Mittwoch, 2. Mai 2018

Entpuppt sich Gilead Sciences doch noch als Value Trap?

Das Biotech-Unternehmen Gilead Sciences (WKN: 885823) habe ich noch gar nicht so lange auf dem Schirm und heute weiß ich, dass ich die Finger ganz davon hätte sein lassen sollen. Vor 15 Monaten habe ich mir die Frage gestellt, ob Gilead ein Value Investment wert sei und ich kam zu dem Schluss, dass es wohl so sei. Doch erst die Übernahme des Krebsspezialisten Kite Pharma veranlasste mich, etwas Geld in Gilead zu investieren und das Unternehmen auf meine Empfehlungsliste zu nehmen.

Mein Investmentcase war, dass Gilead mit seinem Hepatitis- und HIV-Business hohe Cashflows und Gewinne erwirtschaftet und auch wenn das Hepatitis-C-Franchise zunehmend unter Druck geraten war, Gilead hier doch erfolgreich gegensteuern würde können und seine enormen Cash-Reserven gleichzeitig in neue lukrative Geschäftsfelder investieren würde. So lautete der Plan...


Im Realitätscheck muss ich aber erkennen, dass Gilead in seinem HIV-Business nicht (mehr) so erfolgreich ist, wie ich annahm. Und die Hepatitis-Sparte erodiert viel schneller, als gedacht - auch durch das Konkurrenzprodukt von AbbVie. Meine zweite Fehleinschätzung. Der dritte Bereich, die Zukäufe, war dank Kite Pharma erfolgreich - man ist nun im Bereich Krebsbehandlungen tätig und baut sich ein drittes Standbein auf. Das dauert entsprechend und Gewinne aus diesem Bereich sind erst in den Folgejahren zu erwarten.

 Gilead Sciences (Quelle: wallstreet-online.de
Nun ist Benjamin Grahams Leitspruch, Geduld sei die oberste Tugend des Investors. Demnach sollte ich Gilead (mehr) Zeit geben. Andererseits lautete Warren Buffetts Regel Nummer 1, kein Geld zu verlieren.

Ich habe diese beiden Maximen gegeneinander abgewogen und da sich meine Annahmen als zu optimistisch herausgestellt haben und ich auf Basis meiner heutigen Erkenntnisse und Einschätzungen keine Aktien von Gilead (mehr) kaufen würde, habe ich die Konsequenzen gezogen und die Aktien Montagmorgen verkauft. Unterm Strich habe ich in neun Monaten knapp 10% in den Sand gesetzt.

Ich habe bewusst vor dem Mai-Feiertag und vor Bekanntgabe der Quartalszahlen verkauft, weil ich mich mit drei Unternehmen beschäftige, in die ich vielleicht investieren möchte. Und dafür schon einmal etwas Cash generieren wollte. Und natürlich, weil meine Einschätzung zu Gilead bereits seit einigen Tagen negativ war und ich mir auch keine positiven Impulse von den Zahlen erwartet habe.

Gilead Sciences hat sich als Value Trap herausgestellt und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis sich herausstellt, ob das Unternehmen sein Hepatitis-Business konsolidieren, mit seinen HIV-Medikamenten wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und mit der neuen Krebssparte nachhaltig Gewinne erzielen kann. Und nur wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden können, dürften Gilead auch wieder deutlich höhere Notierungen zugebilligt werden.

Kommentare:

  1. Noch einer mit einer blutigen Nase ;-)

    Ich war vor ca. 2 Jahren bei Gilead drin. Die Umsätze im HIV-Bereich brachen schon damals in atemberaubendem Tempo weg, aber die Aktie war optisch günstig und man hatte ca. 30 Mrd. auf der hohen Kante und ein gutes Händchen bei Zukäufen bewiesen. Außerdem wurde das Unternehmen bei Motley Fool mindestens einmal wöchentlich über den grünen Klee gelobt :)

    Die Realität war dann, dass man mit einem Zukauf zögerte und zögerte und zögerte und der Vorstand dann auch noch kontinuierlich in großem Stil eigene Aktien auf den Markt warf (in einem Ausmaß, das über akuten Geldbedarf klar hinausgeht); das fand ich aus Sicht des Kleinanlegers schon extrem stoffelig.

    Ich wurde darob so sauer, dass ich das Geld genommen und in BB Biotech umgeschichtet habe. Damit geht es mir wesentlich besser, allein schon deswegen, weil ich mich bei der Beurteilung der Beteiligungen auf die Expertise von Fachleuten verlassen kann.

