Donnerstag, 23. Juli 2026

[Kissigs Nebenwerte-Analyse] Ströer: Daten und KI powern zunehmend die Geschäfte

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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 16/2026 vom 22.07.2026

Aktien in dieser Ausgabe: KSB, Ströer, Wacker Neuson

Ströer: Daten und KI powern zunehmend die Geschäfte

Die Ströer SE & Co. KGaA gehört zu den größten Medien- und Werbeunternehmen Deutschlands und ist vor allem als Marktführer im Bereich der Außenwerbung bekannt. Das Unternehmen mit Sitz in Köln hat sich in den vergangenen Jahren jedoch weit über das klassische Plakatgeschäft hinaus entwickelt. Heute versteht sich Ströer als integrierter Medienkonzern, der Außenwerbung, digitale Werbung, Dialogmarketing, Datenlösungen und digitale Medienangebote miteinander verbindet. Der Kursentwicklung sieht man die Erfolge aber nicht an.

Die Digitalisierung der Werbebranche hat das Geschäftsmodell von Ströer grundlegend verändert. Während früher vor allem analoge Großflächenplakate das Geschäft bestimmten, spielen heute digitale Werbeflächen, programmatische Buchungssysteme, Datenanalysen und künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle. Gleichzeitig investiert das Unternehmen kontinuierlich in neue Technologien, um Werbekampagnen effizienter, flexibler und zielgerichteter zu gestalten. Besonders die digitale Außenwerbung (Digital Out of Home, DOOH) entwickelt sich zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber des Konzerns. Im ersten Quartal 2026 wuchs dieses Geschäft erneut zweistellig und bestätigte damit den langfristigen Trend hin zu digitalen Werbeformaten.

Ströer profitiert dabei von einem Werbemarkt, der sich zunehmend von klassischen Printmedien und linearem Fernsehen hin zu digitalen Kanälen verlagert. Unternehmen möchten ihre Werbung heute möglichst präzise ausspielen, ihre Wirkung messen und Kampagnen kurzfristig anpassen können. Genau an dieser Stelle setzt das Geschäftsmodell von Ströer an.

Durch zahlreiche Übernahmen wurden digitale Werbevermarkter, Medienportale, Dialogmarketing-Unternehmen und Datenanbieter integriert. Besonders bedeutend waren der Erwerb des Nachrichtenportals t-online.de, des Statistikunternehmens Statista sowie verschiedener Unternehmen im Bereich Dialogmarketing. Dadurch wandelte sich Ströer von einem reinen Außenwerber zu einem breit diversifizierten Medienunternehmen.

Auch Übernahmen sorgen für Wachstum

Heute erwirtschaftet Ströer einen Jahresumsatz von deutlich über 2 Mrd. Euro und beschäftigt mehrere zehntausend Mitarbeiter in unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Das Unternehmen ist überwiegend auf dem deutschen Markt aktiv und besitzt dort eine außergewöhnlich starke Marktposition. Anders als viele internationale Werbekonzerne konzentriert sich Ströer bewusst auf den deutschsprachigen Raum und verfolgt dort eine Strategie der hohen Marktdurchdringung. Diese Fokussierung ermöglicht es dem Unternehmen, Werbekunden nahezu flächendeckende Kampagnen aus einer Hand anzubieten.

Das Geschäftsmodell von Ströer basiert darauf, Aufmerksamkeit zu vermarkten. Unternehmen bezahlen Ströer dafür, ihre Werbebotschaften an möglichst relevante Zielgruppen auszuspielen. Dabei nutzt der Konzern unterschiedliche Kanäle, die sich gegenseitig ergänzen.

Im Kern besitzt oder betreibt Ströer tausende Werbestandorte in deutschen Städten. Dazu gehören klassische Plakatflächen ebenso wie digitale Bildschirme an stark frequentierten Standorten. Diese Werbeflächen werden an Unternehmen vermietet, die dort ihre Kampagnen präsentieren möchten.

