Samstag, 20. Juni 2026

Wochenrückblick 25/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Deutsche Rochstoff, Vincorion, 2G Energy, LandBridge, Almonty - Öl-Werte straucheln, KI haussiert

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Vincorion +9,7%
📈 2G Energy +9,6%
📈 Almonty Industries +7,1%
📈 Comfort Systems +6,5%
📈 Rocket Lab +4,9%
📈 Alphabet +2,8%
📉 Costco -2,5%
📉 Texas Pacific Land -5,3%
📉 LandBridge -7,5%
📉 Deutsche Rohstoff AG -18,8%

Es war eine weitere heftige Börsenwoche, in der die Märkte durch Trumps Friedensschluss Memorandum of Unterwerfgung (MoU) mit dem Iran durchgerüttelt wurden. Anfang der Woche wurde ein Friedensschluss eingepreist, dann setzte schnell die Ernüchterung ein, als die Inhalte der Einigung durchsickerten: kein Deal, nur eine Feuerpause, um innerhalb von 60 Tagen einen Deal auszuhandeln. Der Iran bekommt so gut wie alles, was er möchte - und zwar bereits im Voraus!!! -  und die USA bekommen - nichts. Die Straße von Hormus ist wieder offen, sagt Trump, aber der Iran hält weiter den Finger drauf und lässt Passagen nur mit vorheriger Genehmigung zu. Die Passage ist und bleibt kostenlose, sagt Trump, aber der Iran sagt, das sei nur während der 60-Tagesfrist so und man wolle anschließend gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Anrainer Oman eine dauerhafte und Mautbasierte Lösung etablieren; nach einen ersten Losschippern ist die Zahl der Schiffe, die eine Durchfahrt probieren wieder stark abgesunken. Das Atom-Programm des Iran wurde angesprochen, aber nichts vereinbart. Trump meint, es würden sofort Beobachter der internationalen Atom-Energiebehörde Kontrollen im Iran durchführen, der Iran sagt, das gelte wie bisher nur für das Atomkraftwerk Busher.

Mein Fazit: Trump hat nichts bekommen, außer eine Schlagzeile, der Iran kann triumphieren, weil er Trump und mit ihm die (ohn-)mächtigen USA vor aller Welt erniedrigt hat.

Niederlage ist der neue Sieg.

Das Fiasko liegt an mehreren Faktoren: So hat sich Trump von Israels Premier Netanjahu unvorbereitet in einen Krieg gegen den Iran reinziehen lassen, weil die Gelegenheit "Günstig" erschien, die gesamte Führungsriege des Iran in einem Angriff auszulöschen. Doch man hatte keinen weitergehenden Plan und setzte wohl alleine auf das Prinzip Hoffnung: die Hoffnung, dass es zu Aufständen im Iran und zu einem Regimewechsel kommen würde.

Dann griff der Iran die US-Basen im Nahen Osten an sowie die US-Verbündeten, die allesamt schwere Schläge einstecken mussten. Die Schäden, die die US-Bombardements anrichteten, waren schwer, aber nicht so wirkungsvoll, wie erhofft. Der Iran konnte insbesondere die Straße von Hormus schließen, und damit die Axt an die Halsschlagader des Welthandels und der Energieversorgung legen. Und die USA mussten eingestehen, dass sie die Blockade nicht mit Sicherheit aufheben können.

Und dann hat Trump seinen "Friedensplan" mit Irans Präsident Massud Peseschkian verhandelt - zu dumm. Denn der will einen Frieden, weil sein Fokus auf der leidenden iranischen Bevölkerung liegt. Doch die wahre Macht im Iran stellen die Revolutionsgarden dar und denen geht es vor allem um Machterhalt - und sie lehnen den "Friedensplan" ab. Ein typischer Trump: er verhandelt mit denen, bei denen er sich einen Erfolg verspricht und den kann er dann als solchen verkaufen. Die Realität spielt - wie meistens - für Trump keine Rolle. Damit kann sich der Rest der Welt rumplagen...

Nun denn: der Ölpreis ging jedenfalls auf Tauchstation und nahm die Aktien aus dem Sektor mit. Dabei sind die weltweiten (strategischen) Öl-Reserven auf niedrigem Niveau und müssen dringend aufgefüllt werden. Deren Freigabe hatte die Öl-Mangellage bisher verhindert. Doch die massiv gesunkenen Reserven ließen nun keinen militärischen Handlungsspielraum mehr zu. Trump selbst hat das etwas nebulös mit seiner Angst vor einer 1929er Weltwirtschaftskrise angedeutet. Der Iran konnte nicht gewinnen, aber er konnte viel besser verlieren - nämlich indem er die arabische Energieinfrastruktur in den anderen Golfstaaten beschädigt/zerstört und so in Summe (mit den eigenen Öl-Mindermengen) der Welt innerhalb von Wochen das Öl ausgeht.