    In Gilead würde ich unter diesem Management nicht mehr investieren, selbst wenn das Unternehmen sich von seiner momentanen Schwäche wieder erholt.

    Gruß
    Jens

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    1. Korrektur: ich meinte natürlich nicht den HIV-, sondern den Hepathitis-Bereich.

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  2. Lieber Michael,
    mich würde mal interessieren, warum du eigentlich Apple von deiner Empfehlungs-Liste gestrichen hast und ob du das inzwischen für eine falsche Entscheidung hältst? Selbst Waren Buffet ist ja eingestiegen und die Entwicklung bei Apple ist top aus meiner Sicht, der Konzern überzeugt immer wieder mit überirdischen Zahlen, stellt sich breiter auf und ist in sehr lukrativen Zukunftsmärkten dabei...

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    1. Ich habe Apple bereits im Juli 2015 von meiner Empfehlungsliste gestrichen und das in zwei Artikeln ausführlich begründet ("Apple, it's time to say goodbye!" und "Der Apple fällt nicht weit vom Stamm... aber tief"). Lesenswert sind auch die umfangreichen Diskussionen im Kommentarbereich unterhalb der Artikel.

      Meine Argumentation von damals, dass Apple einzig und alleine (ca. 90% der Gewinne) vom Iphone abhängig ist und als Ein-Produktunternehmen ein so gewaltiges Klumpenrisiko hat, dass ich kein halbwegs vernünftiges Chance-Risiko-Verhältnis dargestellt bekomme. Daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: das Iphone ist noch immer kaum weiter entwickelt, die anderen Projekte/Produkte, die es ergänzen sollten, sind eher gefloppt oder bringen viel zu wenig Umsatz und Gewinn (Apple Watch) und weitere bahnbrechende Innovationen sind nicht in Sicht (iCar wurde gestoppt).

      Ich verstehe, weshalb Buffett so auf Apple und dieses in sich geschlossene Ökosystem abfährt - da aber die jungen Leute/Jugendlichen kaum Apple-Produkte kaufen, und man immer öfter davon liest, dass wir in einigen Jahren vielleicht gar keine Smartphones mehr haben/nutzen werden, sehe ich hier zunehmende Risiken für das Geschäftsmodell von Apple. Ich fürchte, die werden zu einer zweiten Microsoft - und damit meine ich den behäbigen, selbstzufriedenen Konzern unter Steve Ballmer, der keine Innovationskraft mehr hatte, krampfhaft versuchte, seine Marktstellung zu sichern und dabei in neuen Märkten die Entwicklung voll verpennt hat, und der sauteure Übernahmen tätigte, die allesamt Milliardengräber wurden.

      Alles Argumente, die gegen ein Investment in Apple sprechen. Und es gibt so viele andere, wundervolle - und in meine Augen bessere - Unternehmen, deren Aktien ich kaufen kann. Ich muss nicht Apple kaufen, von mir aus kann Warren alle Aktien von denen haben. Und ich gönne ihm auch Erfolg damit, so ist das nicht.

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    2. Danke für die ausführliche Antwort. Das ist dann wohl die negative Sicht auf Apple;-) Ich will jetzt nicht in aller Breite dagegen argumentieren, war selbst mal durchaus skeptisch bei Apple. Aber deine dargestellte Sicht ist mir dann doch zu eindimensional negativ und teilweise sogar falsch. Junge Leute kaufen kaum Apple-Produkte? No, sogar teilweise mehr als die ältere Generation:
      https://blog.deinhandy.de/news-und-trends/zahlen-und-fakten/07112017/iphone-statistik-vor-allem-junge-nutzer-stehen-auf-apple

      Apple Watch gefloppt? No, Apple ist mittlerweile die Nummer 1 bei Smart Watches, sogar der größte Uhrenhersteller der Welt. Und selbst wenn das noch nicht den enormen Umsatz bringt, es schafft Apple z.B. die Basis für einen Milliardenmarkt im eHealth-Bereich. Und es stärkt eben weiter das Ökosystem.

      Und wenn wir keine Smartphones mehr nutzen, dann eben Watches, andere Wearables oder was auch immer. Aber warum gefährdet es das Geschäftsmodell von Apple? Apple ist doch nicht untätig, sondern wird natürlich in diesem Markt weiter dabei sein. Denn das passiert ja nicht über Nacht, dass es plötzlich keine Smartphones mehr gibt, wenn es überhaupt so schnell passiert. Und Apple wird die Entwicklung in diesem Bereich begleiten und mitgestalten. Warum sollte das Apple nicht tun und gelingen?

