Samstag, 11. April 2020

Kissigs Kloogschieterei: Der S&P 500 Index dürfte sich in der Corona-Krise am besten entwickeln - und danach erst recht...

Die Corona-Pandemie trifft die Weltwirtschaft mit voller Wucht, der Shutdown der Volkswirtschaften lässt die Konjunkturerwartungen abstürzen und die Arbeitslosenzahlen in die Höhe schnellen. Die Notenbanken und die Regierungen fluten die Märkte mit Geld und Direktsubventionen fließen an Unternehmen und Bürger.

Während die Wirtschaft gerade noch Fahrt aufnimmt auf ihrem Abrutsch, haben sich die Börsenindizes von ihren (zwischenzeitlichen?) Tiefstständen kräftig erholt und liegen seitdem 20% oder 30% im Plus. Viele Marktteilnehmer wurden davon auf dem falschen Fuß erwischt und sie trauern den vermeintlich günstigen Einstiegskursen von vor drei Wochen hinterher. Auch das ist eine Art des Ankereffekts. Andererseits trauen sie der Erholung (noch) nicht über den Weg, denn wenn die Nachrichten doch so schlecht sind und noch schlechter zu werden drohen, dann müssen doch auch die Kurse weiter abstützen, oder?
»An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil
(André Kostolany)
Auch wenn wir also nur wissen, dass wir nicht wissen, wie sich die Börsenkurse entwickeln werden, sollte uns das nicht daran hindern, unsere Schlüsse aus der aktuellen Entwicklung zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Und da kristallisieren sich teilweise deutlich Verlierer und Gewinner heraus...

Vor kurzer Zeit habe ich dazu schon mal meinen Senf abgegeben ("Peak Corona oder wann wird's mal wieder richtig Hausse?") und zu ganz ähnlichen Einschätzungen bzgl. der kurz- und langfristigen Entwicklungen kommt auch Stefan Waldhauser in seinem Artikel "Wie die Welt nach der Corona Pandemie aussehen könnte": Home Office nimmt zu, Reisetätigkeit nimmt ab, Bargeld stirbt aus, Sharing-Economy bricht ein. Wie auch ich hat Stefan sich entsprechend positioniert mit seinen Investments; ich hatte meine veränderte Depotaufstellung ja im meinem letzten Investor-Update zum 31. März 2020 dargelegt und ergänzend meine Favoriten im Digital-Payment-Sektor benannt. Und auch Christian Thiel hat gerade erst wieder erläutert, weshalb auch diesmal der Weltuntergang nicht statffinden wird.

Nun lese ich natürlich nicht nur Artikel von Leuten, die meine grundsätzlich positive Einstellung teilen, sondern auch gerne die von z.B. Michael Batnick, dem Director of Research bei Ritholtz Wealth Management LLC. Seine Analysen wirken auf mich immer sehr fundiert, auch wenn ich seine Schlussfolgerungen oft als zu pessimistisch empfinde - ich lese sie auch deshalb gerne, um nicht dem Bestätigungsfehler auf den Leim zu gehen ("Confirmation Bias"). Es ist geradezu gefährlich und kostspielig, immer nur Meinungen zu konsumieren, die die eigene unterstützen. Viel wichtiger ist es, anders lautenden Meinungen den nötigen Raum zu geben, um mit ihnen Fehler in den eigenen Gedankengängen aufzuspüren und ggf. so diese Fehler beheben zu können.

