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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 22/2026 vom 06.10.2026
Aktien in dieser Ausgabe: 2G Energy, Secunet Security Networks, Tonies
Secunet Security Networks profitiert von einer neuen Sicherheitsära
Cybersecurity war lange vor allem ein Thema für IT-Abteilungen. Unternehmen mussten ihre Netzwerke gegen Hacker schützen, Behörden ihre Daten absichern und Krankenhäuser ihre digitalen Systeme gegen Angriffe verteidigen. Inzwischen hat sich die Bedeutung von IT-Sicherheit grundlegend verändert und Cybersecurity längst zur Frage nationaler Souveränität.
Denn Cyberangriffe können kritische Infrastrukturen lahmlegen, staatliche Institutionen treffen oder sensible Informationen ausspionieren. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Cloud-Diensten und digitalen Identitäten. Für Staaten wird deshalb die Frage, wer Daten, Netze und sicherheitskritische Technologien kontrolliert, zunehmend zu einer Frage der nationalen Souveränität.
Genau in diesem Umfeld ist die secunet Security Networks AG positioniert. Das Unternehmen aus Essen ist Deutschlands führendes Cybersecurity-Unternehmen und seit vielen Jahren IT-Sicherheitspartner der Bundesrepublik Deutschland. Zu den Kunden zählen Bundesministerien, zahlreiche Großunternehmen sowie internationale Behörden und Organisationen. secunet beschäftigt mehr als 1.000 Experten und ist im SDAX gelistet.
Das Geschäftsmodell unterscheidet sich dabei deutlich von dem vieler großer internationaler Cybersecurity-Konzerne. secunet konzentriert sich nicht primär auf den Massenmarkt und verkauft auch keine klassische Antivirensoftware. Stattdessen geht es um besonders schützenswerte digitale Infrastrukturen: Behörden, Streitkräfte, Sicherheitsorganisationen, kritische Infrastrukturen, Industrie und Gesundheitswesen.
Das macht das Unternehmen zwar kleiner als internationale Cybersecurity-Giganten, verschafft ihm aber eine interessante Positionierung. Wo besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Zertifizierung, Verschlusssachen und digitale Souveränität bestehen, sind Eintrittsbarrieren hoch. Und genau diese Märkte wachsen derzeit.
Zwei Geschäftsbereiche mit unterschiedlicher Kundschaft
Organisatorisch gliedert sich secunet im Wesentlichen in zwei Segmente: den Public Sector und den Business Sector. Der Public Sector richtet sich an öffentliche Auftraggeber und internationale Regierungsorganisationen, während der Business Sector Unternehmen und Kunden aus dem Gesundheitswesen adressiert.
Der Public Sector ist mit Abstand der wichtigste Bereich. 2025 erwirtschaftete secunet dort 412,2 Mio. Euro und damit rund 90% des Konzernumsatzes. Der Business Sector kam auf 46,6 Mio. Euro. Gleichzeitig wuchs das Geschäft mit Industrie- und Gesundheitskunden 2025 um beachtliche 27%.
Innerhalb des Public Sector hat secunet seine Aktivitäten in mehrere Divisionen gegliedert: Defence & Space, Homeland Security und Public Authorities. Diese Aufteilung macht deutlich, wie breit das Unternehmen inzwischen aufgestellt ist.
Defence & Space umfasst Sicherheitslösungen für Streitkräfte und sicherheitskritische Anwendungen im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich. Homeland Security konzentriert sich unter anderem auf Grenzkontrollen, biometrische Identifikation und Lösungen für Sicherheitsbehörden. Public Authorities schließlich adressiert klassische staatliche Auftraggeber wie Ministerien und Behörden.
Diese drei Bereiche haben unterschiedliche Nachfragetreiber, profitieren aber von einem gemeinsamen Trend: Staaten investieren mehr in digitale Sicherheit und wollen kritische Technologien stärker kontrollieren können.
SINA ist das technologische Herzstück
Eine besondere Bedeutung besitzt die SINA-Produktfamilie. SINA steht für „Sichere Inter-Netzwerk Architektur“ und umfasst hochsichere Lösungen zur Verschlüsselung und Verarbeitung sensibler Informationen.
