Donnerstag, 9. September 2021

Secunet Security Networks: Hier verdient man mit Sicherheit Geld

IT-Sicherheits-Spezialist Secunet Security Networks habe ich schon lange auf der Watchlist und seit dem Corona-Einbruch im Frühjahr 2020 auch eine Einstiegsposition im Depot. Bei der schnellen und starken Erholung der Kurse habe ich es leider versäumt, meinen Bestand rechtzeitig aufzustocken und nun habe ich in den "kurssauren" Apfel gebissen und dieses Versäumnis nachgeholt: gut viermal so teuer wie bei meinem Ersteinstieg.

Der Markt für IT-Sicherheit boomt schon seit vielen Jahren und hat durch die Corona-Pandemie einen weiteren enormen Schub erfahren. Die digitale Transformation unserer Gesellschaft hat durch Work-from-Home und eGovernment einen mehrjährigen Sprung gemacht und dabei handelt es sich nicht um eine Eintagsfliege. Nicht nur, weil die Kunden zunehmend die Wartezeiten satt haben und auf digitale Lösungen Angebote setzen (wollen), sondern auch weil immer häufiger Personal fehlt und dank des demographischen Wandels nicht mehr zur Verfügung steht. Hier kann und müssen digitale Lösungen für Abhilfe schaffen zusammen mit Robotik, Automation und Künstlicher Intelligenz.

Die sich abzeichnende neue digitale Welt bietet aber auch Cyberkriminellen große und neue Chancen und dabei sind immer öfter auch Behörden und Infrastrukturanbieter das Ziel. Secunet ist auf diesen Sektor spezialisiert und auch deshalb etwas Besonderes...

Die secunet Security Networks AG bietet Produkte und Dienstleistungen im Bereich der IT-Sicherheit und der IT-Hochsicherheit für Unternehmen und im öffentlichen Sektor an. In diesem erzielt man rund 83% des Umsatzes. 

Secunet ist auf Bereiche spezialisiert, in denen es besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit gibt. Dazu zählen die Bereiche Cloud (Online-Daten-Speicherung), Industrial Internet of Things (das industrielle Internet der Dinge), eGovernment (Behördensicherheit) und eHealth (IT-Sicherheit in der Gesundheitssparte), aber auch Flughafensicherheit, Identitätskontrolle, sichere Workstations/PCs (SINA) und die Infrastruktur für das Telematiknetzwerk des deutschen Gesundheitssystems.

Secunet ist in fünf Bereichen tätig: 
  • eHealth,
  • Innere Sicherheit,
  • Industrie,
  • Öffentliche Auftraggeber,
  • Verteidigung & Raumfahrt
die das Unternehmen in den beiden Segmenten "Public Sector" und "Business Sector" zusammenfasst.

Im Jahr 2020 erwirtschaftete Secunet rund €285 Mio. Umsatz und erzielte davon rund 90% in Deutschland. Dabei stammen etwa 83% aller Umsätze aus dem Produktgeschäft und der Rest aus Beratungsgeschäft bzw. Dienstleistungen.

Secunet beschäftigt mehr als 700 IT-Experten und zu den Kunden gehören neben Bundesministerien und öffentlichen Verwaltungen auch über 20 DAX-Konzerne sowie weitere nationale und internationale Organisationen. Bereits seit 2004 ist man Kooperationspartner der Bundesregierung für Verbesserung der IT Sicherheit und Partner der Allianz für Cyber-Sicherheit. Neben dem Hauptsitz in Essen ist Secunet an zehn weiteren Standorten in Deutschland präsent.

Starke Zahlen

Die Zahlen zum 1. Halbjahr 2021 waren gewohnt stark. Der Umsatz steigt um 30% auf €147,6 Mio. (H1/20: €113,4 Mio.) und wurde durch Wachstum in beiden Segmenten befeuert. Das EBIT verbessert sich sogar um 49% auf €24,2 Mio. (H1/20: €16,2 Mio.), der Auftragsbestand lag über dem Vorjahreswert und die erst im April erhöhte Gesamtjahresprognose wurde bestätigt.

Das Segment Public Sector, dessen Angebot sich an die öffentlichen Bedarfsträger im In- und Ausland sowie an internationale Organisationen richtet, steigerte den Umsatz um 21% auf €122,4 Mio. (H1/20: €101,0 Mio.). Getragen wurde das Wachstum im Wesentlichen von einer weiterhin sehr hohen Nachfrage der öffentlichen Bedarfsträger nach sicheren mobilen Arbeitsplätzen. Das Segment trug 83% zum Konzernumsatz bei (H1/20: 89%).

Im Segment Business Sector, das sich an Unternehmen der privaten Wirtschaft und an den Gesundheitssektor richtet, hat sich der Umsatz von €12,4 Mio. auf €25,2 Mio. mehr als verdoppelt. Ausschlaggebend hierfür war das Produktgeschäft mit dem secunet Gesundheitskonnektor, das sich im Berichtszeitraum sehr gut entwickelt hat. Der Anteil des Segments am Konzernumsatz lag im ersten Halbjahr damit bei 17% (H1/20: 11%).

In beiden Segmenten ist das EBIT infolge der höheren Produktnachfrage gestiegen. Das EBIT im Public Sector wuchs um 18% auf €23,0 Mio. (H1/20: €19,5 Mio.). Der Business Sector erwirtschaftete ein positives EBIT von €1,2 Mio. nach €-3,2 Mio. im Vorjahr.

Der Auftragsbestand zum 30. Juni 2021 betrug €160,9 Mio. und lag damit höher als zum gleichen Vorjahresstichtag (€111,7 Mio.) und zum Ende des Geschäftsjahres 2020 (€149,5 Mio.). Der Anstieg des Auftragsbestandes resultiert vor allem aus einem hohen Auftragseingang von Kunden aus dem behördlichen Umfeld (Segment Public Sector).

