Freitag, 24. Mai 2013

Investmentfonds sind meistens schlecht(er)

Die vor allem in Deutschland vorherrschende Meinung ist, als Privatanleger könne man kein erfolgreiches Stock-Picking betreiben und sollte sein Geld lieber in Fonds investieren - und das möglichst breit gestreut, um das Risiko zu minimieren. Ebenso vernünftig klang es, dass die Erde eine Scheibe wäre, allerdings haben beide Denkansätze einen entscheidenden Makel: die Fakten sprechen dagegen!

"Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung".

Über Planeten und die Form der Erde werde ich mich nun nicht näher auslassen, aber zum Thema Direktanlage in Aktien versus Fondsinvestments hingegen schon. Der Gedanke eines Fonds ist, dass man als Anleger nur Geld einzahlt und die Auswahl der Anlageobjekte dann einem (gut bezahlten) Fachmann überlässt. Klingt plausibel und vernünftig. Allerdings zahlen auch Fonds Transaktionsgebühren für ihre An- und Verkäufe und die Fondsmanager erhalten Gehälter und/oder Provisionen. Darüber hinaus verdient auch die Fondsgesellschaft, denn zwischen An- und Verkaufskursen liegt ein nicht selten hoher Spread, wenn die Anteile denn überhaupt über die Börse gehandelt werden können. Viele sind nur bei der jeweiligen Fondsgesellschaft erhältlich und können nur an diese zurückgegeben werden - was in der Regel keinen großen Nachteil bedeutet, wenn man nicht gerade auf Immobilienfonds gesetzt hat und der Fonds wegen zu großer Anteilsrückgaben in akute Liquiditätsprobleme geschliddert ist. Was in den letzten Jahren eher die Regel als die Ausnahme war. Bei den übrigen Assetklassen, wie Aktien, Renten (verzinsliche Wertpapiere), Geldmarktpapiere usw. kassiert die Fondsgesellschaft dann noch einen Ausgabeaufschlag, der bis zu 7,5% betragen kann. Diese ganzen Kosten muss der Fondsmanager erst einmal wieder verdienen, ehe das Investment des Anlegers überhaupt aus der Verlustzone kommt. Und abgesehen vom Ausgabeaufschlag fallen die Kosten ja nicht nur einmal an, sondern jährlich immer wieder auf's Neue.

Und trotzdem... immerhin sind Profis am Werk, Anlageexperten, die viel Geld verdienen, die wissen schon, was sie tun. Sollte man meinen. Der Finanzdienstleister Gecam hat nun die Performance von 9.428 Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Dach- und Mischfonds analysiert, die in Europa zum Vertrieb zugelassen sind. Und das Ergebnis ist niederschmetternd: magere 23 Prozent der Investmentfonds schafften es in den vergangenen drei Jahren, ihren jeweiligen Vergleichsindex zu übertreffen. Mit anderen Worten: 77 Prozent der Fonds, also mehr als drei Viertel, schnitten schlechter ab als "der Markt". Beim Roulette liegt die Gewinnchance bei knapp unter 50 Prozent, wenn man auf Rot oder Schwarz setzt (die Null spielt ja auch mit), bei Investmentfonds nur bei 23 Prozent. Als rational denkender Mensch sollte man spätestens jetzt akzeptieren, dass die vermeintlich gute Anlage in Investmentfonds eben auch nur vermeintlich die beste Anlagevariante ist.

