Mittwoch, 8. August 2018

Peter Lynch rät: Teile Aktien in Kategorien ein, um sie besser bewerten zu können

Wer sein Geld in Unternehmen investieren will, möchte (Kurs)gewinne erzielen. Dies gelingt zumeist nur, wenn das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet und zwar dauerhaft. Bei der Betrachtung der Gewinne kennt man allerdings nur die Vergangenheit, während die zukünftigen Aussichten/Erträge geschätzt werden müssen. Das macht die Bewertung schwierig.

Um diese Einschätzung erfolgreich vornehmen zu können, schlägt Peter Lynch in seinem lesenswerten Bestseller "Der Börse einen Schritt voraus" (hier zu meiner Kurzrezension) deren Einteilung in sechs Kategorien vor.

»Unterteile Aktien in Kategorien und bewerte sie entsprechend. Wenn du Aktien in Kategorien teilst, weißt du besser, was du von ihnen erwarten kannst.«
(Peter Lynch)


Aktienkategorien nach Peter Lynch


  1. Wachstumsschwache Aktien (Slow Growers)
    Große, alte Unternehmen mit einem Wachstum knapp oberhalb der Wachstumsrate des  Bruttoinlandsprodukts (BIP). Oft zahlen diese Unternehmen eine attraktive Dividende.
     
  2. Stetige Aktien (Stalwarts)
    Kontinuierlich wachsende Unternehmen mit Wachstumsraten oberhalb von 5 Prozent. Zumeist Wachstumsunternehmen, die ihre Sturm- und Drangphase hinter sich gelassen haben.
     
  3. Wachstumsstarke Aktien (Fast Growers)
    Kleine, aggressive, neue Unternehmen, die mit 20 bis 25 Prozent pro Jahr wachsen. Oftmals in schnalle wachsenden Branchen unterwegs, aber auch agile Unternehmen in etablierten Branchen können hohe Wachstumsraten aufweisen, z.B. durch erfolgreiche Zukäufe.
     
  4. Zyklische Aktien (Cyclicals)
    In zyklischen Branchen lösen sich Expansion und Schrumpfung regelmäßig ab (Auto, Stahl, Chemie, Luftfahrt, Chips) und genauso verhält es sich mit den Gewinnen. Der Zyklus bewegt sich dabei eng am allgemeinen Wirtschafskreislauf, so dass diese Aktien für Langfristanleger weniger geeignet sind, da der Börsenerfolg hier eher vom richtigen Timing abhängt, vom optimalen Ein- und Ausstieg.
     
  5. Turnaround-Aktien (Turnarounds)
    Zumeist arg mitgenommene Unternehmen, die stark geschwächt sind und einem drohenden Konkurs nur knapp entgehen können. Kein Wachstum, Kurse auf Tiefstniveau - kurz: Todeskandidaten. Jedoch mit einem Hoffnungsschimmer auf Rettung. Turnarounds weisen wohl das höchste Chance-Risiko-Verhältnis auf, doch muss vor allem das Risiko im Blick behalten werden, da die Fehlertoleranz extrem klein ist.
     
  6. Substanz-Spekulationen (Asset Plays)
    Das Unternehmen verfügt über Betriebsvermögen, dass die Börse bei ihrer Bewertung bisher übersehen hat. Diese Substanz kann aus Immobilien bestehen, Maschinen oder hoher Liquidität und sogar aus Verlustvorträgen (weil das Unternehmen zukünftig Steuern spart).

Will man also die künftige Ertragslage beurteilen, hängt dies davon ab, zu welcher Kategorie das Unternehmen gehört.

So liegen zwischen Turnaround-Kandidaten und wachstumsstarken Aktien Welten, insbesondere beim vorherrschenden Risiko. Während ein Turnaround-Wert mit sich selbst kämpft, um wieder auf die Beine zu kommen, wachsen andere Unternehmen rasant und ziehen so umgehend aggressive Nachahmer an, die ihm so die Gewinnmargen und Erträge nehmen.