      Zudem nimmt das Klumpenrisiko iPhone permanent ab, der Anteil am Umsatz wird zunehmend kleiner, andere Bereiche wachsen extrem. Dabei spielt eben das inzwischen riesige Ökosystem eine wichtige Rolle.

      Also klar, man muss bei Apple nicht alles positiv sehen und the next big thing mag so erstmal nicht in Sicht sein. Aber es muss ja auch immer nicht mit so einem großen Knall wie unter Jobs beim iPhone oder iPad kommen, sondern kann sich, wie die Apple Watch, auch Schritt für Schritt dahin entwickeln. Insofern, Apple ist eine enorm starke Marke, hat top Leute an Bord und ist in wesentlichen Zukunftsmärkten bestens aufgestellt.

      Und wenn du schreibst, dass es so viele andere, wundervolle, aus deinen Augen bessere Unternehmen als Apple gibt, finde ich es zumindest etwas amüsant. Ich kenne zumindest kein Unternehmen, dass so gigantische Gewinne und Umsätze einfährt, mit Rekordquartalen Wirtschaftsgeschichte schreibt. Gilead Sciences oder Facebook scheinen zumindest schon mal keine besseren Unternehmen zu sein ;-)

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    3. "Flop" im Sinne von nicht erfüllter Erwartung, dass sie signifikant zum Gewinn beitragen verglichen mit dem Iphone. Weder das Ipad noch die Apple Watch haben das geschafft und auch der Rest der Produkte/Angebote nicht. Und wenn Du vom Streamen und der Medienbibliothek sprichst, dann wird ein Großteil über das Iphone abgerufen. Nimmt man dieses aus der Gleichung, winken kaum noch Zuwächse. Im Gegenteil. Und das gilt auch für ApplePay.

      Was alternative Aktien angeht: die möglichen Kursgewinne der Vergangenheit interessieren doch nicht. Es gilt nur der Blick nach vorne. Kaufe ich heute Apple, kaufe ich eine Cashflowmaschine. Die auf Stagnation und/oder Krise zusteuert dank einen enormen Klumpenrisikos. Wann (oder ob) dieses Risiko eintritt, weiß ich nicht. Es ist aber vorhanden. Das begrenzt das weitere Potenzial erheblich aus meiner Sicht. Dem stelle ich andere Aktien gegenüber, die ich für aussichtsreicher ansehe, was das Wachstum und die Kursgewinne angeht.

      Aber ich will Dir Apple nicht ausreden. Du hast mich nach meinen Beweggründen gefragt und die habe ich Dir genannt. Ich will Dich nicht überzeugen. Für mich ist Apple als Investment jedenfalls nichts (mehr)...

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    4. Ja klar, wie geschrieben, ich sehe Apple nicht als das non plus ultra. Bin aber seit 3 Jahren investiert und sehe derzeit keinen Grund auszusteigen, dafür läuft das Geschäft einfach (noch) viel zu gut, die Dividenden steigen, Umsätze und Gewinne wachsen. Und gerade in der Medienbibliothek ist das Plus schon deutlich, wobei Apple schon das Streaming verpennt hat.

      Ich will dich auch nicht überzeugen, finde es viel mehr interessant, wie unterschiedlich Apple gesehen wird. Auch bei amerikanischen Bloggern gehen die Meinung ja zu 180 Grad auseinander, die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte. Wobei ich derzeit noch mehr (Kurs)-Potential sehe, als das ich mir Sorgen machen würde. Wie das in ein paar Jahren aussieht, warte ich mal ab. Apple ist ja auch nur eine Aktie von mehreren in meinem Depot:)

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  3. Hallo Michael, als Gilead auf deine Empfehlungsliste gesetzt wurde habe ich mich mit großen amerikanischen Biotechs beschäftigt und habe Celgene für mich als das bessere Invest (im Vergleich zu Gilead) identifiziert. Wie sieht deine Beurteilung hierfür aus? Es hatte ja seinen Grund, Gilead Celgene vorzuziehen, oder?

