Sonntag, 13. April 2025

[Im Fokus] Viper Energy hat die Lizenz zum Gelddrucken – dank Mineral Rights

In diesem Kurzportrait geht es mit Viper Energy (mit dem passenden Börsenkürzel VNOM) um einen "Royalty Play", denn das Unternehmen hat lediglich "Mineral Rights" an weitreichenden Flächen im Permian Basin, dem ergiebigsten Öl- und Gasvorkommen in den USA. Doch die Höhe der Royalties hängt von der geförderten Menge und dem zugrundeliegenden Preis für Öl und Gas ab und deshalb ist der Kurs zuletzt kräftig unter die Räder gekommen. Denn die Aussichten haben sich merklich eingetrübt. Wirklich!?

Viper Energy ist ein Spin-off von DiamondBack Energy, die noch immer die Mehrheit halten. In Viper Energy hat DiamondBack den Großteil seine Förderrechte ausgelagert und daran verdient Viper nun sein Geld: man lässt Energieunternehmen auf seinen Grundstücken nach Öl- und Gas bohren und verdient daran anteilig Gebühren (Royalties). Es ist also ein Asset-light-Business, das kaum eigenes Kapital erfordert und auch wenig Kosten aufwirft, denn man benötigt kaum Personal.
"Das beste Geschäft ist eine Lizenzgebühr auf das Wachstum anderer, die selbst wenig Kapital benötigt."
(Warren Buffett)
DiamondBack hat kürzlich Endeavor Energy Resources übernommen und in einer ersten Transaktion weitere Förderrechte an Viper Energy veräußert gegen die Ausgabe neuer Aktien. Diese Kapitalerhöhung hat den Kurs von Viper Energy belastet, aber im Gegenzug hat sich auch der Wert des Unternehmens erhöht, denn mehr Mineral Rights, die teilweise bereits Royalties einspielen, erzeugen auch mehr Cashflow - und Gewinn. Rund 75 % davon schüttet Viper Energy als Dividenden aus und bringt es dabei auf eine Dividendenrendite von deutlich über 5 % knapp 6,75 %. Wobei die Einnahmen und Gewinne natürlich stark an der Entwicklung des Ölpreises (WTI) und des Gaspreises hängen, denn die von den Energieunternehmen geförderte Menge ist der eine entscheidende Faktor, der andere der Preis. Aus der Summe der beiden Faktoren ergibt sich die Basis für die anteiligen Royalties, die an Viper Energy fließen - und damit in die Tasche der Aktionäre.

Dividendenkürzung ante portas?!

Und genau hier liegt momentan die Anlegerseele in Trauer. Trumps Zollkrieg hat eine Rezession in den USA sehr wahrscheinlich gemacht und eine schrumpfende US-Wirtschaft bedeutet eine sinkende Nachfrage nach Öl und Gas. Zudem ist China Trumps Hauptangriffsziel und deren Wirtschaft hat ohnehin schon zu kämpfen, so dass insgesamt auch auch global mit einem kräftigen Rückgang des Wirtschaftswachstums zu rechnen ist. Beide Faktoren belasten die Nachfrageseite und damit den Preis. Zu allem Überfluss hat jüngst auch noch die OPEC+ (zu der u.a. auch Russland gehört) eine Erhöhung ihrer Produktion beschlossen, was das Angebot erhöht. Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage, so viel hat uns Adam Smith gelehrt, und wenn das Angebot steigt bei sinkender Nachfrage ist dies der maximale Druck auf den Preis. Dem entsprechend hat der Ölpreis bereits nachgegeben und sowohl Brent als auch WTI haben neue Mehrjahrestiefs markiert. Und, wir erinnern uns, für Vipers Royalties sind Menge und Preis die beiden entscheidenden Einflussfaktoren.

