Samstag, 23. November 2019

Blue Cap ohne Dr. Schubert? Kann das wirklich sein? Vielleicht...

Nach den Querelen mit dem Großaktionär PartnerFonds und dem Rausschmiss von deren CEO Oliver Kolbe war zuletzt wieder etwas Ruhe eingekehrt bei der Münchener Beteiligungsholding Blue Cap [WKN: A0JM2M]. Deren CEO und ehemaliger Großaktionär Dr. Hannspeter Schubert hatte zwar seinen Rückzug vom Amt des CEOs zum Jahresende 2019 erklärt, aber viele Aktionäre hatten gehofft, dass die vom neuen Aufsichtsrat eingeleitete Suche nach geeigneten Nachfolgern doch noch zu einem guten Ende führen würde. Das hat es nun, doch Dr. Schubert wird dem Vorstand ab 1.1.2020 nicht mehr angehören, so viel steht ab heute fest. Denn Blue Cap hat gleich drei neue Vorstände benannt. Doch damit muss das Kapital Dr. Schubert bei Blue Cap noch nicht beendet sein...

Der neue Vorstand

Doch schauen wir zunächst auf den neuen Vorstand, wie heute von Blue Cap vorgestellt:

Ulrich Blessing wird in der Rolle des Vorstands für das Ressort Portfoliomanagement die Erfolgsgeschichte der Blue Cap AG fortführen und die Portfoliounternehmen mit einem Fokus auf wertsteigernde operative Fortentwicklung unterstützen. Herr Blessing hat über 20 Jahre Managementerfahrung, die er unter anderem bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und zuletzt in der Rolle als CEO der Beteiligungsgesellschaft LB GmbH sammeln konnte. Er verfügt über einen breiten Erfahrungsschatz hinsichtlich der Portfolioentwicklung von Beteiligungsunternehmen. Herr Blessing ist gelernter Bankkaufmann, Diplom-Kaufmann und besitzt einen MBA der NYU Stern School of Business.

Tobias Hoffmann-Becking wird in der Rolle des Vorstands für das Ressort Investment die bewährte Wachstumsstrategie der Blue Cap AG fortsetzen und beabsichtigt, das Portfolio durch strategische Projekte weiter ausbauen. Herr Hoffmann-Becking startete seine Karriere bei der Boston Consulting Group und verfügt über langjährige Investmenterfahrung bei großen internationalen und deutschen Private Equity-Häusern. Zuletzt war er als Managing Director bei Rothschild & Co. beschäftigt. Im Rahmen seiner bisherigen Tätigkeit hat Herr Hoffmann-Becking zu allen Aspekten der Wertschöpfung im Beteiligungsgeschäft Expertise und weitläufige Geschäftsbeziehungen aufbauen können. Herr Hoffmann-Becking hat einen Abschluss der LMU München als Diplom-Kaufmann und besitzt zusätzlich einen MSc. der London Business School.

Matthias Kosch wird seine erfolgreiche Arbeit im Blue Cap Konzern nunmehr als Vorstand fortsetzen. Er ist seit 2015 CFO und war vorher schon seit 2008 als Beteiligungsmanager bei der Blue Cap AG tätig. Er begann seine Karriere bei CMP Capital Management-Partners GmbH in Berlin. Er ist Diplom-Betriebswirt in Finance und Controlling der Hochschule München.

Die Rolle von Dr. Schubert wird künftig also von einem Duo wahrgenommen, von Ulrich Blessing und Tobias Hoffmann-Becking. Beide sind dem Papier nach geeignete Kandidaten für unsere Blue Cap. Ergänzt wird das Duo um Matthias Koch, der sich auch weiterhin als CFO um die Finanzen kümmern wird - künftig allerdings als Mitglied des Vorstands. Auf einen Vorstandssprecher verzichtet man ausdrücklich, wie der Aufsichtsrat mitteilte.

Was wird aus Dr. Schubert?

Hannspeter Schubert scheidet als CEO der Blue Cap AG aus. Er bleibt ihr als Aktionär erhalten und ist als zweitgrößter Aktionär der PartnerFonds AG auch indirekt an der Blue Cap AG beteiligt. Und interessiert allemal.

Darüber hinaus ist Dr. Schubert auch Vorstand oder Geschäftsführer mehrerer Tochtergesellschaften der Blue Cap AG und bisher steht nur fest, dass er bei der Blue Cap AG selbst demissioniert. Es ist also durchaus vorstellbar, dass Dr. Schubert zunächst oder dauerhaft seine Tätigkeit bei der Führung einer oder mehrerer Tochtergesellschaften fortsetzt.

