Dienstag, 15. Mai 2018

Legt Corestate Capital mit soliden Zahlen den Grundstein für den nächsten Kursschub?

Lange währt die Geschichte des niederländischen Immobilien-Asset Managers Corestate Capital Holding SA (WKN: A141J3) mit Sitz in Luxemburg an der Börse noch nicht: erst im Herbst 2016 kam das Unternehmen, das sich selbst als "voll integrierter Investmentmanager und Co-Investor" bezeichnet, an die Börse. Und es war damals eher ein Stolpern und auch erst im zweiten Anlauf wurde man ein paar seiner Aktien zum reduzierten Emissionspreis los und schleppte sich mit 17 Euro auf's Parkett. Um so rasanter dann die Unternehmens- und Kursentwicklung, die Corestate Capital innerhalb kürzester Zeit immerhin schon in den SDAX geführt hat und den Kurs in der Spitze bis auf über 50 Euro mehr als verdreifachte.

In dieser Zeit konnten das verwaltet Anlagevermögen (Assets under Management, AuM) von damals 2,5 Mrd. Euro auf aktuell 22 Mrd. Euro fast verzehnfacht werden. Dabei halfen die drei großen Übernahmen der Hannover Leasing, der Helvetic Financial Service und der ATOS Capital und man ist weiter auf der Suche nach weiteren Übernahmezielen. Hierzu hatte Corestate Capital in den letzten Monaten eine Kapitalerhöhung durchgeführt sowie einer 300-Mio-Euro Wandelschuldverschreibung. Gut 200 Mio. Euro davon wurden allerdings bereits ausgegeben und zwar zur Tilgung teurerer Verbindlichkeiten, wie u.a. einer Zwischenfinanzierung, die für die Übernahme der HFS genutzt worden war. So entlastet Corestate Capital erheblich sein Finanzergebnis, was in den nächsten Jahren die Gewinne dauerhaft erhöht.

Und nun gab es Zahlen zum ersten Quartal 2018 und die Anleger schauten auch darauf, ob es denn Neues hinsichtlich der ersehnten weiteren Übernahmen gab...

Doch zunächst fand vor wenigen Tagen die Hauptversammlung statt und im Anschluss wurde eine Rekorddividende von 2,00 Euro je Aktie ausgekehrt. Da sie als Kapitalherabsetzung erfolgte, landete sie ohne Steuerabzüge auf meinem Konto.

Welcher Dividendenabschlag?
Den "Dividendenabschlag" hat der Aktienkurs binnen einer Woche bereits wieder ausgeglichen und gut 4,5% zugelegt. Vermutlich auch, weil die Anleger auf die Vorlage der Quartalszahlen warteten und diese kaum Spielraum für negative Überraschungen bieten sollten.

Die Quartalszahlen
Nachdem bereits 2017 sehr erfreulich verlaufen war, startete Corestate Capital auch stark ins Auftaktquartal 2018 - obwohl dieses branchenüblich eher zur Schwäche neigt. Nach drei Monaten lagen die aggregierten Umsatzerlöse bei 61,9 Mio. Euro, das bereinigte EBITDA bei 38,8 Mio. Euro und der bereinigte Konzernüberschuss bei 34,7 Mio. Zu den guten Ergebnissen positiv beigetragen haben u.a. die breitere Produktpalette aufgrund der Übernahmen und die sich ebenfalls hieraus zunehmend konkretisierenden Synergieeffekte.

 Corestate Capital (Quelle: wallstreet-online.de
Der neue CEO Dr. Bütter verkündete stolz, Corestate Capital liefere "attraktive und vorhersagbare Cashflows und Margen". Das kann man nur unterstreichen, denn rund 85% der Erlöse sind wiederkehrender Natur, da sie aus Provisions- und Verwaltungseinnahmen für die Fondsbetreuung stammen.

Bestätigung der Prognose für 2018
Vor diesem Hintergrund und der guten Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten bestätigt das Unternehmen wenig überraschend seinen Finanzausblick für das Gesamtjahr 2018 mit aggregierten Umsatzerlösen von 230 bis 240 Mio. Euro, einem bereinigten EBITDA von 155 bis 165 Mio. Euro sowie einem bereinigten Konzernergebnis von 120 bis 130 Mio. Euro. Was auf ein einstelliges KGV hinausläuft.

Wo bleibt der Kurssprung?
Angesichts der hervorragenden Zahlen und er moderaten Bewertung ist es kaum nachvollziehbar, dass der Kurs bei 47 Euro herumdümpelt, denn Corestate liefert regelmäßig, was es verspricht. Daher vermute ich, dass die (noch) nicht bediente Übernahmephantasie der Grund für die Zurückhaltung ist.

