Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.
Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich... ツ
Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:
📈 Rocket Lab +27,5%
📈 Comfort Systems +5,5%
📈 Alphabet +3,7%
📉 Deutsche Rohstoff AG -3,9%
📉 Vincorion -4,4%
📉 ESCO Technologies -6,5%
📉 Pfisterer Holding -7,1%
📉 Almonty Industries -9,6%
📉 Rheinmetall -10,8%
📉 Texas Pacific Land -11,5%
Es war eine weitere volatile Börsenwoche, in der der S&P 500 und NASDAQ am Ende deutliche Kurszuwächse verzeichneten und neue Allzeithochs markierten. Soweit die Parallele zur Vorwoche doch in meinem Depot ging es deutlich abwärts. Hier hatten einige Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt und die bwz. der Ausblick - kam überwiegend nicht so gut an und/oder enttäusche die Erwartungen. Meine nicht, aber das spielt für die Kursentwicklung ja kaum eine Rolle. Und so haben meine Unternehmen ordentlich abgeliefert, aber die Börsen meinem Depot einen Tritt in den Mors verpasst. Aber der Reihe nach...
Am Golf wird weiterhin Frieden gespielt in einer kriegslüsternen Atmosphäre. Die USA kapern und torpedieren iranische (leere) Öl-Tanker, die die US-Blockade umgehen wollen, die Iraner attackieren US-Kriegsschiffe und dann Handelsschiffe anderer Nationen, die unter dem neuen Geleitschutz der US-Marine, den Golf passieren wollen und die USA fliegen Luftangriffe gegen iranische Ziele. Derweil betonen beide Seiten der Waffenstillstand halte und man verhandle. Natürlich sehen alle Beteiligten immer wieder "große Fortschritt", vor allem die US-Administration. Doch diesen Standpunkt vertritt sie bei den Gesprächen über einen Frieden in der Ukraine auch seit dreieinhalb Jahren und im Libanon auch.
Die "Energiemangellage" zeichnet sich immer deutlicher am Horizont ab und es wird immer klarer, dass dies keine Fata Morgana ist/bleibt. Saudi Aramco gab gerade die Einschätzung heraus, wonach infolge der Iran-Kriegs dem Weltmarkt in den vergangenen zwei Monaten bereits 1 Milliarde Barrel entzogen wurde. Und selbst, wenn die Lieferungen wieder anlaufen würden, würde es länger dauern, bis sich die Energiemärkte stabilisieren würden. Saudi Aramco sucht daher nach alternativen Vertriebswegen. Wörtlich erklärte Saudi Aramco-Chef Amin Nasser: "Unsere Ost-West-Pipeline, die ihre maximale Kapazität von 7 Millionen Barrel pro Tag erreicht hat, hat sich als entscheidende Versorgungsader erwiesen und hilft dabei, die Auswirkungen eines weltweiten Energieschocks abzumildern". Abzumildern, nicht zu verhindern! Das ist der entscheiden Punkt der Formulierung und genau das, was als Schockwellen auf uns zurollt. Die massive Freigabe von Öl-Reserven überall auf der Welt wirkt dem aktuell noch entgegen, aber der Aufprall wird erfolgen.
Wo genau, bleibt abzuwarten. 2022 konnte sich Europa sich der drohenden Energiemangellage entziehen, weil man zu jedem Preis die Weltmärkte leerkaufte. Die eigentlichen asiatischen Abnehmer standen ohne Öl da und stürzten in Krisen ab. Doch ungeschoren kam Europa nicht davon, nur weil das (sauteure) Öl und LNG weiterfloss - die Deindistrialisierung mit den Tausenden von Arbeitsplätzen, die verloren gingen und gehen in der Chemiebranche, der Stahlbranche, der Automobilbranche, nimmt von Tag weiter an Fahrt auf. Deutschlands größte Wirtschaftsbranchen waren bis 2022 Chemie und Automobile. Dass Deutschland am Stock geht, insbesondere wegen der hohen Energiepreise, kann und darf niemanden verwundern. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Leider.
