Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.
Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung...
Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:
📈 Texas Pacific Land +16,5%
📈 Comfort Systems +10,0%
📈 Rheinmetall +7,8%
📈 Almonty Industries +7,4%
📈 Quanta Services +6,3%
📈 RocketLab +6,1%
📈 LendingClub +5,1%
📈 TransDigm +4,8%
📈 ESCO Technologies +4,4%
📈 Alphabet +3,9%
Es war eine eine sehr erfreuliche Börsenwoche, an deren Ende fast ausschließlich Gewinner im Depot zu verzeichnen waren - ein paar wenige mit vergleichsweise kleinen Kursrücksetzern gab's auch. Dabei waren die beiden stärksten Performer dieselben wie schon in der Vorwoche und erneut legten sie zweistellig zu.
Ein Zollstehaufmännchen namens Trump
Die größte Aufmerksamkeit bekam eine Entscheidung des Supreme Courts zu Trumps Zollpolitik, auch wenn es erst am Freitag erging und damit auf die letzte Woche kaum Einfluss hatte - auf die vor uns liegenden Wochen und Monate wird es das aber sicher. Denn der Oberste Gerichtshof der USA hat die (meisten) von Don Trump verhängten Zölle gekippt. Jedenfalls die, die auf einem für nationale Notstände gedachten Gesetz aus dem Jahr 1977 basieren. Die Richter bestätigten mit einer Mehrheit von sechs zu drei Stimmen eine Entscheidung einer niedrigeren Instanz, wonach der republikanische Präsident mit der Anwendung dieses Gesetzes seine Befugnisse überschritten habe. Trump hatte sich auf den "International Emergency Economic Powers Act" (IEEPA) berufen, um die Einfuhrabgaben ohne Zustimmung des Kongresses zu verhängen. Dieses Gesetz erlaubt dem Präsidenten, den Handel während eines nationalen Notstands zu regulieren, wurde aber bislang für Sanktionen und nicht für Zölle genutzt. Trump hatte die Zölle als entscheidend für die wirtschaftliche Sicherheit der USA bezeichnet, doch die Richter nahmen ihm das - zu Recht - nicht ab. Trump hatte also nicht das Recht, die Zülle zu verhängen, sondern das hätte der Kongress beschließen müssen, dem die US-Verfassung die Befugnis zur Erhebung von Zöllen ein. Naja, konkret die Erhebung von Steuern, aber die Mehrheit der Richter entschied, dass Zölle eine Form von Steuern und damit diesen gleichgestellt sind.
Nun sind alle auf dieser Grundlage erhobenen Zölle vom Tisch. Es gibt aber noch mehr. So bleiben etwa die Zölle auf Stahl und Aluminium bestehen. Die Entscheidung des Supreme Courts hebt allerdings Trumps Zölle in zwei Kategorien auf: (1.) Länderspezifische bzw. "reziproke" Zölle, die von 34% für China bis zu einer Basis von 10% für den Rest der Welt reichen. Die andere Kategorie (2.) sind Zölle in Höhe von 25%, die Trump auf bestimmte Waren aus Kanada, China und Mexiko verhängt hat, weil diese Länder nach Angaben der Regierung den Fentanyl-Fluss nicht eingedämmt haben. Trumps Motivation ist in beiden Fällen dieselbe: er nutzte seinem bevorzugten Zollhammer, um andere Länder zu einem Tun oder Unterlassen zu nötigen.
Doch wie Trump nunmal ist, hat er kein Einsehen. Und so wetterte er, man müsse was gegen "diese Richter" unternehmen. Das erinnert an seine Schmutzkampagnen gegen Fed-Mitglieder, weil die US-Notenbank nicht seinen Wünschen folgte, die Zinsen zu senken. Da die Richter auf Lebenszeit ernannt sind, müssten sie schon zurücktreten. Keine schönen Aussichten für die Zukunft, so erfreulich die Entscheidung des Supreme Courts auch ist. Denn es ging ja nicht um die Frage, ob Zölle gut oder schlecht sind, sondern alleine darum, ob der US-Präsident sie alleinherrlich verhängen darf oder ob dies dem Kongress unterliegt.