Dabei handelt es sich nicht nur um ein einzelnes Produkt. Zum SINA-Ökosystem gehören unter anderem sichere VPN-Lösungen, Netzwerkkomponenten, Arbeitsplatzsysteme, Server- und Cloud-Lösungen sowie Management- und Verschlüsselungstechnologien.
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil liegt dabei weniger in einer einzelnen technischen Funktion als in der Kombination aus Sicherheit, Zertifizierung und Vertrauen. Wer beispielsweise sensible Informationen von Bundesbehörden oder Streitkräften verarbeitet, kann nicht einfach irgendeine handelsübliche IT-Sicherheitslösung einsetzen.
Die Technologie muss höchsten Sicherheitsanforderungen genügen, und der Anbieter muss dauerhaft vertrauenswürdig sein. Genau diese Kombination bildet eine hohe Eintrittsbarriere.
Für secunet ist das besonders wertvoll, weil einmal etablierte Sicherheitsarchitekturen nicht leicht ausgetauscht werden. Kunden müssen ihre Systeme integrieren, Mitarbeiter schulen und Prozesse darauf ausrichten. Dadurch können sich langfristige Kundenbeziehungen entwickeln.
Defence & Space wird zum Wachstumsmotor
Die stärkste strukturelle Veränderung innerhalb von secunet ist derzeit der Bedeutungsgewinn des Verteidigungsgeschäfts.
Der russische Angriff auf die Ukraine und die daraus resultierende Neuorientierung der europäischen Sicherheitspolitik haben die Verteidigungsbudgets deutlich verändert. Staaten investieren nicht mehr nur in klassische Waffensysteme, sondern zunehmend auch in sichere Kommunikation, verschlüsselte Netzwerke, Cyberabwehr und digitale Führungsfähigkeit.
Für secunet eröffnet sich damit ein attraktiver Markt. Denn moderne Streitkräfte sind in hohem Maße digitalisiert. Fahrzeuge, Drohnen, Satelliten, Kommandozentralen und Soldaten müssen Informationen sicher austauschen können. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Cyberangriffen und elektronischer Spionage.
2025 wuchs der Bereich Defence & Space bereits mit hohen zweistelligen Raten und machte rund ein Drittel des gesamten Konzernumsatzes aus. Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Dynamik fort. Der Umsatz im Public Sector stieg insgesamt um 29,4% auf 192,7 Mio. Euro; Defence & Space wuchs dabei erneut im mittleren zweistelligen Prozentbereich.
Das verändert die Umsatzstruktur von secunet. Während das Unternehmen historisch stark von klassischen Behördenaufträgen abhängig war, gewinnt nun ein Markt an Bedeutung, der durch langfristig steigende staatliche Sicherheitsausgaben getragen wird.
Homeland Security profitiert von Europas neuen Grenzkontrollen
Ein weiterer Wachstumsbereich ist Homeland Security. Hier profitiert secunet unter anderem von der zunehmenden Digitalisierung der europäischen Grenzkontrollen.
Ein wichtiges Projekt ist das Entry/Exit System der Europäischen Union, kurz EES. Das System erfasst Ein- und Ausreisen von Drittstaatsangehörigen digital und soll die Kontrolle an den Außengrenzen effizienter und sicherer machen.
secunet liefert hierfür Technologien für automatisierte Grenzkontrollsysteme. Im Sommer 2026 berichtete das Unternehmen beispielsweise über den Einsatz seiner Technologie bei der tschechischen Grenzpolizei. Nach Einführung des EES konnten Prozesse dort deutlich beschleunigt werden.
Der Markt ist interessant, weil solche Projekte nicht mit der Installation eines einzelnen Geräts abgeschlossen sind. Grenzkontrollsysteme müssen dauerhaft betrieben, aktualisiert, gewartet und an neue regulatorische Anforderungen angepasst werden.
Für secunet entsteht dadurch eine Mischung aus Projektgeschäft und langfristiger Kundenbeziehung.
Public Authorities: Das klassische Kerngeschäft
Der Bereich Public Authorities bleibt trotz der neuen Wachstumstreiber wichtig. Hier liefert secunet Lösungen für Ministerien und Behörden und unterstützt die öffentliche Verwaltung bei der sicheren Digitalisierung.
Dabei geht es beispielsweise um sichere Netzwerke, Cloud-Lösungen, digitale Identitäten, Verschlüsselung und den Schutz besonders sensibler Daten.
