Dienstag, 13. Juni 2017

MBB: Insiderverkäufe ebnen Weg für SDAX-Aufnahme

Bei der mittelständischen Beteiligungsholding MBB SE geht es weiter Schlag auf Schlag. Nach dem erfolgreichen Börsengang der Tochter Aumann vermeldete das Unternehmen nun, dass sich die Gründer und Großaktionäre von einem Aktienpaket getrennt hätten. Was normalerweise für ein Aufhorchen sorgen sollte, hat einen einfachen Hintergrund - und der ist nicht die Absicht, Geld zu erzielen. Denn das hätten die Großaktionäre auch in Form einer üppigeren Dividendenausschüttung erreichen können. Nein, man trennt sich von insgesamt rund 6 Prozent der Aktien und gibt diese an institutionelle Investoren ab, um den Streubesitzanteil zu erhöhen. Gesagt, getan. Die 400.000 Aktien wurden zu 98 Euro außerbörslich platziert und der Freefloat steigt somit auf 35,2 Prozent an und die Großaktionäre halten künftig jeweils 32,4 Prozent bzw. zusammen 64,8% an MBB.

Gewünschter Effekt dieser Maßnahme ist, dass MBB mit dem erhöhten Freefloat näher dran an das erklärte Ziel rückt, in absehbarer Zeit in den SDAX aufgenommen zu werden. Bei den Kriterien kommt es neben der Börsenkapitalisierung und dem Börsenumsatz auch auf einen ausreichenden Streubesitzanteil an.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
Delignit räumt weitere Aufträge ab
Nachdem der Aktienkurs der MBB die letzten Tage stärker konsolidierte, was nach dem rasanten Kursanstieg der letzten Monate von 40 auf knapp 120 Euro auch normal und wünschenswert ist/war, kann MBB nun wieder mit positiven Nachrichten punkten.

Die börsennotierte Tochter Delignit hatte Anfang Juni Folgeaufträge für ihre Bahnsparte verkünden können und gab heute zwei Serienaufträge im Automotivebereich bekannt sowie die Gründung einer US-Dependance in Atlanta, Georgia. Und Delignit war auch Thema beim Interview des MBB-Chefeinkäufers Karalus, das er mit der Euro Am Sonntag führte, und in dem es um die anstehenden Zukäufe geht. MBB will in diesem Jahr noch mindestens eine Übernahme tätigen und geht dabei von einem Eigenkapitaleinsatz von bis zu 40 Mio. Euro aus. Mit dem aktuellen "Dry Podwer" könnte man also bis zu 5 derartige Übernahmen stemmen. Wobei auch vom Volumen her kleinere Add-on-Zukäufe für die Tochtergesellschaften angedacht sind, insbesondere für Delignit und den Cloud- und Datenspezialisten DTS.

Meine Einschätzung
Die mit Abstand größte Tochter, die Aumann AG, wird auch künftig eine gewichtige Rolle spielen. Denn MBB hält 53,6 Prozent der Aktien an der E-Mobilitäts- und Automotive-Company und damit was Unternehmen bilanziell voll konsolidiert in der MBB-Bilanz - und am Ende eine gehörige Portion Minderheitenanteile abgezogen. MBB wird versuchen, mit weiteren lukrativen Zukäufen seine Abhängigkeit von dieser einen Tochter, die für mehr als die Hälfte der MBB-Umsätze und Gewinne steht, zu verringern und das Beteiligungsportfolio wieder breiter auszustellen. Das hierfür nötige Cash ist in großzügigem Maße vorhanden und die ersten Targets hat MBB auch bereits im Auge. Allerdings muss auch der Preis stimmen, ein bei MBB seit jeher ganz entscheidendes Kriterium.

MBB ist die größte Position in meinem Depot und befindet sich seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste. Sie ist die mit Abstand erfolgreichste Position und konnte kürzlich als erste den Status "Tenbagger" für sich beanspruchen, nachdem sich der Kurs seit meiner Erstempfehlung mehr als verzehnfacht hatte - inkl. der Bruttodividendenzahlungen.

Was die Bewertung angeht, so dürfte MBB aktuell fair bewertet sein. Denn wenn man die Börsenkapitalisierung der börsennotierten Töchter Aumann und Delignit sowie die Cash-Reserven zusammenrechnet, dann werden die übrigen Tochtergesellschaften fast mit Null bewertet, geht man von der Börsenkapitalisierung von MBB aus. Der größte Hebel bleibt die Kursentwicklung von Aumann; für das künftige unternehmerische Potenzial sind aber die nächsten Zukäufe mindestens ebenso entscheidend. MBB bleibt daher für mich eine aussichtsreiche und langfristig gut positionierte Investition. Sofern keine breite Marktkorrektur einsetzt und/oder Aumann deutlich die - hohen - Erwartungen enttäuschen sollte, dürften Kurse von unter 100 Euro für MBB auf lange Sicht interessante Kaufkurse sein. Anleger sollten allerdings nicht erwarten, dass der Kurs in gleichem Tempo weiter ansteigen wird, wie er es die letzten sechs Monate getan hat...

