, würde ich mich über Aufklärung freuen.
    Beste Grüße!

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    1. Indexfonds nicht gleich ETF. Schau mal, was 2015 teilweise bei ETFs passiert ist im Rahmen der Korrektur. Da kam es zu einigen Diskrepanzen bei der Bepreisung.

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    2. Jack Bogle, Gründer von Vanguard und Erfinder des Indexinvestings, warnte jüngst vor ETFs und Indexinvesting. Nicht, weil die Konzepte schlecht seien, sondern weil ihr (zu) großer Erfolg dazu führt, dass immer weniger Aktien "frei" gehandelt werden. Und dann irgendwann das Meer ausgetrocknet ist und auch kein ETF und kein Indexfonds mehr funktioniert. Und wenn man bedenkt, dass es inzwischen mehr Fonds als Aktien gibt, ist das schon eine bedenkliche Entwicklung.

      Da ich Stock-Picker bin, Value Investor, und nicht auf passive ETFS oder Fonds setze, empfinde ich das naturgemäß anders, als jemand, der einfach nur monatlich über ETF-Sparplan "Investing" betreibt. Und was die ETF-Blase betrifft... wir werden sie kennen (und fürchten) lernen, wenn mal alle Anleger in Panik raus wollen aus ihren ETFs. Dass kommt der Praxistest zur Theorie. Oder wie Buffett es einmal ausdrückte: wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer ohne Badehose ins Wasser gegangen ist.

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    3. Hallo Michael,
      "dann kommt der Praxistest..." aber ein ETF Anleger hat doch trotzdem die Aktien im Depot, so lange der ETF von Bspw. Vanguard physisch repliziert? Wo wäre der Nachteil wenn andere Anleger raus wollen außer das der ETF fällt. Auch hier könnte man doch günstig einsammeln? Wenn Einzelaktien in Panik auf den Markt geschmissen werden, passiert doch genau das selbe?
      Also wo siehst du konkret die Gefahr für einen ETF Anleger?
      VG

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  4. Könnte Marine Harvest so ein Wert sein? 8% Dividende,Gewinn- & Umsatzwachstum, KGV 11... Ich denke Fisch wird auch noch morgen gegessen? Gefühlt eine "sichere" Anlage.

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    1. Ja, Fischfarmen sind per se interessant angesichts steigender Weltbevölkerung und überfischter Meere. Allerdings gibt es da auch regulatorische Hindernisse, steigende Umweltschutzauflagen und diese widerliche Seuche. Dazu kommt der Umstand, dass ich den Geschmack von Lachs abstoßend finde und allein deshalb schon gar nicht dran denken will. Aber das muss ja niemanden sonst davon abhalten... ;-)

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    2. Neue Auflagen nerven jeden Bauern. Ich denke aber bei MH ist der Betrieb einfacher zu adaptieren als z.B. bei einer Anlage mit Kühen und großen Ställen. Die Seeflöhe sind schon kacke, ich hoffe die bekommen das mit den Nützlingen (Fischen) hin. Mein Tipp: Grill einen Schwertfisch mit Olivenöl und Zitrone!

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  5. Moin Michael, Großauftrag bei der Polytec.
    Konnte keine Info dazufinden, könntest du eine Quellenangabe oder Details dazu geben?

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    1. Die Info stammt aus dem Conference-Call mit dem Vorstand; die Niederschrift davon findet man auf der Unternehmenswebsite. Oder in der Kurzzusammenfassung bei boerse-social.

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  6. Moin, danke für deine schnelle Antwort.

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