Gründe für das schlechte Abschneiden liegen auf der Hand: die Fondsmanager bilden zu mehr als 70 Prozent einfach nur ihren jeweiligen Vergleichsindex ab, so dass sie bei hohem Kostenaufwand keinen Mehrwert schaffen können. Sie müssen quasi schlechter als der Vergleichsindex abschneiden, denn es verbleiben ja nur 30 Prozent der investierten Summe, die sie anders einsetzen. Und da Fonds immer ein gewisses Maß an Liquidität halten, z.B. um ausstiegswillige Anleger auszahlen zu können, liegt die wirkliche "Eigenleistungsquote" noch niedriger. Und dieser geringe Anteil müsste dann die Kosten verdienen und auch noch eine Out-Performance gegenüber dem Vergleichsindex. Das geht nur auf zwei Arten: enormes Glück oder hohes Risiko. Hat der Fondsmanager nur Glück, stellt sich die Frage, weshalb der Anleger diesen "Experten" braucht. Und erkauft sich der Fondsmanager die bessere Performance durch ein erhöhtes Risiko, widerspricht dies dem Sinn einer sicheren Anlage und es kann gut sein, dass sich auch einmal das Risiko nicht auszahlt und ein Fonds nach guten Jahren sehr viel schlechtere aufweist. Studien haben belegt, dass Fonds, die drei Jahre lang besonders gut abgeschnitten haben, danach meistens zu den Verlierern zählen.

Wenn man also schon "den Markt" kaufen möchte, sollte man lieber auf ETFs (Exchange-traded Fund) setzen bzw. Produkte, die nicht aktiv gemanaged werden, sondern wirklich nur den Markt 1:1 abbilden - die produzieren nämlich fast keine Kosten, so dass für den Anleger eine weitaus größere Chance besteht, in die Gewinnzone zu kommen.

Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Direktinvestments in Aktien. Warren Buffett meint hierzu, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch in der Lage sei, wenn er nur einige wenige Dinge beherzige:
  • er müsse bereit sein, seine Emotionen aus der Anlageentscheidung herauszuhalten und auf Basis von Fakten zu investieren,
  • er müsse bereit sein, sich durch Geschäftsberichte durchzuackern und nicht auf Börsentipps von Freunden, Brokern, Börsenblättern oder Astrologen zu setzen,
  • er sollte in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell er versteht,
  • er sollte antizyklisch investieren (niedrig kaufen, hoch verkaufen),
  • und er sollte Aktien zu Kursen kaufen, die deutlich unterhalb ihres wahren Wertes notieren, und diese dann lange halten.
Buffett hält nichts von Konjunkturprognosen und auch nichts von Markttiming. Er kauft, egal, ob sich die Börse in einer Hausse oder einer Baisse befindet. Denn wenn er den Wert eines Unternehmens ermittelt hat und somit den wahren Wert seiner Aktien, dann kauft er, wenn der Börsenkurs deutlich unter diesem Wert notiert. Und wartet ab. Buffetts Partner bei Berkshire Hathaway brachte die Strategie des Value-Investings einmal so auf den Punkt:

"Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr
bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du wenige
großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt."
(Charlie Munger)

Es kommt also letztlich darauf an, seinen eigenen Verstand einzusetzen und dann Aktien günstig zu kaufen und lange zu halten. Das ist die Strategie des Buy & Hold, die dem Zinseszinseffekt erst die Chance gibt, sein Potenzial zu entfalten und Anleger reich zu machen. Wer häufig(er) sein Depot umschichtet läuft Gefahr, zum falschen Zeitpunkt ein- und auszusteigen. Und auch das belegen empirische Untersuchungen, dass Anleger eben meistens mit der Herde schwimmen und daher bei stark fallenden Kursen verkaufen und bei stark steigenden Kursen kaufen. Sie handeln also nicht rational, sondern emotional. Und versenken damit eine Menge Geld und füllen nur die Taschen der Broker, die an den Transaktionskosten prächtig verdienen.

"Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel
Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
(Warren Buffett)

Die richtigen Aktien zu finden, ist natürlich in der Praxis nicht ganz so einfacht. Schon Oscar Wilde bemerkte, dass es leichter sei, über Geld zu schreiben, als Geld zu machen. Und so kann ein interessierter Anleger auch "einfach" sein Geld in Aktien von Unternehmen investieren, die ihrerseits Unternehmen und/oder Aktien kaufen. Der Unterschied zu Fonds ist hierbei, dass man an dem Unternehmen als Aktionär direkt beteiligt ist, dass man die Investmententscheidungen näher miterleben kann, z.B. durch die Geschäftsberichte, Quartals- und teilweise Monatsberichte und natürlich durch Adhoc- und sonstige Publikationen des Unternehmens. Und man kann sich in Unternehmen engagieren, wo der Vorstand selbst signifikante Anteile hält, also ein erhebliches Interesse daran hat, den Unternehmenswert zu mehren. Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die diese Anforderungen erfüllen können.