Dieser Markt besitzt einen entscheidenden Vorteil: Der Staat muss investieren. Selbst wenn die Konjunktur schwächelt, können Behörden ihre sicherheitskritischen IT-Systeme nicht einfach abschalten. Im Gegenteil: Mit zunehmender Digitalisierung steigen die Anforderungen.
Allerdings kann das Geschäft stark von öffentlichen Haushalten abhängen. Das zeigte sich 2025, als der lange verzögerte Bundeshaushalt das Geschäft der Division Public Authorities zeitweise belastete. Gegen Jahresende verbesserte sich die Entwicklung wieder deutlich.
Damit besitzt secunet eine gewisse Zyklik, obwohl die zugrunde liegende Nachfrage strukturell wächst.
Der Business Sector ist kleiner, aber strategisch wichtig
Der Business Sector ist derzeit noch deutlich kleiner als das öffentliche Geschäft. Hier betreut secunet Unternehmen aus Industrie und Gesundheitswesen.
Die Themen sind allerdings ausgesprochen attraktiv: Industrie 4.0, vernetzte Produktionsanlagen, kritische Infrastrukturen, Automotive Security, Cloud Computing und die Absicherung medizinischer IT-Systeme.
Die zunehmende Vernetzung industrieller Anlagen vergrößert die Angriffsfläche. Früher war eine Produktionsmaschine häufig ein weitgehend isoliertes System. Heute kommuniziert sie mit anderen Maschinen, Unternehmensnetzwerken und Cloud-Anwendungen. Damit entstehen neue Angriffsmöglichkeiten.
secunet unterstützt Unternehmen beispielsweise mit Sicherheitsanalysen, Beratung, Zertifizierungen und speziellen Sicherheitslösungen. Im Gesundheitswesen kommen Lösungen für die sichere digitale Kommunikation hinzu.
Die Entwicklung 2026 zeigt allerdings auch, dass dieser Bereich nicht automatisch wächst. Im ersten Halbjahr fiel der Umsatz im Business Sector auf 12,0 Mio. Euro und lag damit 47,4% unter dem Vorjahreswert. Verantwortlich war vor allem die schwächere Nachfrage aus dem Gesundheitssektor.
Das zeigt eine wichtige Besonderheit des Geschäftsmodells: Nicht alle Wachstumstrends wirken gleichzeitig in allen Bereichen.
2025 war ein Rekordjahr
Nach dem starken Geschäftsjahr 2025 startete secunet mit einem erheblichen Rückenwind in das Jahr 2026. Der Umsatz stieg 2025 um 13% auf 458,8 Mio. Euro. Das EBIT wuchs sogar um 21% auf 51,6 Mio. Euro. Das EBITDA verbesserte sich um 24% auf 74,9 Mio. Euro. Damit stieg die EBIT-Marge von 10,5% auf 11,3%.
Besonders beeindruckend war jedoch der Auftragseingang, der sich um 26% auf 531,9 Mio. Euro erhöhte. Der Auftragsbestand lag Ende 2025 bei 278,9 Mio. Euro und damit 36% über dem Vorjahreswert.
Diese Zahlen sind für ein Projektgeschäft besonders wichtig. Umsatz und Gewinn können von Quartal zu Quartal schwanken, weil größere Aufträge nicht sofort umsatzwirksam werden. Ein wachsender Auftragsbestand verbessert dagegen die Visibilität für die kommenden Perioden.
2026: Der Auftragseingang explodiert
Im ersten Quartal 2026 setzte sich diese Entwicklung fort. Der Auftragseingang stieg um 90,7% auf 143 Mio. Euro und der Auftragsbestand erhöhte sich zum Ende März auf 337,7 Mio. Euro.
Noch deutlicher wurde die Dynamik im zweiten Quartal. Im gesamten ersten Halbjahr erreichte der Auftragseingang 287,4 Mio. Euro. Das entspricht einem Anstieg von 78,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig stieg der Umsatz um 19,2% auf 204,7 Mio. Euro. Das EBITDA verbesserte sich um 15,5% auf 19,2 Mio. Euro, das EBIT um 20,4% auf 8,7 Mio. Euro. Der Auftragsbestand lag Ende Juni bereits bei 360,8 Mio. Euro.
Besonders stark entwickelte sich das zweite Quartal. Der Umsatz stieg um 31,6% auf 122,9 Mio. Euro, während das EBITDA um 77,6% auf 17,9 Mio. Euro zulegte. Das Quartals-EBIT legte um mehr als Doppelte auf 12,6 Mio. Euro zu.