Nun der kurze Blick über den Teich: Die US-Earnings Season hat definitiv ihren Höhepunkt überschritten und nachdem noch mal ein ordentlicher Schwung an Unternehmensmeldungen veröffentlicht wurde, schwächt sich der Strom nun ab. Inzwischen haben rund 80% der Unternehmen berichtet und 80% schlugen die Erwartungen mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von 21,7%. Beeindruckend! Von "meinen" Unternehmen waren eine Reihe dabei und daher wenden wir uns denen nun gleich zu.
Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche unverändert bei 67 Punkten geblieben und signalisiert damit weiterhin "Gier". Der Zinsauftrieb dämpft die Stimmung und trotz Haussesegen trauen einige Anleger dem Braten nicht so richtig. Die totale Euphorie ist also noch (?) nicht ausgebrochen.
Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche weiter zulegen konnte, wenn auch deutlich weniger enthusiastisch als in der Vorwoche.
Energielosigkeit mit Deutsche Rohstoff und Texas Pacific Land
Der mögliche Friedensschluss im Iran-Krieg, so unwahrscheinlich er auch sein mag, hat den Ölpreis unter Druck gesetzt und damit auch die Kurse im Energiesektor. Die Deutsche Rohstoff AG hat dabei kursseitig relativ wenig abbekommen, aber Texas Pacific Land kam ordentlich unter die Räder. Das lag wohl auch an den vorgelegten Zahlen und dem Ausblick des Unternehmens. Jedenfalls ist das meine Vermutung, denn schlecht war keines vorn beidem
Das erste Quartal 2026 lief bei Texas Pacific Land weitgehend im Rahmen der Erwartungen - und endete mit einem Rekordergebnis: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21% auf 236,8 Millionen Dollar und der Nettogewinn legte um 18% auf 142,9 Millionen Dollar zu. Das ausgewiesene Gewinnwachstum wurde jedoch durch einen einmaligen Grundstücksverkauf im Wert von 20,9 Millionen Dollar im Zusammenhang mit einem neuen Rechenzentrumsprojekt positiv verzerrt.
Die von TPL ausgewiesene bereinigte EBITDA-Marge sank im ersten Quartal 2026 überraschend auf 77% und lag damit deutlich unter den 86% des Vorjahres. Dabei handelt es sich jedoch größtenteils um eine optische Verzerrung aufgrund von buchhalterischen Mechanismen. Das Management zieht den Grundstücksverkauf in Höhe von 20,9 Millionen Dollar vom Zähler des bereinigten EBITDA ab, berücksichtigt ihn jedoch weiterhin im Nenner des Gesamtumsatzes. Ohne Berücksichtigung des Grundstücksverkaufs im Umsatz lag die bereinigte EBITDA-Kernmarge bei rund 84% - obwohl sie im Vergleich zum Vorquartal stabil blieb, ist sie im Jahresvergleich aufgrund steigender Verwaltungs- und Wasserversorgungskosten immer noch leicht rückläufig.
Der freie Cashflow ist auf 136,4 Millionen Dollar angestiegen und lag damit 7,7% höher als vor einem Jahr und 14,7% über dem Wert aus dem 4. Quartal 2025. Dies entspricht einer sehr soliden FCF-Marge von 58% und unterstreicht die kapitalarme Struktur von TPL (von verdient an der Royalties, bohrt aber nicht selbst nach Öl und Gas). Die in diesem Quartal getätigten Investitionen in Höhe von 7,3 Millionen Dollar werden von der Cash-Generierung weiterhin deutlich übertroffen.
Die Lizenzgebühren aus dem Kerngeschäft Öl und Gas zeigten trotz eines Rückgangs der realisierten Preise im Vergleich zum Vorjahr Widerstandsfähigkeit, gestützt durch eine Volumensteigerung von 19%. Höhere Fördermengen überkompensierten also niedrigere Preise.
