Sonntag, 26. April 2026

Howard Marks erklärt, weshalb Buy & Hold der einfachste Weg zum Börsenerfolg ist - und warum fast jeder daran scheitert. Und was Buffett und Amazon damit zu tun haben...

Starinvestor Howard Stanley Marks erklärte kürzlich in einer Diskussionsrunde in Wharton, weshalb Buy & Hold so ein unschlagbares Anlagekonzept ist. Und weshalb fast jeder bei der Anwendung scheitert und deshalb die großen Gewinne verliert verpasst. Dabei bringt Marks mit Amazon ein Beispiel, das wohl jeder Anleger nachvollziehen kann - und die älteren unter uns haben die "Geschichte" sogar miterlebt oder waren aktiv daran beteiligt. Leider wohl nur ganz wenige vom Anfang bis zum (bisherigen) Ende. Zu schade...

Und so erklärte Marks die Vorteile und Schwierigkeiten des einfach bestechenden Buy-Hold-Ansatzes - und weshalb "Gewinne mitnehmen" und "Teilverkäufe" am Ende doch eine ziemlich dumme Strategie sind - auch wenn viele Anleger damit beruhigter schlafen können (solange sie nicht auf die ihnen  dadurch entgangenen Gewinne schauen).
"Soweit ich mich erinnere, lag der Kurs von Amazon 1999 während der Tech-Blase bei 90 Dollar. Und als die Blase dann im Jahr 2000 oder 2001 platzte, lag er bei 6 Dollar.

Er ist also von 90 Dollar auf 6 Dollar gefallen. Das war ein Rückgang um 93%. Was wäre also gewesen, wenn man klug genug gewesen wäre, die Aktie bei 6 Dollar zu kaufen?

Hätten Sie die Aktie bei 12 Dollar gehalten? Oder hätten Sie gesagt: 'Nun, ich habe mein Geld verdoppelt. Ich werde einen Teil mitnehmen. Ich werde meine Kosten decken und den Rest als Gewinn stehen lassen.' Und nehmen wir an, Sie hätten die Aktie bei 12 Dollar gehalten. Sie sind hart im Nehmen.

Was wäre, wenn der Kurs auf 60 Dollar gestiegen wäre und Sie das Zehnfache Ihres Einsatzes verdient hätten? Hätten Sie verkauft? Die meisten Menschen hätten das getan.

Was wäre, wenn der Kurs auf 600 Dollar gestiegen wäre und Sie das Hundertfache Ihres Einsatzes verdient hätten? Hätten Sie die Hälfte verkauft? Hätten Sie drei Viertel verkauft? Hätten Sie 90% verkauft?

Und als ich das schrieb, lag der Kurs von Amazon, wenn ich mich recht erinnere, bei 3.300 Dollar. Wenn Sie also bei 600 Dollar verkauft hätten, als der Kurs um das 100-Fache gestiegen war, hätten Sie im Grunde 85% des Gewinns auf dem Tisch liegen lassen."
(Howard Stanley Marks, Wharton, April 2026)
Das muss man erstmal sacken lassen, denn man erkennt sich (leider) in diesem Beispiel wieder. Und wieder. Und wieder. Es ist ein Verhaltensmuster, das wir alle (er-)leben und das uns letztlich viel Geld kostet. All die kleinen Gewinne sind nichts im Vergleich zu denen, die wir nicht erzielt haben, einfach weil wir zu früh wieder ausgestiegen sind.

Mein Fazit zu Buy & Hold

Dabei ist das Festhalten auch nicht gerade einfach, da sich die Rahmenbedingungen ständig ändern und unsere Sicht auf die Dinge und die Zukunft maßgeblich von den vorherrschenden Schlagzeilen bestimmt werden. Und natürlich dem Herdentrieb, der festverankerter Teil unserer DNA ist und uns evolutionstechnisch am Leben gehalten hat. Wenn alle verkaufen, ist es einfach(er), auch zu verkaufen. Auch wenn es unterm Strich meistens die falsche Entscheidung ist und eine teure obendrein. Nicht nur, weil wir selten die ersten sind, die verkaufen (oder kaufen) und daher die Verluste der anderen minimieren oder bei Kursanstiegen deren Gewinne vergrößern.