Mit der Digitalisierung hat sich dieses Modell jedoch erheblich erweitert. Digitale Werbeflächen können heute innerhalb weniger Sekunden mit neuen Inhalten bespielt werden. Dadurch lassen sich Werbekampagnen zeitlich steuern oder sogar automatisiert an Wetter, Uhrzeit, Verkehrsaufkommen oder besondere Ereignisse anpassen. Für Werbekunden erhöht sich dadurch die Flexibilität erheblich.

Darüber hinaus kombiniert Ströer verschiedene Werbekanäle miteinander. Ein Unternehmen kann beispielsweise gleichzeitig Plakatwerbung in Innenstädten, Online-Werbung auf Nachrichtenportalen, Videoanzeigen auf digitalen Bildschirmen sowie Direktmarketing über Callcenter oder E-Mail-Kampagnen buchen. Ströer übernimmt dabei Planung, Aussteuerung und Erfolgsmessung der Kampagnen.

Dadurch entwickelt sich das Unternehmen zunehmend zu einer integrierten Werbeplattform. Kunden erhalten nicht lediglich einzelne Werbeflächen, sondern komplette Kommunikationslösungen.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil liegt in der Nutzung großer Datenmengen. Über digitale Medienangebote, Werbeplattformen und Analysewerkzeuge sammelt Ströer umfangreiche Informationen über Reichweiten, Nutzerverhalten und Werbewirkung. Diese Daten ermöglichen eine präzisere Zielgruppenansprache und erhöhen die Effizienz von Werbekampagnen. Datenschutzrechtliche Vorgaben spielen hierbei eine zentrale Rolle und bestimmen die technische Umsetzung der Datennutzung.

Die Wertschöpfungskette: mehrere aufeinander aufbauende Schritte. Zunächst akquiriert Ströer attraktive Werbestandorte. Dies geschieht häufig über langfristige Verträge mit Städten, Gemeinden, Verkehrsunternehmen oder privaten Grundstückseigentümern. Solche Verträge laufen teilweise über viele Jahre und schaffen stabile Einnahmequellen.

Anschließend investiert das Unternehmen in Infrastruktur. Neben klassischen Werbeanlagen entstehen zunehmend digitale Displays, LED-Screens und Public-Video-Netzwerke. Diese Anlagen sind deutlich teurer als klassische Plakatflächen, ermöglichen jedoch wesentlich höhere Umsätze, da mehrere Werbekunden dieselbe Fläche zeitlich nacheinander nutzen können.

Im nächsten Schritt vermarktet Ströer diese Werbeflächen an Agenturen und Direktkunden. Große Markenunternehmen buchen häufig nationale Kampagnen, während regionale Unternehmen gezielt einzelne Städte oder Regionen auswählen können.

Parallel dazu entwickelt Ströer Softwarelösungen für die automatisierte Buchung digitaler Werbeflächen. Dieses sogenannte Programmatic Advertising ermöglicht es Werbekunden, Kampagnen ähnlich flexibel zu buchen wie Onlinewerbung.

Nach der Ausspielung misst das Unternehmen den Erfolg der Kampagnen. Moderne Sensorik, Mobilitätsdaten und Reichweitenanalysen liefern detaillierte Informationen darüber, wie viele Menschen eine Werbeanzeige vermutlich gesehen haben und wie erfolgreich einzelne Kampagnenelemente waren.

Damit deckt Ströer die gesamte Wertschöpfungskette von der Infrastruktur über die Vermarktung bis zur Erfolgsmessung ab. Diese vertikale Integration stellt einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Außenwerbern dar.

Wirtschaftliche Attraktivität

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht besitzt das Geschäftsmodell mehrere Besonderheiten. Ein großer Teil der Kosten entsteht bereits beim Aufbau der Infrastruktur. Sind Werbeanlagen einmal installiert, verursachen zusätzliche Werbekunden vergleichsweise geringe variable Kosten. Dadurch verbessert sich die Profitabilität mit steigender Auslastung deutlich.

Digitale Werbeflächen verstärken diesen Effekt zusätzlich. Während ein klassisches Plakat meist nur von einem Kunden gleichzeitig genutzt wird, können digitale Bildschirme innerhalb eines Tages zahlreiche verschiedene Werbekampagnen anzeigen. Dadurch steigt der Umsatz pro Standort erheblich.