Damit zeigt sich ein typisches Muster bei secunet: Das erste Quartal kann wegen des Projektgeschäfts relativ schwach ausfallen, während sich die Erträge im weiteren Jahresverlauf deutlich beschleunigen. Öffentliche Auftraggeber werden zudem kurz vor dem Jahresschluss vom „Jahresendfieber“ befallen und schöpfen ihre Budgets mit Auftragserteilungen in letzter Sekunde aus.
Warum der Gewinn stärker steigen könnte als der Umsatz
Interessant ist die operative Hebelwirkung. Cybersecurity-Projekte verursachen zunächst hohe Entwicklungs- und Personalkosten. Ist eine Lösung aber einmal entwickelt, zertifiziert und etabliert, kann ein wachsender Umsatz zu überproportional steigenden Gewinnen führen.
Allerdings funktioniert dieser Hebel nicht automatisch. secunet investiert derzeit bewusst in Personal, Produktentwicklung und organisatorische Strukturen.
Im ersten Quartal 2026 belastete der Aufbau der Organisation das Ergebnis erheblich. Die Mitarbeiterzahl war innerhalb eines Jahres auf 1.159 gestiegen. Zusätzlich sorgten höhere Bonusrückstellungen und ein höherer Hardwareanteil bei Projekten für Druck auf die Marge. Das Quartals-EBITDA sank deshalb auf 1,4 Mio. Euro, das EBIT war mit 4,0 Mio. Euro negativ.
Im zweiten Quartal zeigte sich dann, dass diese Belastungen nicht zwangsläufig dauerhaft sind. Die Profitabilität erholte sich deutlich.
Cloud und digitale Souveränität als neue Wachstumsfelder
Eine besonders interessante Zukunftschance liegt für secunet in der Cloud. Die öffentliche Hand und Unternehmen wollen zunehmend Cloud-Technologien nutzen, gleichzeitig gibt es bei besonders sensiblen Daten Vorbehalte gegenüber großen US-amerikanischen Cloud- und Softwarekonzernen.
secunet versucht, diese Lücke mit Lösungen für digitale Souveränität zu besetzen.
Im Juli 2026 kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit Cloudflare an. Gemeinsam sollen Lösungen entstehen, die Cloud-Dienste mit hohen Anforderungen an Sicherheit und digitale Souveränität verbinden. Kunden sollen dabei die Kontrolle über ihre Daten und Sicherheitsanforderungen behalten. Der Ansatz orientiert sich unter anderem an den Souveränitätskriterien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik.
Das ist strategisch interessant, weil secunet dadurch nicht versucht, die großen Cloud-Anbieter vollständig zu ersetzen. Stattdessen kann das Unternehmen als Sicherheits- und Souveränitätsschicht zwischen Kunden und Cloud-Infrastruktur fungieren.
Souveräne Cloud für Polizei und Sicherheitsbehörden
Ein ähnliches Konzept verfolgt secunet gemeinsam mit INNOSYSTEC. Im Mai 2026 präsentierten beide Unternehmen SCOPE × SINA Cloud, eine sichere Datenintegrations- und Analyseplattform für Polizei- und Sicherheitsbehörden.
Die Lösung soll große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen sicher zusammenführen und analysieren. Entscheidend ist dabei, dass die Plattform in Deutschland entwickelt wird und dem nationalen Rechtsrahmen unterliegt.
Solche Projekte zeigen, wie sich das Geschäftsmodell von secunet weiterentwickelt. Aus einem Anbieter sicherer Netzwerk- und Verschlüsselungstechnik wird zunehmend ein Anbieter kompletter Sicherheitsarchitekturen.
Das erhöht den potenziellen Umsatz pro Kunden und stärkt gleichzeitig die Kundenbindung.
Post-Quantum-Kryptografie als langfristige Chance
Eine weitere Technologie könnte langfristig erhebliche Bedeutung gewinnen: Post-Quantum-Kryptografie.
Quantencomputer könnten in Zukunft bestimmte heute verbreitete Verschlüsselungsverfahren brechen. Noch ist die praktische Bedrohung nicht unmittelbar, doch Behörden und Unternehmen müssen bereits heute darüber nachdenken, wie ihre langfristig gespeicherten Daten geschützt werden können.
secunet beschäftigt sich deshalb mit Post-Quantum-Kryptografie und hat sich nach eigenen Angaben bereits eine führende Position in diesem Bereich aufgebaut.