Meine Einschätzung

Blue Cap (Quelle: wallstreet-online.de)
Ob das so eintritt, bleibt abzuwarten. Dr. Schubert hatte mit seinem Anteilsverkauf an PartnerFonds ja eigentlich seinen Abschied aus dem aktiven Business und seine geregelte Nachfolge einleiten wollen, was aber bekanntermaßen nicht geklappt hat. Er hat "sein Baby" aber nicht stiefmütterlich verenden lassen, sondern mit harten Bandagen darum gekämpft - und ich vermute ganz stark, dass er auch bei der Auswahl des neuen Vorstandsteams durch den Aufsichtsrat eng eingebunden war. Sein Interesse wird bleiben, dem neuen Vorstand seinen Einstieg zu erleichtern und das Ganze zu einem Erfolg zu machen. Blue Cap ist sein Baby und er ist weiterhin maßgeblich beteiligt, direkt und indirekt. Insofern brauchen Aktionäre sich um die Zukunft von Blue Cap aktuell wohl so wenig Sorgen machen, wie schon seit einem Jahr nicht mehr. Zeit, sich wieder und vor allem auf das Business zu konzentrieren und darauf,  den erheblichen Abstand zwischen Aktienkurs und NAV abzubauen. Den hatten Blue Cap selbst vor einigen Wochen bei €30 verortet, wozu man gedanklich allerdings noch den "nicht betriebsnotwendigen" Immobilienbesitz addieren kann, der noch einmal rund €5 auf die Waagschale bringen dürfte. Ein NAV von €35 verglichen mit einem Aktienkurs von €17,50 macht das Rechnen echt einfach: die Aktie notiert mit einem Abschlag von 50% auf den NAV und hat somit im Umkehrschluss Verdopplungspotenzial.

Disclaimer
Blue Cap befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig,

    Zuerst einmal großes Lob für ihren tollen Blog, ich lese ihn immer sehr gern und bin auf ihre Meinungen zu gewissen Unternehmen immer sehr gespannt, zum eigentlichen Thema, ich sehe es bei Blue Cap ähnlich wie sie, die Nachfolge ist geregelt und das ist toll aber ich denke das das neue Vorstandsteam sich mehr oder weniger erst beweisen muss bis das Vertrauen der Anleger in die Aktie von Blue Cap zurückkommt und die Aktie wieder steigt, man wird also die Operative Entwicklung vorerst abwarten müssen.

    Das ist aber nur meine bescheidene kleine Meinung.

    Mfg

    Markus Meyer

    23.11.19, 12:07

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    1. Ich stimme Dir zu, dass "die Neuen" im Blue Cap-Vorstand erst einmal beweisen müssen, dass sie es können. Das wird Zeit brauchen. Andererseits haben die beiden einen Hintergrund als Unternehmensberater (beide Boston Consulting) und waren auch im Bereich Unternehmensübernahmen/Beteiligungsmanagement tätig. Die Akquise und das Einstellen dieser Personen erfolgt durch den Aufsichtsrat, der sich aus ausgewiesenen Fachleuten zusammensetzt, die also wohl ziemlich gut einschätzen können, wer eher Blender und wer Könner ist. Schnittmenge ist die Schweizerische Evoco, die nicht nur Großaktionär von PartnerFonds ist, sondern von denen einer der Gründer und Vorstände ja auch im Aufsichtsrat von Blue Cap sitzt. Wenn man sich das Team von Evoco anschaut und die Art und Weise, wie sie bei PartnerFonds und im Konflikt zwischen PartnerFonds und Blue Cap vorgegangen sind, dann ist das schon beeindruckend. Dabei sind sie im späteren Verlauf abgestimmt mit Dr. Schubert vorgegangen, so dass ich hier auch ein "geordnetes" und einvernehmliches Vorgehen vermute. Stark vermute.

      Insofern mache ich mir um das operative Geschäft von Blue Cap und/oder seinen Töchtern weniger Sorgen. Die größte Hemmschwelle war die ungelöste Frage im Bereich Vorstand und natürlich weiterhin, was mit dem 44-Prozent-Paket von PartnerFonds geschehen wird, die ja mittelfristig alle Beteiligungen zu Geld machen wollen. Von daher halte ich einen Abschlag auf den NAV von 20% bis 25% durchaus für gerechtfertigt, solange die Unsicherheit besteht. Aber dann sprechen wir noch immer über einen Kurs von €26 bis €28 und nicht von €17,50.

      Ich bin mir sicher, dass sich diese hohe Diskrepanz zwischen Kurs und Wert (NAV) abbauen wird. Wie viel Zeit bis dahin vergeht, das ist unmöglich einzuschätzen. Die Anleger brauchen auch bei Blue Cap Geduld, viel Geduld vermutlich. Doch wer im entscheidenden Moment nicht an Bors ist, verpasst vermutlich die größten Kurschancen. Auf der anderen Seite sollte der Kurs bei €17,50 sehr gut nach unten abgesichert sein...

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