Hinzu kommt, dass Außenwerbung im Vergleich zu Onlinewerbung weniger von Werbeblockern oder algorithmischen Änderungen abhängig ist. Menschen können Werbeflächen im öffentlichen Raum kaum ausweichen. Gleichzeitig lässt sich ihre Reichweite inzwischen ähnlich präzise analysieren wie digitale Werbung.

Auch langfristige Verträge mit Städten und Kommunen schaffen Planungssicherheit. Neue Wettbewerber haben es häufig schwer, attraktive Standorte zu erhalten, da viele Konzessionen bereits langfristig vergeben sind. Dadurch entstehen hohe Markteintrittsbarrieren.

Schließlich profitiert Ströer von seiner breiten Diversifikation. Schwächen in einzelnen Geschäftsbereichen können häufig durch Wachstum in anderen Segmenten ausgeglichen werden. Gerade die Kombination aus Außenwerbung, digitalen Medien und Dialogmarketing macht den Konzern im deutschen Werbemarkt vergleichsweise widerstandsfähig.

Ströer goes Digital

Ströer hat sich von einem klassischen Außenwerber zu einem diversifizierten Medienunternehmen entwickelt. Das Unternehmen bündelt seine Aktivitäten in mehreren Geschäftsbereichen, die sich gegenseitig ergänzen und Synergien schaffen. Ziel ist es, Werbekunden entlang der gesamten Customer Journey zu begleiten – von der ersten Markenwahrnehmung bis zur direkten Kundenansprache und Erfolgsmessung.

Out-of-Home Media: Der wichtigste Geschäftsbereich ist nach wie vor die Außenwerbung. Hier verfügt Ströer über die größte Reichweite in Deutschland und betreibt mehrere hunderttausend Werbeträger.

Zum Portfolio gehören klassische Großflächenplakate, City-Light-Poster, Litfaßsäulen, Werbeuhren, Verkehrsmittelwerbung, Werbung an Bahnhöfen und Flughäfen sowie Werbeflächen an Einkaufszentren und öffentlichen Plätzen. Diese breite Präsenz ermöglicht es Werbekunden, nahezu alle Bevölkerungsgruppen im öffentlichen Raum zu erreichen.

Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil besteht darin, dass Außenwerbung unabhängig von Streamingdiensten, Werbeblockern oder sinkenden TV-Einschaltquoten funktioniert. Menschen begegnen den Werbeflächen automatisch auf ihrem täglichen Arbeitsweg, beim Einkaufen oder auf Reisen. Dadurch bleibt Außenwerbung auch im digitalen Zeitalter ein wichtiger Bestandteil des Marketing-Mix.

Digital Out of Home: Der dynamischste Teil des Außenwerbegeschäfts ist die digitale Außenwerbung. Dabei ersetzt Ströer klassische Plakate zunehmend durch LED-Bildschirme und hochauflösende Displays.

Digitale Werbeflächen bieten zahlreiche Vorteile: mehrere Werbekunden teilen sich denselben Bildschirm, Inhalte können innerhalb weniger Sekunden ausgetauscht werden, Kampagnen lassen sich zeit- oder wetterabhängig steuern, kurzfristige Buchungen werden möglich und Reichweiten können genauer analysiert werden.

Immer häufiger erfolgt die Buchung dieser Werbeflächen automatisiert über sogenannte Programmatic-Advertising-Plattformen. Dadurch ähnelt die digitale Außenwerbung zunehmend dem Online-Marketing.

Für Ströer bedeutet diese Entwicklung deutlich höhere Erlöse pro Standort und bessere Auslastung der vorhandenen Infrastruktur.

Digital & Dialog Media: Neben der Außenwerbung bildet das Segment Digital & Dialog Media die zweite tragende Säule des Konzerns.

Hier bündelt Ströer verschiedene digitale Medienangebote und Dienstleistungen, wie Nachrichtenportale, Informationsplattformen, Online-Werbung, Performance-Marketing, Suchmaschinenmarketing, Social-Media-Kampagnen und Kundenkommunikation.

