Freitag, 14. September 2018

Der Wind hat sich gedreht: Warum Apple (mir jetzt wieder) einen Bissen wert ist

Apple (WKN: 865985) ist ein Erfolgsunternehmen, das seines Gleichen sucht. Und das nicht erst, seit Warren Buffett dieses Unternehmen für sich und seine Investmentholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) für sich entdeckt hat. Spätestens mit der Einführung des iPhones hatte Gründer und Wieder-CEO Steve Jobs das Ruder endgültig rumgerissen und aus dem von der Pleite bedrohten Computer-Pionier wieder ein hippes, aufstrebendes Unternehmen gemacht.

Als der Kurs Mitte 2014 massiv einbrach, war mir Apple ein Investment wert. Doch nachdem der Kurs sich innerhalb eines Jahres annähernd verdoppelt hatte, bin ich wieder ausgestiegen. Nicht wegen des Kursverlaufs oder der Bewertung, sondern wegen des enormen Klumpenrisikos, das Apple mit der vollständigen Abhängigkeit vom Iphone aufbot. 2015 war Steve Jobs schon tot und Nachfolger Tim Cook... naja, er verwaltet Apple eben, aber das lang ersehnte "next big thing" wollte einfach nicht kommen. Die Apple Watch schlug nicht so ein wie erhofft, das Ipad war erfolgreich, aber es war auch nicht mal annähernd in der Lage, dem iPhone hinsichtlich Umsatzanteil oder gar Gewinnanteilen das Wasser zu reichen, die angedachten Ausflüge ins Land von iCar oder iTV wurden sang- und klanglos beerdigt. Kurzum: das iPhone stand für fast 90% der Umsätze und einen fast ebenso hohen Anteil an Apples Konzerngewinn. Mit wenig Aussicht auf Besserung. Und daher zog ich die Reißleine. Bis jetzt. Seit gestern habe ich wieder Apple-Aktien im Depot und das liegt nicht nur an der Apple Keynote von Mittwochabend...


Um es gleich vorwegzunehmen: die neuen iPhones hauen mich jetzt nicht vom Hocker und ich sehe für mich keinen Grund, mein Smartphone zu wechseln - mein iPhone 6 bietet mir alles, was ich brauche und ich bin damit sehr zufrieden.

Aber ich bin mit meinen unterentwickelten Konsumneigungen auch nicht der Maßstab, sondern diejenigen, die als "Apple-Jünger" Bekanntheit erlangten und sich schnell die neusten Geräte der Kultmarke zulegen und bei neuen technischen Geräten sogleich Feuer und Flamme sind und diese aufprobieren müssen.

Was hat sich geändert?
Apple präsentierte drei neue iPhone-Modelle, die alle mit neuen technischen Features auf den Markt kommen. Sie dürften großen Absatz finden, auch wenn die Steigerungsraten bei den iPhone-Verkäufen sich immer weiter abschwächen, zuletzt auf 1% bezogen auf die Stückzahlen. Das ist aber kein wirkliches Problem; Apple wird dennoch mehr Umsatz machen, weil die Geräte teurer sein werden als ihre Vorgänger.

Das Ökosystem
Und das ist ein echtes Pfund für Apple, denn die iPhones greifen mehr als die Hälfte der Gewinne im weltweiten Smartphonemarkt ab und das mit nur knapp 20% Weltmarktanteil bei den Verkaufszahlen. Kein anderes Unternehmen erzielt auch nur annähernd solche Gewinnmargen wie Apple. Apples Kunden sind und bleiben dem Unternehmen treu und ihre Zahl wächst stetig. Wer sich einmal auf das Apple-Ökosystem eingelassen hat, kommt aus dieser weitgehend abgeschotteten Welt nicht wieder heraus. Jedenfalls nicht ohne erheblichen Aufwand, Frust und Kosten. Doch das wollen die meisten Kunden gar nicht, sie fühlen sich in der vernetzten Apple-Welt ziemlich wohl. Und Apple gelingt es, immer mehr Geräte und Lebensbereiche an dieses Ökosystem anzudocken, so dass die Zahle der Nutzer steigt, aber noch schneller die Zahl der Geräte und Anwendungen.