Trump hat schon mal pauschale Strafzölle gegen alle Länder verkündet und zwar 10% auf die ohnehin bestehenden. Er beruft sich auf eine Reihe anderer Gesetzesgrundlagen und es ist davon auszugehen, dass diese ebenfalls vor Gericht angegriffen werden. Die Zusatzstrafzölle von 10% gelten ab Dienstag, wenngleich es zahlreiche Ausnahmen geben soll; unter anderem für Arzneimittel und pharmazeutische Wirkstoffe sowie Autos und schwere Lastwagen, aber auch kritische Rohstoffe, Düngemittel und Energielieferungen sind ausgenommen. Das Zollthema bleibt uns also dauerhaft erhalten und im Grunde hat sich nicht viel geändert. Dem entsprechend ungerührt haben die Börsen Trumps Schlappe und neuerliche Umsichbeißerei verarbeitet.
Costco (und andere) Unternehmen vor Gewinnschub?!
Und doch... Die Entscheidung des Supreme Courts könnte Folgen haben. Denn nachdem sie Strafzölle auf Basis eine nicht vorhandenen gesetzlichen Grundlage verhängt wurden, müssten sie erstattet werden. Und das würde z.B. für Costco bedeuten, dass sie in Q1/26 eine einmalige fette Rückzahlung aus den seit einem Jahr abgeführten Strafzöllen auf die von ihnen importierten Güter erhalten. Und daher müsste in Q1/26 der Cashflow und der Gewinne einmalig hochschnellen.
Aber... dann entfallen ja ab sofort die Strafzölle und damit würde sich die Marge (und die Gewinne) entsprechend dauerhaft erhöhen. Doch es gibt nun die neuen pauschalen Strafzölle, also wird dieser positive Effekt zumindest teilweise wieder weggefressen. Da Costco jedoch auf "geteilte Skaleneffizienz" setzt, würde jede Mehreinnahme in Form von Preissenkungen an die Kunden weitergegeben - und damit könnte Costco seinen Netzwerkeffekt nochmals perfekt nutzen, um mehr Kunden zu gewinnen.
Und dann gibt es noch das Thema "Sonderdividende". Die zahlt Costco alle zwei, drei Jahre und es wird turnusmäßig bald wieder eine fällig. Fließt dem Unternehmen nun eine einmalige Zoll-Rückerstattung zu, könnte dieses Geld die Sonderdividende noch wahrscheinlicher und umso größer machen. Auch das gefällt mir als Costco-Aktionär.
Das zweite Thema der nächsten Woche(n) wird ein möglicher Angriff der USA auf den Iran. Auch hier agiert Trump selbstherrlich und das, obwohl auch Kriegserklärungen nicht in die Zuständigkeit des US-Präsidenten fallen. Ich bin schon erstaunt, dass sich hier noch keine höchstrichterlichen Urteile abzeichnen. Aber Fakt ist, dass Trump eine zweite Trägerkampfgruppe in den Nahen Osten verlegt hat und nun über erhebliche Feuerkraft verfügt, um das Mullah-Regime in Teheran in Grund und Boden zu bomben. Welche fadenscheinigen Begründungen dann auch immer als Auslöser herangeführt werden - der Ölpreis hat schonmal entsprechend "erfreut" reagiert und sich von seinen Tiefständen signifikant erholt.
Blue Owl erweist den Bären einen Dienst
Im Finanzsektor sorgt erneut Finanzinvestor Blue Owl für negative Schlagzeilen. Denn Blue Owl hat in seiner BDC Blue Owl Capital Corporation II (OBDC II) ein Liquiditätsproblem. Diese BDC ist wie ein offener Immobilienfonds konzipiert, so dass die Anleger quartalsweise Geld herausnehmen können. Theoretisch. Denn das funktioniert natürlich nur, wenn das nicht zu viele Investoren gleichzeitig wollen, denn das Geld wurde ja investiert (in Kreditvergaben). Doch genau das ist bei OBDC II der Fall. Und zwar aus nachvollziehbaren und von Blue Owl selbst verschuldeten Gründen: denn Blue Owl wollte zwei seiner BDCs fusionieren (OBDC und OBCD II), was aber zu einem 20-prozentigen Kapitalverlust bei OBDC II geführt hätte - und diesen unnötigen (!) Haircut will natürlich kein Anleger einfach so hinnehmen. Also wollten alle Anleger gleichzeitig (und vorher) raus aus der OBDC II und Blue Owl kriegt den Deckel nicht mehr drauf. Also hat man bereits im Dezember die Auszahlungen gestoppt und dies nun dauerhaft gestrichen. Und das riecht gewaltig nach Schieflage, so dass der Aktienkurs von Blue Owl und andere Branchenvertreter wie Apollo, Blackstone, KKR und Ares, gnadenlos mit runtergeprügelt werden. Völlig übertrieben!
