Freitag, 27. Juli 2018

KION Group: Antizyklische Einstiegschance mit einem Schuss Übernahmephantasie

Bei der KION Group (WKN: KGX888) lief es zuletzt nicht mehr ganz so rund, wie man auch am Aktienkurs ablesen kann. Gestern gab es nun eine Umsatzwarnung und das schickt die Aktie weitere 10% in den Keller.

Irgendwie unverständlich, denn der Vorstand bekräftigte seine Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr, weil er sich sicher ist, die vorübergehenden kleineren Schlaglöcher im Jahresverlauf ausbügeln zu können. Als zyklischer Wert ist KION natürlich besonders von der konjunkturellen Lage abhängig und die sich zuspitzenden Handels- und Zollkonflikte dürften das eigentliche Problem sein, so dass Anleger die gestrige Meldung eher als willkommenen Anlass zur Depotbereinigung genutzt haben, als dass er fundamental (gut) begründet wäre.

Doch auf dem aktuellen Kursniveau von 56 Euro könnte sich der Einstieg (wieder) lohnen, denn KION ist - wie auch Wettbewerber Jungheinrich (WKN: 621993) - sehr gut aufgestellt und ein großer, wenn auch indirekter, Profiteur des Onlinehandels. Und dann gibt es da noch diese chinesische Komponente...


Über das Geschäftsmodell von KION und Jungheinrich will ich an dieser Stelle gar nicht viele Worte verlieren, denn das könnt ihr ausführlich in meinem Artikel aus dem März nachlesen: "Mit Jungheinrich und KION vollautomatisch mitverdienen". Daraus lässt sich auch schnell erkennen, weshalb ich die beiden Unternehmen für so aussichtsreich halte.

Und dass KION nicht vor dem unternehmerischen Kollaps steht, kann man der gestrigen Meldung gut entnehmen. Neben Lohnkostensteigerungen und der Materialpreisentwicklung wirkten sich Ineffizienzen in der Produktion durch Lieferengpässe bei einzelnen Zulieferern sowie negative Währungseffekte aus. Daneben konnte KION im ersten Halbjahr 2018 den Auftragseingang um 11,9% auf 4,309 Mrd. Euro steigern, wobei sich auch hier der Währungseffekt mit -159,8 Mio. Euro negativ bemerkbar machte. Daher halte ich die Aussage des Vorstands, dass man die negativen Einflüsse und Probleme im Jahresverlauf in den griff bekommen wird, für realistisch und nachvollziehbar, so dass der Kursabsturz übertrieben scheint.

Bei KION kommt aber ein entscheidender zusätzlicher Faktor ins Spiel, denn der chinesische Großaktionär Weichai hält seit dem Börsengang rund 43% der Anteile an KION und das Stillhalteabkommen, nach dem die Weichai die Schwelle von 49,9% nicht überschreiten darf, lief Ende Juni aus. Für die Chinesen sind die Themen Robotik und Automatisierung Kern ihrer Übernahmestrategien im Westen, wie auch das Beispiel KUKA zeigte, und deshalb könnte es mit einer Komplettübernahme von KION schneller gehen als gedacht. Zumal Weichai nur ganze drei tage abwartete, bevor man die Aufstockung des KION-Anteils auf 45% vermeldete. Kaum vorstellbar, dass dies schon alles gewesen sein sollte.

 KION Group (Quelle: wallstreet-online.de
Meine Einschätzung
Ich bin davon überzeugt, dass Weichai bei KION weiter aufstocken und die Mehrheit übernehmen will. Vielleicht strebt man sogar eine Komplettübernahme an. Auf jeden Fall bietet sich den Chinesen jetzt eine günstige(re) Gelegenheit für Zukäufe an, denn den Absturz des Börsenkurses von 80 Euro in der Spitze Mitte letzten Jahres auf nun knapp 56 Euro macht dieses Unterfangen deutlich billiger. Selbst wenn man eine satte Übernahmeprämie zahlen müsste bezogen auf den aktuellen Kurs. Und wie weit bzw. hoch Chinesen bei Übernahmen in für sie zukunftsrelevanten Schlüsselbranchen zu gehen bereit sind, auch das haben bei KUKA eindrücklich erfahren dürfen.