Inzwischen verdient Apple mit seinen "anderen Bereichen" und "Services" richtig Geld und das ist der wesentliche Grund, weshalb sich mein Blick auf Apple verändert hat. Das iPhone steht "nur" noch für rund 62% der Umsätze und sein Anteil sinkt weiter. Das ist eine gute Nachricht, denn sie resultiert nicht aus der Schwäche des iPhones, sondern erweist sich als Stärke. Der Umsatz mit iPhones nimmt nämlich trotzdem kontinuierlich zu, weil es Apple gelingt, bei nur noch leicht steigenden Absatzzahlen die Kunden zum Kauf der höchstpreisigen Geräte zu animieren, so dass die Margen weiter steigen. Und da die anderen Bereiche von Apple deutlich schneller wachsen, baut sich sich das iPhone-Klumpenrisiko sukzessive ab - auch ohne "next big thing".

Immer mehr Geräte
Auf der Keynote stellte Apple aber nicht nicht nur die neusten iPhones vor. Trotzdem muss man über sie noch ein Wort verlieren. Sie werden größer werden und in der größten Variante fast schon zum Tablet werden. Wer das iPhone - wie ich - als Smartphone nutzt, für den ist das kaum interessant. Aber Apple kommt hier den Wünschen der Kunden nach und das auch gerne. Denn man hat festgestellt, dass größere Bildschirme zu einer verstärkten Nutzung von Apps und Anwendungen führt. Die Nutzer spülen Apple damit mehr Geld in die Kassen im Appstore, bei iTunes und den Streamingangeboten. Hurra!

 Apple (Quelle: wallstreet-online.de
Die Apple Watch 4.0
Wearables setzten ihren Siegeszug fort und Apple ist mit seiner Apple Watch ganz vorne mit dabei. Bei der ersten Version konnte man die Apple Watch quasi nur als Zugangsweg zum iPhone nutzen, was ich für völlig verfehlt hielt. Der (Miss)erfolg war auch folgerichtig - jedenfalls gegenüber den eigentlichen hohen Erwartungen. Inzwischen ist die Apple Watch ein eigenständiges Device, das mit anderen Apple-Geräten interagieren kann - aber nicht muss. Man hat mit der neusten Version einige echte Neuerungen angekündigt: einerseits dürfte nun das Maximum an Displaygröße erreicht sein, was mehr Apps und bessere Darstellungen erlaubt. Und mehr und verbesserte Anwendungen. Des Weiteren wird aus dem Lifestyle-Produkt fast schon ein medizinisches Gerät, das sogar eine FDA-Zulassung hat. Die Apple Watch hat zwei neue Funktionen für den Herzfrequenzsensor. So erkennt sie, ob die Herzfrequenz zu niedrig ist oder ob der Herzrhythmus abweicht. Und sie kann jetzt sogar ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellen. Dazu muss der Nutzer lediglich mit dem Zeigefinger auf die Krone drücken. Die Aufzeichnungen können dann als PDF an den Arzt übermittelt werden. Die FDA-Zulassung stuft die Apple Watch damit als medizinisches Gerät ein und ich bin mir sicher, dass Apple diese Zulassungen auch in anderen Ländern erreichen möchte. Hier könnte ggf. sogar eine (teilweise) Kostenübernahme der Krankenkassen winken. also eine Apple Watch auf Rezept. Das wäre mal was...