Der Aktienkurs kam allerdings nach Vorlage der Zahlen ins Straucheln, denn das Wachstumstempo bei Secunet verlangsamt sich - auf den ersten Blick. Die flächendeckende Einführung der Gesundheitskarte, bringt für Secunet viel einmaliges Projektgeschäft mit sich, so dass die Zahlen künftig alleine aufgrund dieses Faktors niedriger ausfallen werden. Wer also die Werte aus den letzten Jahren einfach in die Zukunft fortschreiben wollte, dürfte enttäuscht sein. Das macht zwar keinen Sinn und ist dem Markt seit vielen Monaten (Jahren) bekannt, ändert aber nicht am kurzsichtigen Verhalten der Anleger.

Die am 20. April 2021 angehobene Gesamtjahresprognose für den secunet-Konzern erwartet Umsatzerlöse um €330 Mio. und ein EBIT um €59 Mio. (ursprüngliche Prognose: Umsatz €260 Mio., EBIT €38 Mio.; Geschäftsjahr 2020: Umsatz €285,6 Mio., EBIT €51,6 Mio.). Dabei hängt die Erreichung der Prognose wesentlich ab von einer "weiterhin stabilen Liefersituation" bei den Vorprodukten, insbesondere von der Verfügbarkeit von Halbleitern. Zumindest hier hat sich die Lage in den letzten Wochen ja nicht unbedingt verbessert und dürfte noch bis ins nächste Jahr hinein angespannt bleiben.

Meine Einschätzung

Secunet ist ein Nebenwert mit Businessschwerpunkt in Deutschland. Das Unternehmen weist eine Börsenkapitalisierung von rund €2,75 Mrd. auf und fliegt damit unterhalb des Radars der meisten (institutionellen) Anleger. Daran dürfte auch der Wiederaufstieg in den SDAX am 20. September nichts ändern.

Im Vergleich zu seinen internationalen Peers wird Secunet sehr moderat bewertet. Das liegt allerdings auch daran, dass man eine hohen Anteil an Projektgeschäft aufweist und weniger der von der Börse so geliebten wiederkehrenden SaaS-Umsätze (Software-as-a-Service).

Quelle: wallstreet-online.de
Andererseits ist der Fokus auf Deutschland und hier auf den öffentlichen Sektor durchaus ein USP und ein Burggraben. Da dieser Sektor im höchsten Maße von Vertrauen abhängt, das Secuent sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, ist man hier hervorragend positioniert. Man kennt sich aus und ist bei der nötigen und endlich angeschobenen Digitalisierung der deutschen Amtsstuben in einer führenden Position.

Daneben rücken private und öffentliche Infrastrukturanbieter immer mehr in den Fokus von Cyberkriminellen und werden damit zu potenziellen Kunden von Secunet. Dabei geht es um Pipelines, um Strom- und Gasnetze oder die Energieanbieter selbst oder um Krankenhäuser oder Leitstellen für Lichtsignalanlagen (Ampeln) uvm.

Vor einigen Monaten erst legte in den USA eine Cyberattacke auf die größte Pipeline des Landes den Nordosten lahm. Denn die Colonial-Pipeline musste deswegen komplett abgeschaltet werden und durch sie fließen täglich mehr als 2,5 Millionen Barrel Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukte. Sie führt über gut 8.800 Kilometer von Houston, Texas bis nach New York und versorgt etwa 50 Millionen Verbraucher. (Nicht nur) diese Attacke zeigt, wie angreifbar die IT-Infrastruktur ist, auch im öffentlichen Sektor.

Für Secunet eröffnen sich weitere große Chancen und je mehr es dem Unternehmen gelingt, neben dem Projektgeschäft auch wiederkehrende Erlösströme zu generieren (SaaS), desto attraktiver wird es auch für die Anleger. Die üppige Bewertung ist seit Jahren immanent, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie auch Kurspotenzial vorwegnimmt. Die Erwartungshaltung an Secunet sollte also nicht die einer Kursrakete sein, sondern eher die eines "langsam aber sicher" steigenden Investments. Und selbst diese Erwartung muss nicht zwangsläufig eintreffen, nur weil sie es über die letzten 12 Jahre tat.

Wie dem auch sei, Secunet ist einer meiner "pure Plays" im Bereich Cybersecurity und ab sofort auch auf meiner Beobachtungsliste und damit Gast auf meinem Blog.

Disclaimer: Habe Secunet auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

2 Kommentare:

  1. Was mich etwas irritiert bei diesem Unternehmen, ist dass der Cashflow aus der betrieblichen Geschäftstätigkeit weiterhin negativ ist - vgl. https://www.secunet.com/fileadmin/user_upload/02_Downloads/IR/Publications/2021/210811_secunet_2021_h1_d.pdf

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    1. Das hängt mMn nach mit den großen Einmaleffekten zusammen, die 2019 und 2020 zu verzeichnen waren. 2019 begann der Rollout von Telematik-Konnektoren und 2020 wurden unerwartete und ziemlich hohe Umsätze mit den SINA-Produkten erzielt. Insbesondere die immer neuen Verzögerungen im Bereich der Gesundheitsdigitalisierung (elektronischen Gesundheitsakte) haben bei Secunet zu hohen Aufwendungen geführt (v.a. Personal), dem aber noch nicht die entsprechenden Umsätze gegenüberstanden. Der operative Cashflow sollte sich daher in den Folgejahren merklich normaliieren/verbessern.

      der einen hohen Umsatz erzielte. secunet Security Networks AG zählt sich mittlerweile als führender Anbieter von konnektoren für die Telematik-Infrastruktur des deutschen Gesundheitssystems

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