Nein, wir nehmen den Top-Unternehmen in unserem Depot die Möglichkeit, ihre überragenden Qualitäten in herausfordernden Marktphasen auszuspielen. Und damit stehen wir uns immer wieder selbst im Weg.

"Buffett sagt, er habe sein gesamtes Geld mit 12 Ideen verdient. Der Mann hat 70 Jahre lang investiert und sagte, er habe sein gesamtes Geld mit 12 Ideen verdient. Charlie Munger pflegte zu sagen, er habe sein gesamtes Geld mit 4 Ideen verdient. Er hatte nicht so viele gute Ideen wie Warren."
(Howard Stanley Marks)

Es ist nämlich gar nicht so einfach, Top-Unternehmen zu finden und dann auch mutig genug zu sein, in sie zu investieren. Anschließend an ihnen festzuhalten, solange sie ihre Top-Qualitäten beibehalten, ist noch viel schwieriger. Der manisch-depressive "Mr. Market" schubst uns täglich in andere Richtungen und meistens in die falsche. Da muss man Rückgrat haben, um gegenzuhalten und auf Kurs zu bleiben. Aber das lohnt sich!

Denn nur dieses strikte Festhalten an unseren Top-Unternehmen und damit ihren Aktien lässt diese zu Kursverdopplern in unserem Depot werden und aus den Kursverdopplern Multibagger wachsen, die dann zu Tenbaggern werden - und mehr.

Der Blick auf den Langfristchart von Alphabet, Amazon, Apple, Berkshire Hathaway, Microsoft, Nvidia, SAP, Siemens oder Deere zeigt das - und auch, was für ein Fehler es war, zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit auszusteigen, aus welchen Gründen auch immer. Denn nur in der Rückschau gelingt einem der Verkauf vor dem Absturz und der Rückkauf vor dem Wiederanstieg. In der Realität verpassen wir meistens mindestens eines der beiden Ereignisse - und daher wäre auf lange Sicht gesehen das bloße Festhalten an diesen Qualitätsunternehmen die beste Strategie gewesen. Und die einfachste...

Funfact: Obwohl Warren Buffett und Amazon-Gründer Jeff Bezos eine jahrzehntelange Freundschaft und gegenseitige Bewunderung verbindet, hat Buffett nie in Amazon investiert. Erst 2019 kaufte seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway erstmals in Amazon-Aktien, doch das ging auf einen seiner "Investment-Leutnants" Ted Weschler oder den inzwischen ausgeschiedenen Todd Combs zurück. Auf der Berkshire-Hauptversammlung 2019 erklärte Buffett dazu reumütig, er sei ein "Fan" von Jeff Bezos gewesen, aber "ein Idiot", weil er nicht investiert habe, als er das Potenzial erkannte. Wie erleichternd für uns normal sterbliche Anleger, dass auch der beste Investor aller Zeiten Fehlentscheidungen trifft.

Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Apple, Berkshire Hathaway, Microsoft, Nvidia auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot Wiki.

2 Kommentare:

  1. Ich habe (fast) mein ganzes Geld mit einer Idee verdient (Almonty).

    M.V.G.,
    RG

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    1. Ja, mit Almonty habe ich auch sehr viel Geld verdient. Zuvor gab es über die Jahre verteilt schon einige echte Multibagger, an denen ich lange festgehalten habe, wie Microsoft, MBB, Funkwerk, Berkshire, Blackstone, KKR, Costco, Texas Pacific Land - und auch Amazon. Zudem gab es auch schnelle Kursvervielfacher, wie Rheinmetall, Genworth Financial, SBF oder eben Almonty. Bei den meisten habe ich allerdings zwischenzeitlich auch mal (Teil-) Gewinne realisiert und bin ggf. später wieder eingestiegen. Unterm Strich dürfte sich das nicht so sehr gelohnt haben, als wenn ich die Aktien einfach stur gehalten hätte.

      Das ist eines der Learnings, die man erst mit der Zeit macht. Oder wie Goethe sagte: "Erfahrung ist eine nützliche Sache. Leider macht man sie immer, kurz nachdem man sie gebraucht hätte". ;-)

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