Michael Batnick schrieb gerade in "I'm Struggeling Here", weshalb ihn die schnelle Positivreaktion der Märkte stutzig macht. Ich versuche mich mal an einer Übersetzung:
"Was mich stutzig macht 
Märkte müssen keinen Sinn ergeben, aber ich habe damit zu kämpfen. 
Wir haben die möglicherweise tiefste wirtschaftliche Kontraktion unseres Lebens und der S&P 500 legte in 13 Sitzungen bereits wieder um 28% zu, sodass der Index nur 17% unter seinem Allzeithoch liegt.
Ein paar offensichtliche Dinge:
  • Die FED ergreift beispiellose Maßnahmen. Vielleicht ist Liquidität wichtiger als die zugrunde liegende wirtschaftliche Realität.
  • Vielleicht hat der Markt bereits das Schlimmste eingepreist und blickt über die Rezession hinaus. Es ist um 35% gefallen zwischen Höchst- und Tiefstkursen, was nichts ist.
  • Der S&P 500 ist nicht unbedingt der Markt. Der Russell 2000, der ein besserer Indikator für die wirtschaftliche Realität ist, fiel um 44% von der Spitze bis zum Tief und liegt immer noch bei 28% unter seinen vormaligen Höchstständen.
  • Der Markt hat seinen Job gemacht. Die Aktien, die am stärksten betroffen waren, waren die im Auge des Sturms: Hotels fielen um 40%, Energiewerte fielen um 50%, Fluggesellschaften fielen um 50% und Kreuzfahrtanbieter fielen um mehr als 70%. Viele dieser Aktien werden Jahre brauchen, um sich zu erholen, andere werden es nie ganz schaffen. 
Die Kursbewegungen, die wir in den letzten Wochen gesehen haben, ist, warum der Markt so schwer zu bezähmen ist und warum es so wichtig ist, einen Plan zu haben. Derzeit trinken die Marktteilnehmer einen Cocktail aus verschiedenen Zeithorizonten, Risikopräferenzen, Angst, Gier und Hoffnung. Schütteln Sie diese Zutaten und Sie erhalten einige Marktbewegungen, die sich der Logik widersetzen, sowohl nach oben als auch nach unten. Bitte trinkt verantwortungsbewusst."
Batnick sagt also, er sei überrascht, dass die Börsen nicht viel stärker eingebrochen sind und dass er nicht einschätzen könne, was die Märkte als nächstes tun. "Märkte können länger irrational bleiben als du solvent", warnte schon John Maynard Keynes. Batnick verweist allerdings auch darauf, dass der S&P 500 als Gradmesser für diese Krise nicht ganz so sehr taugt, wie der viel breiter angelegte Russel 2000. Dieser umfasst viermal soviel Werte, ist aber vor allem ein breiterer Spiegel der amerikanischen Wirtschaft. Und die wurde deutlich stärker getroffen - und wird es in den kommenden Wochen noch viel mehr - als der Absturz des S&P 500 und sein starker Rebound es vermuten lassen.

Und genau das führt mich zu meiner Schlussfolgerung, dass der S&P 500 für Aktionäre der wohl sicherste Hafen sein wird während der Corona-Pandemie und auch darüber hinaus.

Erklärung gefällig? Dachte ich mir... ツ

Die USA sind die stärkste Volkswirtschaft der Welt und werden viel stärker getroffen von der Pandemie als China, Indien oder die EU-Staaten. Völlig unbestritten. Und ebenso klar ist, dass die USA die größte Power haben, sich gegen die negativen Auswirkungen zu stemmen. Und dass es trotzdem zu tiefgreifenden Einschnitten bei der Wirtschaftsleistung, der Zahl der Arbeitsplätze und den Unternehmensumsätzen und Gewinnen kommen wird.

Der nötige Lockdown der Wirtschaft wird großen Schaden anrichten und zwar dauerhaften. Deshalb wird es keine V-förmige Erholung der Wirtschaft geben, also keinen kurzen schnellen Absturz und eine ebenso kurze schnelle Erholung zurück auf das Ausgangsniveau. Es wird allerdings auch kein dauerhaftes Siechtum geben, sondern eine Mischung aus beidem: wenn der Lockdown aufgehoben wird und die Bars, Restaurants, Läden wieder öffnen, dann werden sie schlagartig wieder Millionen menschen einstellen, die jetzt entlassen mussten. Die Unternehmen werden wieder Umsatz machen und sie werden wieder Löhne zahlen und alles wird wieder seinen gewohnten Gang nehmen - allerdings auf niedrigerem Niveau als vor der Krise. Denn nicht alle Firmen haben die Auszeit überstanden, viele werden pleite gegangen sein und die fallen aus beim Umsatz, beim Gewinn, beim BIP, als Arbeitgeber und Gehaltszahler. Und dem entsprechend wird es eine viel höhere Arbeitslosigkeit geben als zuvor. Und die neuen Arbeitslosen werden weniger konsumieren. Daher glaube ich, dass es eine V-förmige Erholung der Wirtschaft geben wird, die einen Teil !! des Abschwungs schnell wieder kompensiert - und von da an wird sich die Wirtschaft langsam wieder berappeln. Aber das wird dauern und wird sicherlich über 2020 hinausgehen, vermutlich auch über 2021 hinaus.