Die Schlussfolgerung des Marktes ist, dass die Einnahmen bei Viper ab dem 2. Quartal sinken dürften und da rund 40 % des operativen Cashflows bzw. 60 % des Gewinns (GAAP) als Dividende auskehrt, schwanken die Dividenden von Quartal zu Quartal. Zuletzt wurde die Quartalsdividende um 6,6 % von 0,61 auf 0,65 USD je Aktie angehoben und die nächste Ausschüttung bezieht sich auf die Ergebnisse des 1. Quartals, die noch weitgehend unbelastet gewesen sein dürften, aber der Zahlung im Herbst liegen dann die zolltarifgebeutelten Quartalsergebnisse zugrunde und hier ist ein Gewinneinbruch samt Dividendenkürzung ziemlich unausweichlich. Und das schmeckt den Anlegern natürlich nicht, daher hat die Aktie in den letzten beiden Wochen kräftig gelitten.

Zurück zum Business: Viper Energy erwartet ein kräftiges Produktionswachstum, wobei die tägliche Ölproduktion von 30.000 bis 31.000 Barrel im 1. Quartal 2025 auf 48.000 Barrel im 2. Quartal ansteigen soll – auch und gerade wegen des jüngsten DiamondBack-Deals (diese Prognosen stammen allerdings noch aus der Zeit, bevor Trump seinen globalen Wirtschaftskrieg entfesselt hat). Vipers Business ist stark auf die Erschließungspläne von DiamondBack abgestimmt, da man eine Beteiligung an etwa 75 % der erwarteten Bohrungen von DiamondBack innerhalb der nächsten fünf Jahren hält.

Der Markt für Mineral Rights ist stark fragmentiert und Viper Energy tritt hier als Konsolidierer auf, vor allem im Permian Basin. Man kauft dabei nicht nur von DiamonBack Rechte ein, sondern auch von anderen Eigentümern. 

Führungswechsel

Bei DiamondBack findet nicht ein Wechsel an der Unternehmensspitze statt und der gleiche Führungswechsel wird auch bei Viper Energy vollzogen: der langjährige und erfolgreiche CEO Travis Stice wird durch Kaes Van't Hof ersetzt, den derzeitigen Präsidenten beider Unternehmen. Es wird erwartet, dass dies ein reibungsloser Übergang sein wird. Es wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis der neue CEO völlig "auf sich allein gestellt" ist und zunächst dürften keine großen Veränderungen in den Unternehmensstrategien zu erwarten sein. Dieser Führungswechsel erfolgt in einer Zeit höchster Unsicherheit und der neue CEO muss sich erst beweisen, zumal Travis Stice große Fußstapfen hinterlässt.

Meine Einschätzung

Viper Energy bietet eine differenzierte Investitionsmöglichkeit mit null Kapital- und Betriebskosten und einem dauerhaften und steigenden Cashflow-Profil. Und das wirkt sich auch auf die Dividendenzahlungen aus. Da die Übernahme der neuen Rechte von DiamondBack durch die Ausgabe neuer Aktien erfolgte, ergibt sich hieraus eine Verwässerung - auch für die Dividende, denn der Gewinn muss ja auf mehr Aktien verteilt werden. Dennoch liegt das Dividendenwachstum in den letzten 10 Jahren durchschnittlich bei 15,8 % pro Jahr, auf Sicht von 3 Jahren waren es 14,9 % und in den letzten 12 Monaten wuchs sie um 20,4 %. Doch diese beeindruckende Serie dürfte, wie erwähnt, demnächst zumindest eine vorübergehende Delle bekommen. 

Negativ wirkt sich die aufziehende Rezession in den USA aus, während dem (nicht nur) die Renaissance der Öl- und Gasförderung in den USA unter Trump entgegensteht, die die Nachfrage nach Öl und Gas ebenso erhöhen wird wie der Boom bei KI-Rechenzentren - und damit tendenziell für höhere Einnahmen bei Viper Energy sorgen dürfte und damit solide Cashflows produziert. Was Viper Energy von seinem Cashflow nicht als Dividende ausschüttet, wird in den weiteren Ankauf von Flächen bzw. Mineral Rights investiert. Und hier dürften weitere Deals anstehen - nicht nur mit DiamondBack, aber auch.