Deshalb musste Trump das Wettschießen einstellen - zu jedem Preis! Was er natürlich niemals zugeben wird. Stattdessen wird er seinen großartigen Deal betonen, was der für die USA für Vorteile bietet, dass es für alle Menschen auf der Welt nun viel besser ist also vorher, dass er den neunten (oder neunzehnten?) Krieg beendet habe - und er wird sich schnellstens dem nächsten MAGA-Flop zuwenden, also Kuba, Grönland oder was auch immer.

Eine Überversorgung mit Öl, die von einigen Kommentatoren bereits ins Feld geführt wird, dürfte sich eher nicht einstellen. Der neuste OPEC-Report ("Ausblick für Öl bis 2026") besagt, die Weltölnachfrage werde bis 2030 auf 113,3 Mio. Barrel pro Tag ansteigen, was unverändert ist gegenüber dem Bericht des Vorjahres. Die Höchstnachfrage ist weiterhin nicht absehbar; vielmehr hebt die OPEC ihre Prognose für die Öl-Nachfrage 2050 auf 124 Mio. Barrel pro Tag an. Und... die US-Tight-Oil-Förderung habe wahrscheinlich 2025 ihren Höhepunkt erreicht, so dass die OEPC nur ein begrenztes Gesamtangebotswachstum in den USA bis 2030 erwartet und anschließend eine flache Entwicklung ("Plateau"). Natürlich sind die Angaben der OPEC interessengetrieben und durch die eigene Öl-Fördererbrille betrachtet. Dennoch zeichnen sie wohl angesichts der rasant steigenden Energienachfrage aufgrund von KI und humanoider Robotik ein wahrscheinliches Szenario.

Daher denke ich, dass sich der Ölpreis tendenziell eher wieder erhöhen und nicht Richtung der 60 Dollar je Barrel durchgereicht wird, wie sie vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs aufgerufen wurden. Und dem entsprechend dürfte die stimmungsgetriebene Baisse im Energiesektor auch nur eine übertriebene Momentaufnahme sein.

Funfact: Nachdem der Ölpreis um 30% korrigiert hat, sind die Short-Wetten auf Brent-Öl auf Allzeithochniveau hochgeschossen. Ein Kontra-Indikator?!

Die Inflation kommt ist da. Die monatelang anhaltenden hohen Energiepreise haben sich durch die Erzeugerpreise gefressen und treiben nun die Preise für die Unternehmen und die Verbraucher kräftig in die Höhe. Nachdem die EZB gerade ihre Zinsen angehoben hat, stand nun die erste Sitzung der Federal Reserve unter dem neuen Chef Kevin Warsh auf der Agenda: und Trumps handverlesener Zinssenkungsvollstrecker... hielt die Füße still und die Zinsen auf Kurs.

Die Fed ließ die Zinsen zum vierten Mal in diesem Jahr unverändert in einer Spanne von 3,5% bis 3,75%. Angesichts der hartnäckigen Inflation, die vor allem durch drastisch gestiegene Energiekosten infolge des Iran-Konflikts angeheizt wird, stimmte der Zentralbankrat geschlossen für diese Pause. Und die Mehrheit sendet inzwischen wieder hawkische Signale aus, so dass eher mit künftigen Zinsanhebungen zu rechnen ist, als mit den von Trump sehnlich erhofften Senkungen.

Ich warne ja schon länger vor dieser absehbaren Entwicklung, nun trifft sie uns - aber die volle Wucht beginnt gerade erst auszuholen.
Es gibt aber auch frohe Kunde: Amazon hat im Jahr 2026 Walmart als umsatzstärkstes Unternehmen der Welt verdrängt und beendete damit Walmarts 13-jährige Herrschaft an der Spitze. Diese Verschiebung folgt auf ein Jahrzehnt, in dem Amazons Umsatz parallel zum Wachstum des E-Commerce und des Online-Shoppings sprunghaft angestiegen ist und Cloud-Computing seines Siegeszug antrat - mit Amazons AWS als globalem Marktführer. Zudem kaufte Amazon auch strategisch zu, wie den Lebensmitteleinzelhändlers Whole Foods im Jahr 2017 für 13,7 Mrd. Dollar.