S&P 500 zeigt seine Stärke

Gewichtung im S&P 500; Quelle: marketscreener.com
Das bedeutet, dass der stärkere Einbruch des Russel 2000 und der geringere Rebound nachvollziehbar sind. Und sich diese Diskrepanz sogar noch ausweiten wird. Und das liegt an den Werten, die den S&P dominieren.

Unter den zehn am stärksten gewichteten Unternehmen finden sich nur zweieinhalb, die nicht zu den Profiteuren der sich jetzt noch beschleunigen Trends gehören: die Großbank JPMorgan Chase wird unter den Kreditausfällen zu leiden haben und ExxonMobil unter der deutlich abgesackten Öl- und Gasnachfrage sowie den abgestürzten Öl- und Gaspreisen. Und Apple ist "die halbe Aktie", denn kurzfristig leidet man erheblich unter Einbruch bei den Hardwareverkäufen aufgrund der Shop-Schließungen, während im Gegenzug die Einnahmen bei den Services deutlich nach oben schnellen werden. Diese werden langfristig wichtiger und ertragreicher werden als die Iphone-Verkäufe, aber in 2020 dürften Apples Zahlen im wörtlichen Sinne katastrophal werden. Aber... das weiß doch inzwischen jeder, also wird es den Markt nicht mehr überraschen und auch den Kurs nicht dauerhaft zusätzlich belasten.

Und schaut man sich die anderen Schwergewichte an, so finden sich dort Microsoft, Amazon, Facebook, Alphabet und VISA. Sie alle sind Profiteure der Megatrends Digital Payment, Onlinehandel, Cloud, Home Office, Digital Home, Internet of Things. Ja, sie verspüren wegen der Corona-Krise auch kurzfristige Einbußen, aber in anderen Bereichen wird ihr Business aktuell geradezu mit Brennspiritus befeuert. Und diese Zugewinne werden zum größten Teil dauerhafter Natur sein, weil sie nicht nur eine Reaktion auf die Krise sind, sondern wegen und während der Krise diese ohnehin bereits seit längerem laufenden Entwicklungen nur viel schneller angestoßen und beschleunigt wurden.

Das gilt nicht ganz so sehr für Johnson & Johnson und Procter & Gamble. Alle Doch auch diese beiden Unternehmen bieten Produkte an, die momentan gefragt sind, aber auch nach der Krise und während einer Phase der wirtschaftlichen Flaute nicht einbrechen. Daher dürften beide Aktien zumindest einen stabilisierenden Einfluss auf den Markt und den Index haben.

Unter den nächsten höher gewichteten Werten im S&P 500 finden sich dann noch Unternehmen wie AT&T, United Health, MasterCard, Verizon, Home Depot, Merck & Co, Pfizer, Coca Cola, Cisco, Pepsi, Walmart, Adobe. Also auch die Top 20 wird ganz erheblich von annähernd Krisen resistenten Unternehmen dominiert und so schließt sich die Frage an, weshalb ihre Kurse dramatisch abstürzen sollten, wenn es doch wohl ihre operativen Umsätze und Ergebnisse auch nicht tun werden?