Das Thema passt hervorragend zur bestehenden Positionierung. Gerade Behörden und Streitkräfte können es sich nicht leisten, ihre Verschlüsselungsinfrastruktur erst dann umzubauen, wenn Quantencomputer tatsächlich leistungsfähig genug sind.
Sollte sich der Markt für Post-Quantum-Lösungen beschleunigen, könnte secunet deshalb von einem weiteren langfristigen Investitionszyklus profitieren.
Neue Dividendenpolitik zeigt den Fokus auf Wachstum
Auch die Dividendenpolitik wurde 2026 angepasst. secunet will künftig zwischen 30% und 50% des Konzerngewinns ausschütten. Für 2025 wurde eine Dividende von 2,58 Euro je Aktie vorgeschlagen, entsprechend etwa 50% des Jahresüberschusses.
Das ist ein bemerkenswertes Signal. Das Unternehmen stellt damit klar, dass künftig ein größerer Teil der erwirtschafteten Mittel für weiteres Wachstum im Unternehmen bleiben kann.
Für klassische Dividendenanleger ist das zunächst weniger attraktiv. Strategisch ist die Entscheidung jedoch nachvollziehbar. Wenn die Nachfrage nach Cybersecurity, Defence, Cloud-Sicherheit und digitaler Souveränität tatsächlich so stark wächst wie derzeit erwartet, kann es sinnvoller sein, Kapital in zusätzliche Produkte, Mitarbeiter und Kapazitäten zu investieren.
Der Ausblick für 2026
Für 2026 erwartet secunet weiterhin einen Umsatz zwischen 460 und 500 Mio. Euro. Nach dem starken ersten Halbjahr konkretisierte der Vorstand die Prognose dahingehend, dass der Umsatz am oberen Ende dieser Spanne erwartet wird.
Beim EBIT liegt die Prognose weiterhin bei 53 bis 58 Mio. Euro, beim EBITDA bei 76 bis 84 Mio. Euro. Damit würde secunet erneut wachsen und die Profitabilität weiter verbessern.
Viel wichtiger als die reine Prognose ist allerdings die Kombination aus Auftragseingang und Auftragsbestand. Mit 287,4 Mio. Euro Auftragseingang im ersten Halbjahr und 360,8 Mio. Euro Auftragsbestand Ende Juni ist die Visibilität für die kommenden Quartale ausgesprochen hoch.
Bullcase vs. Bearcase
Der wichtigste Wettbewerbsvorteil von secunet lässt sich nicht an einem einzelnen Produkt festmachen. Es ist das Vertrauen. Wer Sicherheitslösungen für Ministerien, Streitkräfte oder Geheimschutzbereiche entwickelt, muss nicht nur technisch gut sein. Er muss Zertifizierungen erhalten, Sicherheitsanforderungen erfüllen und über Jahre hinweg zuverlässig liefern.
Diese Hürden schützen secunet vor einem Teil der Konkurrenz aus dem klassischen IT-Markt. Ein Start-up kann zwar eine innovative Cybersecurity-Software entwickeln, aber es kann nicht innerhalb weniger Monate zum bevorzugten Anbieter deutscher Sicherheitsbehörden werden.
Dazu kommt die SINA-Plattform, die über viele Jahre weiterentwickelt wurde und tief in Kundenstrukturen integriert ist. Das schafft eine Art technologischen Burggraben. Er ist nicht unüberwindbar, aber deutlich höher als bei vielen gewöhnlichen Softwareunternehmen.
Der wichtigste Nachteil des Geschäftsmodells ist zugleich seine größte Stärke: die starke Konzentration auf öffentliche Kunden. Rund 90% des Umsatzes stammen aus dem Public Sector. Damit hängt secunet in hohem Maße von staatlichen Investitionen, Haushalten und politischen Prioritäten ab. Das muss kein Problem sein, solange die öffentlichen Sicherheitsbudgets steigen.
Die starke Abhängigkeit vom Public Sector reduziert zwar das Risiko, dass ein einzelner Industriekunde ausfällt, erhöht aber die Abhängigkeit von staatlichen Budgets.