Über diese Angebote erreicht Ströer jeden Monat Millionen Internetnutzer. Für Werbekunden entsteht dadurch die Möglichkeit, klassische Außenwerbung mit digitalen Kampagnen zu kombinieren.

Beim Dialogmarketing unterstützt Ströer Unternehmen dabei, direkt mit bestehenden oder potenziellen Kunden zu kommunizieren. Zum Angebot gehören Callcenter-Dienstleistungen, Kundenservice, Vertriebsunterstützung, Leadgenerierung, Terminvereinbarungen, Kundenbefragungen und E-Mail-Marketing.

Diese Dienstleistungen unterscheiden Ströer von klassischen Werbeunternehmen. Während viele Wettbewerber lediglich Reichweite verkaufen, begleitet Ströer Kunden häufig bis zum eigentlichen Verkaufsabschluss. Dadurch entstehen langfristige Kundenbeziehungen und stabile Erlöse.

Daten und Analytik: Daten gehören mittlerweile zu den wichtigsten Ressourcen des Unternehmens. Ströer analysiert unter anderem Besucherströme, Mobilitätsdaten, Reichweiten, Zielgruppen, Werbewirkung und Kampagnenerfolge. Diese Informationen helfen Werbekunden dabei, ihre Budgets effizient einzusetzen.

Ein großer Vorteil besteht darin, dass Außenwerbung heute deutlich messbarer geworden ist als noch vor einigen Jahren. Moderne Datenanalysen erlauben eine wesentlich genauere Planung von Kampagnen.

Gleichzeitig unterstützt künstliche Intelligenz zunehmend die Aussteuerung von Werbekampagnen und verbessert deren Effizienz.

Synergien zwischen den Geschäftsbereichen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt darin, dass die einzelnen Geschäftsbereiche eng miteinander verzahnt sind. Ein Werbekunde kann beispielsweise: Außenwerbung buchen, digitale Kampagnen schalten, Social-Media-Werbung ergänzen, Kunden telefonisch kontaktieren, und den Kampagnenerfolg analysieren.

Alle Leistungen stammen aus einer Hand. Dadurch entstehen Skaleneffekte sowohl für Ströer als auch für die Kunden. Für den Konzern bedeutet dies höhere Kundenbindung und bessere Margen.

Starke Wettbewerbsvorteile

Ströer besitzt mehrere strukturelle Wettbewerbsvorteile. Erstens verfügt das Unternehmen über langfristige Konzessionsverträge mit Städten und Gemeinden. Neue Wettbewerber können attraktive Standorte deshalb nur schwer erschließen. Zweitens besitzt Ströer enorme Reichweiten sowohl im öffentlichen Raum als auch im Internet. Drittens entstehen durch die Kombination verschiedener Werbekanäle erhebliche Synergien. Viertens profitiert das Unternehmen von der Digitalisierung bestehender Werbestandorte, ohne völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln zu müssen.

Diese Faktoren machen Ströer zu einem der profitabelsten Außenwerbeunternehmen Europas und belegt dies mit starken Quartalszahlen.

Voll auf Wachstumskurs?

Ströer erzielte im ersten Quartal 2026 mehr Umsatz erzielen als erwartet und auch das operative Tagesgeschäft steigern. In Zahlen heißt das: Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten von 475 Mio. Euro im Vorjahr auf 496 Mio. Euro. Organisch betrug der Anstieg allerdings nur magere 1,1 %. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg von 117 Mio. Euro auf 119 Mio. Euro und auch dieser Zuwachs ist wenig spektakulär. Die entsprechende EBITDA-Marge ging von 24,7% auf 24,1% zurück, wenngleich die Erwartungen der Analysten deutlich niedriger gelegen hatten. Die Prognose für 2026 wurde vom Management bestätigt.

Risse in der Powerstory

In den vergangenen Jahren hat sich Ströer konsequent vom klassischen Außenwerber zu einer technologiegestützten Medienplattform weiterentwickelt.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau digitaler Werbeflächen. Immer mehr analoge Plakatflächen werden durch digitale Displays ersetzt. Dadurch steigt die Flexibilität für Werbekunden erheblich.