Aumann, Delignit und MBB befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.


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ERGÄNZUNG VOM 14.06.2017, 16:45

▸ Sycomore Asset Management ist neuer Großaktionär bei MBB

Der Großteil des Aktienpakets von 6 Prozent der MBB-Aktien, das die Gründerfamilien an institutionelle Anlegern abgegeben haben, fand seinen Weg in das Depot der französischen Sycomore Asset Management, wie die eben veröffentlichte Stimmrechtsmitteilung besagt. Die Franzosen werden damit zum drittgrößten Aktionär von MBB, noch vor Finanzchef Anton Breitkopf, der ebenfalls 30.000 seiner 76.000 MBB-Aktien veräußert hatte. Seine restlichen 46.000 Aktien entsprechen etwa 0,7 Prozent der MBB-Aktien.

Meine Einschätzung
Nach dieser Meldung muss sich niemand Sorgen machen, dass die MBB-Aktien schnell wieder auf den Markt kommen und den Kurs drücken könnten. Mit der Sycomore Asset Management wurde ein langfristig orientierter Großaktionär gefunden, was dem Unternehmen zusätzliche Stabilität verschafft und des Weiteren aufzeigt, das auch jenseits des Managements und der Gründer noch erhebliches Potenzial in der MBB-Aktie gesehen wird.

Kommentare:

  1. Wahrscheinlich waren die gestrigen Kursverluste auf diese Insider-Verkäufe zurückzuführen. Die Aufnahme in den SDAX würde dem Unternehmen mehr Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung verschaffen, was sich positiv auf die Kurse auswirken wird. Siehst du es nicht als eher problematisch an, dass MBB so stark von der Entwicklung seiner Tochter Aumann abhängt?

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    1. MBB hat die Abhängigkeit von Aumann durch deren IPO ja deutlich verringert. Zuvor stand Aumann für gut 50% der Umsätze des MBB-Konzerns und mehr als die Hälfte der Gewinne. Nun hat man knapp 40% verkauft und hält noch 53,6% an Aumann. Dem entsprechend beträgt der Umsatzanteil nun noch knapp 30% im MBB-Konzern und bei den Gewinnanteilen vielleicht 35%. Dabei wachsen die übrigen Beteiligungen auch rasant und steigern ihre Margen und Gewinne. Wenn auch nicht so schnell wie Aumann. MBB hat also die Abhängigkeit von Aumann deutlich reduziert und sobald sie den Cash-Berg von knapp 200 Mio. Euro für weitere Firmenübernahmen oder Add-on-Käufe für die bestehenden Töchter verwenden, reduziert sich die Abhängigkeit von Aumann weiter. Von daher bereitet mir die Situation jetzt keine Kopfzerbrechen - im Gegenteil, das MBB-Management hat erneut bewiesen, wie fähig es ist.

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  2. Was machen Sie wenn wir in einem Bärenmarkt (30-50%) geraten? Haben Sie mentale StopLosses und verkaufen alles oder bleiben Sie investiert, nehmen die Verluste in Kauf und kaufen mehr wie Warren Buffett?

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    1. Ich nutze mein Cash-Polster, um zuzukaufen. Allerdings ist es schwieirg festzustellen, ob sich der Markt wirklich im Bärenmodus befindet, oder ob es sich nur (wieder einmal) um eine handfestere Korrektur handelt, in deren Anschluss sich die Kurse schnell wieder erholen. So etwas haben wir ja öfter, so auch 2011 oder Anfang 2016. Wer da die Nerven behalten und nicht verkauft hat, fuhr jedenfalls nicht schlecht...

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  3. MBB: Sycomore Asset Management ist neuer Großaktionär

    Der Großteil des Aktienpakets von 6 Prozent der MBB-Aktien, das die Gründerfamilien an institutionelle Anlegern abgegeben haben, fand seinen Weg in das Depot der französischen Sycomore Asset Management, wie die eben veröffentlichte Stimmrechtsmitteilung besagt. Die Franzosen werden damit zum drittgrößten Aktionär von MBB, noch vor Finanzchef Anton Breitkopf, der ebenfalls 30.000 seiner 76.000 MBB-Aktien veräußert hatte. Seine restlichen 46.000 Aktien entsprechen etwa 0,7 Prozent der MBB-Aktien.

    Meine Einschätzung
    Nach dieser Meldung muss sich niemand Sorgen machen, dass die MBB-Aktien schnell wieder auf den Markt kommen und den Kurs drücken könnten. Mit der Sycomore Asset Management wurde ein langfristig orientierter Großaktionär gefunden, was dem Unternehmen zusätzliche Stabilität verschafft und des Weiteren aufzeigt, das auch jenseits des Managements und der Gründer noch erhebliches Potenzial in der MBB-Aktie gesehen wird.

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