Eben. Der S&P 500*) wird dominiert von Unternehmen, die dem Sturm trotzen können und werden. Unternehmen, die hohe Cash-Bestände haben, starke Cashflows und robuste Geschäftsmodelle. Unternehmen, die sogar sich nun bietende Gelegenheiten ergreifen können, um unbequeme kleine Wettbewerber zu übernehmen, Technologien vergleichsweise günstig hinzuzukaufen oder mit ihrer Finanzkraft Märkte zu besetzen, wo schwächere Konkurrenten sich zurückhalten müssen, weil sie mit dem eigenen Überleben alle Hände voll zu tun haben. Werden die Aktienkurse dieser Top-Unternehmen panikartig ausverkauft, finden sich schnell Käufer, die sie günstig(er) einsammeln. Es ist momentan einfach zu viel Cash an der Seitenlinie, das keine Rendite bringt, und das bei sich bietenden Gelegenheiten in die Top-Werte zurückdrängt.
*) Und das gilt sogar noch stärker für den NASDAQ 100.
»Investiere niemals, niemals in die Gegenwart! Es spielt keine Rolle was ein Unternehmen verdient oder was es verdient hat. Stell dir die Situation in 18 Monaten vor, denn was immer dann sein wird, dort wird der Kurs sein, nicht da, wo er heute ist. Du musst in die Zukunft schauen, denn wenn du in die Gegenwart investierst, kommst du unter die Räder
(Stanley Druckenmiller)

Meine Einschätzung

Ich glaube daher, dass die hoch gewichteten Werte des S&P 500 auch diejenigen sein werden, die am besten durch die Krise kommen und auch für die Zeit danach am besten aufgestellt sind. Und deshalb sollten ihre Kurse sich auch weitgehend resistent zeigen gegenüber denen von Unternehmen, die gerade die volle Breitseite abbekommen und diese Krise vielleicht nicht überleben werden. Doch die spielen im S&P 500 eine untergeordnete Rolle, während sie im Russel 2000 (oder gar dem Russel 3000) einen viel größeren Einflussfaktor darstellen. Und diese Indizes daher auch viel mehr Risiko aufweisen als der S&P 500.

Und der DAX... tja, leider finden sich im DAX nur wenige Unternehmen, die zu den zukunftsträchtigen Gewinnerbranchen gehören; im DAX dominieren Automotivewerte, Banken, Versorger. Das sieht nicht gut aus. Versicherungen könnten sich als Fels in der Brandung im Tsunami erweisen und das dürfte schon fast alles über die Chancen-Risiko-Verteilung sagen, oder?

Ich behaupte nicht, dass der S&P 500 nicht nochmals stärker abstürzen kann, oder dass die Krise bereits völlig in den Kursen enthalten ist. Nein, ich sage lediglich, dass der S&P 500 aus meiner Sicht der stärkste Index ist, in dem die aussichtsreichsten Unternehmen zu den am höchsten gewichteten zählen und dass der S&P 500 daher vermutlich das sicherste Schiff in diesem Ozean voller Tränen ist </schnulz>. Aber... auch in einem solch prosaischem Bild will man ja nicht ertrinken und lieber relativ sicher über die Wellen reiten, oder? ツ

Disclaimer
Adobe, Alphabet, Amazon, American Tower, Facebook, MasterCard, Microsoft, VISA befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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  2. Ganz vergessen: Zitat von Charlie Munger. Frohe Ostern.

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  3. Schöner Artikel, teile die Meinung.

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  4. Viele unterschätzen das Hochfahren der Wirtschaft.
    Wenn am Band nur noch 50% der Arbeiter stehen dürfen, dann kann auch nicht mehr produziert werden.
    Auch wenn es einen Impfstoff und ein Medikament bald verfügbar sein sollte, so wird der Zustand noch 1 Jahr dauern.

    Nach dieser Ralley wird es auch wieder einen herben Absturz geben. Es wird ein Auf und ab geben.