Gleichzeitig investiert das Unternehmen in Programmatic Advertising. Werbekunden können digitale Außenwerbung inzwischen ähnlich automatisiert buchen wie Onlineanzeigen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz. KI unterstützt unter anderem Kampagnenplanung, Zielgruppenanalyse, Preisoptimierung, Prognosen, Automatisierung interner Prozesse. Dadurch sollen Effizienz und Profitabilität weiter steigen.

Auf der Gegenseite ist KI auch schuld an den Zweifeln, die Ströer seit einiger Zeit begleiten. Denn KI könnte viele der Angebote und Leistungen von Ströer disruptieren, entweder durch direkte Angebote oder dadurch, dass Kunden „schleichend“ auf andere Werbewege umsteigen. Ströers erfolgreicher Expansionskurs der letzten Jahre rückt das Unternehmen eben auch in den Fokus der aktuell umsichgreifenden KI-Furcht.

Abgekühlte Übernahmefantasie

In dieser Situation sieht sich Ströer mit Übernahmeinteresse konfrontiert. Ein Bieterkonsortium um Blackstone und Squared I hatte erwogen, Ströer für rund 2,5 Mrd. Euro zu übernehmen. Doch inzwischen hat sich Blackstone zurückgezogen und Squared I prüft sein weiteres Vorgehen.

Den Aktienkurs hatte die Übernahmefantasie zuvor angefixt, entsprechend ernüchtert reagierte er auf das vermeintliche Scheitern der Gespräche.

Und auch ansonsten kann Ströer in Sachen Kursentwicklung nicht gerade glänzen. Ende 2021 notierte die Aktie bei deutlich über 70 Euro, anschließend halbierte sich der Kurs innerhalb von 12 Monaten, bevor er Mitte 2024 wieder um die 65 Euro notierte. Von da an setzte eine zweite massive Abwärtswelle an, die die Aktie im Frühjahr 2026 sogar unter die Marke von 30 Euro drückte. Seitdem gab es eine 20-prozentige Erholung, aber unterm Strich brachten die letzten fünf Jahre in etwa eine Kurshalbierung mit sich.

Was für die Bestandsaktionäre hart zu schlucken ist, bietet Neueinsteiger eine überaus attraktive Dividendenrendite von gut 5,5%. Die macht Ströer zu einer der dividendenstärksten Aktien auf dem deutschen Kurszettel – allerdings dürfte es die nächste Ausschüttung erst wieder im Juni 2027 geben.

Bullcase vs. Bearcase

Die langfristigen Wachstumsperspektiven erscheinen grundsätzlich attraktiv. Der Anteil digitaler Werbeflächen in den Städten wächst kontinuierlich und da digitale Screens mehrere Werbekunden gleichzeitig bedienen können, steigt der Umsatz pro Standort erheblich.

Gleichzeitig wohnen immer mehr Menschen in Städten, wo durch stark frequentierte Werbestandorte weiter an Bedeutung gewinnen. Gerade Bahnhöfe, Innenstädte und Einkaufszentren zählen zu den attraktivsten Werbeumfeldern.

Zudem verlagern sich die Werbebudgets zunehmend in digitale Kanäle. Digitale Außenwerbung profitiert von dieser Entwicklung besonders stark, weil sie Reichweite und Flexibilität kombiniert.

Damit einher geht auch das datengetriebene Marketing, denn Unternehmen möchten ihre Werbekampagnen immer genauer messen. Ströer kann hier durch seine Datenkompetenz zusätzliche Dienstleistungen anbieten.

Und dann ist da noch der Kick durch künstliche Intelligenz. KI dürfte in den kommenden Jahren nahezu alle Bereiche der Werbebranche verändern. Von automatisierter Kampagnenerstellung bis hin zur dynamischen Preisgestaltung entstehen zahlreiche neue Geschäftsmöglichkeiten.

