Dienstag, 11. Juni 2019

Bill Nygren warnt: Wer auf Crash-Propheten hört, ist selbst schuld (an seinen Verlusten)

Bill Nygren ist als Portfolio Manager und CIO für drei Fonds der Oakmark-Familie verantwortlich und betreut ein Vermögen von knapp 25 Milliarden Dollar. Darunter ist auch der bekannte Oakmark Funds, der seit Gründung 1991 eine jährliche Performance von 13 Prozent vorzuweisen hat.

Nygren ist Value Investor durch und durch. Anhand der Discounted-Cash-Flow-Methode ermittelt er den fairen Wert eines Unternehmens und kauft dessen Aktien nur, wenn sie mit erheblichem Abschlag auf diesen Wert an der Börse zu bekommen sind. Er bezahlt nicht mehr als 60 Prozent des von ihm ermittelten Werts. Dieses Konzept der Sicherheitsmarge, das auf Benjamin Graham zurückgeht, ist quasi Teil von Nygrens Investment-DNA.

In seinem Markt-Kommentar zum ersten Quartal 2019 greift Nygren die Frage auf, weshalb er fast immer positiv gestimmt sei hinsichtlich des Börsengeschehens. Seine Antwort ist ganz einfach und dazu greift er auf einen Spielvergleich zurück: ausgerechnet Roulette...


Nun ist Roulette ja ein sehr bekanntes Spiel und die Chancen sind unterschiedlich hoch, je nachdem wie und worauf man setzt. Rot oder Schwarz, Gerade oder Ungerade - jedes Mal ist die Gewinnchance beinahe 50%. Beinahe, denn es gibt noch die Null, bei der die Bank gewinnt, und die die Chance unter 50% drückt. Natürlich kann man auch auf eine der 36 Zahlen setzen, oder hälftig oder geviertelt, was nicht nur Einfluss auf die Gewinnchancen hat, sondern auch auf die Höhe des potenziellen Gewinns. Auf den ersten Blick erschließt sich daher nicht, weshalb Bill Nygren gerade Roulette zum Vergleich heranzieht als Bestätigung für seine grundsätzlich positive Haltung.

Doch Bill Nygren hat seine Gründe und Belege. Er bezieht sich auf den Standard & Poors 500-Index, der langfristig ein Verhältnis von 10 negativen Monaten zu 26 positiven Monaten aufweist. Bedeutet: wer 36 Monate im S&P 500 Geld angelegt hat, schneidet statistisch gesehen mit 10 Verlustmonaten ab und 26 Gewinnmonaten - die Höhe der Gewinne und Verluste bleibt erstmal außen vor.


Börse ist Roulette mit manipulierter Kugel

Und nun kommen wir zurück zu Nygrens Roulette-Vergleich. Nygren meint daher, an der Börse zu investieren sei so, als würde man Roulette spielen, wobei die Chancen ungleich verteilt seien. Es würde statistisch gesehen 10 mal Rot kommen und 26 mal Schwarz. Wer würde bei einer solchen Wahrscheinlichkeitsverteilung dann auf Rot setzen? Mit Schwarz hätte man eine 2,6-mal so große Gewinnchance!

Nygren kann daher überhaupt nicht nachvollziehen, weshalb Anleger sich ständig von negativen Marktkommentatoren beeinflussen lassen würden. Die würden zwar in 10 Fällen richtig liegen, sich aber 26 mal irren. Trotzdem fänden die Pessimisten überall Gehör und würden in Talkshows, in Podcasts, in Börsensendungen und Aktienblättern ständig hofiert und als Wahrsager präsentiert. Dabei lägen sie viel öfter falsch als richtig. Doch durch dieses Herausstellen, dieses Präsentieren, dieses Glorifizieren würde den Anlegern suggeriert, die Pessimisten wüsten besonders gut Bescheid. Während objektiv betrachtet genau das Gegenteil der Fall ist.

Für Bill Nygren ist der Fall damit klar: er ist Daueroptimist, weil er damit 2,6 mal öfter richtig liegt als falsch. Und wenn man sich den langfristigen Verlauf des S&P 500-Index ansieht, dann summiert sich das über die zeit erheblich auf. Weshalb Buy & Hold der perfekte Investmentansatz für Anleger sei, meint Nygren. Am besten auf einige ausgesuchte Qualitätswerte setzen und diese mögliche günstig, also mit Sicherheitsmarge und unter ihrem wahren Wert, einkaufen. Value Investing pur. Auf Dauer die erfolgreichste Anlagestrategie von allen. Nicht erst seit Warren Buffettt...

Kommentare:

  1. Wer Deutsche Bank bei 90€ erworben hat und jetzt bei 6€ angekommen ist, wird den Artikel sicherlich nochmal und nochmal durchlesen.... :-)

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    1. Ähem... es geht um Crash-Propheten wie Marc Faber, die ständig den Weltuntergang predigen und, egal wie die Börsen stehen, stets nur das Negative sehen. Es geht nicht um kritische Einschätzungen zu Einzelwerten.

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  2. Habe eben ein Interview von Beate Sander gesehen. Sie hat sich von diesen Propheten auch nie beindrucken lassen.
    Eine Klasse Frau die es geschafft hat aus einer einmaligen Summe von 30T eine ganze Million in 20 Jahren zu machen.
    Hast Du, Michael, dich auch mal mit ihrer Methode auseinander gesetzt?

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    1. Ich halte von diesem Ansatz der Abrasierens der guten Werte, um dafür abgestürzte Titel zu kaufen mit bestimmten Kursen, nichts. Peter Lynch rät zum genauen Gegenteil: man soll die Blumen gießen und das Unkraut jäten, nicht umgekehrt.

      Ich gönne Frau Sander ihren Erfolg, ich bin beeindruckt. Aber mein Investmentansatz ist das nicht; was ja nicht heißt, dass andere nicht (auch) funktionieren können. Wie Buffett meinte: "Es gibt viele Wege in den Finanzhimmel".

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  3. Buy & Hold ist meiner Meinung nach das Einzige was langfristig gut funktioniert. Die ganzen Daily Trader denken alle sie wären die lang ersehnten Propheten und könnten alles vorhersagen.
    Nur negative Stimmung zu verbreiten bringt absolut gar nichts und die, die sich davon auch noch beeinflussen lassen haben den Schuss echt nicht gehört. Die sollten lieber in stabile Werte invstieren und langfristig Spaß damit haben, auch wenn die 60% Regel von Nygren momentan schwer umzusetzen ist.

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    1. Es gibt eine Studie von Fidelity Investments, dass die besten Depots diejenigen sind, bei denen die Eigentümer vor Jahren verstorben sind und das nicht gemeldet wurde...

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  4. Die westlichen Finanzsysteme sind generell so "designed" das sie immer wieder crashen müssen, da ja ewiges Wachstum vorausgesetzt ist und es das nicht gibt.
    Wer daher dauernd vom drohenden crash redet, der sicherlich irgendwann wieder kommt, ist dann halt so ein "Prophet"

    Crash Propheten laufen einem dauernd über den Weg, wenn man sich mit Aktien und Börse beschäftigt. Dirk Müller, Max Otte usw. sind ja auch welche.
    Haben den crash vorausgesagt bla bla bla.

    Joe

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