Montag, 24. November 2025

KIssigs Portfoliocheck: Seth Klarman setzt jetzt auf die Schiene – mit Union Pacific

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

In meinem 324. Portfoliocheck schaue ich wieder Seth Klarman über die Schulter. Der Deep Value Investor kauft gerne Unternehmen, die von der Börse verschmäht und daher zu Rabattpreisen angeboten werden. Er investiert gerne mit großer Sicherheitsmarge und erzielt mit diesem Ansatz seit Jahrzehnten mit durchschnittlich 19 % überragende Renditen. Zudem investiert er sehr fokussiert und so stehen seine drei Top-Positionen für knapp 35 % seines Portfolios, während es die Top 5 auf gut 51 % bringen. Beachtenswert ist allerdings, dass seit der Gründung 1982 der Anteil der im 13F-Formular ausgewiesenen Aktieninvestments immer lediglich einen Anteil zwischen 2,5 % und 15 % der gesamten verwalteten Vermögenswerte (AuM) der Baupost Group ausgemacht haben. Die aktuelle Aktien-Allokation an den gesamten Assets under Management liegt eher am oberen Ende dieser Spanne, während sich der Rest auf Barmittel, Schuldtitel, Immobilien und Absicherungsgeschäfte verteilt. Dabei hielt der Fonds in den letzten 10 Jahren durchschnittlich rund 25 % Cash.

Im 3. Quartal 2025 schichtete Klarman erneut gewaltige 24 % seines Depots um und hielt am Quartalsende noch 20 Werte, unter denen sich drei Neuaufnahmen finden. Der Wert seines Portfolios stieg dabei deutlich von 4,11 auf 4,76 Mrd. USD. Mit 19,6 % sind nun die Industriewerte am höchsten gewichtet in Klarmans Aktiendepot. Sie haben sich an den lange Zeit dührenden Communication Services vorbeigeschoben, die sich mit um 4,5 % reduzierten 16,1 % nur noch knapp vor die drittplatzierten zyklischen Konsumwerte mit 15,2 % halten können. Dahinter folgt die Gesundheitsbranche mit 9 % Gewichtung vor dem Rohstoffsektor mit 13,1 %, Technologiewerten mit 10,8 %, Finanzunternehmen mit 7,9 % und defensiven Konsumwerten mit 7,2 %. Klassische und zyklische Sektoren sind also nun Klarmans Wahl der Stunde und damit positioniert er sich gegen den vorherrschenden Börsentrend der KI- und Wachstumswerte.

Ganz frisch eingestiegen ist er bei der führenden Frachteisenbahn der USA, der Union Pacific Corp. und mit Genuine Parts setzt er ab sofort auch auf einen führenden Autoersatzteilhändler. Zudem verdoppelte Klarman seine bestehenden Positionen bei Restaurant Brands und Elevance Health. Das nötige Kleingeld hierfür besorgte er sich durch den vollständigen Verkauf seiner Position an Viasat. Zudem hatte er bei Alphabet im 2. Quartal einen guten Riecher bewiesen, als er seine während des heftigen Kurseinbruchs seine Alphabet-Position um rund ein Viertel aufgestockt hatte, doch der annähernd ebenso große Anteilsverkauf im 3. Quartal kostete ihn einige Renditepunkte. Denn die Google-Mutter hat soeben ihr neues KI-Modell Gemini 3 ausgerollt und der Kurs daraufhin ein neues Allzeithoch markiert.

Viele der größten Positionen in Klarmans Aktienportfolio sind alte Bekannte, aber die Gewichtungen haben sich teilweise deutlich verschoben. Neuer Spitzenreiter ist Restaurant Brands, eine der größten Restaurantunternehmen der Welt und u.a. Mutter von Burger King und Tim Hortons. Den Spitzenplatz räumen musste Alphabet, während der neue Drittplatzierte Elevance Health satte sieben Plätze gutmachen konnte. Neuerwerbung Union Pacific stieg zum Start gleich auf dem sechsten Platz ein mit einer Gewichtung von 7,4 %. Während Wirtschaft und Stimmung auf den Kurs drücken wittert Seth Klarman hier seine große Chance mit einem seiner typischen antizyklischen Investments - die laufenden Übernahme von Wettbewerber Norfolk Southern ist dabei nur einer der Treiber...

 
Disclaimer: Habe Alphabet auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

4 Kommentare:

  1. Hi Michael!

    Danke für den Artikel! Stars unter den Value-Investoren wie Klarman setzen auf Alphabet. Nun wurde bekannt, dass Buffetts letzter großer Deal auch Alphabet war.

    Warum ausgerechnet Alphabet und nicht etwa Microsoft oder vielleicht sogar IBM? Hast Du da eine Erklärung für?

    Emil

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    1. Moin Emil,
      Alphabet war vergleichsweise günstig bewertet und galt bisher nicht als Gewinner im KI-Rennen. Zudem drohte die Zerschlagung in den Kartellprozessen - was nun vom Tisch ist.

