Montag, 4. März 2019

Ken Fisher rät von Markt-Timing ab: "Time in the market beats timing the market"

Das Timing für den Einstieg in Aktien spielt in der Fachpresse und den Diskussionen eine große Rolle. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Wahrscheinlichkeit, eine steigende Aktie zu erwischen,  in einem steigenden Markt größer ist, als in einem fallenden. Getreu dem Börsenmotto "the trend is your friend". Diese Überlegungen sind geradezu verführerisch, denn sie klingen so schlüssig, so plausibel. Trotzdem erzielt die Mehrzahl der Anleger schlechtere Renditen als der Gesamtmarkt und auch die große Mehrheit der Fondsmanager schafft es nicht, besser abzuschneiden als der Durchschnitt. Die Theorie ist das eine, die praktische Umsetzung das andere. Oder wie Yogi Berra mal treffend formulierte: "In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht".

Und weil so viele Anleger so schlechte Resultate erzielen, wird immer öfter zu passiven Anlageformen geraten, wie Indexfonds oder ETFs. Doch leider zeigt die Realität auch hier, dass die meisten Anleger selbst mit Indexfonds schlechter abschneiden als der Vergleichsindex. Was nicht verwundern kann, denn die Gründe liegen ziemlich klar auf der Hand...


Schon Benjamin Graham warnte, der größte Feind des Anlegers sei wohl er selbst. Und genau das ist Fakt: ob Anleger in Aktien von Einzelunternehmen investieren oder ob sie Indexfonds kaufen, sie begehen dabei die gleichen dummen Fehler: sie versuchen, den Markt zu timen, den günstigsten Ein- und höchsten Ausstiegspunkt zu treffen. Und damit verspielen sie die Vorteile des Buy & Hold und des passiven Geldanlegens über Indexfonds/ETFs. Es liegt nicht an der Anlageform, es liegt am Anlageverhalten!

»Manche Anleger verstehen unter einer langfristigen Investition, am Freitagabend Aktien zu kaufen und bis Montagmorgen durchzuhalten«
(Heiko Thieme)

Kaufen und liegenlassen...

Mit dem Kauf einer Aktie erwirbt man nicht irgendein Stück Papier, sondern den Anteil an einem Unternehmen. Verliert das Geld an Wert, sind die Maschinen und Gebäude des Unternehmens noch da. Zur Zeit der Hyperinflation in den 1920er Jahren waren Aktien eine Versicherung gegen den Werteverzehr, denn der Unternehmenswert wurde am Ende neu berechnet in der neuen Währung und die Aktien stellten davon den gleichen Anteil dar wie zuvor.

...aber wann?

Es spricht also grundsätzlich Vieles für Aktien, aber ob man nun gerade jetzt Aktien kaufen sollte, ist eine andere Frage. Als Value-Investor sollte man ja ein solides Unternehmen mit guten Kennzahlen auswählen und die Aktie möglichst lange halten. Warren Buffett meint, man solle Aktien dann kaufen, wenn einen auch eine fünfjährige Schließung der Börse dann noch ruhig schlafen lassen würde.

»Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.«
(Sir John Templeton)

Für einen langfristig orientierten Anleger finden sich auch jetzt attraktive Einstiegschancen an der Börse. Reicht der Anlagehorizont aber nur einige Monate oder gar Wochen weit, ist das Risiko zum falschen Zeitpunkt einzusteigen, erheblich höher.

»Man benötigt kein perfektes Timing, um überragende Renditen zu erzielen. Zeit im Markt schlägt Timing des Marktes.« ("Time in the market beats timing the market")
(Ken Fisher)

Zum Thema Langfrist-Anlage hat übrigens der Fondsmanager Heiko Thieme während der High-Tech-Blase Ende der 1990er mal etwas sehr Bemerkenswertes gesagt: “Manche Anleger verstehen unter einer langfristigen Investition, am Freitagabend Aktien zu kaufen und bis Montagmorgen durchzuhalten”. Das ist zwar sehr böse formuliert, aber leider ebenso zutreffend. Und zeigt auf, weshalb so wenige Leute mit der an sich einfachen Value-Strategie scheitern: Angst und fehlende Geduld. Und nach Benjamin Graham ist Geduld die oberste Tugend des Investors!

»Wenn die richtige Aktie gefunden ist, dann ist es nie zu früh und nie zu spät, sie zu kaufen.«
(Peter Lynch)

Die spannende Frage ist also nicht, ob man jetzt in Aktien investieren sollte, sondern, ob es einem gelingt, ein solides Unternehmen zu einem attraktiveren Preis zu finden. Oder wie Warren Buffett es ausdrücken würde: kann man irgendwo den Dollar für 50 Cents kaufen? Findet man eine solche Gelegenheit, dann ist immer der richtige Zeitpunkt, um in sie zu investieren!

Ob man dabei so vorgeht wie Benjamin Graham oder Seth Klarman und eher auf unterbewertete Buchwertschnäppchen aus ist, oder wie Warren Buffett und Charlie Munger, die auf Qualitätsunternehmen setzen, also Firmen mit tiefem Burggraben und hohen Cashflows, die dann auch gerne mehr kosten dürfen, bleibt der Vorliebe des Anlegers überlassen. Und wenn das Marktumfeld dann dafür sorgt, dass die Unterbewertung des Unternehmens schneller abgebaut wird durch steigende Aktienkurse, als es sonst der Fall gewesen wäre, ist das ein durchaus angenehmer Effekt, den auch ein Value Investor gerne mitnimmt.

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