Ich habe daher die Gelegenheit genutzt und meinem Depot eine Portion KION-Aktien gegönnt. Und ich nehme den Wert zusätzlich auf meine Beobachtungsliste, weil er neben meiner Altempfehlung Jungheinrich eben auch eine gehörige Portion Übernahmephantasie mit sich bringt.

Disclaimer
KION befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Danke für das Update. Ich schiele schon lange auf Jungheinrich. Ich mag Familienunternehmen. Aber den Vergleich Jungheinrich / Kion gewinnt aufgrund der Wachtumsstory samt Übernahmephantasie fast überall Kion. Habe daher heute morgen (auch bei dir) schon umfangreich zu Kion recherchiert. Grübele grad noch: Bodenbildung abwarten, oder einfach rein....

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    1. Hey, dann sind wir ja schon zwei, die heute (auch in meinem Blog) zu KION recherchiert haben. ;-) Ich habe mich jedenfalls zum Kauf entschieden und meine Position im Tagesverlauf bereits einmal ein bisschen aufgestockt.

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    2. Bin heute mit einer halben Position rein. Die andere Hälfte kommt wenn es dreht. Das Risiko scheint mir überschaubar. Halbieren wird sich der Wert nicht..

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  2. Besten Dank auch meinerseits für den aktuellen Artikel - bei mir liegen auch beide Werte im Depot - Kion hab ich heute ebenfalls aus den von Ihnen genannten Gründen einige Stücke nachgekauft; schaden kann's nicht ...

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  3. Amsterdam Value Investor28. Juli 2018 um 01:11

    Toller Post - Vielen Dank. Ich habe auch ein wenig recherchiert und fand dieses News item.

    https://www.reuters.com/article/us-50hertz-m-a-kfw/germany-agrees-investment-in-50hertz-fending-off-chinas-state-grid-idUSKBN1KH0RB

    Dürften diese Entwicklungen die Übernahme Chancen vermindern? Was ist deine Einschätzung?

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    1. Ich glaube nicht, dass eine Intervention bei einer Mehrheitsübernahme seitens der Chinesen/Weichai bei KION auf der politischen Agenda stehen würde. KION (Kernstück ist die frühere Linde-Gabelstaplersparte) war ja bereits verkauft worden an die Finanzinvestoren KKR und Goldman Sachs. Die beiden haben aus der Linde-Sparte durch Zukäufe und Restrukturierungen die Nummer 2 auf dem Weltmarkt geschaffen (Jungheinrich ist die Nummer 3) und KION dann einige Jahre später wieder an die Börse gebracht. Inzwischen sind beide vollständig ausgestiegen.

      Bei 50Herz geht es um die Stromnetze im Norden und Osten Deutschlands. Die will man nicht aus der Hand geben, weil sie auch unter strategischen und sicherheitspolitischen Aspekten von enormer Bedeutung sind. Als die bundesweiten Netze in vier großen Gesellschaften gebündelt wurden vor einigen Jahren, konnte die Politik nur staunend zuschauen, als dabei auch ausländische Konzerne Zugriff bekamen. Bei 50Herz ist aber der Niederländische Staat im Hintergrund größer Anteilseigner, da konnte Deutschland kaum Sicherheitsbedenken anmelden (gegen einen EU- und NATO-Partner). Wenn die Chinesen sich hier einkaufen wollen, dann sieht das völlig anders aus. Oder die Russen. Oder - aus heutiger Sicht - die USA. Bei Lagerlogistik und Gabelstaplern dürfte das anders aussehen. Und dann hätte man Weichai auch schon bei den großen Aktienpaketserwerben der Vergangenheit Steine in den Weg legen müssen. Hat man aber nicht. Daher dürfte hier kein entscheidender Widerstand bei einem Übernahmeversuch kommen.

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    2. Amsterdam Value Investor28. Juli 2018 um 15:27

      Vielen Dank für die ausführliche Erläuterung.

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