Corestate hatte im vergangenen Jahr drei große Übernahmen getätigt und war bzgl. der AuM rasend schnell ins Kielwasser der zuvor ungleich größeren Patrizia gesegelt. Doch dann konnte diese mit zwei Milliardenübernahmen kontern und es scheint fast so, als habe man Corestate ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen.

Es fehlen... die Übernahmen
Doch ich bewerte das anders. Übernahmen sind ja kein Selbstzweck. Wie die Geschäftszahlen bei Corestate Capital zeigen, hat man mit den Zukäufen in der Vergangenheit Mehrwert für die Aktionäre geschaffen, da die Renditen der neuen Töchter über denen des Corestate-Konzerns lag. Oder bezogen auf die Hannover Leasing eine enormes Potenzial aufwiesen. Corestate kauft also nicht um jeden Preis Größe zu und das gefällt mir.

Des Weiteren besteht die Gefahr, sich bei Übernahmen zu verheben. Corestate hat personell und strukturell massiv aufgerüstet, um die neuen Töchter sinnvoll integrieren zu können. Auch deshalb kann man nun so erfreuliche Zahlen präsentieren und hat keine Dauerbaustellen im Konzern. Aber auch für die Zukunft ist man gerüstet und mit der neuen Aufstellung auch für künftige Zukäufe gewappnet. Es dürfte also eher eine Frage der Zeit (und des Preises) sein, bis der nächste Zukauf erfolgt. CEO Bütter meint dann auch, man sehe "mittelfristig sowohl innerhalb der Gruppe als auch im Gesamtmarkt weitere attraktive Quellen zur Umsatz- und Ergebnissteigerung, sei es im Rahmen von zusätzlichen Synergiepotenzialen oder durch gezielte strategische Arrondierungen".

Meine Einschätzung
Corestate Capital fährt eine klare und erfolgreiche Strategie und (über-)erfüllt seine Prognosen. Diese beinhalten keine Übernahmen, so dass die Ziele gut erreichbar erscheinen. Zukäufe würden Umsatz und Ergebnis also zusätzlich anspornen.

Die Aktie ist niedrig bewertet verglichen mit den Unternehmen seiner Peergroup und auch absolut betrachtet. Und auf der anderen Hand ist man sehr aktiv bei der Konsolidierung des stark zersplitterten Marktes der Asset Manager und konnte hier in der Vergangenheit attraktive und margensteigernde Unternehmen zukaufen.

Nach der Kursverdopplung in 2017 stehen die Zeichen auf weiteren Wachstum, sowohl was die Assets under Management angeht, als auch den Gewinn. Der Immobilien-Asset Manager war die Entdeckung des Jahres 2017 und ist auch für 2018 mein Favorit in diesem Segment. Er gehört auch zu den großen Profiteuren des weiterhin niedrigen Zinsumfelds in der Eurozone.

Ich sehe den fairen Wert von Corestate Capital bei etwa 60 Euro - wenn das Unternehmen einen oder zwei weitere attraktive Zukäufe tätigen kann, dann kann der Wert tendenziell auch Richtung 70 Euro marschieren. Daher habe ich Corestate Capital auf meiner Empfehlungsliste und als eine meiner größten Positionen in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Kann ich alles nur unterstreichen. Bei mir wurde allerdings bei der Dividende die ZAST abgezogen. Wahrscheinlich hattest Du mit Deiner GmbH da mal wieder Glück ... :-)

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    1. Ich glaube, das hat nichts mit der GmbH zu tun. Bei wallstreet-online haben mehrere Corestate-Aktionäre von unterschiedlicher Handhabung durch die jeweiligen Banken berichtet. Mal wurde die Ausschüttung als Dividende benannt und ZAST abgezogen, mal als Kapitalherabsetzung (so wie bei mir). Eigentlich muss sowas ja einheitlich gehandhabt werden - vielleicht hängt das auch noch mit der Einführung der MIFID zusammen, da scheint ja insbesondere bei ausländischen Werten nach wie vor eine Durcheinander zu herrschen...

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    2. Oder es lag/liegt doch mit an der GmbH-Lösung, dass bei mir keine ZASt auf die Corestate-Ausschüttung angefallen ist. Bei w:o gab es folgende Erläuterung: "Es war keine klassische Dividendenausschüttung sondern eine Kapitalherabsetzung. Wer Verlustvorträge hatte musste daher keine Steuern bezahlen. Für alle die keine realisierten Verluste hatten, wurden die üblichen Steuern für Spekulationsgewinne fällig.

