Dienstag, 22. Mai 2018

Was auf der Hauptversammlung von Aurelius gesagt wurde. Und was nicht...

Am vergangenen Freitag stand die Hauptversammlung der Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA (WKN: A0JK2A) an. Ein Leser meines Blogs war vor Ort und hat mir einen kurzen Bericht zur Verfügung gestellt, den ich gerne - mit seiner Einwilligung - mit euch teile. Dabei geht es um weitere Deals in diesem Jahr, die Nachhaltigkeit der Dividendenausschüttung, die Short-Attacke und die Shortseller, die Vor- und Nachteile eines Wechsels in ein höherer rangiges Börsensegment, aber auch um die vom Management gehaltenen Aktien.


Hier nun die wesentlichen Inhalte des Berichts von Philipp T., der seit der Short-Attacke im vergangenen Jahr in Aurelius investiert ist.

Gotham Research
Der Shortseller Gotham Research hat wohl keinerlei straf- oder zivilrechtliche Folgen zu befürchten. BaFin ermittelt zwar immer noch, aber es gibt dies bezüglich keinerlei Erwartungen. Vom Verantwortlichen sei nicht einmal eine Wohnanschrift bekannt.

Leerverkäufer
Es seien immer Shortseller bei Aurelius immer aktiv; deren Engagement hätte sich allerdings mit Ausgabe der Wandelanleihe erhöht, da einige Investoren der Wandelanleihe die Aktie parallel shorten, um das Aktienrisiko aus ihrem Investment heraus zu hedgen.

Dealflow
Für die kommenden 12 Monate stünden nur wenige reife Exit-Kandidaten zur Verfügung, so dass mit weniger Gewinnen aus Unternehmensverkäufen zu rechnen sei. Und auch bei den noch zu erwartenden Zukäufen ("Bargain Puchases" oder Mitgiften) wird kaum das besonders starke Vorjahresergebnis (mit der Übernahme von Home Office Europe) erreicht werden. Ein so außergewöhnliches Ergebnis wie 2017 können aber auch nicht in jedem Jahr erzielt werden.

Philipp T. rechnet mit zwei bis drei Exit-Kandidaten in dieser Zeit.

Dividendenentwicklung
Aurelius zahlt eine Basisdividende, die aus den operativen gewinnen der Töchter gespeist wird. Diese beträgt 1,50 Euro je Aktie und soll verlässlich bleiben und ggf. moderat ansteigen. Darüber hinaus zahlt Aurelius eine Partizipationsdividende, die sich aus Verkaufsgewinnen und vereinnahmten Bargain Purchases füllt. Diese wurde für 2017 auf 3,50 Euro angehoben.

Wie sich die Gesamtdividende entwickelt, ist heute kaum absehbar. "Gesetzt" sind nur die 1,50 Euro, alles andere muss erst verdient werden. Es könnte also für 2018 also auch eine geringere Gesamtdividende ausgeschüttet werden, als die aktuellen 5 Euro. Allerdings... Aurelius hat nicht den gesamten für die Ausschüttung zur Verfügung stehenden Gewinn aus 2017 ausgekehrt, sondern bewusst einen Teil einbehalten, um ggf. hierauf in den kommenden Jahren zurückgreifen zu können für Dividendenausschüttungen.

Vergütung des Vorstands
Die Vergütung des Vorstands lag 2017 auf Rekordniveau, was dem Rekordgewinn und der Gewinn abhängigen Komponente geschuldet sei. Der Vorstand erhält 1 Mio. Euro als Festgehalt, die restlichen 35 Mio. speisten sich aus der Gewinnbeteiligung.

