Donnerstag, 10. Oktober 2019

PNE: Übernahmeangebot von Morgan Stanley Infrastructure Partners zielt auf ein Delisting

Nun ist es also offiziell: Morgan Stanley Infrastructure Partners hat nach der bisher unverbindlichen Absichtserklärung, ggf. PNE komplett übernehmen zu wollen, jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und ein verbindliches Angebot für die ausstehenden Aktien abgegeben. Nachdem man die Bücher von PNE intensiv geprüft hat, liegt die Offerte mit €4,00 deutlich über der ursprünglich genannten Bandbreite von €3,50 bis €3,80, aber das ist noch nicht alles...


Die guten Nachrichten vorweg: bis vor Kurzem gab es immer wieder Zweifler und Kritiker an dem von PNE eingeschlagenen Weg, nicht nur Projekte zu entwickeln und abzuverkaufen, sondern über mehrere Jahre ein großes Windpark-Portfolio zusammenzubauen, um dieses dann am Ende en bloc mit großem Gewinn zu veräußern. Kritik gab es vor allem, weil über die Jahre die Kosten in der Bilanz auftauchten, aber dem eben keine Verkäufe entgegenstanden und daher die "offiziellen" Kennzahlen für die Bewertung und den vergleich mit der Peergroup negativ verzerrt waren. PNE hat hier für Abhilfe sorgen wollen, in dem man jeweils immer die entsprechenden Berechnungen zu Kosten und Werten zusätzlich zu den offiziellen Zahlen ergänzend mitteilte. Aber das traf nicht immer auf fruchtbaren Boden bei den Anlegern und so fristete PNE bzgl. der Kursentwicklung eher ein Schattendasein.

PNE (Quelle: wallstreet-online.de)
Jedenfalls so lange, bis MSIP mit seiner unverbindlichen Übernahmeofferte um die Ecke kam. Da sprang der Kurs zunächst auf €3,50 und kletterte dann sukzessive Richtung €3,80. Ich hatte PNE ja als einem meiner Nebenwertefavoriten für 2019 benannt und hatte darauf hingewiesen, dass die Musik erst in der zweiten Jahreshälfte aufdrehen würde. Nicht etwa, weil ich mit einer Übernahme gerechnet hätte, sondern weil gegen Ende des Jahres die Vorbereitungen zum Verkauf des "Windpark Portfolio 2020" anstehen würden, was die absehbaren hohen Gewinne in den Fokus rücken und somit dem Kurs mächtig Auftrieb bringen dürfte.

Tja, MSIP kommt dem Verkauf des Windpark Portfolios zuvor und will nicht nur diesen Bestand sondern auch das gesamte Business von PNE kaufen. Also die Projektentwicklung und auch das neue, strategische Segment, das um Energiedienstleistungen herum aufgebaut wird. Insofern kommt es nicht überraschend, dass der PNE-Vorstand die Übernahmeofferte unterstützt und hofft, dass MSIP die angestrebten 50% Anteilsbesitz auch erreicht, an die die Offerte geknüpft ist.

MSIP macht aber auch keine Hehl daraus, was man als nächstes vor hat. PNE soll nämlich von der Börse genommen werden, ein sog. Delisting. Diese Ankündigung hat bisher keine negativen Auswirkungen auf den Kurs; aktuell fokussieren sich die Anleger auf die €4-Übernahmeofferte als Gradmesser. Sollte die 50%-Schwelle erreicht werden, wird man sich neue Gedanken machen müssen, ob man seine Aktien verkauft oder ggf. den Weg des Delistings und eines später sicherlich folgenden Squeeze-outs mitgehen will. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zunächst freue ich mich, dass mein Investmentcase prima aufgegangen ist, nämlich das die versteckten Werte bei PNE gehoben werden und der Kurs entsprechend kräftig anzieht, auch wenn die Übernahme nicht zu meinem Plan gehörte; seit Jahresbeginn stehen hier nun überragende 67% Rendite (YTD) zu Buche.

Disclaimer
PNE befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.


Ergänzung vom 10.10.2019: Verkauf und Streichung von der Beobachtungsliste

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass das Übernahmeangebot von €4 ein Großteil des mittelfristigen Potenzials bei PNE einpreist und dass es attraktivere Investments geben wird, als auf ein mögliches Endspiel (Delisting, Squeeze-out) zu setzen. Daher habe ich zu €4,05 meine PNE-Aktien verkauft und nehme sie auch von der Beobachtungsliste.

Mein erstes PNE-Engagement hatte 2017 nach knapp anderthalb Jahren 50% eingespielt und nun stehen 2019 nach erneut knapp anderthalb Jahren nochmals 69% Rendite zu Buche (inkl. Dividenden). Beide Male habe ich auf den Erfolg aus der Veräußerung des großen Windpark-Portfolios gesetzt und beide Male haben mir die unbegründeten Zweifel des Marktes eine außergewöhnliche Chance geboten und ich konnte beide Male davon profitieren und deutlich überdurchschnittliche Ergebnisse einfahren.

Kommentare:

  1. Jetzt bleibt nur die Frage. Die 4 Euro annehmen oder auf mehr hoffen. :/ hab 30℅ meines Bestands erstmal bei 4.02€ verkauft. Da das eigentliche Ziel erreicht ist. Nun fällt es mir aber jedesmal auch wirklich zu verkaufen.

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  2. Ich fand es wirklich ein verramschen, wie viele noch vor kurzem bei ca. 3,40 € raus sind. Naja, jeder muss selbst wissen, was er tut. Mich beschäftigt jetzt die Frage, sollte man noch zu Kursen um die 4 € aufstocken und hoffen, dass nachgebessert wird.

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    1. Ne aufstocken kommt bei mir nicht in Frage. Klar können eventuell höhere summen als die 4 euro geboten werden. Denke aber nicht, dass es viel mehr wird, als es jetzt schon ist. Die 4 euro sind ja quasie mit aufschlag. Schwierig. Hatte so eine Situation in meiner Jungen börsen "Karriere" Noch nicht. Deswegen erstmal ein Teil verkauft. Vielleicht reduziere ich später weiter.

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    2. Mit €4 ist eine Menge an Potenzial vorweggenommen. Ob der Weg hin zu einem Squeeze-out noch viel Aufgeld einspielen kann, bliebe abzuwarten. Und die Frage ist ja dann auch, wie lange man das Kapital in PNE-Aktien bindet und es nicht woanders Rendite einfahren kann (sog. Opportunitätskosten). Sehe da aus dem Bauch heraus auch nicht die überdurchschnittlichen Chancen...

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    3. Hab den Rest jetzt auch versilbert und in Genworth F. umgeleitet. Sehe auf kurze Zeit da mehr chancen, auf höhere Abfindung zu kommen. Danke dir für deine Analysen.

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  3. Was passiert eigentlich wenn man das Angebot annimmt, MS aber nicht die 50% erreicht, kommt dann der Deal nicht zustande also bekomme ich dann meine Aktien wieder zurück?

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    1. Wenn man die Aktien einreicht, bleiben sie ja im eigenen Depot und werden nur für einen anderweitigen Verkauf gesperrt. Wird die Schwelle dann nicht überschritten und das Übernahmeangebot verfällt, werden die Aktien von der Depotbank wieder frei gegeben.

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