Trotz eines Rückgangs der realisierten Äquivalentpreise um 11% im Jahresvergleich stiegen die gesamten Lizenzgebühren aus Öl und Gas im Jahresvergleich um 6% auf 118,2 Millionen Dollar. Dies ist auf einen robusten Anstieg der Fördermengen um 19% im Jahresvergleich auf 37,1 MBoe/d zurückzuführen. Mit 20,7 Nettobohrlöchern in der kurzfristigen Pipeline ist die künftige Förderung gut abgesichert.
Umgekehrt verlangsamte sich das zyklische Wasser-Segment, das sowohl bei den Mengen als auch bei den Preisen einen starken Rückgang gegenüber dem Vorquartal verzeichnet.
Im Gegensatz zum aggressiven Wachstumstrend Ende letzten Jahres sank das Absatzvolumen bei Wasserverkäufen im Vergleich zum Vorquartal um 18% auf 819 MBbl/d. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorquartal um 13,9 Millionen Dollar zurück, was das Management auf einen gleichzeitigen Rückgang sowohl des Absatzvolumens als auch der Preise zurückführte. Da die Wasserverkäufe in hohem Maße mit den aktuellen Bohraktivitäten korrelieren, könnte dies ein Frühindikator für eine lokale Abschwächung bei den wichtigsten Betreibern auf den TPL-Flächen sein. Dies adressierte das Management und erklärte, man sehe trotz der deutlich erhöhten Ölpreise keine Ausweitung der Bohraktivitäten, weil die Ölförderer dem Braten (noch) nicht trauen. Sie haben aus der Vergangenheit gelernt und rennen nicht jedem Preisanstieg sofort hinterher. Hält sich der Ölpreis auf erhöhtem Niveau, und gibt es keine Angebotsschwemme (durch Venezuela, Iran, VAE) dürften die Aktivitäten aber schnell und stark hochgeschraubt werden.
Des Weiteren tragen Technologische Innovationen erste Früchte. TPL gab bekannt, dass seine Forschungs- und Entwicklungs-Testanlage zur Entsalzung von Produktionswasser mit einer Kapazität von 10.000 Barrel pro Tag in Orla, Texas, kurz vor der Fertigstellung steht. Die ersten Barrel an Zuflusswasser werden in den kommenden Wochen erwartet. Bei Erfolg eröffnet diese fraktionierte Gefrier-Entsalzungstechnologie ein riesiges neues Geschäftsmodell für den Umgang mit dem Problem der rund 25 Millionen Barrel Produktionswasser pro Tag im Permbecken und schafft gleichzeitig Süßwasser als Rohstoff für die Kühlung benachbarter Rechenzentren.
Und dann gibt es da noch TPLs "Next-Gen-Strategie", also die Monetarisierung von Grundstücken für Energie- und KI-Infrastruktur. Und die trägt nun offiziell zum Umsatz bei, was ein hervorragendes langfristiges Signal ist, allerdings muss dabei die Verringerung der Kernmarge im Blick behalten werden.
Konkret verkaufte das Unternehmen Grundstücke im Gesamtwert von 42,5 Millionen Dollar, wovon 20,9 Millionen Dollar sofort verbucht wurden und der Rest durch TPL finanziert wurde, so dass hier über 20 Jahre ein Zahlungsstrom entsteht. Käufer ist ein Bauträger, der ein gasbetriebenes Kraftwerk für Rechenzentren errichtet. Details des Deals wurden nicht bekanntgegeben, aber es handelt sich nicht um Bolt Data, mit denen man an einem anderen Projekt arbeitet. Allerdings...