Blue Owl sah sich zu einer Erläuterung zur OBDC II veranlasst: "Entgegen anderslautenden Berichten stellen wir die Liquidität der Anleger in OBDC II nicht ein. Tatsächlich beschleunigen wir die Kapitalrückzahlung. Durch diesen Verkauf von Vermögenswerten werden 30% des Kapitals der OBDC II-Anleger zum Buchwert an die Aktionäre anteilig zurückgezahlt. Anstatt eine vierteljährliche Ausschreibung von 5% wieder aufzunehmen, bei der nur ausschreibende Investoren eine teilweise Kapitalrückzahlung erhalten würden, schütten wir einen sechsmal höheren Betrag aus und zahlen allen Aktionären innerhalb der nächsten 45 Tage ihr Kapital zurück. In den kommenden Quartalen werden wir diesen Plan zur Kapitalrückzahlung an die Investoren von OBDC II weiterverfolgen." Aber ob das auf Gegenliebe der Investoren stößt? Das (absehbar uneinhaltbare) Versprechen war ja eine jederzeitige Kapitalrückzahlung, aber die gibt es nicht. Das Vertrauen ist verspielt und nur schwer zurückzugewinnen.
Blue Owl hat sich hier selbst ins Knie geschossen mit einer dummdreisten Entscheidung zu eigenen Gunsten und zulasten seiner Investoren. Dafür kriegt "Skandalnudel" Blue Owl zu Recht kräftig Tritte verpasst. Aber... es besteht kein systemisches Risiko, es gibt kein Private Equity-Drama, es schwelt kein Kreditrisikoproblem. Es ist schlicht eigene Dummheit und Gier.
Doch Blue Owl ist ein führender Finanzierer von KI-Rechenzentren und das macht das Thema gleich doppelt sensibel. Denn in diesem Bereich sind die Erwartungen in den letzten Monaten auf immer neue Höchststände geklettert und mit ihnen die Kurse der beteiligten Unternehmen und die Börsen insgesamt. Kein Wunder also, dass sich alle Augen nun genau hierauf richten, um zu sehen, ob zu dem Rauch auch ein echtes Feuer gehört. Das "passt" die Meldung der Mahner natürlich ins Bild, dass Blue Owl die Finanzierung eines milliardenschweren CoreWeave-Projekts in Pennsylvania nicht hinbekommt - und das, nachdem man im Dezember bereits bei einem 10-Mrd.-USD schweren Oracle-Projekt in Michigan aussteigen musste. Und Oracle ist der aggressiv investierende Player, der den anderen hinterher hinkt und am wenigsten Finanzpower hat, um mitzuspielen (oder aufzuholen). Auch hier gibt es also berechtigte Zweifel, ob Oracle sich nicht übernimmt. Und dem entsprechend nervöse Blick auf den Private Credit-Sektor insgesamt. Ein etwas erhöhter Risikoaufschlag und damit ein leichter Kursdämpfer ist also angebracht, solange sich der Rauch nicht verzogen hat. Aber sektorweite Kursrückgänge von mehr als 30% wohl kaum! Die jüngsten Quartalszahlen von Blackstone, Apollo und KKR haben erneut gezeigt, wie stark die positioniert sind und wie solide die Einnahmen (und Assets under Management) sich entwickeln. Aus meiner Sicht überwiegen die Chancen hier klar die Risiken und das sollte sich bald auch wieder in üppigen Kurszuwächsen auszahlen (um Blue Owl habe ich stets einen Bogen gemacht und werde das auch weiterhin tun; es gibt so viel bessere Player unter den Alternativen Asset Managern).
Der Fear-and-Greed-Index ist von 36 auf 43 Punkte gestiegen, signalisiert nun weiterhin "Angst".
Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche auch noch den verbliebenen Rest der bisherigen Jahresgewinne wieder abgegeben hat.