Trotz der positiven Perspektiven bestehen verschiedene Risiken. Werbung gehört zu den ersten Ausgaben, die Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten reduzieren. Eine Rezession könnte deshalb kurzfristig zu sinkenden Werbeerlösen führen.

Darüber hinaus wächst die Konkurrenz durch globale Plattformen, weil Unternehmen wie Google, Meta oder Amazon massiv in digitale Werbung investieren. Diese Plattformen verfügen über enorme Datenmengen und ziehen einen großen Teil der weltweiten Werbeausgaben auf sich. Ströer muss deshalb seine Stärken im lokalen Markt konsequent ausspielen.

Ströer muss sein Business mit einem hohen Investitionsbedarf füttern. Digitale Werbeflächen erfordern hohe Anfangsinvestitionen und sollte sich das Marktwachstum verlangsamen oder die Werbekunden alternative Vertriebskanäle bevorzugen, könnten sich diese Investitionen langsamer amortisieren oder schlimmstenfalls zu “sunk costs“ werden und abgeschrieben werden müssen.

Dieses Risiko kann sich sowohl durch technologische Veränderungen konkretisieren als auch durch veränderte Mediennutzungsgewohnheiten – und diese Entwicklungen vollziehen sich in immer kürzeren Abständen, was langfristige Investitionen unter erhöhtes Risiko stellt.

Mein Fazit

Ströer hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich neu positioniert. Aus einem klassischen Anbieter von Plakatwerbung ist ein breit aufgestellter Medienkonzern entstanden, der Außenwerbung, digitale Medien, Datenanalyse und Dialogmarketing miteinander verbindet.

Besonders überzeugend ist die Kombination aus stabilen, langfristig gesicherten Werbestandorten und wachstumsstarken digitalen Geschäftsmodellen. Die Digitalisierung bestehender Werbeflächen erhöht die Wirtschaftlichkeit erheblich und schafft zusätzliche Umsatzpotenziale. Gleichzeitig stärken datengetriebene Dienstleistungen und KI-gestützte Prozesse die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Die starke Marktstellung in Deutschland, hohe Eintrittsbarrieren durch langfristige Konzessionen und die Fähigkeit, integrierte Werbelösungen anzubieten, sprechen für eine solide Wettbewerbsposition. Dem stehen jedoch Risiken wie konjunkturelle Schwankungen, steigender Wettbewerbsdruck durch globale Digitalplattformen und ein hoher Investitionsbedarf gegenüber.

Insgesamt ist Ströer ein Unternehmen, das klassische Infrastruktur mit digitalen Zukunftstechnologien verbindet und damit gut positioniert ist, um vom langfristigen Wandel der Werbebranche zu profitieren.

Die üppige Dividendenrendite sticht als Highlight heraus, aber sie muss auch erst einmal operativ verdient worden sein, um nicht die Substanz des Unternehmens auszuhöhlen. Bisher gelingt Ströer dies passabel, doch die potenzielle Disruption durch KI drückt auf Stimmung, Erwartungen und Kurs.

Die aktuelle Börsenkapitalisierung liegt bei 2 Mrd. Euro, das – vorerst – gescheiterte Übernahmegebot würde das Unternehmen mit 2,5 Mrd. Euro bewerten und damit eine 25-prozentige Prämie bieten. Vielleicht ist auch noch mehr drin.

Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Ströer wissen muss

  1. Ströer ist Marktführer für Außenwerbung in Deutschland und betreibt eines der größten Werbeflächennetze Europas.
  2. Das Unternehmen entwickelt sich zunehmend von einem klassischen Plakatwerber zu einer digitalen Medien- und Werbeplattform mit den Schwerpunkten DOOH, Datenanalyse und KI.
  3. Die Kombination aus Außenwerbung, digitalen Medien und Dialogmarketing ermöglicht integrierte Werbelösungen entlang der gesamten Customer Journey.
  4. Die größten Chancen liegen in der Digitalisierung der Außenwerbung und datengetriebenen Werbemodellen, während Konjunkturschwankungen und der Wettbewerb mit globalen Plattformen die wichtigsten Risiken darstellen.
Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Meta auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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