      Inzwischen hat sich der Fokus im KI-Rennen auch gewandelt, weil es nicht mehr darum geht, dass die LLMs möglichst schnell möglichst viel lernen, sondern dass sie "das Richtige" lernen. Denn das sog. "Halluzinieren" wird zunehmend zum Problem, falsche bzw. fehlerhafte Antworten zum Alltag. Das mag bei belanglosen Privatanfragen noch gerade durchgehen, aber bei den Profianwendungen und/oder im Business wird das zum Kill-Kriterium. Und Google hat das "beste" Wissen zum Trainieren seiner KI: man hat über Jahrzehnte so gut wie alle Bücher digitalisiert und durch einen enormen und qualitativ hochwertigen Wissensschatz, auf den man zurückgreifen kann. Durch die Google-Suche weiß man genau, was die Menschen wirklich interessiert und Google Maps zahlt auf dasselbe Konto ein, ebenso YouTube. All diese Dienste sind in ständigem Kontakt mit den Menschen/Nutzern und aus dem normalen Lebensalltag nicht mehr wegzudenken. Und im Hintergrund greifen sie alle auf dieselbe "schlaue" und gut ausgebildete KI zu. Platt ausgedrückt: Alphabets KI hat einen Masterabschluss, während die anderen auf Stammtischniveau Antworten liefern.

      Die anderen müssen ihre KI also verbessern und dazu sauteure Deals eingehen. Und sie müssen sie erstmal von den ganzen Fakenews und von dem eigenen und konkurrierenden KI zusammengesponnenen Pseudowissen entschlacken. Das kann und dürfte einen Unterschied machen.

      Und schließlich noch zu Buffett und Google. Der sagte mal, er und Charlie hätten das Potenzial von Google erkannt, als ihre Versicherungstochter GEICO dort so viele und teure Anzeigen geschaltet hätte. Sie wären sich nur nicht sicher gewesen, ob der Burggraben von Google anhalten würde oder ob nicht irgendwer sonst das schnell und leicht disruptieren könnte. Deshalb hätten sie nicht in Google investiert. Und das sei wohl eine ihrer größten Unterlassungssünden überhaupt gewesen. Gut möglich, dass er dies kurz vor Schluss noch korrigieren wollte. Oder dass Combs oder Weschler zugegriffen haben, denn die beiden managen ja schon heute große Teile der Berkshire-Investmentportfolios und werden das künftig unter dem neuen CEO Greg Abel noch stärker tun (der wird sich ums operative Geschäft kümmern und die nicht-börsennotierten Töchter jenseits der Versicherungen).

      Inzwischen ist Alphabet aber weder "unentdeckt" in Sachen KI noch die Aktie preiswert. Glaube nicht, dass Buffett jetzt noch weiter zugreifen würde. Bei einem deutlichen Rücksetzer allerdings schon...

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    2. watchingtheflood26.11.25, 12:07

      Moin Michael,

      ein wesentlicher Punkt, der mich im Frühjahr noch vom Kauf der Google-Mutter abgehalten hatte, war die Befürchtung, dass das Werbegeschäft bei Google künftig leiden wird.

      Und dieses Problem ist meiner Meinung nach immer noch virulent. Sie haben zwar weiter die Werbeumsätze erhöhen können, gleichzeitig ist aber Fakt, dass viele Internetseitenbetreiber weniger Klicks vermelden, weil die Leute die KI-Bots anstelle von Google zum suchen verwenden.
      Google selber behauptet aber, dass es keinen Rückgang der Klicks gibt. Die Entwicklung soll dahin gehen, dass KI zu "wertvolleren" und damit besser und teurer verkaufbaren Suchergebnissen führen wird.

      Abseits von der unmittelbaren KI-Thematik gibt es noch die sonstigen "Wetten", die ziemliches Potential mitbringen, seien es die eigenen Chips, sei es Waymo und noch einige unter dem Radar laufende.

      @Emil : IBM ist übrigens weiterhin ein sehr überlegenswerter Tip. Hier kann man nur deren künftige Bedeutung erahnen in der Quantenwelt. Aber das ist eben noch ein paar Jährchen von der Kapitalisierung entfernt. Das wird aber mit Macht in alle Bereiche der Wirtschaft und bis in unseren Alltag kommen und ich kann mir nur unter sehr ungünstigen Bedingungen vorstellen, dass der Platzhirsch gegen die drei Herausforderer den kürzeren ziehen wird.

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  2. Danke Michael für diese fundierte Rückmeldung. Ich kann Dir da nur beipflichten. Das Argument mit der riesigen Google-Datenbank habe ich vor 9 Monaten aufgegriffen in der YouTube-Analyse. Damals wollte Alphabet scheinbar keiner haben und der Wert war wirklich ein Schnäppchen. Mittlerweile hat Alphabet diesen Platz mit Meta getauscht.

    https://www.youtube.com/watch?v=WcPYVLe7yZE

    @watchingtheflood Ich habe in IBM bereits Anfang 2023 investiert. Damals war die Aktie „value-pure“, galt noch als Langweiler ohne Renditepotenzial. Dabei hat das Unternehmen die längste KI-Erfahrung überhaupt, ist hervorragend in der Unternehmenswelt vernetzt und baut längst generative Enterprise-KI-Anwendungen. Zusätzlich hat es eine hohe Beratungskompetenz.

    Daher gehe ich davon aus, dass IBM in Zukunft wieder in die Top 10 der teuersten Unternehmen aufsteigen wird. Auch wegen seiner überragenden Rolle im Quantencomputing-Bereich, wie Du auch gesagt hast. In diesem Kontext wird der m. A. n. immer noch unterschätzt. Buffett hätte sich den Wert jetzt nochmal angeschaut, aber hat etwas zu früh in IBM investiert und wohl (zu früh) verkauft.

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