Das Management hat deshalb gute Gründe, das Geschäft mit Industrie und Gesundheitswesen zu erweitern. Allerdings ist die Konkurrenz hier wesentlich größer. Unternehmen können auf eine Vielzahl internationaler Cybersecurity-Anbieter zurückgreifen.
secunet muss deshalb beweisen, dass sein Fokus auf besonders sensible Anwendungen auch außerhalb des Staates einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil bietet. Der Rückgang des Business-Sector-Umsatzes im ersten Halbjahr 2026 zeigt, dass dieser Weg nicht geradlinig verläuft.
Auch bringt das schnelle Wachstum Risiken mit sich. So baut secunet Personal auf, entwickelt neue Produkte und erweitert seine organisatorischen Strukturen, kurzfristig die Margen belasten kann. Gleichzeitig muss das Unternehmen aufpassen, nicht schneller zu wachsen, als seine Organisation verkraften kann.
Die Entwicklung des ersten Quartals 2026 ist hierfür ein gutes Beispiel. Das Unternehmen hatte zwar einen nahezu verdoppelten Auftragseingang, gleichzeitig fiel das EBIT wegen höherer Kosten zunächst in den negativen Bereich. Erst im zweiten Quartal kam die erwartete operative Hebelwirkung deutlich zum Vorschein.
Mein Fazit: Ein Profiteur der neuen Sicherheitsära
secunet Security Networks ist kein gewöhnlicher Cybersecurity-Konzern. Das Unternehmen ist tief in staatliche Sicherheitsstrukturen eingebunden und verdient einen erheblichen Teil seines Geldes mit Lösungen für Behörden, Streitkräfte und sicherheitskritische Organisationen.
Gerade darin liegt die besondere Investmentstory. Cybersecurity wird zunehmend nicht mehr als reine IT-Frage betrachtet, sondern als Bestandteil nationaler Sicherheit. Deutschland und Europa wollen ihre digitale Souveränität stärken, Verteidigungsbudgets erhöhen, kritische Infrastrukturen schützen und gleichzeitig Cloud-Technologien nutzen. Für secunet ist das ein ungewöhnlich günstiges Umfeld.
Die Kehrseite ist die starke Abhängigkeit vom Staat. Haushaltsentscheidungen können Projekte verschieben, und das kleinere Geschäft mit Industrie und Gesundheitswesen muss sich gegen starke internationale Wettbewerber behaupten. Zudem kostet die Expansion zunächst Geld und belastet die Margen.
Dennoch spricht derzeit vieles dafür, dass secunet vor einer neuen Wachstumsphase steht. Das Unternehmen verbindet hohe technologische Eintrittsbarrieren mit langfristigen strukturellen Trends: mehr Cyberangriffe, steigende Verteidigungsausgaben, Digitalisierung der Verwaltung, sichere Cloud-Infrastrukturen und den Wunsch nach europäischer digitaler Souveränität.
Für Anleger ist deshalb weniger die Frage entscheidend, ob Cybersecurity weiter wachsen wird – das dürfte kaum ernsthaft infrage stehen. Spannender ist, ob secunet seine besondere Position nutzen kann, um aus diesem strukturellen Rückenwind dauerhaft schnelleres Umsatzwachstum und steigende Margen zu machen. Die Entwicklung des Auftragseingangs im Jahr 2026 liefert dafür bislang ein bemerkenswert positives Signal. Gelingt es secunet, die hohen Auftragseingänge dauerhaft in steigende Margen umzuwandeln, könnte sie starke Rally der letzten Wochen erst der Anfang einer Neubewertung sein.
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Secunet wissen muss
- secunet ist Deutschlands führender Cybersecurity-Spezialist für besonders sensible Anwendungen und IT-Sicherheitspartner der Bundesrepublik.
- Der Public Sector dominiert das Geschäft, wobei Defence & Space und Homeland Security derzeit die stärksten Wachstumstreiber sind.
- 2026 zeigt der Auftragseingang eine außergewöhnliche Dynamik: Im ersten Halbjahr stieg er um 78,7% auf 287,4 Mio. Euro.
- Die größten Chancen liegen in Cybersecurity, Verteidigung, digitaler Souveränität und sicheren Cloud-Lösungen, während die hohe Abhängigkeit vom Staat das größte Risiko bleibt.
Disclaimer: Habe secunet auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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