Quelle: wallstreet-online.de
Für einkommensorientierte Anleger ist Viper Energy eine attraktive Wahl mit einer wegen des Kurseinbruchs auf beeindruckende 6,75 % hochgeschnellten Dividendenrendite. Im Gegensatz zu Texas Pacific Land wird hier das Geld größtenteils in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgekehrt. Eine perfekte Ergänzung. Aber langsam... der Berechnung der Dividendenrendite liegt eine annualisierte Jahresdividende auf Basis der aktuellen Ausschüttung zugrunde und da von einer Dividendenkürzung im Jahresverlauf auszugehen ist, würde dem entsprechend auch die Dividendenrendite sinken. Man sollte hier also von eher 5 % ausgehen. Auch das ist überdurchschnittlich attraktiv mit mittel- und langfristig starken Aussichten - sofern Trumps Zollkrieg sich überwiegend als Druckmittel erweist und nicht zu einem globalen neuen Protektionismus führt mit entsprechend verheerenden Auswirkungen auf uns alle und der realen Gefahr, eine neue Weltwirtschaftskrise auszulösen. Aber dann würden alle Karten neu gemischt...

Disclaimer: Habe Texas Pacific Land, Viper Energy auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

9 Kommentare:

  1. Guten Abend Michael, vielen Dank für die ausführliche Vorstellung dieser Aktie. Hat sich so interessant angehört, dass ich noch etwas recherchiert habe (Marketscreener, Seeking...) und dann heute doch glatt mit einer kleinen Position eingestiegen bin. Bin mal gespannt, wie das Invest in fünf Jahren dasteht. Viele Grüße und Danke für deine Inspirationen Christoph

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  2. Guten Morgen Michael,
    ich finde Viper Energy auch schon länger sehr interessant.
    Kannst du mir sagen, warum der Kurs in den letzten Tagen so stark eingebrochen ist?
    Die Q1 Zahlen waren doch nicht wirklich schlecht.
    Danke im Voraus.
    VG Olli

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    1. Moin Olli,
      die letzten Zahlen waren stark - aber die bezogen sich auf Q4/2024. Die nächsten Zahlen werden ebenfalls toll sein, denn die beziehen sich auf Q1/2025. Doch danach... Anfang April startete Trump seinen Zollkrieg, der Ölpreis brach deutlich ein, eine Rezession in den USA ist nun wahrscheinlich und gerade heute gab China bekannt, 90 % seiner Öl-Importe aus den USA zu ersetzen und künftig in Kanada einzukaufen. Deshalb dürften Viper Energys Geschäftszahlen für Q3/2025 (und vermutlich auch erst in der Folgezeit) schlechter ausfallen und das dürfte auch zu einer Dividendensenkung führen. Die Börse preist diese negativen Entwicklungen und Erwartungen ein, daher ist der Kurs deutlich unter Druck.

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  3. Seltsam, dass der Kurs kaum vom Fleck kommt. Die müßten jetzt ja eigentlich riesig verdienen..

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    1. In den letzten 6 Monaten hat der Kurs fast 30% zugelegt und fette Dividenden gab's auch noch. In den 6 Monaten davor gab es einen starken Anstieg und einen scharfen Einbruch, das hat sich also eher ausgeglichen.

      Bei der aktuellen Präsentation der Deutsche Rohstoff AG wurde aufgezeigt, dass die Zahl der aktiven Bohrungen in den USA weiter rückläufig ist. Man scheut sich dort, massiv zu investieren, weil man dem Braten der erhöhten Ölpreise nicht wirklich traut. Aber der höhere preis wirkt sich natürlich trotzdem positiv aus auf Umsatz und Gewinne - und für die Inhaber der Mineral Rights damit auch in Form höher Royalties.

      Ich sehe Viper Energy weiterhin als attraktiven Royalty-Play, aber nicht als unmittelbare Kursrakete.

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  4. Konstantin23.07.26, 11:31

    Hi Michael, würdest du mir zustimmen, dass Viper aktuell attraktiver bewertet ist als TPL und LB und damit aus heutiger Sicht das bessere Chance-Risiko-Verhältnis bietet?