Zum einen gibt es Unternehmen, die sich auf das Investieren in börsennotierte Unternehmen spezialisiert haben. Hier sind die Shareholder Value Beteiligungen AG, die Allerthal-Werke AG, oder die Scherzer & Co. AG zu nennen, über deren Websites man sich über Anlagemethode und die größeren Investments informieren kann.

Und es gibt "richtige" Beteiligungsgesellschaften. Einige sind auf Frühphaseninvestments spezialisiert, wie die Blue Cap AG oder die mic AG, andere erwerben Krisenunternehmen, um sie wieder aufzupäppeln, wie die Bavaria Industriekapital AG. Dann gibt es Unternehmen, wie die Aurelius AG, die gerne Randaktivitäten großer Konzerne erwerben und zu neuen Einheiten formieren und sie dann auf mittlere Sicht gewinnbringend wieder veräußern. Und zuletzt gibt es langfristig orientierte Industrieholdings, bei denen die Veräußerungserlöse von Tochtergesellschaften eher die Ausnahme als die Regel sind. Hier sind AdCapital, die Deutsche Beteiligungs AG, Gesco, Indus, MAX Automation, MBB Industries zu nennen. Und natürlich Warren Buffetts Investmentkonglomerat Berkshire Hathaway, das in einer ganz anderen Liga spielt, als z.B. Greiffenberger AG oder die H.P.I. Holding AG, die nur jeweils ein oder zwei Beteiligungsunternehmen aufweisen und auf ein Segment fokussiert sind. Insbesondere Aurelius und MBB Industries halte ich für nach wie vor für mittel- und langfristig hervorragende Investments, bei denen man gerne Partner (Mitaktionär) der erfolgreichen Vorstände ist.

Bleibt noch die Frage,  weshalb man in lieber Aktien investieren sollte und nicht in Immobilien, Tagesgeld, Anleihen, Gold, Rohöl oder Schweinebäuche. Die habe ich allerdings bereits unter dem Titel "2013 wird das Jahr der Aktien" ausführlich beantwortet und spare mir deshalb an dieser Stelle die Wiederholung.

"Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen".

Also, es ist gar nicht so schwer, erfolgreich an der Börse zu investieren. Sofern man die Börse nicht als Casino und Aktienkäufe als Zocken missversteht, sondern Aktien als Partnerschaftsanteile an Unternehmen und die Börse als Handeslplatz, wo man diese Anteile erwerben kann, bleiben gar nicht so viele Möglichkeiten, gravierende Fehler zu machen. Ein wenig Mut und etwas Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen gehören zwar schon dazu, aber beides benötigt man auch, wenn man unbeschadet eine fremde Katze streicheln will...

1 Kommentar:

  1. Einschätzungen aller erster Güte, wie man es von Ihnen gewohnt ist, Herr Kissig. Hervorragende Leistung!

    Gerade von Herrn Prof. Max Otte und seinem PI Global Value Fonds hätte ich mehr erwartet. Otte gibt ja gern den Value-Investor und hat durchaus Werte gekauft, die danach ordentlich zugelegt haben (Hellenic Telekom, Sharp, Sony, ...). Allerdings auch ganz schöne Fehlschüsse gelandet (KPN, Praktiker oder die immer wieder angeprisenen Versorger E.ON und RWE). Manchmal denke ich, er zockt zu stark. So liefen die letzten beiden Jahre im Fonds auch eher unterdurchschnittlich.

    AntwortenLöschen