gibt es bei Chevron interessantes aus zu lesen: Der Energiemulti gab den Abschluss einer Vereinbarung mit einem Entwickler eines Kraftwerks zur Unterstützung des Rechenzentrumsbetriebs bekannt, und in diesem Zusammenhang habe man Grundstücke für eine Gesamtgegenleistung von 42,5 Millionen Dollar im Rahmen einer Finanzierungsvereinbarung erworben, was zur sofortigen Erfassung von 20,9 Millionen Dollar führte. Zusätzlich, erklärte Chevron, habe man eine separate Vereinbarung zur Lieferung von Wasser für das Projekt abgeschlossen. Hintergrund: Chevron und Microsoft sind gerade in finalen Verhandlungen über ein KI-Rechenzentrumsprojekt in der Gegend, also ergeben die einzelnen Details doch ein ziemlich gelungenes Bild.
Für TPL attraktiv ist neben dem Verkaufserlös der langfristige Wasserliefervertrag für das Projekt. Dies beschleunigt den Wandel von TPL von einem reinen Energieunternehmen zu einem diversifizierten Anbieter kritischer Infrastruktur.
Meine Einschätzung zu Texas Pacific Land
Der Rückgang bei den Wasserverkäufen ist zwar ein Wermutstropfen, doch TPL hat seine enorme Flexibilität eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Umwandlung von Landrechten in sofortige Barmittel und einen 20 Jahre währenden stetigen Cashflow sowie langfristige Wasserverträge für das Rechenzentrumsprojekt erschließt einen strukturellen, nicht rohstoffabhängigen weiteren Wachstumspfad.
Darüber hinaus dürften sich die erhöhten Ölpreise auch im zweiten Quartal sehr positiv auf die Geschäftsergebnisse auswirken, selbst wenn die Fördermengen (der Ölfirmen auf TPLs Grundstücken) nicht signifikant ansteigen.
Die Aktie wird mit dem 40-fachen des Gewinns bepreist, was im Energiesektor schon sehr hoch ist. Aber... TPL weist eine Nettogewinnmarge von rund 60% auf (basierend auf den Zahlen für 2025), ist schuldenfrei und hat keine nennenswerten Investitionsausgaben. Man ist eben kein Energieunternehmen, sondern ein Grundstückseigentümer, der andere auf seinem Land nach Öl- und Gas suchen und sie es dann fördern lässt, ihnen dazu noch die nötige Wasserinfrastruktur zur Verfügung stellt und sich das alles fürstlich vergüten lässt in Form von Royalties. Ein Superbusiness!
Rüstung ist nicht mehr sexy genug, zeigen Rheinmetall und Vincorion. Wirklich?
Der Rüstungssektor erlebte eine schwache Woche und Rheinmetall traf es besonders hart. Vorläufige Zahlen hatte man kürzlich schon veröffentlicht und die nahm die Börse gelassen hin. Dann folgte einige Tage später die offizielle Quartalsmeldung und der Kurs ging auf Tauchstation - wohl vor allem wegen einer deutlichen Abstufung durch JPMorgan, die ihr Kursziel von 2.130 auf 1.500 Euro senkten und von "overweigth" auf "neutral" umschwenkten. Dabei lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen und an den mittel- und langfristigen positiven Aussichten aufgrund des Rüstungs-Superzyklus hat sich nichts verändert. Die Rheinmetall-Aktie verarbeitet eben die Kursvervielfachung der letzten drei Jahre und das bietet für Neueinsteiger neue Chancen.
Auch Vincorion hat seine vollständigen Quartalszahlen vorgelegt und die sind echt beeindruckend. Auch hier gab es eine Abstufung durch JPMorgan, die den Daumen nach dem Erreichen ihres Kursziels von 23,50 Euro von "Overweight" auf "Hold", während die Privatbank Berenberg ihre Einstufung auf "Buy" mit Kursziel 26 Euro belassen hat.