Börsensegment 
Aurelius ist im schwach regulierten Nebenwerte-Segment m:access der Münchner Börse gelistet und dort gelten niedrige Transparenzvorschriften. Aurelius-Chef Dr. Dirk Markus machte deutlich, dass man nicht beabsichtige, in ein höheres Börsensegment mit weitreichenderen Transparenzpflichten zu wechseln, weil Aurelius dann die Kaufpreise der Unternehmen veröffentlichen müsse. Dies würde das Geschäftsmodell zerstören, da die nicht börsennotierte Konkurrenz dann diese Informationen erhält und zudem einige Verkäufer Diskretion schätzen.

Aktienbestand Vorstand und Gründer
Wiederholte Fragen nach dem Anteilsbesitz der Gründer und Vorstände wurden nicht beantwortet. Aurelius ist hier aufgrund des Börsensegments nicht zur Veröffentlichung verpflichtet und nach Aussage von CFO Schiefer habe Aurelius auch keine Kenntnis über den Anteilsbesitz. Auch aus dem Teilnehmerverzeichnis ging leider nichts Näheres hervor.

Philipp T. hat hier seinen größten Kritikpunkt und ist mit den Aussagen sehr unzufrieden. Dieser Punkt ist aus seiner Sicht der einzige von den Anwürfen Gotham Citys, der nicht ausgeräumt wurde.

Eigene Aktien
Es steht noch nicht fest, was mit den eigenen Aktien aus dem Aktienrückkaufprogramm passiert. Am Wahrscheinlichsten sei eine Verwendung im Rahmen der Wandelanleihe.

 Aurelius (Quelle: wallstreet-online.de
Meine Einschätzung
Zunächst möchte ich mich bei Philipp für seinen Bericht und seine Bewertungen zu den einzelnen Punkten bedanken, die ich weitgehend teile. Einzig den "nebulösen" Anteilsbesitz von Dr. Markus sehe ich nicht so kritisch, da ich davon ausgehe, dass die Nichtnennung der genauen Anteilshöhe steuerliche Gründe hat. Die Aktien lagen in einer Gesellschaft im Ausland und sind wohl im Familienkreis übertragen worden - es geht hier um eine Vermeidung/Verringerung von Erbschaftssteuer. Dazu muss aber eine bestimmte Mindestdauer zwischen Übertragung und Erbfall verstreichen, damit keine rückwirkende Besteuerung mehr anfällt. Und es darf auch nicht von vornherein als Steuervermeidungsgeschäft angelegt sein. Und folgt man meinen Gedanken, ist auch leicht nachzuvollziehen, weshalb die Anteilshöhe nicht bekannt gegeben wird und weshalb es dazu keine öffentlichen Erläuterungen gibt.

In 2018 wird Aurelius weniger verdienen als in 2018, das KGV wird steigen. Bei Beteiligungsgesellschaften ist aber auch nicht das KGV entscheidend, sondern die Entwicklung des Buchwerts bzw. des NAVs. Diesen veröffentlicht Aurelius halbjährlich und da man in der Vergangenheit bei Verkäufen in etwa die zuvor angegebenen Werte erzielen konnte, können Anleger schon gut auf diese Angaben bauen.

Das Geschäft von Aurelius ist zyklisch dahingehend, dass ein oder zwei Gewinn treibende Verkäufe (oder Zukäufe dank Bargain Purchases) den Jahresgewinn stark schwanken lassen können. Hiervon sollte man sich als Langfristanleger nicht irritieren lassen und auch nicht versuchen, durch Markttiming die ggf. anstehenden Kursschwankungen auszunutzen. Wie der Chart der letzten Jahre zeigt, ist es am ergiebigsten, die Aktien einfach nur zu halten und das Management seinen Job machen zu lassen. Mehr Rendite sicher einfahren zu können, ist fast nicht möglich.

Aurelius habe ich im Oktober 2012 gekauft zu 10,91€ und konnte inzwischen 15,75€ je Aktie an Dividenden einsacken - alleine heute weitere 5€. Kursgewinne und Dividenden summieren sich in den fünfeinhalb Jahren zu 600%. Kann man schlechter treffen...