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    1. Wo stehen denn noch so viele Arbeiter "am Band", dass dort keine Sicherheitsabstände eingehalten werden können? Das sind doch nur wenige Branchen und bei den meisten ist doch schon vor Corona Automation ein großes Thema gewesen. Und das wird sich jetzt beschleunigen, weil die Firmen mit automatisierten Prozessen ohne Einschränkungen produzieren könn(t)en - jedenfalls wenn ihre Lieferkette nicht ausfällt und/oder ihre Abnehmer/Kunden. Wer aber nun feststellt, dass er wegen seines Personals nicht arbeiten kann, der wird sich hier künftig ganz anders aufstellen (müssen). Ich bin mir sicher, dass diese Herausforderung große Priorität haben/bekommen wird bei den betreffenden Unternehmen in den nächsten Jahren.

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  5. Ich finde den Beitrag wirklich super und bringst einen kleinen Ausblick in die mögliche Zukunft. Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

    Gruß Stefan

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  6. Denke der Hund fängt gerade an zu rennen, während der Besitzer nach hause geht, weil er seinen Schlüssel vergessen hat

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    1. Mal sehen, ob alle auf André Kostolanys Bildnis mit Hund, Herrchen und Stöckchen kommen... ;-)



      P.S.: Spätestens jetzt natürlich alle, is klar (auch mir). =)

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  7. Einfach mal die Artikel aus den Jahren 2003 / 2009/2010 oder 1974 bis 1978 lesen. Die Wirtschaft wird sich nie wieder erholen usw.
    Beruhigt die Nerven. Das Spiel geht immer weiter und natürlich werden die Weltuntergangsverschwörer eine Ausrede finden, warum es auch dieses Mal wieder nicht zu einer Währungsreformen, Hyperinflation usw. kam, obwohl sie alle gerade mit voller Überzeugung voraussagen.

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    1. Statistisch gesehen tritt auch das Unwahrscheinlichste irgendwann einmal ein, man muss nur lange genug warten... Crash-Propheten liegen daher ja auch ab und zu mal richtig. So wie Marc Faber, der seit 2009 fast jedes Jahr vor dem ultimativen Crash warnt. Elf Jahre Hausse und Kursvervielfältigungen verpasst, jetzt liegt er endlich mal richtig. Doch zu welchem Preis? Wer während elf Jahren Hausse ständig und immer wieder auf fallende Kurse gesetzt hat, kann ja nun in der Baisse kaum noch Geld übrig haben, um Aktien zu kaufen. Wie dumm... Da habe ich doch lieber die satten Kursgewinne über die vielen Jahre mitgenommen und mein Vermögen vervielfacht, und sehe jetzt die Kurse sinken. Der Rückgang kostet mich viel weniger, als ich in den letzten elf Jahren an Kursgewinnen (und Dividenden) eingefahren habe. Mein Net Worth liegt aktuell mit 9% in Minus (YTD) und damit rund 1% unter dem Stand vom 31. Oktober 2019. Nicht schön, aber auch nicht schlimm...

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  8. Schöner Artikel, hätte bei der Argumentation dann nicht aber eher ein Loblied auf den Nasdaq 100 statt des S&P500 gehalten werden sollen?

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    1. Da haste prinzipiell Recht, Sebastian, im NASDAQ 100 sind die aussichtsreichsten Werte noch höher gewichtet - deshalb hat er sich ja auch noch besser geschlagen als die übrigen US-Indizes (und viele weltweit). Hier in Deutschland findet die NASDAQ aber bei vielen Privatanlegern kaum Beachtung im Gegensatz zum S&P 500 und noch mehr dem Dow Jones. Habe mich daher für den S&P 500 entschieden, auch weil er einen breiteren Markt abdeckt als der NASDAQ 500 (und natürlich erst recht als der Dow mit seinen 30 Werten). Aber richtig, mit dem NASDAQ 100 sollte man noch weniger falsch machen können bzw. noch richtiger liegen...