Texas Pacific Land: Vom One Trick Pony zur dreieutrigen Cashcow
Nachdem ich mich kürzlich wieder stärker bei Texas Pacific Land engagiert habe, freut mich der weitere starke Kursgewinn natürlich - die Aktie hat sich nun sogar zum Depotspitzenreiter aufgeschwungen.
Hierzu schrieb ich letzte Woche: "Die Öl-Nachfrage ist hoch, die Preise unter Druck. Aber der KI-Rechenzentrum-Case wird valider. Nachdem immer mehr Regionen bei KI-Rechenzentren entschleunigen, bietet sich West-Texas als idealer Standort geradezu an: es ist Energie vorhanden und kannibalisiert nicht Privat- und Geschäftskunden, Wasser ist ebenfalls verfügbar (für die Kühlung), das es für das Fracking ohnehin benötigt wird und sechsmal so viel Wasser aus dem Boden gefördert wird wie an Öl hochkommt. TPL baut hier ein Recyling und eine Wasserinfrastruktur auf, die zusätzliche Erlösströme bieten. Und dann das: Ende 2025 investierte TPL 50 Mio. USD in Bolt Data & Energy, ein Unternehmen, das von dem ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt mitbegründet wurde und geführt wird. Schmidt hat kürzlich das Ziel von 10 GW Rechenzentrums-Kapazität auf TPL-Grundstücken verkündet. Und KI-Rechenzentren sind nicht nur Energie- und Wasserabnehmer, sondern auch für das Land werden Royalties fällig. TPL erschließt sich also weitere Erlösquellen und das auf demselben Land.
Was die Bewertung angeht, sieht die Aktie noch immer ziemlich teuer aus. Das KGV ist hoch und andere Energieunternehmen werden günstiger bewertet. Allerdings hinkt der Vergleich, wenn man nicht andere Aspekte in die Gleichung mit einbezieht. Denn TPL ist nettoschuldenfrei und wenig kapitalintensiv. Was an Cashflow einspielt, hat man weitgehend frei zur Verfügung; es ist ein Asset-light-Business. Zudem hat man kaum ein operatives Risiko, da man als Land- und Mineral Rights-Owner nicht selbst bohren und produzieren muss. Ein purer Royalty-Play und die höhere Bewertung ist daher nicht nur verdient, sondern geradezu normal."
Und nun hat TPL seine Quartalszahlen präsentiert und die kamen gut an: Obwohl die realisierten Preise gegenüber dem Vorquartal um 14% auf 29,33 USD/boe zurückgingen, stieg der konsolidierte Umsatz um 4% auf einen Rekordwert von 211,6 Mio. USD. Der Treiber war das Volumen, So erreichte die Öl- und Gasproduktion einen Rekordwert von 37,5 kBoe/d und die Einnahmen aus dem Wasserverkauf explodierten um 36% gegenüber dem Vorquartal auf 60,7 Mio. USD. Während der Nettogewinn aufgrund höherer Abschreibungen aus jüngsten Akquisitionen mit +2% ggü. dem Vorquartal weitgehend unverändert blieb, belegte TPL, dass das Volumenwachstum das deflationäre Preisumfeld überkompensieren kann.
Besonders bemerkenswert ist das Wassersegment. Denn Wasserdienstleistungen und -betrieb sind nicht mehr nur ein Stabilisator für die Geschäftszahlen, sondern haben sich zu einem Wachstumsmotor entwickelt. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um 36% auf 60,7 Mio. USD, angetrieben durch ein Tagesvolumen von erstmals über 1,0 Mio. Barrel. Dieser hiermit erzielte margenstarke Cashflow diversifiziert TPL weg von der reinen "Kohlenwasserstoffpreisgestaltung".
Der Free Cashflow blieb im 4. Quartal mit 118,9 Mio. USD weitgehend stabil nach 122,9 Mio. USD im 3. Quartal und 130,1 Mio. USD im 2. Quartal. Der Rückgang ist teilweise auf gestiegene Investitionsausgaben (28,7 Mio. USD gegenüber 18,6 Mio. USD im 3. Quartal) zurückzuführen, da das Unternehmen in die Wasserinfrastruktur und die neue Bolt Data-Initiative investiert. Er ist also kein Zeichen operativer Schwäche.
