Donnerstag, 30. November 2017

Krones: Immer gut abgefüllt

▸ Kissigs Kolumne vom 02.11.2017, Aktien Magazin 28-29/2017 

Krones ist ein klassischer deutscher Mittelständler, doch den meisten Deutschen ist das Unternehmen nicht bekannt, obwohl sie fast täglich mit seinen Produkten in Berührung kommen. Zumindest indirekt.

Mit einer Börsenkapitalisierung von 3,6 Milliarden Euro ist Krones im deutschen Mittelstandsindex MDAX gelistet und konnte seinen Aktienkurs in den letzten fünf Jahren verdreifachen. Nach einem Rücksetzer im letzten Jahr stehen seit Jahresbeginn bisher gut 30 Prozent an Kursgewinn auf der Habenseite. Ein genauerer Blick auf das Unternehmen sollte sich also durchaus lohnen…


Krones ist ein Maschinenbauunternehmen und stellt Getränkeabfüllanlagen her. Mit dieser klassischen Beschreibung trifft man den Kern der Sache, aber inzwischen ist Krones noch weitaus mehr. Denn das Unternehmen könnte man längst auch als Logistikunternehmen oder als Dienstleistungsunternehmen beschreiben. Und irgendwie trifft alles zu.

Der Weltmarktführer bei Getränkeabfüllanlagen ist auf allen Kontinenten unterwegs, wenngleich Deutschland weiterhin der mit Abstand wichtigste Markt ist. Und während der heimische Markt eher gesättigt scheint, profitiert Krones von Wachstum der Weltbevölkerung und davon, dass sich in den aufstrebenden Regionen Asiens und Südamerikas immer mehr Menschen immer mehr leisten können. Und dies betrifft auch Getränke, deren Absatz von der steigenden Kaufkraft profitiert. Und während bei uns und in den USA der Trend in Richtung individueller und gesunder Getränke geht, weisen die Emerging Markets vor allem Wachstum bei klassischen Getränken auf, bei Coke, Pepsi und anderen Softdrinks.

Nach mehr als 60 Jahren in der Getränkeindustrie hat Krones eine Vielzahl der großen Player als Kunden und dem Unternehmen gelingt es, mit diesem Pfund zu wuchern. Denn es geht längst nicht mehr nur darum, immer schneller Getränke abzufüllen, sondern die Maschinen sind inzwischen Teil einer immer komplexer werdenden Logistikkette. Krones agiert hier als Partner der Getränkehersteller und bietet Lösung in Prozess- und Abfülltechnik an, plant ganze Produktionsstätten, übernimmt die Wartung und den Service und widmet sich nun sogar dem Thema Recycling. Ob es sich also um Brauanlagen handelt, um Abfüllanlagen oder Wasseraufbereitungsanlagen, um Filtersysteme, Inspektionstechnik oder das Flaschendesign, Krones ist der richtige Ansprechpartner.

 Krones AG (Quelle: wallstreet-online.de
Krones übernimmt im Idealfall bereits die Planung der neuen Anlage, die Ausstattung und die Integration in den Betrieb. Und anschließend die Wartung und den Service. Das sichert dem Unternehmen nicht nur den einmaligen Auftrag, sondern darüber hinaus dauerhafte Einnahmen. Die Erlöslage verstetigt sich damit und als schöner Nebeneffekt ist Krones immer nah dran am Kunden und kann auf dessen Wünsche und Anforderungen schnell reagieren. Und das ist auch nötig, denn die Konkurrenz wird immer härter und gerade asiatische Anbieter drängen in den Markt. Krones muss also innovativ bleiben, um sich gegen die aggressiven Wettbewerber behaupten zu können.

Und so hat Krones auf der Drinktec, der Weltleitmesse der Getränkeindustrie, eine ganze Reihe von Produktneuheiten vorgestellt, die den Kunden vor allem eine noch höhere Individualität und Flexibilität ermöglichen sollen. Krones geht dabei den Weg, den Maschinenbau mit dem Internet zu verbinden. Stichwort Industrie 4.0. Dabei geht es einerseits um dezentrale prozess- und Maschinensteuerung, andererseits aber insbesondere auch um Daten. So sollen die Maschinen künftig Produktionsprozesse steuern, von der Bestellung über die Herstellung bis hin zur Lieferung. Und das weltweit, egal an welchem Standort der Kunde seine Krones-Anlage einsetzt.