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  9. Eine interessante Frage, finde ich, wird sein, ob die Wirtschaft in den Industriestaaten wirklich so negativ getroffen wurde durch Corona, wie es zuweilen prognostiziert wird.
    Ich bin da anderer Meinung... der Impakt könnte weit weniger gravierend ausfallen, auf das Gesamte betrachtet. Etliche Teile der Industrie arbeiten und arbeiteten doch schliesslich unbeirrt weiter, es werden weiter Termine gehalten, Verträge gemacht usw. ich bin mal gespannt, wie die Endabrechnung aussieht.
    Die Erholung von dem Crash kam in etwa so schnell wie ich vermutete (eine klassische Panikreaktion der Menschen: die Angst vor dem Unbekannten). Wo nochmal ein Abwärtsimpuls herkommen soll, das frage ich mich... ich denke, die Börse ist wieder im steten Aufwind.
    Der Impakt durch Corona war nun wirklich schnell und stark genug, wenn man bedenkt, was dieses Virus eigentlich ist...
    Genauso wie die Erholung viel schneller folgte, als viele glaubten, so glaube ich jetzt, dass der Einfluß auf die Wirtschaftszahlen weit geringer ausfällt, als manche glauben. Natürlich werden solche Branchen, die immer schon performanceschwach waren, jetzt erst recht mosern, und alles dem Virus in die Schuhe schieben... ;-)

    Ich meine auf jeden Fall, dass auch gleich eine Marktbereinigung stattgefunden hat, und auch eine Neuordnung. Die Karten werden und wurden wohl neu gemischt.
    Aktienwerte, die noch nie so richtig performt haben, von denen könnten sich viele Anleger bei dieser Gelegenheit hier jetzt gleich trennen. Ich hab's jedenfalls getan... nichts Halbschariges mehr im Depot. Das ist vorbei...
    Alles bleibt weiter spannend...

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    1. Chris, ich bin da weitgehend bei Dir. Am Ende wird der Einbruch nicht so schlimm gewesen sein, wie jetzt befürchtet/prognostiziert wird, weil sich die Wirtschaft teilweise wieder erholen wird, sobald der Lockdown zurückgenommen wird. Rückblickend auf das Jahr gesehen dürfte es dann weniger katastrophal geworden sein, als aus heutiger Sicht. Aber die Zahlen zum ersten Quartal und auch die zum zweiten werden extrem schlecht ausfallen. Allerdings denke ich, dass die Ausblicke, die dann im Juli bei Vorlage der Q2- bzw. Halbjahreszahlen abgegeben werden, schon wieder deutlich optimistischer ins zweite Halbjahr schauen.

      Aktuell ist die Lage auch deshalb so mies, weil von verschiedenen Leuten eine Systemkrise herbei geschrieben wird, wo ein Dominostein nach dem anderen umfällt. Am liebsten mit Bezug auf die Finanzkrise. Aber... damals gerieten Immobilien und dann die Banken in Schieflage und das war schon ein systemischer Ausnahmezustand, klar. Doch das brennende Streicholz, das in den Tank geworfen wurde, war die Lehman-Pleite. Und die war ganz bewusst von der amerikanischen Regierung und der FED herbei geführt worden. Man hatte einfach die Schnautze voll davon, immer mehr Banken und Gierbanker retten zu müssen und stand politisch unter massivem Druck. Da wollte man ein Exempel statuieren und ließ Lehmann fallen. Was die Kettenreaktion auslöste, das die ganzen CDS (Credit Default Swaps) auf einmal "aktiviert" wurden und damit sofort AIG als größter Versicherungskonzern der Welt und weitere Finanzinstitute in Schieflage gerieten und gerettet bzw. zwangsfusioniert werden mussten. Erst diese Aktion machte aus einer leckgeschlagenen Atombombe eine explodierende Wasserstoffbombe.

      Die damalige Situation ist mit der heutigen nicht vergleichbar. Der Lockdown ist wie das Legen eines Gegenfeuers, um so dem großen Buschbrand die Ausbreitungsmöglichkeit zu entziehen. Man nimmt einen erheblichen Schaden in Kauf, um einen viel größeren einzudämmen. Niemand kommt heute auf die Idee, bewusst Marktteilnehmer aus dem Markt zu werfen, um es "denen mal zu zeigen" - es gibt ja auch keinen Verantwortlichen im den Sinne wie in der Immobilien- und Finanzkrise 2008/09. Heute stehen für alle und jeden Rettungsschirme bereit, auch wenn nicht alle gerettet werden können. Und die Wirtschaft wird sich wieder berappeln - zunächst mit einem starken Hüpfer, danach mit kleineren Fortschritten.

