Sonntag, 18. Juni 2017

Aktienkategorien

Wer sein Geld in Unternehmen investieren will, möchte (Kurs)gewinne erzielen. Dies gelingt zumeist nur, wenn das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet und zwar dauerhaft. Bei der Betrachtung der Gewinne kennt man allerdings nur die Vergangenheit, während die zukünftigen Aussichten/Erträge geschätzt werden müssen. Das macht die Bewertung schwierig. Um diese Einschätzung erfolgreich vornehmen zu können, schlägt Peter Lynch in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus" deren Einteilung in sechs Kategorien vor.


Aktienkategorien

  1. Wachstumsschwache Aktien
    Große, alte Unternehmen mit einem Wachstum knapp oberhalb des Bruttosozialprodukts.
     
  2. Stetige Aktien
    Kontinuierlich wachsende Unternehmen.
     
  3. Wachstumsstarke Aktien
    Kleine, aggressive, neue Unternehmen, die mit 20 bis 25 Prozent pro Jahr wachsen.
     
  4. Zyklische Aktien
    In zyklischen Branchen lösen sich Expansion und Schrumpfung regelmäßig ab (Auto, Stahl, Chemie, Luftfahrt, Chips) und genauso verhält es sich mit den Gewinnen.
     
  5. Turnaround-Aktien
    Zumeist arg mitgenommene Unternehmen, die stark geschwächt sind und einem drohenden Konkurs nur knapp entgehen können. Kein Wachstum, Kurse auf Tiefstniveau - kurz: Todeskandidaten. Jedoch mit einem Hoffnungsschimmer auf Rettung.
     
  6. Substanz-Spekulation
    Das Unternehmen verfügt über Betriebsvermögen, dass die Börse bei ihrer Bewertung bisher übersehen hat. Diese Substanz kann aus Immobilien bestehen, Maschinen oder hoher Liquidität und sogar aus Verlustvorträgen (weil das Unternehmen zukünftig Steuern spart).

Will man also die künftige Ertragslage beurteilen, hängt dies davon ab, zu welcher Kategorie das Unternehmen gehört.

Bei Zyklikern sind keine dauerhaften Erträge vorhanden, Gewinne und Verluste wechseln sich ab (man denke an Chip-Hersteller). Hier muss man schon durch das Timing des Ein- und Ausstiegs Geld verdienen; für langfristig orientierte Investoren sind dies 'schwierige' Unternehmen.

Und zwischen Turnaround-Kandidaten und wachstumsstarken Aktien liegen Welten, insbesondere beim vorherrschenden Risiko. Während ein Turnaround-Wert mit sich selbst kämpft, um wieder auf die Beine zu kommen, wachsen andere Unternehmen rasant und ziehen so umgehend aggressive Nachahmer an, die ihm so die Gewinnmargen und Erträge nehmen.

Bei Wachstumsaktien kann man die Wachstumsraten in einem expandierenden Markt also nur fortschreiben, wenn es hier hohe Eintrittsbarrieren für Mitbewerber gibt (z.B. Urheberrecht oder hohe Anfangsinvestitionen), ansonsten wird sich das Wachstumstempo schnell abschwächen - was dann wiederum Auswirkungen auf die Bewertung des Unternehmens hat.

Fazit
Hat man die Aktien einer Kategorie zugewiesen, kennt man die grundlegenden Erwartungen, die man an die Entwicklung des Unternehmens haben kann. Und hieraus resultierende die Gewinnerwartungen. Als nächstes kann man auf dieser Basis dann die Unternehmensgewinne selbst näher in  Augenschein nehmen und dann Vergleiche anstellen mit Unternehmen aus der selben Branche und in einem vergleichbaren Stadium der Unternehmensentwicklung. Es ergibt sich hieraus nicht nur eine absolute Bewertung des Unternehmens, sondern auch eine relative im Verhältnis zu ähnlichen Firmen, der sog. Peer-Group.

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