Private Credit erhitzt weiter die Gemüter, doch KKR liefert einfach stur ab - wie zu erwarten
Mein Favorit unter den Finanzinvestoren ist ja KKR & Co. und die Quartalszahlen haben gehalten, was ich mir von ihnen versprochen habe. Die Stimmung im Sektor ist dermaßen negativ, dass ausschließlich auf negative Nuancen geachtet und daher die Aktie und ihre Bewertung deutlich unter ihren Möglichkeiten gehandelt wird. Diese kurzfristigen Schmerzen sind auszuhalten und sollten ausgehalten werden, weil sich Ertragskraft am Ende (wieder) durchsetzen wird und dann der aufgestaute Bewertungsdruck sich wie ein Vulkan entlädt. Der Yellowstone wird wieder ausbrechen und es wird gewaltig - nur wann, das steht noch in den Sternen. Ich habe mir jedenfalls Tickets in der ersten Reihe gekauft (also KKR-Aktien) und stelle schon mal das Popcorn warm...
ESCO hat geliefert, aber die Börse mis(t)interpretiert da was falsch
ESCO Technologies hat starke Quartalszahlen vorgelegt, doch die Börse strafte die Aktie erstmal ab. "Priced for perfection" nennt man das, denn die Aktie hat in den letzten Wochen kräftig zugelegt und auch mein Depot mit nach oben gezogen. So ganz ohne Salz in der Suppe kam aber auch ESCO jetzt nicht aus und zeigte neben viel Licht auch ein wenig Schatten. Die Sonnenseite präsentierte sich einladen, aber vor allem habe ich meinen Fokus natürlich auf die "dark Side oft the Boom" gelegt - und Interessantes entdeckt, aber nichts Erschütterndes.
Rocket Lab: To the Moon und weiter
Die Rakete schoss aber mein Weltraumabenteuer Rocket Lab ab. Hier wurden die Quartalszahlen von einigen interessanten Meldungen flankiert.
Im ersten Quartal 2026 setzte Rocket Lab seine rasante Expansion fort und verbuchte einen Rekordumsatz von 200,3 Millionen Dollar (+63,5% im Jahresvergleich), womit alle Prognosen pulverisiert wurden. Das Startgeschäft läuft auf Hochtouren: Im ersten Quartal wurden bereits mehr Aufträge (31 Electron/HASTE, 5 Neutron) an Land gezogen als im gesamten Jahr 2025, es gab einen starken Beitrag des Bereichs Space Systems durch Verträge der SDA-Tranchen II und III sowie Wachstum im Komponentengeschäft, insbesondere im Solarbereich.
Die GAAP-Bruttomarge erreichte einen Rekordwert von 38,2 %, die Non-GAAP-Bruttomarge lag bei 43%. Die Margenausweitung im Vergleich zum Vorjahr wurde durch eine bessere Absorption der Fixkosten für Electron aufgrund der steigenden Startfrequenz und der höheren durchschnittlichen Verkaufspreise getrieben. Das Ergebnis je Aktie lag bei -0,07 Dollar und übertraf damit die Schätzung von (0,08) sowie das Ergebnis von (0,09) im 4. Quartal 2025.
Doch während die Umsatzentwicklung und der neue Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar hervorragend sind, gerät die Rentabilität unter Druck. So deutet nach Quartalen stetiger Margenausweitung die Prognose für das zweite Quartal auf eine Trendwende hin, denn die bereinigten EBITDA-Verluste sollen sich auf einen Mittelwert von 23 Millionen Dollar ausweiten, und die Bruttomargen dürften im Vergleich zum Vorquartal um rund 400 Basispunkte sinken.