      Und die Aktienkurse...? Mal sehen, ob wir wegen der Quartalszahlen noch mal deutlich niedrigere Kurse sehen werden. In den "profitierenden" Sektoren dürfte das Rückschlagspotenzial begrenzt sein. Auch weil so viel Geld an der Seitenlinie auf den Einstieg wartet und die Rallye verpasst hat. Sobald die ne Chance wittern, 10% günstiger in die "heißen" Aktien zu kommen, überschwemmt das Geld den markt und die Kurse schießen wieder hoch. Wir werden (es) sehen...

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  10. Hallo Michael, ich gehe mit Dir da d'accord. Der Corona-Schock ist nicht zu vergleichen mit dem Platzen viele hunderte Milliarden Euro schwerer historischer Blasen (wo sich dann zeigte, dass das Geld nur in der Phantasie existierte). Oder dem selbstverschuldeten Fast-Bankrott ganzer Staaten... oder dem Aufstieg eines neuen gigantischen Global Players, der sich nicht zwischen die etablierten Platzhirsche nach oben schieben kann, ohne dass diese kräftig Federn lassen müssen. Ich rede da vom Aufstieg Chinas seinerzeit... der war meiner Meinung nach die wirkliche Ursache der Finanzkrise hinter allem anderen, wenn Du mich fragst. Was passiert denn mit einem Staat, auch wenn er so gewaltig und stark ist wie die USA, wenn ein anderer, der dabei ist, genauso stark zu werden, Massen von Devisen-Dollars zu sich in's Land holt? Oder damit anfängt, in Eigenregie wertvollere Waren herzustellen, anstatt bloss die Nachfrage der Industriestaaten nach billigst-Waren erfolgreich zu befriedigen?
    Die USA haben es nicht glauben wollen, wollten von China nur das haben, was ihnen nützte, und haben sich auf absurde Arten und Weisen gegen die unvermeidlichen anderen Folgen des Wirtschaftsaufstiegs Chinas gewehrt - bis es sie dann volle Kanne und umso heftiger am Ende doch erwischt hat.
    Der Kuchen der Welt ist nunmal begrenzt - und wenn sich eine aufkommende Wirtschaftsmacht wie China einen großen Teil davon erobert, dann bleibt für die anderen halt weniger. Und wenn die anderen das nicht akzeptieren (wollen), bekommen sie dafür eben die Rechnung. Und das ist m.E. dann auch passiert.
    Ich bin aber nun auch kein wirklicher Experte für globalwirtschaftliche Zusammenhänge... das alles sagt mir eher mein Bauchgefühl.

    Um zur aktuellen Krise zurückzukommen: das war gegen solche großen Hurricans wohl buchstäblich eher ein kräftiger Nieser - und für manche Branchen wird es vielleicht ein etwas länger dauernder lästiger Schnupfen werden. Stichwort: mögliche Umverteilung und Neuordnung der Aktienmärkte, bei dieser Gelegenheit - ich glaube, ich sprach da schon darüber.

    Im Zuge des Corona-Schocks (im Grunde weigere ich mich sogar, von einer echten Krise zu sprechen) wurden ein paar Werke und Geschäfte temporär geschlossen, Flieger stehen am Boden etc., Aufträge wurden storniert... aber die kommen auch wieder, sobald alles wieder wie gewohnt läuft.

    Interessant, da gebe ich Dir Recht, werden tatsächlich die nächsten Geschäftszahlen sein, und die Reaktion der Märkte darauf. Vielleicht sichere ich meine Engagements mit entsprechenden Stop-Losses ab, und steige dann im Falle des Falles neu verbilligt ein. Mal sehen...
    Noch einen schönen Sonntag
    Chris

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