Für den Kunden bieten sich hieraus große Vorteile, denn er hat nur einen Ansprechpartner und seine Produktion wird effizienter und damit kostengünstiger. Krones hingegen punktet gegenüber seinen Wettbewerbern mit leistungsstärkeren, umfangreicheren und hochwertigeren Maschinen und kann gleichzeitig seine Kunden noch stärker an sich binden. Die Kundenbeziehungen werden immer enger und langfristiger, was für Krones einen sich verstärkenden Burggraben bedeutet. Für Wettbewerber wird es immer schwieriger, bei Krones-Kunden mit eigenen Anlagen zu punkten. Denn es geht eben nicht mehr nur um die Anlage als solche, sie ist heute Teil eines komplexen Waren- und Logistiksystems im Unternehmen.

Und nun zum Preis…
Krones ist ein echtes Qualitätsunternehmen und Qualität hat ihren Preis. Das ist auch bei Krones so und in der Vergangenheit ist man gut gefahren, den hohen Preis zu bezahlen, denn Krones hat ihn stets gerechtfertigt. Doch an der Börse wird die Zukunft gehandelt und daher lohnt der Blick nach vorne, bevor man sich zu einem Investment entschließt.


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Aktuell kratzt der Aktienkurs an der Rekordmarke aus dem Jahr 2015 und sollte er diese überwinden können, wäre die Luft nach oben erst einmal frei. Dazu muss der seit knapp zwei Jahren agierende neue CEO Christoph Klenk aber weiterhin seine Versprechen einlösen. Anfang 2016 startete der zuvor als Finanzchef tätige Firmenlenker zunächst mit ganz schwachen Zahlen, konnte in der Folge jedoch das Unternehmen schnell wieder auf Kurs bringen. Dem sich verschärfenden Wettbewerb stellt man nicht nur Innovationen entgegen, sondern auch das Strategieprogramm „Value“, mit dem vor allem die Effizienz erhöht und Kostensenkungspielräume genutzt werden sollen. Mit Erfolg, denn die EBT-Marge liegt wieder bei rund 7 Prozent. In der Mittelfristplanung soll sie sogar bis auf 8 Prozent steigen, was nicht gerade unambitioniert klingt. Und doch auch nicht unerreichbar.

Krones plant und fertig die seine Maschinen in Deutschland, lässt diese dann aber kostengünstig vor Ort installieren. Alleine in China beschäftigt man daher inzwischen schon 500 Mitarbeiter. Kundennähe ist Teil der Burggrabenstrategie. Weniger komplexe Anlagen sollen künftig hingegen in einem neuen Werk in Südosteuropa produziert werden, was die Kostenbasis weiter senken wird.

Und wo man nicht selbst in den Markt einsteigen kann oder will, setzt Krones auf Kooperationen. Wie bei PET-Flaschen, wo man mit dem Weltmarktführer im Bereich Kunststoffrecyclinganlagen zusammenarbeitet, der österreichischen Erema. Ziel der Partner ist, den komplexen PET-Kreislauf von der Herstellung der PET-Kunststoffprodukte bis hin zur Wiederverwertung zu schließen. Erema hat die Technik, Krones die Kunden. Und damit auch die Rohstoffe in Form der PET-Flaschen, so dass sich hier eine sehr erfolgreiche zusätzliche Zukunftsperspektive auftut.

Bei allen positiven Aussichten gibt es natürlich auch stellenweise Gegenwind. Die niedrigen Zinsen und die fast erreichte Vollbeschäftigung in Deutschland könnten sich in steigenden Löhnen niederschlagen. Und die IG Metall hat gerade verkündet, sie wolle die 28-Stunden-Woche durchsetzen und eine noch weitgehendere Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Beides würde Krones empfindlich treffen und die bisherigen Erfolge der Einsparbemühungen konterkarieren. Sollten beide Faktoren so eintreffen, würde sich die Marktposition von Krones gegenüber den ausländischen Wettbewerbern spürbar eintrüben. Und auch eine globale Konjunkturabschwächung würde Krones treffen, wobei man bisher durch die weltweite Aufstellung Probleme in der einen Region durch Erfolge in anderen kompensieren konnte.

Unterm Strich stellt sich Krones als grundsolider und innovativer Weltmarktführer dar, den man zu einem stolzen Preis erwerben kann. Dieser war in der Vergangenheit gerechtfertigt und für langfristig orientierte Anleger sollte Krones ein interessantes Qualitätsinvestment sein. Auch wenn nicht davon auszugehen ist, dass der Aktienkurs im nächsten halben Jahr gleich noch einmal um 50 Prozent zulegt, sprechen die langfristigen Perspektiven und Trends für Krones und seine Aktien.

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