Der 1994 gegründete Online-Händler Amazon ist erst das vierte Unternehmen in der 72-jährigen Geschichte der Forbes-500-Liste, das die Spitze der Rangliste erobert hat. Vor Walmart hatten General Motors und ExxonMobil diesen Titel inne. Im Jahr 2025 erreichte der Umsatz von GM 185 Mrd. Dollar, während ExxonMobil mit 332 Mrd. Dollar die amerikanische Ölindustrie anführte. Walmart erzielte 713,20 Mrd. Dollar und Amazon brachte es auf 716,90 Mrd. Dollar.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 34 auf 37 Punkte gestiegen und hat damit seinen Absturz - erstmal - beendet. Er zeigt weiterhin "Angst" in den Augen der Börsianer. Ob daraus vielleicht doch noch Panik wird, bleibt abzuwarten.


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche vorübergehend stark unter Druck kam, sich am Ende aber wieder weitgehend berappelt hat.

Der Einbruch geht vor allem auf die Deutsche Rohstoff AG zurück, die im Wochenverlauf annähernd 20% einbüßte - und als meine größte Position natürlich das gesamte Depot mit in die Tiefe riss. Mit meiner Einschätzung zu den Auswirkungen von Trumps Kniefall vor dem Iran (und das ausgerechnet auch noch in Versailles!!!) auf die Öl-Versorgungslage lag und liege ich wohl ziemlich richtig. Aber ich habe die Auswirkungen auf den Öl-Preis und auf die Öl-Aktien ordentlich unterschätzt. Ein Rücksetzer des DRAG-Kurses auf 100 Euro? Ja, war denkbar. Ein Einbruch auf 90 Euro? Unwahrscheinlich. Ein Absturz auf 80 Euro? Einfach undenkbar. Aber (fast) Realität.
"Als Investor ist es mein Job herauszufinden, was passieren wird und nicht, was passieren soll."
(David Einhorn)
Meinen Job habe ich also nicht gut genug erledigt... Mit der hoch gewichteten DRAG-Position fühle ich mich aber weiterhin wohl. Zudem habe ich mit LandBridge und Texas Pacific Land ja zwei weitere Werte aus dem Öl-Sektor und das war in dieser Woche ebenfalls ein Renditekiller.

Meine Wolfram-Spekulation Almonty Industries hat sich hingegen von dem vorherigen Kurseinbruch nach der überraschend angekündigten fetten Kapitalerhöhung von 800 Mio. Dollar mittels einer Wandelanleihe wieder berappelt und konnte einen Teil der vorherigen Kursverluste  bereits wieder aufholen.
Hinsichtlich der "Mistery Box" von CEO Lewis Black gibt es weiterhin viele Spekulationen, aber wenig Handfestes. Ich übe mich also in Geduld. Almonty begleite ich ja schon viele Jahre, da gehört sowas - wie auch Vertrauen in den CEO - einfach zu den Basics.

Ende Juni wird Almonty in den Russel 1.000 aufgenommen, was einerseits eine Art Ritterschlag darstellt und andererseits für zusätzliche Nachfrage institutioneller Investoren und Fonds/ETFs sorgen wird.

Der Pseudo-Frieden im Nahen Osten hat generell die Risikolaune wieder aufgehellt und so konnten vor allem KI-Werte wieder in den Vorwärtsgang schalten: Amphenol, Comfort Systems, Quanta Services, Vertiv legten allesamt ordentlich zu und auch Alphabet machte die Verluste der Vorwoche wieder wett.

Rüstungswerte hatten eine starke Woche. Auf der in Paris stattfindenden Rüstungsmesse Eurosatory wurden viele neue Produkte vorgestellt, Kooperationen bekanntgegeben und Aufträge eingesackt. Zu den Profiteuren gehören auch Rheinmetall und Vincorion, die meinem Depot entsprechend positive Impulse gaben.


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach vier starken Wochen im April zeigt sich der Mai eher durchwachsen bis launisch und der Juni kostet bisher ordentlich Rendite - und auch diese Woche ging es um weitere 0,75% abwärts.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +5,0% (YTD).

Meine Cashquote liegt bei für mich unüblichen 20% 10% 7,5% 2,5% und meine Gründe dafür habe ich inzwischen ja mehrfach erläutert. Zuletzt und sehr ausführlich in meinem aktuellen Investor-Update.

Mein Investor-Update zum Q1/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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