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Eulenspiegelei22. Mai 2018 um 19:18

    Hallo Michael,
    danke für Deine Zusammenfassung und auch für Deinen tollen Blog im Allgemeinen.
    Bei w:o bin ich auf den Anteilsbesitz und die Vergütung des Vorstands nicht eingegangen. Die Einwände kamen bei der HV von einem Sprecher (oder eher Marktschreier) der SdK, die müssen eben auch Ihre Abo-Preise rechtfertigen und finden immer ein Haar in der Suppe.
    Andererseits war und bleibt die Aurelius wegen geringer Transparenz angreifbar, auch wenn die z.T. dem Geschäftsmodell geschuldet ist. Beispielsweise kam einige Male die Frage nach individualisierten NAV's der Töchter auf. Solche sind lt. Vorstand jedoch ungünstig, weil sie im Verkaufsfall als Ankerpreis herhalten müssen.
    In Rekordzeiten kann so etwas die Stimmung nicht trüben, in schlechten Zeiten wird der Kritik so Vorschub geleistet.

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  2. Ich war auf der HV auch dabei und kann auch bestätigen, dass der Vertreter von SdK der einziger mit kritischen Fragen war. Interessant ist, dass dieser Mensch auch bei der HV von 2017 (ich war dabei) auch sehr provokante Position eingenommen hat und Fragen stellte, die "unter der Gürtellinie" wären. z.B.nach dem "Alkoholkonsum des Vorstandes vor Entscheudungsfindung". Der junge Mann war absolut unseriös. Ich würde meine Stimmrechte ihm nicht anvertrauen.

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  3. I'm wish your blog was in English. I had to read this Google Translator, very interesting nevertheless!

    - Do you think their model can be used to buy bigger and bigger companies? In case it is more difficult to sell bigger companies, do you think Dirk Markus and its team are good partners to just hold a company and profit from better operations?

    Thank you!

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    1. Das Geschäftsmodell von Aurelius ist, günstig schlecht laufende Unternehmen oder Randaktivitäten großer Konzerne zu kaufen, um diese dann zu sanieren und neu auszurichten. Das funktioniert mit kleinen, mittleren und auch größeren Unternehmen. Und es funktioniert sowohl in wirtschaftlich boomenden Phasen, als auch in Wirtschaftsflauten.

      Wenn Aurelius nun auf größeren Unternehmen sitzen würde, die man bereits saniert hat und die reif sind für einen Verkauf, die Marktbedingungen aber einen lukrativen Verkauf nicht zulassen, dann würde das aus meiner Sicht für Aurelius kein Problem. Es wäre allerdings nur die zweitbeste Option. Denn Aurelius würde die Töchter länger im Bestand halten (müssen), als man geplant hatte. Allerdings könnte Aurelius diese wirtschaftliche Schwächephase dann dazu nutzen, für die gut laufenden Beteiligungen weitere Add-on-Zukäufe zu tätigen. Oder einfach abwarten, bis sich der Markt wieder aufnahmefähig zeigt für große Verkäufe.

      Dies kann natürlich nur funktionieren, wenn Aurelius über genügend freie Mittel verfügt, um sein operatives Geschäft fortzuführen und auch seine Töchter zur Not finanziell unterstützen zu können. Aurelius darf sich niemals in die Situation bringen, dass man in einer Wirtschaftskrise davon abhängig ist, sich Geld beschaffen zu können. Ob über Anleihen, Aktienausgabe, Kredite oder Beteiligungsverkäufe. Ich schätze Dr. Markus aber so ein, dass er dieses Risiko durchaus immer mit im Blick hat und die momentane finanzielle Situation bei Aurelius mit der hohen Liquidität bietet auch keine Anzeichen dafür, dass Aurelius in eine solche schwierige Lage kommen könnte.

      Daher lautet meine Antwort: ja, Aurelius kann durchaus auch Phasen meistern, wo man größere, reife Beteiligungen im Portfolio halten muss.

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