Auf der Kostenseite stiegen die Gesamtbetriebskosten nach GAAP von 119,3 Millionen Dollar im vierten Quartal auf 132,5 Millionen Dollar, was in erster Linie auf eine einmalige Stornierung von RSU zurückzuführen ist, die zu einer hohen SBC-Belastung führte. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) stiegen auf 80,5 Millionen Dollar, da die Investitionen in Neutron zunehmen und die Lohnnebenkosten saisonbedingt steigen. Der bereinigte EBITDA-Verlust verbesserte sich gegenüber dem Vorquartal um 5,6 Millionen Dollar auf -11,8 Millionen Dollar, was auf höhere Umsätze und einen stärkeren Bruttogewinn zurückzuführen ist. Der freie Cashflow belief sich auf -77,4 Millionen Dollar und verbesserte sich damit deutlich gegenüber -114,2 Millionen Dollar im vierten Quartal 2025. Die liquiden Mittel belaufen sich auf 1,48 Milliarden Dollar, wobei insgesamt eine Liquidität von rund 2 Milliarden Dollar zur Verfügung steht.
Die Zahlen selbst lösen keine wirklichen Jubelstürme aus, aber der Ausblick über das nächste Quartal hinaus heizt die Fantasie weiter und schneller an. Allein im ersten Quartal wurden 31 neue Electron- und HASTE-Missionen gebucht und damit so viele wie noch nie in einem einzigen Quartal in der Geschichte von Rocket Lab. Im gesamten Jahr 2025 führte das Unternehmen "nur" 21 Missionen durch. Rocket Lab hat nun mehr als 70 Starts in seinem Auftragsbestand – ein Allzeitrekord – und seit Jahresbeginn acht erfolgreiche Starts. Der 100. Start von Rocket Lab ist für dieses Jahr auf Kurs und wird voraussichtlich so schnell wie noch nie in der Geschichte der kommerziellen Raumfahrt erreicht werden.
Im Verteidigungsbereich unterzeichnete das US-Verteidigungsministerium einen Block-Kaufvertrag über 190 Millionen Dollar für MACH-TB 2.0, der 20 Starts umfasst und damit den größten jemals vergebenen Einzelvertrag für HASTE darstellt. Dies festigt die Position von HASTE als das bevorzugte Testfahrzeug für Verteidigungs- und Hyperschallanwendungen des Pentagons, mit einer 100-prozentigen Missionserfolgsquote bei allen bisherigen HASTE-Starts.
Unabhängig davon wurde Anduril Industries der erste direkte kommerzielle Partner für HASTE und unterzeichnete einen Vertrag über drei Starts, die innerhalb von 12 Monaten erfolgen sollen. Rocket Lab und Anduril werden gemeinsam neue Hyperschallfähigkeiten für die nationale Sicherheit der USA bereitstellen.
In nur vier Monaten hat Rocket Lab durch Übernahmen und interne Entwicklungen sieben neue hochwertige Produkte und Kompetenzen hinzugewonnen und damit seinen vertikal integrierten Technologie-Stack erheblich erweitert. Die Übernahme von Mynaric ist nun abgeschlossen und verschafft Rocket Lab eine erste Präsenz in Europa sowie Zugang zu den laseroptischen Kommunikationsterminals von Mynaric. Der Fokus liegt künftig auf der Skalierung der Mynaric-Produkte, um den Anforderungen der nationalen Sicherheit sowie der kommerziellen Nachfrage in Europa und weltweit gerecht zu werden.
Rocket Lab gab zudem die Übernahme von Motiv Space Systems bekannt und erweitert damit sein Portfolio um auf dem Mars bewährte Robotik und Präzisionsmechanismen. Der Roboterarm von Motiv wurde für den NASA-Rover "Perseverance" entwickelt. Durch diese Ergänzung kann Rocket Lab nun kommerzielle Mars-Probenrückführungen, Operationen auf dem Mond und anderen Planetenoberflächen, Andockvorgänge im Orbit und die Wartung von Raumfahrzeugen sowie optische Systeme abdecken. Entscheidend ist, dass die interne Fertigung von Solararray-Antriebsbaugruppen (SADAs) und anderen Präzisionsmechanismen die vertikale Integration stärkt, Kosten senkt und die Produktionszeiten verkürzt.