Die Gesamtbetriebskosten stiegen um 15% auf 62,3 Mio. USD. Während ein Großteil davon auf nicht zahlungswirksame Abschreibungen und Amortisationen (21,9 Mio. USD gegenüber 15,0 Mio. USD im 3. Quartal) im Zusammenhang mit neuen Akquisitionen zurückzuführen ist, wird der Betrieb des Unternehmens mit der Erweiterung der Vermögensbasis strukturell teurer - installierte Infrastruktur muss gewartet und betrieben werden. Dem stehen die zusätzlich erzielten Einnahmen gegenüber.
Die bereinigte EBITDA-Marge lag im 4. Quartal mit 84% nur marginal unter den vorherigen 85%. Trotz niedrigerer realisierter Preise bleiben die Margen also auf hohem Niveau; das Geschäftsmodell mit geringen Fixkosten schützt die Rentabilität auch bei Preisdruck auf der Umsatzseite.
Doch die Entwicklung der Öl- und Gaspreise bleibt der wesentliche Einflussfaktor auf die Geschäftszahlen. Die realisierten Preise für Erdgas brachen auf 0,66 USD/Mcf ein und NGLs fielen auf 17,92 USD/bbl. Wenn die Volumina stagnieren, während die Preise weiterhin niedrig bleiben, wird das Umsatzwachstum versiegen. Aber... sollten die Preise wieder anziehen, wovon mittelfristig ja auszugehen ist, dann sorgt das deutlich höhere Volumen zu einem sehr starken Anstieg bei Cashflow und Gewinnen.
Die Bilanzstruktur hat sich in diesem Quartal kräftig verändert. TPL ist weiterhin nettoschuldenfrei und kann daher seinen Cashflow anderweitig nutzen - zum Beispiel für Akquisitionen. Zuletzt erwarb TPL mittels Barakquisition 17.306 Netto-Lizenzgebühren-Acres im Wert von 450,7 Mio. USD und investierte 50 Mio. USD in Bolt Data & Energy. Die Barreserven sanken daher auf 145 Mio. USD, aber TPL sicherte sich durch den Zukauf Sachanlagen, die sofort zu einem Produktionswachstum von 28% gegenüber dem Vorjahr beitrugen. TPL hat sich von der Cash-Hortung verabschiedet und ist zum aggressiven Kauf von Wachstumsaktiva übergegangen. Dabei werden neue Flächen erworben, die entweder bestehende so ergänzen, dass bessere Fördermöglichkeiten entstehen, oder aber neue Geschäftsfelder erschlossen werden können (wie Datacenter).
Erfreulich ist die Entwicklung der Dividende, denn TPL will im März mit 0,60 USD je Aktie 12,5% mehr ausschütten als bisher. (Auch) dies signalisiert Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Cashflows trotz des reduzierten Kassenbestands.
Meine Einschätzung: Texas Pacific Land hat sich längst vom One Trick Pony (ÖL- und Gas-Royalties) zu einem diversifizierten Einkommensgenerator entwickelt. Die Investitionen in das Wasserbusiness zahlen sich inzwischen kräftig aus und der Shift in Richtung KI-Rechenzentren ist grenzgenial: in West-Texas gibt es Energie, Wasser, und Flächen ohne Anwohnerkonflikte. Im Erfolgsfall kann TPL also Energie zum Betrieb der Datenzentren liefern, das Wasser für die Kühlung und man verdient auch noch an den Flächenpachten.
Die sektorweit vergleichsweise hohe Bewertung schreckt mich überhaupt nicht, weil TPL noch immer ein Asset light-Business betreibt und es gelingt, aus demselben Land mehr und mehr Geld zu ziehen. Daher habe ich kürzlich meine Restposition wieder deutlich aufgestockt und wurde nun bereits die zweite Woche infolge mit zweistelligen Kurszuwächsen belohnt. So kann es gerne weitergehen...
Quanta Services: Energieinfrastruktur ist gefragter denn je
Ebenfalls Quartalszahlen vorgelegt hat Quanta Services und dabei bewiesen, dass es der Hauptnutznießer des KI-getriebenen Strombedarfszyklus ist. Der Umsatz stieg im 4. Quartal um 20% auf 7,84 Mrd. USD und der Auftragsbestand erreichte einen Rekordwert von 44,0 Mrd. USD. Während die Margen im Elektro-Segment im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgingen, gelang dem Untergrundsegment eine bemerkenswerte Trendwende in der Rentabilität. Das Management bringt dies ausdrücklich mit der "Modernisierung und Erweiterung kritischer Infrastruktur" in Verbindung, die für das Lastwachstum erforderlich ist. Dies ist ein dauerhafter, mehrjähriger Treiber, der Quanta vor einer allgemeinen Konjunkturabschwächung schützt.