Und die Apple Watch ist inzwischen auch in der dritten Generation ein großer Erfolg, jedenfalls wenn man Tim Cook (ungeprüft) Glauben schenken will. Apple veröffentlicht keine Zahlen zum Absatz der Apple Watch, aber Cook meinte auf der Keynote, die Apple Watch sei nicht die Nummer Eins unter den Wearables, sie sei die Nummer Eins unter den Uhren. Und das sind gute Nachrichten, denn Apple verdient nicht nicht nur der Apple Watch selbst gutes Geld, sondern auch mit dem Schnickschnack drumherum (z.B. Armbändern) und natürlich den Apps, die die Nutzer sich aufspielen inkl. der dann abgerufenen Streamingdienste. Auch die Apple Watch ist (nur) ein weiterer Zugriffskanal auf Apple Ökosystem.

iPads boomen
Ich nutze ein Notebook von HP mit einem Touchdisplay (cooles Teil namens "Spectre"), so dass ich kein separates Notebook brauche. Ich bin in meiner Freizeit ja auch kommunalpolitisch tätig und da bekomme ich einen sich deutlich verstärkenden Trend mit: die Stadt- und Kreisverwaltungen rüsten massiv digital auf. Einerseits stellen sie ihre eigene Arbeitsweise zunehmend auf digitales Behördenmanagement um und das führt zu einem einen stärker werdenden Einsatz von Tablets. So wurden "meine" Kreisverwaltung komplett mit iPads ausgestattet und auch "meine" Stadtverwaltung beschreitet diesen Weg. Darüber hinaus werden auch die Kommunalpolitiker inkl. Seniorenbeiräten usw. mit iPads ausgestattet, um die enormen Papierberge loszuwerden. Papierloser Sitzungsdienst nennt sich das. Doch damit nicht genug, es gibt auch eine Vielzahl kommunaler Unternehmen, bei denen dieser Trend ebenfalls voranschreitet. So sind die Kommunen und kreise oft noch Träger der Sparkassen und auch in deren Aufsichtsgremien halten immer öfter iPads (für den Verwaltungsrat) Einzug. Oder bei Stadtwerken (für den Aufsichtsrat). Hier wird - zum Glück - der Schulterschluss gesucht, dass Mitarbeiter der Verwaltung, der politischen Gremien und der Beteiligungen synchron mit Endgeräten ausgestattet werden, wodurch sich die Zahl der unterschiedlichen Anwendungen reduziert,ebenso die Kosten (durch größere Stückzahlen) und natürlich der Wartungsaufwand (weil die "Techniker" sich mit weniger Geräten auskennen müssen).

Als Folge dieser Digitalisierungswelle wurden mir vier iPads angeboten. Und - man glaubt es kaum - ich konnte die unterschiedlichen Abteilungen überzeugen, dass ich max. ein iPad benötige, wenn überhaupt. Und nun hab ich auch so ein Ding und man kann recht gut damit arbeiten.

 Kennzahlenanalyse leicht gemacht mit Aktienfinder.net 
Meine Erkenntnis hieraus ist, dass sich immer mehr Behörden, Verwaltungen und öffentliche Unternehmen auf das iPad und damit Apple einlassen. Und auch sie kommen nicht mehr aus dem Ökosystem raus, wenn es erst einmal die DNA infiltriert hat. Da der Trend auch zum Leasing von Geräten geht, bekommt der Anwender alle paar Jahre ein neues Gerät und hat gar nicht mehr großartig die Wahlmöglichkeit. Vor allem will er nicht alle paar Jahre eine neue Bedienungsoberfläche und Steuerung haben. Diesen Wechselwiderstand sollte man nicht unterschätzen, denn das Durchschnittsalter in der Kommunalpolitik liegt weit über 50 (und das ist noch geschönt).

Genau dieses Ökosystem ist der unternehmerische Burggraben, der Moat, den Warren Buffett so an Apple begeistert. Die Geräte nutzt er selbst nicht.