      Ich kann jetzt gar nicht sagen, ob ich in diesem Jahr unterm Strich Verluste realisiert habe und ob deswegen die Auszahlung ohne ZASt-Abzug erfolgte oder weil die Aktien in meiner GmbH liegen. Ich vermute jedenfalls, dass Du keinen nutzbaren Verlust angehäuft hattest bisher in 2018...?

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    3. Hallo Michaels,
      ich musste leider auch beim S-Broker die kompletten Steuern zahlen.
      Bei der Ausschuettung lag mein Verlusttopf hoeher als die Dividende.
      Es bleibt irgendwie komisch. Jeder berichtet Anders darueber.
      Gruss Dau7hy

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    4. Martin Kellermann17. Mai 2018 um 08:33

      Flatex hat die Zahlung ordnungsgemäß ohne Steuerabzug als "Kapitalherabsetzung" verbucht.

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    5. Die Commerzbank hat heute meine Dividendenabrechnung storniert und neu gebucht. Allerdings wieder ohne Steuerabzug, tituliert als Dividendengutschrift, und korrigiert wurde nur die zuvor irrtümliche Valuta vom 30.05. auf den 30.04.

      Vertrauen schafft diese unterschiedliche Handhabung einer stinknormalen Ausschüttung nicht. Und es kann ja auch nicht sein, dass die steuerliche Behandlung davon abhängt, bei welchem Broker man Kunde ist! Unfassbar...

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  2. Benjamin Radermacher15. Mai 2018 um 16:57

    Sehr gute Analyse, die alle wesentlichen Punkte berücksichtigt. Der Wert liegt tatsächlich noch etwas unterhalb des Radars der Marktteilnehmer, wie auch die Börsenumsätze zeigen.

    PS: Sogar ein Kursziel genannt!

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  3. Michael, Du gibst seit Neuestem Deine Erwartung bzgl. des Kurses (Kursziel) an. Worauf gründet sich dieses Kursziel? Aktienfinder.net, Bauchgefühl, EBIT-Erwartung,...

    Gruß Konrad

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    1. Das wird sicherlich kein Standard, dass ich Kursziele angebe. Bei Blue Cap und Corestate hatte ich es zuvor auch schon getan, daher habe ich dies fortgeführt. Im Grunde sind Kursziele aber nicht mehr als Kaffeesatzleserei. Und da man dann gerne auf diese eine Zahl festgenagelt wird, unterlasse ich das Setzen von Kurszielen in der Regel.

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  4. Ich sehe wie Du die Corestate sehr gut aufgestellt und derzeit unterbewertet. Sorge machen mir nur die steigenden Zinsen in den USA. Ich frage mich, ob diese nicht doch hier "herüberschwappen". Eigentlich dürfen die Zinsen in der Eurozone nicht steigen -was wäre dann erst mit Italien los?- aber ich frage mich wie sehr die EZB das bei z.B. weiter ansteigenden Rohstoffpreisen unter Kontrolle halten kann.

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  5. Im Grunde stimme ich Dir bzgl. deiner Aussage zu Kurszielen und Kaffesatz zu. Wobei in bestimmten Einzelfällen es aufgrund Deiner Bewertung der Firma sicher tragbar ist.

    Und sich Ziele zu setzen kann hilfreich sein!? Du kannst dann auch aufgrund eines gesetzten Kurszieles ggf. eine Neubewertung durchführen, wenn der Preis zu stark abweicht. Dabei kann dann herauskommen, dass sich die Sachlage und Bewertung ändert und Du ggf. verkaufst, oder Du stellst fest, dass der Markt das Potential eben noch nicht erkannt hat und behältst es "mit ruhigem Gewissen" weiter.
    Konrad

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    1. Sich Ziele zu setzen bringt etwas, wenn man die Zielerreichung selbst in der Hand hat. Wenn man also 5 Kilo abnehmen möchte oder monatlich 300 Euro mehr sparen. Aktienkurse kann man selbst kaum beeinflussen, denn es sind ja Angebot und Nachfrage der Börsianer, die den Kurs machen. Insofern bin ich kein großer Freund von Kurszielen. Ich operiere lieber mit dem Wert im Verhältnis zum Kurs. Und definiere für mich Wertperspektiven - was etwas völlig anderes ist als Kursziele. Und ich schaue, ob sich das Unternehmen in Richtung meiner Werterwartung entwickelt - anhand der Geschäftszahlen.

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