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    1. Moin Martin,
      zu Celgene kann ich nicht viel sagen, die habe ich mir nicht genauer angesehen. Gilead war- wie Novo Nordisk - eine Ausnahme im Bereich Biotechs/Pharma. Da scheint nicht meine Kernkompetenz zu liegen. Ich setze lieber auf BB Biotech, da agieren Experten für mich. Und die sind mit knapp 5% in Gilead investiert und mit gut 7,7% in Celgene. ;-)

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    2. War bei mir ähnlich. Als Michael Gilead aufnahm, habe ich mir das Umfeld sowie BB Biotech angeschaut und mich (aus)schließlich für Celgene entschieden. Insgesamt halte ich die Biotech- und Pharma-Branche für sehr schwierig und ich glaube dass selbst BB Biotechs Expertise etwas überschätzt wird. Für mich ist das Portfolio-Management und die Gewichtung der Beteiligungen bei BB Biotech überhaupt nicht nachvollziehbar. Auch dass sie in fallende Messer greifen oder zu (meiner Meinung nach) völlig ungünstigen Zeitpunkten aufstocken bzw. reduzieren, passt mir da gar nicht.

      Und selbst bei größter Fachkompetenz muss man festhalten: In dieser Branche hängt Vieles auch einfach nur von Glück und überraschenden Zulassungen und Testphasen ab, die man einfach nicht abschätzen kann, auch als Spezialist nicht. Ich habe mich zwar für Celgene als Langfrist-Invest entschieden (günstig, gutes Management, sehr gutes Portfolio und Übernahmespekulation), werde aber ansonsten um diese Branche einen großen Bogen machen, da sie einfach viel zu spekulativ ist.

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    3. Celgene ist m.E. aussichtsreich, denn die Cash Cow (Revlimid) liefert im Gegensatz zur Situation bei Gilead weiter gute Gewinne, die fleißig in die Zukunft (auch Übernahmen) investiert werden, um das Portfolio zu diversifizieren. Hier gab es in den letzten Monaten 2 größere Rückschläge (bei Otezla und Ozanimod), die dazu geführt haben, dass Celgene bei einem ewarteten Gewinnwachstum von über 100% in 2018 gerade mal bei einem KGV von 9,3 liegt. Bei Ozanimod sehe ich das Problem als temporär, d.h. ein Kursdrücker, der das tatsächliche Geschäft langfristig nicht negativ beeinflussen wird. Daher m.E. ein gutes Value-Investment.
      Disclosure: I am long CELG.

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  4. Hallo Michael,
    danke für deine informative, ehrliche Website hier.

    Zu Gilead möchte ich nur sagen, daß deine erste Intuition zum Kauf wahrscheinlich richtig war.

    Gilead wird zwar beim HCV weiterhin Rückgänge verzeichnen, wird aber gleichzeitig mit dem neuen HIV Blockbuster Bictarvy stark aufholen können, daher auch die Zuversicht des Management bei der Jahresaussicht.
    Die erfolgreiche CarT Therapie gegen konventionell unheilbaren Blutkrebs wird gerade erst ausgerollt und wartet noch auf die Zulassung in der EU, das Produkt hat derzeit nur bei Novartis einen Gegner mit einem aber angeblich nicht so guten Wirkstoff.
    Die Car T Forschung wird vorangetrieben und könnte in 4-5 Jahren auch gegen konventionelle Krebs Tumore eingesetzt werden.
    Ich finde daher deine "Panikreaktion" bei ungeliebten ersten Quartalzahlen nicht unbedingt "Valueinvestorlike"..

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    1. Meine Beweggründe, weshalb ich Gilead verkauft habe, habe ich doch klar aufgezeigt. Ich habe nicht wegen der absehbar nicht so positiv ausfallenden Quartalszahlen verkauft, sondern weil sich das Geschäft von Gilead nicht so entwickelt hat, wie ich es bei meinem Investmentcase zugrunde gelegt habe. Und weil ich die Aussichten auch nicht so positiv einschätze, wie Du. Ich habe also nicht in einer "Panikreaktion" verkauft, sondern nach einer rationalen Abwägungsentscheidung. Und dann vor der Zahlenpräsentation, weil diese eben gerade anstand und ich die nicht mehr abwarten wollte. Denn meine Entscheidung war bereits am Wochenende zuvor gefallen.

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  5. Hi,

    habe heute den Artikel gelesen. Rein von den fundamentalen Daten her finde ich Amgen interessant. Zwar ist das KGV recht hoch, aber das ist auch das einzige an den Daten was ich etwas "störend" finde und auch vermutlich nur wegen dem kleineren Gewinn wo ich auf die Steuerreform in den USA tippe (müsste ich genauer nachlesen woran es lag). Aber steigender Umsatz/Gewinn/Cashflow. Dividende gibt's auch obendrauf.

    LetMoneyWork (bei Twitter)

    Gruß

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