Auf der Produktseite stellte Rocket Lab "Gauss" vor (benannt nach dem deutschen Mathematiker Carl Gauus, der für seine Gauss'sche Normalverteilungskurse berühmt wurde und jahrelang die 10-DM-Scheine zierte), einen neuen, selbst entwickelten elektrischen Antrieb, der für die Serienfertigung konzipiert ist. Der elektrische Antrieb stellt seit langem einen Engpass in der Lieferkette für Betreiber kommerzieller und nationaler Sicherheitskonstellationen dar. Mit einer bereits etablierten Produktionslinie für mehr als 200 Einheiten geht "Gauss" dieses Problem direkt an und dürfte im Laufe der Zeit sowohl den Umsatz als auch die Margen steigern.
Im Bereich der nationalen Sicherheit wurde Rocket Lab gemeinsam mit Raytheon (einer RTX-Tocher) ausgewählt, um fortschrittliche Fähigkeiten für das "Golden Dome Space-Based Interceptor"-Programm der US-Weltraumstreitkräfte zu demonstrieren – ein entscheidender Schritt zur Stärkung der nationalen Raketenabwehrfähigkeiten.
Und natürlich heizt jeder neue Hype um den SpaceX-Börsengang auch die Euphorie beim (viel) kleineren Wettbewerber Rocket Lab kräftig an.
Meine Einschätzung zu Rocket Lab
Die Bewertung ist abgehoben und beinahe schon galaktisch. Es handelt sich hier keinesfalls um ein Investment, so viel ist mal sicher. Ich habe die Aktien im Depot, weil ich hier bewusst ein Risiko eingehe: eine Spekulation in einem Bereich, der nicht in meinen Kompetenzkreis fällt - auch als ausgewiesener Fan von Star Trek und Star Wars fehlt mir in technischen Dingen oft die nötige Erleuchtung. Und somit setze ich nicht auf die Bewertung und/oder einzelne Quartalsergebnisse, sondern auf das Big Picture. SpaceX ist momentan das Maß aller Dinge, aber jede Regierung dieser Welt und jeder Space-Kunde wird sich Alternativen wünschen - und das liegt nicht nur an Elon Musk selbst. (Auch deshalb) hat Rocket Lab keine Schwierigkeiten, sich nötigenfalls frische Gelder zu besorgen - und man hat einen soliden Cashbestand, der eine ziemlich lange zeit reicht.
Damit kann man den Rekordauftragsbestand locker abarbeiten und noch mehr. Der Gesamtauftragsbestand belief sich zum Ende des ersten Quartals auf 2,2 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 20,2% gegenüber dem Vorquartal bzw. einem Zuwachs von 372 Millionen Dollar entspricht. Doch die Zusammensetzung hat sich erheblich verändert, denn der Bereich "Launch" macht nun 42% des Auftragsbestands aus, gegenüber 26% im Vorquartal, was auf den Blockkauf von 20 Starts im Rahmen des HASTE-Programms und den Auftrag für Neutron zurückzuführen ist. Das Verhältnis zwischen kommerziellen und staatlichen Kunden ist nun beinahe ausgeglichen (51% kommerziell zu 49% staatlich), verglichen mit 35:65 im vierten Quartal 2025, was die wachsende kommerzielle Nachfrage widerspiegelt. Dabei wird erwartet, dass 36% des Auftragsbestands innerhalb der nächsten 12 Monate realisiert werden.
Raketengetriebene Dynamik - auch für mein Depot!
Mein Vermögen hatte schnell und stark auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach vier starken Wochen in Folge gab es nun ein deftigen Rücksetzer mit einem Wochenminus von -3,0%. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +9% (YTD).
Meine Cashquote liegt bei für mich unüblichen 20% 10% 7,5% und meine Gründe dafür habe ich inzwischen ja mehrfach erläutert. Zuletzt und sehr ausführlich in meinem aktuellen Investor-Update.
Mein Investor-Update zum Q1/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.
Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.
Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ
Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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