Das Untergrund-Segment belastete 2024 die Marge (3,6% im 4. Quartal 2024), konnte aber erfolgreich neu positioniert werden. Im 4. Quartal 2025 erzielte es eine operative Marge von 7,7% bei einem Umsatzanstieg von 21%. Diese Erholung ist von entscheidender Bedeutung, da sie das Segment von einem Belastungsfaktor zu einem Gewinnbringer macht und die Ertragskraft über das Elektro-Segment hinaus diversifiziert.
Das Segment "Electric Infrastructure Solutions" bleibt der Motor, hat jedoch mit Effizienzproblemen zu kämpfen. Trotz eines Umsatzsprungs von 19,4% stieg das Betriebsergebnis nur um 6,5%, wodurch die Margen im Jahresvergleich um 130 Basispunkte auf 10,8% zurückgingen. Hier muss sich zeigen, ob das geringere Margenprofil auf neue Megaprojekte zurückzuführen ist oder auf (vorübergehende) Reibungsverluste aufgrund der Übernahme von Tri-City/Wilson. Für diese Übernahme hatte Quanta hat im 4. Quartal rund 1,73 Mrd. USD aufgewendet, wodurch zwar die Hochspannungs- und Anlagenkapazitäten erweitert, aber auch die Herausforderungen für die Integration im Jahr 2026 erhöht wurde.
Das bereinigtes EBITDA stieg im 4 Quartal 2025 auf 845,3 Mio. USD und damit um 15% ggü. Vorjahr. Trotz solider Entwicklung blieb es hinter dem Umsatzwachstum von 20% zurück, was den Margendruck im Segment Electric widerspiegelt. Der Free Cashflow stieg auf 946,4 Mio. USD, angetrieben durch einen operativen Cashflow von 1,13 Mrd. USD. Diese starke Cash-Generierung rechtfertigt die aggressiven M&A-Ausgaben.
Starke Prognose für 2026: Das Management zeigt sich zuversichtlich und geht von starken Zuwächsen aus, das durch einen "generationsübergreifenden Investitionszyklus" in Rechenzentren und die Modernisierung des Stromnetzes angetrieben wird. Der Umsatz soll 2026 zwischen 33,25 und 33,75 Mrd. USD liegen, wobei der Mittelwert ein Wachstum von rund 17,6% gegenüber dem 2025er Wert darstellt. Der bereinigte Gewinns je Aktie soll sogar um 21 % auf 12,65 bis 13,35 zulegen. Dies signalisiert, dass das Management eine Stabilisierung oder Ausweitung der Margen und einen sofortigen Gewinnbeitrag durch Fusionen und Übernahmen erwartet.
Der Free Cashflow für das Geschäftsjahr 2026 soll zwischen 1,55 und 2,05 Mrd. USD liegen und damit stabil bleiben - trotz deutlich höherer Gewinne. Dies spiegelt den höheren Bedarf an Betriebskapital wider, um den massiven Umsatzanstieg zu finanzieren, und dürfte sich sich allmählich wieder "beruhigen".
Meine Einschätzung: KI-Rechenzentren sind ein gewaltiger Wachstumsmotor, aber sie benötigen vor allem Energie - und die muss nicht nur produziert, sondern auch zu den Rechenzentren transportiert werden. Quanta Services ist hier der Marktführer und profitiert enorm. Der Aktienkurs folgt dabei "nur" den Geschäftszahlen - und solange Quanta nicht Umsatzwachstum über Profitabilität stellt, sollte die Entwicklung sich ungebremst fortsetzen.
Comfort Systems USA: Einfach immer cooler
Auch Comfort Systems wusste mit seinen Quartalszahlen zu überzeugen: der GAAP-Gewinn je Aktie übertraf mit 9,37 USD die Erwartungen von 6,75 USD um deutliche 2,62 USD, während der Umsatz mit 2,65 Mrd. USD um 310 Mio. USD über den Schätzungen lag; auf Jahressicht lag das Umsatzwachstum bei atemberaubenden +41,7%. Und das ist keine Momentaufnahme, sondern ein Trend, denn der Auftragsbestand explodiert geradezu auf 11,94 Mrd. USD (von 9,38 Mrd. USD im Vorquartal und 5,99 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum).