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    1. Moin Konstantin,
      sowohl Viper Energy als auch Texas Pacific Land und LandBridge verdienen ihr Geld mit Royaltys, aber... während TPL und LB nur geringe Dividenden ausschütten und das einbehaltene Geld u.a. in Flächenzukäufe stecken, kehrt VNOM 90% seiner ausschüttungsfähigen Gewinne als Dividenden aus - es ist daher vor allem für Dividendenjäger interessant. Da VNOM aber auch weitere Flächen akquiriert als grundlegender Teil seines Geschäftsmodells, hat das Unternehmen dafür Kapitalbedarf. Der dann über die Aufnahme von zusätzlichen Schulden finanziert wird. Dieses Muster aus hoher Dividende trotz eigenem Kapitalbedarfs fürs Kerngeschäft gefällt mir nicht wirklich (siehe auch Mutares). Denn aus Sicht der Kapitalallokation ist das eine suboptimale Strategie (vorsichtig ausgedrückt). Ich kann das natürlich bei VNOM nachvollziehen, denn Mehrheitseigentümer ist DiamondBack, die den üppigen Dividendenstrom für eigene Zwecke nutzen (wollen/müssen).

      Ich finde VNOM daher nicht attraktiver bewertet als TPL oder LB, zumal diese beiden ja diverse Einnahmequellen haben und weniger vom Ölpreis abhängen. Aber ich habe VNOM weiterhin auf meiner Watchlist, weil mir das Geschäftsmodell grundsätzlich sehr gut gefällt. Doch solange ich nicht auf höhere Dividendeneinnahmen abziele, ziehe ich TPL und LB vor.

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    2. Konstantin23.07.26, 12:30

      Hi Michael, besten Dank für deine ausführliche Antwort. Ich kann deine Argumentation gut nachvollziehen und stimme dir grundsätzlich zu. Was mich bei TPL und LB allerdings etwas verunsichert, sind die sehr hohen Bewertungsmultiples.

      Wenn ich dann zusätzlich Marktkommentare lese wie „Margin debt grew 51.5% year-over-year“ " (Quelle: https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2026/07/20/margin-debt-finra-june-2026) oder Hinweise darauf, dass das Shiller-KGV historisch sehr hohe Niveaus erreicht hat (Quelle: https://www.t-online.de/finanzen/boersen-news/id_101354676/boersen-zeigen-gefaehrliche-warnsignale-warren-buffett-warnt.html), werde ich insgesamt etwas nervös, was die Bewertung des Marktes und insbesondere hoch bewerteter Aktien angeht.

      Einen Punkt hätte ich aber noch zu Viper bzw. Diamondback: Nach meinen Informationen ist Diamondback inzwischen nicht mehr Mehrheitsaktionär, sondern hält rund 38,9 % der Stimmrechte (siehe: https://ir.viperenergy.com/node/11286/html)

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    3. Danke für die Info; dann ist DiamondBack "nur" noch bestimmender Großaktionär bei Viper Energy. ;-)

      Dass die Margen bei TPL sinken liegt an den hohen Investitionen ins Wasser Business, mit dem ja zunehmend Geld verdient wird. Aber es ist eben kein so "kapitalleichtes" Business wie Royaltys und/oder Mineral Rights etc.

      Die optisch hohe Bewertung relativiert sich, wenn man sich die Bruttomargen ansieht. Denn TPL ist weitgehend schuldenfrei und noch immer fährt man überwiegend ein Asset-light-Business. TPL könnte jederzeit den weiteren Ausbau der Wasserinfrastruktur lassen und so seine Margen schnell pushen. Diese Investitionen erfolgen nicht, weil TPL sie unternehmen muss, sondern weil sie ihr Business auf eine breitere Basis stellen. Und das mehrschichtig, denn das Wasser wird nicht nur von den ÖL- und Gasfirmen benötigt, sondern auch den potenziellen Rechenzentrenbetreibern (zur Kühlung). Und die Abwasserbehandlung ist der logische weitere Schritt in diesem Gedankengang.

      Der Blick auf einzelne Kennzahlen reicht also nicht aus, um das Geschäftsmodell und damit die Aktie zu bewerten.

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