Aktien(rück)käufe
Apple wird also weiter die Abhängigkeit von iPhone verringern und sich dumm und dämlich verdienen. Den hohen Cashflow nutzt das Unternehmen für Dividendenzahlungen, aber vor allem für Aktienrückkäufe. Hierdurch sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien und der Kurs wird tendenziell angetrieben. Zusätzlich ist Apple in vielen Indizes vertreten, wie NASDAQ, S&P 500 oder Dow Jones, so dass den ungebremste Zustrom in ETFs dazu führt, dass auch Apple-Aktien immer stärker nachgefragt werden. Und dann ist da noch Warren Buffett. Der ist von Apple geradezu begeistert und hat hier ein Unternehmen Am Wickel, bei dem er (endlich mal) schier ungebremst Aktien kaufen kann. Da Apple inzwischen über eine Billion Dollar wert ist nach Börsenkapitalisierung, kann Buffett mit seinen mehr als 100 Milliarden Dollar Cash unbesorgt weitere Aktien kaufen, ohne den Kurs selbst zu schnell zu hoch zu treiben. Auch und nur deshalb konnte er in den letzten Quartalen mehr als 5% aller Apple-Aktien kaufen, wodurch er inzwischen der zweitgrößte Einzelaktionär bei Apple ist. Und er macht keinen Hehl daraus, dass seine Investmentholding Berkshire Hathaway auch in den letzten Wochen weiter auf der Käuferseite ist.

Nimmt man diese Aspekte zusammen, kann es für den Kurs von Apple eigentlich nur weiter nach oben gehen. Und da sich die Abhängigkeit vom iPhone weiter reduziert, und damit mein Hauptkritikpunkt und das zentrale Risiko, habe ich mir wieder Apple-Aktien ins Depot gelegt.

Disclaimer
Apple und Berkshire Hathaway befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Schöne Analyse! Genauso hatte ich nämlich auch gedacht und mich leider zu früh von Apple verabschiedet.

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    1. Zum Glück ist die Börse nicht nachtragend und man kann einen solchen Fehler revidieren, indem man die Aktien einfach wieder zurück kauft. Habe ich bei Apple ja nun auch getan... ^^

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  2. Werden die zurückgekauften Aktien auch wirklich "vernichtet", oder kauft Apple nur die Aktien teuer zurück, die vorher als Boni an verdiente Mitarbeiter verteilt würden?

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    1. Das eine hat ja mit dem anderen nicht zwingend was zu tun. Aktien, die über Mitarbeiteroptionsprogramme günstiger an Mitarbeiter ausgegeben werden, sind ja ganz normale Aktien; wenn ein Unternehmen Aktien zurückkauft, richtet sich diese ARP ja an alle, die Aktien halten. Also auch an Mitarbeiter. Und letztlich ist es ja auch egal, denn Apple kauft die Aktien ja über die Börse zurück. Und der Mitarbeiter verkauft seine Aktien an der Börse. Ob sich zufällig die beiden bei einem einzelnen Kaufabschluss "treffen", ändert nichts: der Mitarbeiter verkauft (an wen auch immer) über die Börse und Apple kauft (von wem auch immer) über die Börse. Am Ende wird Apple die zurückgekauften Aktien einziehen, also vernichten. Nur so reduziert sich ja auch die Aktienanzahl.

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    2. Naja die Frage ist schon berechtigt, Rückkäufe decken oft nicht alle neu ausgegebenen Optionen ab und so wird dann der Kurs verwässert.
      Jobs hatte da ja auch seine eigene Sicht der Dinge mit Optionen und Rückdatierungen zu seinem Vorteil und zum Nachteil der Miteigentümer.

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  3. Sehr guter Artikel, der beschreibt warum Apple ein gutes Investment ist.

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  4. Sehr guter Artikel!
    Als Apple seine Kunden mit der Drosselung der Geräte gequält hat, habe ich fast meine Anteile verkauft, es aber zum Glück gelassen. Scheinbar haben sie verstanden, dass die Qualität der Produkte für den Erfolg essenziell ist. Bin sehr gespannt auf das neue iphone Betriebssystem (iOs 12), welches angeblich die etwas älteren Geräten wundersam beschleunigt. Wenn es stimmt, bleibe ich auch dem Öko System treu und werde die Abo Dienste iClod Speicher und Apple Music weiterhin bezahlen.
    Das ist, denke ich auch ein Grund, warum man jetzt Apple Aktion kaufen kann: Sie setzen erfolgreich auf Abos! Als nächstes wird ein Film Abo kommen, welches Netflix einige Kunden abjagen dürfte. Und was gibt es besseres als Abo Dienste!!?

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