Der Auftragsbestand auf vergleichbarer Basis (also ohne Berücksichtigung von Akquisitionen) stieg ebenfalls von 5,99 Mrd. USD auf 11,58 Mrd. USD und das zeigt, dass das Wachstum nicht nur aus zusätzlichen Kapazitäten resultiert, sondern dass die Nachfrage auch innerhalb des bestehenden Geschäftsvolumens steigt. Der auf Jahressicht annähernd verdoppelte Auftragsbestand auf vergleichbarer Basis deutet darauf hin, dass die Nachfrage breit angelegt ist und verringert das Risiko, dass es sich um ein einmaliges Wachstum handelt.
Aber wie teuer wird das Wachstum erkauft? Tja, die Bruttomarge stieg von 23,2% auf 25,5%, während die operative Marge von 12,1% auf 16,1% hochschnellte. Der operative Hebel funktioniert also perfekt, denn im Gegenzug sanken die Vertriebs- und Verwaltungskosten als Prozentsatz des Umsatzes von 11,1% auf 9,4%. Am Ende ergab dies eine Nettomarge von 12,5% und die Margenausweitungen belegen eindrucksvoll die Preisgestaltungsmacht und die Fähigkeit, Inflationsdruck an die Kunden weiterzugeben.
Eindrucksvoll ist auch der operative Cashflow, der im Quartal von 210,5 Mio. USD auf 468,5 Mio. USD anschwoll. Als Folge legten die Barmittel von 549,9 Mio. USD auf 981,8 Mio. USD zu und erreichten damit einen neuen Rekordwert. Die langfristigen Verbindlichkeiten belaufen sich auf magere 139,0 Mio. USD, während die kurzfristigen Verbindlichkeiten schwindsüchtige 6,1 Mio. USD betragen. Das Unternehmen verfügt also über eine massive Netto-Cash-Position, und dieser Liquiditätspool bietet maximale Flexibilität für zukünftige strategische Akquisitionen - oder Ausschüttungen an die Aktionäre. Und die Dividende wurde soeben um 16,7% kräftig angehoben von 0,60 auf 0,70 USD je Aktie.
Meine Einschätzung: Das Wachstum ist in eine neue Phase eingetreten mit einem vierteljährlichen Cashflow von über 400 Mio. USD und einem Nettogewinn, der erstmals die Schwelle von 1 Mrd. USD überschritten habe. Was gleich geblieben ist, ist die konservative Disziplin des Unternehmens angesichts einer beispiellosen Nachfrage. Daher wächst Comfort Systems nicht nur rasant beim Umsatz, sondern kann dabei auch noch seine Margen ausweiten. Das ist der stärkste Beweis für Preissetzungsmacht und rechtfertigt weiter steigende Aktienkurse, selbst bei einer sich erhöhenden Bewertung.
Alles in allem haben meine Unternehmen in der letzten Woche also stark abgeliefert und das zeigt sich auch an der Kursentwicklung.
Mein Vermögen hatte am ersten Januartag schon mal um +1,0% zugelegt und nach den beiden ersten vollen Handelswochen des Jahres ein sattes Plus von 10,0% verbucht. Anschließend ging es sukzessive abwärts und nachdem zuletzt alle Jahresgewinne weggefressen waren, folgte nun ein kräftiger Rebound von +5,0%. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +5,0% (YTD).
Die von Trump bewusst lancierte Dollarschwäche belastet US-Werte auf Euro-Basis im Jahr 2025 mit rund 12 %. Ich gehe davon aus, dass diese Tendenz auch in 2026 anhalten wird, wenngleich nicht derselben Größenordnung. Da ich einen hohen Anteil an US-Werten im Depot halte (knapp 75%), wirkt sich die Dollarschwäche natürlich entsprechend negativ auf meine Performance aus.
Mein Investor-Update zum Q4/2025 - nicht mehr ganz brandneu, aber in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.
Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.
Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position. Mein Weltraumabenteuer Rocket Lab gehört definitiv in diese Kategorie. Selbst wenn ich als jahrzehntelanger Fan von Star Wars und Star Trek hier durchaus Insiderwissen habe... ツ
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ
Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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