Bei Wachstumsaktien kann man die Wachstumsraten in einem expandierenden Markt also nur fortschreiben, wenn es hier hohe Eintrittsbarrieren für Mitbewerber gibt (sog. ökonomischer Burggraben, z.B. durch Patente oder hohe Anfangsinvestitionen), ansonsten wird sich das Wachstumstempo schnell abschwächen - was dann wiederum Auswirkungen auf die Bewertung des Unternehmens hat.

Fazit

Hat man die Aktien einer Kategorie zugewiesen, kennt man die grundlegenden Erwartungen, die man an die Entwicklung des Unternehmens haben kann. Und hieraus resultierende die Gewinnerwartungen. Als nächstes kann man auf dieser Basis dann die Unternehmensgewinne selbst näher in  Augenschein nehmen und dann Vergleiche anstellen mit Unternehmen aus der selben Branche und in einem vergleichbaren Stadium der Unternehmensentwicklung. Es ergibt sich hieraus nicht nur eine absolute Bewertung des Unternehmens, sondern auch eine relative im Verhältnis zu ähnlichen Firmen, der sog. Peer-Group.


Meine Lese-Tipps
▶ "Aktien für alle: So verdienen Privatanleger an der Börse" von Peter Lynch
▶ "Der Börse einen Schritt voraus: Wie auch Sie mit Aktien verdienen können!" von Peter Lynch
▶ "Lynch III. Der Weg zum Börsenerfolg" von Peter Lynch

Kommentare:

  1. Hallo Zusammen, hat sich jmd. Von Euch gefragt warum Buffett so soviel Cash hortet und nurkaum grosse Positionen in letzter Zeit gekauft hat?

    Erwartet er einen Crash oder größere Korrektur?

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    1. Weder noch, hat er gerade wieder in einem Interview geäußert. Buffett hat das Problem, dass er zu viel Geld hat und keine Ziele mehr findet. Ich denke, auch deshalb kauft er so viele Apple-Aktien. Er hat schlicht keine Wahl mehr. Wenn er ein 100-Millionen-Dollar-Unternehmen kaufen würde, fällt das bei Berkshire Hatahaway kaum ins Gewicht, weil es verschwindend klein wäre verglichen mit dem Gesamtvolumen der Beteiligungen.

      Und schaut man in sein Portfolio, dann finden sich da ja nicht einmal alle Unternehmen. Nur die börsennötierten US-Werte. Keine Geico, keine Berkshire Hathaway Energy, keine Berkshire Hathaway Real Estate, keine Burlington Northern Santa Fe, keine Duracell, keine Fruit of the Loom, keine... to be continued.

      Des Weiteren kann er auch nicht (mehr) einfach Aktien von kleinen und mittelgroßen Unternehmen über die Börse kaufen, weil er dann den Kurs enorm in die Höhe treiben würde. Daher kann er eigentlich nur noch Dickschiffe ins Visier nehmen oder ganze Firmen kaufen. Und das klappt nicht (immer). Er wollte den Energieriesen Oncor kaufen - und wurde überboten. Er wollte, dass Kraft Heinz Unilever übernimmt und ist damit gescheitert. Statt dessen hat er in den letzten Jahren General Motors gekauft - Autowerte wollte er niemals haben, da zu kapitalintensiv. Und er kaufte Fluggesellschaften - wollte er niemals haben, da zu unstetiges Business und zu anfällig wegen der vielen Streiks und zu konkurrenzlastig. Da in den USA nur wenige große Fluggesellschaften überlebt haben, hat sich zumindest dieses letzte Problem weitgehend gelöst. Und IBM? Und Apple? Buffett hat früher immer einen großen Bogen um Tech-Aktien gemacht. Aber man sieht, dass Buffett schon auf die Branchen ausweichen muss, die nicht mag. Weil er immer weniger Möglichkeiten hat. Er muss ja jeweils gleich viele Milliarden investieren, um überhaupt eine Wirkung in seinem Depot zu erzeugen.

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